| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Christian Kölling | |
| Originalartikel: | Kölling, C. (2006): Waldbau im Klimawandel – Eine Herausforderung für die Forstliche Standortserkundung. Forstinfo Nr. 3/2006, Seite 1-4. | |
| Online-Version: | Stand: 08.06.2006 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
| Verfügbare Sprachen: |
Druckansicht
|
|
Waldbau im Klimawandel – Eine Herausforderung für die Forstliche Standortserkundung
|
Klimaänderungen sind ein Faktum, das in Wissenschaftskreisen kaum noch strittig ist. Obwohl nicht eindeutig geklärt ist, welcher Anteil dieser Änderungen auf natürliche und welcher Anteil auf menschliche Ursachen zurückgeht, haben Veränderungen des Klimas weit reichende Auswirkungen auf die Waldstandorte und damit auf das Gedeihen der Waldbäume.
Umweltgrößen steuern das Waldwachstum
Im Begriff des forstlichen Standorts sind alle Umweltgrößen zusammengefasst, die auf Waldbäume einwirken (Abbildung 2). Zwanglos lassen sich die einzelnen Größen den Bereichen Klima und Boden zuordnen. Zum Klima gehören die Umweltgrößen Wärme, Niederschlag, Strahlung, CO2 und Stoffeintrag. Über den Boden wirken die Umweltgrößen Wasser und Nährstoffe auf das Baumwachstum.
Klimatische Größen prägen den forstlichen Standort direkt, aber auch indirekt über den Bodenwasserhaushalt. Mit dem eintretenden Klimawandel werden sich auch die Waldstandorte ändern. Als naturnahe Landbewirtschaftungsform sind Wälder viel stärker als landwirtschaftlich oder gartenbaulich genutzte Flächen dem Klima- und Standortswandel ausgeliefert. Wälder können kaum bewässert werden, die Möglichkeiten der Düngung sind begrenzt und es gibt keine Möglichkeiten, den Wald mit einem Gewächshaus vor den Unbilden der Witterung zu schützen. So ist der Wald den kommenden Ereignissen ziemlich schutzlos ausgeliefert. Gegenmaßnahmen beschränken sich daher auf eine optimale Anpassung der Waldzusammensetzung und -struktur an die veränderten Standortsbedingungen.
|
|
Abb. 2: Umweltgrößen. |
Wer sich nicht anpasst, muss weichen
Die Wälder von morgen sollten sich vor allem auf Veränderungen des Wasserhaushalts einstellen. Nach den vorliegenden Prognosen können zunehmende Trockenheit und Wärme die Bäume in arge Bedrängnis bringen. Geringere Niederschläge, eine andere Verteilung der Niederschläge über die Jahreszeiten oder ein durch mehr Wärme erhöhter Wasserverbrauch können zu Wassermangel führen. Wir müssen aber auch die Veränderungen im Blick haben, die das oft labile Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Waldbäumen betreffen.
Nicht zuletzt sollte man auch zunehmende Unwetter und andere Witterungsextreme nennen, die innerhalb kurzer Zeit über Gedeih und Verderb eines Waldes entscheiden können. Der Wald, der heute noch nach den Regeln standortsgemäßer Forstwirtschaft begründet wird, ist in wenigen Jahrzehnten vielleicht den dann herrschenden neuen Verhältnissen nicht mehr gewachsen. Es gilt schon heute, die Wälder an die möglicherweise geänderten Bedingungen von morgen anzupassen. Damit erfüllen Waldbesitzer und Forstbehörden nicht nur den Auftrag des Bayerischen Waldgesetzes nach standortsgemäßen Wäldern, sondern sie sichern alle Waldfunktionen einschließlich der Nutzungsfunktion für die Zukunft.
Im natürlichen Wald: Robuste Buche
Nach den bisherigen Prognosemodellen werden die Temperaturen
steigen und die Niederschläge abnehmen, zusätzlich wird mit einer Zunahme der
Sturmhäufigkeit und -intensität gerechnet. Die in weiten Teilen Bayerns
natürlicherweise vorherrschenden Rotbuchenwälder würden in vielen Gebieten
Bayerns auch bei höheren Temperaturen und geringeren Niederschlägen gedeihen. Als winterkahle Baumart ist die
Buche zudem in der kalten Jahreszeit wenig sturmanfällig.
Kritisch wird es nur an den Grenzen des Buchenvorkommens (Abbildung 3). An der Trockengrenze wird bei weiterer Erwärmung die Fläche natürlicher Buchenwaldgesellschaften zugunsten von Eichen-Trockenwäldern zurückgehen. An der Nässegrenze der Buche, das sind die großen Flussauen und Moorgebiete, hängt die weitere Entwicklung von der Entwicklung der Grundwasserstände und Überflutungsereignisse ab. An der Höhengrenze der Buche wird der Bergmischwald aus Buche, Tanne und Fichte sich in höhere Zonen ausdehnen und damit die Fläche der natürlichen Fichtenwälder vermindern. Der Bergmischwald selbst wird buchenreicher werden.
Die meisten natürlichen Waldgesellschaften mit Buche sind relativ gut für die kommenden Klimaänderungen gerüstet. Wenn man bedenkt, mit welchen ungünstigen Klimakonstellationen die Buche in den verschiedenen Regionen Europas jetzt schon zurechtkommt, braucht man sich nur an den Grenzen ihres Vorkommens ernste Gedanken zu machen. Aus ihrem Optimalbereich, und dazu gehört der überwiegende Teil Bayerns, wird der Klimawandel die Buche nicht vertreiben können.
|
|
Abb. 3: Die begrenzenden Größen Nässe, Trockenheit und Höhe. |
Im Wirtschaftswald: Fichte ade?
Der Wald in Bayern ist auf großer Fläche nicht natürlich aufgebaut. Aus wirtschaftlichen Gründen werden in vielen Wäldern neben den natürlichen Baumarten Wirtschaftsbaumarten, die nicht oder nicht in diesem Umfang der natürlichen Waldgesellschaft angehören, angebaut. So steht einem potenziell natürlichen Buchenanteil von ca. 50 % ein tatsächlicher Anteil von wenig mehr als 10 % gegenüber (WALENTOWSKI et al. 2004). Vor allem Fichten und Kiefern prägen weit über das natürliche Maß hinaus das Waldbild ganzer Regionen.
Weil die natürlichen Vorkommen der Fichte in kühlen und feuchten Gebirgsklimaten liegen, ist ein Anbau der Fichte außerhalb der natürlichen Vorkommen nur dann langfristig Erfolg versprechend, wenn immerhin eine gewisse Ähnlichkeit zu den kühl-feuchten Klimabedingungen der natürlichen Vorkommen im Gebirge und im hohen Norden besteht.
Mit dem laufenden Klimawandel sind in weiten Teilen Bayerns diese Voraussetzungen immer weniger gegeben. Bislang noch standortsgemäße Fichtenbestände können unter den neuen, warmtrockenen Standortsbedingungen als nicht mehr standortsgemäß gelten. lm Gegensatz dazu sind die Kiefernanbauten besser an die zu erwartenden Klimabedingungen angepasst. Ähnliches gilt für die Douglasie, während die Europäische Lärche wegen ihrer Anfälligkeit für Schadorganismen ein unsicherer Kandidat ist.
Wo es brennt: Klimabereiche
Nach dem bisher Gesagten sind die größten Auswirkungen des Klimawandels auf Standorten zu erwarten, die schon jetzt trocken und warm sind. Hier werden sich die Standortsbedingungen vor allem für den Fichtenanbau zum Schlechten hin verändern. Eine erste Übersicht über die Risikogebiete gewinnt man, wenn man die gesamte Waldfläche Bayerns in drei etwa gleich große Klimaregionen einteilt. Die einzelnen Klimagrößen Jahrestemperatur, Jahresniederschlag und Trockenheitsindex (aus dem Klimaatlas für Bayern [BAYFORKLIM 1996]) wurden nach folgender Regel kombiniert:
|
Trocken-Warm (872 577 ha) |
Mittel (757 675 ha) |
Feucht-Kalt (809 279 ha) |
|
Temperatur Vegetationszeit > 12,5 °C oder Niederschläge Mai-Oktober oder Trockenheitsindex |
alle nicht als Trocken-Warm oder Feucht-Kalt klassifizierten Flächen |
Temperatur Vegetationszeit < 12,0 °C oder Niederschläge Mai-Oktober oder Trockenheitsindex |
Nahezu alle Waldflächen Bayerns (ca. 2,4 Mio. ha) können so einer der vorstehenden Klimaregionen zugeordnet werden. Das Ergebnis der Zuordnung ist in Abbildung 4 dargestellt.
In der Klimaregion
"Trocken-Warm" werden die Auswirkungen des Klimawandels zuerst
spürbar werden. Zunehmende Trockenschäden und wachsender Insektenfraß könnten
in diesen Gebieten den Fichtenanbau so stark erschweren, dass mit ernsthaften
ökonomischen Folgen für die Waldbesitzer zu rechnen ist.
Die Klimaregion "Feucht-Kalt" verlangt zurzeit keine besondere Aufmerksamkeit, im Gegenteil werden sich in diesem Bereich durch eine Zunahme der Wärme die Wachstumsbedingungen für viele Baumarten verbessern.
In der Klimaregion "Mittel" sind derzeit die Bedingungen für den Fichtenanbau noch ziemlich günstig, die weitere Entwicklung muss aber wachsam beobachtet werden. Bei dieser Art der Einteilung muss man berücksichtigen, dass nur die regionalklimatischen Verhältnisse betrachtet werden. Abwandlungen ergeben sich durch die Lage im Gelände (z. B. Nordhang-Südhang) und durch das unterschiedliche Wasserspeichervermögen der Böden.
Was tun?
Der größte Handlungsbedarf besteht beim Umbau von bereits derzeit nicht standortgemäßen Beständen mit hohen Fichtenanteilen in der Klimaregion "Trocken-Warm" in angepasste laubholzreiche Bestände. Hier häufen sich die Schadensmeldungen und es sind große Anstrengungen erforderlich, um die Fichtenbestände bis zum Ende der Umtriebszeit zu halten. Unter veränderten Klimabedingungen wird sich die Situation schnell verschärfen. Es ist sinnvoll, Maßnahmen des Umbaus von nicht standortgerechten Fichtenbeständen zunächst auf diese Klimaregion zu konzentrieren.
In der Klimaregion "Mittel" sind die Verhältnisse derzeit noch nicht so ungünstig, dass man auf die Baumart Fichte verzichten müsste. Es sind aber gewisse Vorsichtsmaßregeln erforderlich. So sollte der Anbau auf Böden beschränkt sein, die auch für die Fichte ausreichend Wasser speichern können. Weiterhin sollte man das Risiko minimieren, indem man den Beständen ausreichend tief wurzelndes Laubholz oder Tannen beimischt, die auch die Wasservorräte tieferer Bodenschichten ausnutzen können.
In der Klimaregion "Kühl-Feucht" bestehen derzeit hinsichtlich der Wasserversorgung der Fichte keine Bedenken. Man sollte aber auch hier die Klimaentwicklung aufmerksam beobachten. In diesem Bereich stocken besonders viele Fichtenbestände auf wechselfeuchten Böden. Die Bestände sind durch möglicherweise zunehmende Sturm- und Orkanhäufigkeiten hochgradig wurfgefährdet und verlangen einen Umbau in stabilere laubholz- oder tannenbetonte Waldaufbauformen.
|
|
Abb. 4: Hauptklimaregionen Bayerns. |
Neue Probleme – alte Standortskarten
Bis in die jüngste Vergangenheit ist man davon ausgegangen,
dass die Forstliche Standortserkundung weitgehend unveränderliche Umweltgrößen
erfasst. Ein Großteil der Fläche in allen Waldbesitzarten wurde bislang
kartiert und man unterstellte eine nahezu "ewige" Gültigkeit der Karten
und Operate. Mittlerweile weiß man, dass auch die in der Standortserkundung
erfassten Umweltgrößen einem Wandel unterworfen sein können. So führt die
bevorstehende Klimaveränderung zur Erkenntnis, dass auch auf Langfristigkeit
angelegte Standortserkundungen aktualisiert werden müssen, wenn sie weiterhin
ihre Gültigkeit als zentrale Entscheidungsgrundlage im Forstbetrieb behalten
sollen.
Bei der Erfassung des Wasserhaushalts wird dies besonders deutlich: Über die Niederschläge gelangt das Wasser in die Waldböden. Hier wird es zwischengespeichert und von den Bäumen dem durchwurzelten Boden wieder entzogen. Je wärmer es ist, desto mehr Wasser wird von den Bäumen verbraucht. Dies geht so lange, bis der Bodenspeicher leer ist. Dann stellen die Bäume die Wasserentnahme und die Holzproduktion ein, bis der Boden durch neue Niederschläge wieder befeuchtet wird. Kleine Veränderungen in Menge und Abfolge der Niederschlagsereignisse und temperaturbedingte Veränderungen im Wasserbedarf der Bäume können dazu führen, dass der Bodenvorrat an Wasser häufig nicht mehr ausreicht.
In den vorliegenden Standortskarten ist der Wasserhaushalt der Waldstandorte aufgrund der derzeit wirkenden Eingangsgrößen bestimmt worden. Klimabedingte Veränderungen der Eingangsgrößen führen zu einer Neubewertung des Wasserhaushalts. Weitere Abwandlungen ergeben sich durch das unterschiedliche Durchwurzelungsvermögen der Baumarten. Mit Hilfe von Computermodellen kann man abschätzen, welche Anpassungen der Karten und Operate nötig sind.
Grenzen des Wissens
Unser Wissen über die Folgen des Klimawandels beruht größtenteils auf relativ unscharfen und globalen Prognosen. Um sich im Forstbetrieb auf die kommenden Ereignisse einzustellen, müssten diese Prognosen regional verfeinert werden und es müssten die Wechselwirkungen mit den unterschiedlichsten Waldstandorten geprüft werden. Regionale Klimamodellierungen werden von Instituten wie z. B. dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Bereich Atmosphärische Umweltforschung – in Garmisch-Partenkirchen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Modelle kann man wiederum als Ausgangspunkt für modellhafte Betrachtungen des Wasserhaushalts der verschiedenen Waldstandorte verwenden. Mit ähnlichen Methoden kann man auch das veränderte Sturmwurfrisiko schätzen und bewerten.
Sowohl für die Modellrechnungen als auch für die Aktualisierung der Standortskarten ist die moderne Datenverarbeitung unerlässlich. Bei allen Modellbetrachtungen muss man sich im Klaren sein, dass sie mit großen Unsicherheiten und Unschärfen verbunden sind. Immerhin lassen sich auf diese Weise die Risiken besser eingrenzen.
Anmerkung des Staatsministeriums:
Aufgrund der langen Produktionszeiträume in der Forstwirtschaft ist es wichtig, mit geeigneten Strategien auf den prognostizierten Klimawandel zu reagieren. Gerade bei der Baumartenwahl und damit bei der Festlegung von Verjüngungszielen werden die entscheidenden Weichen gestellt. Wie im vorstehenden Artikel dargestellt, können computergestützte Wasserhaushaltsmodelle auf Basis regionaler Klimaprognosen wertvolle Entscheidungshilfen bieten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Standortkarten in digitaler Form vorliegen. Damit können die Anpassungen kostengünstig und flexibel durchgeführt werden. Aufwändige Kartierarbeiten im Gelände sind daher nicht nötig. Mit dem Projekt "Standortinformationssystem", das die LWF und die BaySF gemeinsam durchführen, wird dieser Ansatz für den Staatswald bereits umgesetzt.
Referat Waldbau und Nachhaltssicherung, Staatsministerium
Wissen ermöglicht Anpassung
Ob das ehrgeizige Ziel der Aktualisierung der Standortskarten erreicht werden kann, hängt nicht zuletzt von den forstpolitischen Rahmenbedingungen ab. Gewiss sind nach den Erkenntnissen über den Klimawandel aktualisierte Standortskarten eine sinnvolle Investition in die Zukunft.
Aufgrund des hohen öffentlichen Interesses an der Erhaltung funktionstüchtiger Wälder sollte die Last dieser Investition nicht allein von den Waldbesitzern getragen werden, sondern als gemeinsame Aufgabe von Waldbesitzern und Forstverwaltung verstanden werden. Vom Rückfluss der investierten Mittel profitieren Waldbesitzer und Allgemeinheit gleichermaßen.
Solange aber die Aktualisierungen noch nicht vorliegen, bleibt den Waldbesitzern nichts anderes übrig, als nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln. In den meisten Fällen sind naturnah bewirtschafte Wälder, die mehrheitlich aus den Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft aufgebaut sind, eine gute Versicherung für die Zukunft. Dies gilt besonders für den Optimalbereich der meisten Buchenwaldgesellschaften.
Auch hier ist die Standortserkundung gefragt, denn sie gibt den Waldbesitzern Informationen, welche Baumarten auf welchen Standorten derzeit die natürliche Waldgesellschaft bilden. So kann jeder Waldbesitzer Vorsorge gegen die Folgen des Klimawandels treffen, indem er den Waldaufbau den natürlichen Verhältnissen anpasst. Diese Vorsorge wird umso wirkungsvoller sein, je besser die Informationen über die Waldstandorte sind. Nur der optimal an die herrschenden und zukünftigen Umweltbedingungen angepasste, naturnah aufgebaute Wald wird die kommenden unsicheren Zeiten überstehen.
Kontakt
Wenn Sie Fragen zu diesem Beitrag haben, wenden Sie sich bitte an unseren zuständigen Fachexperten.
- Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?
| sehr interessant interessant weniger interessant nicht interessant |
Durchschnittliche Bewertung dieses Beitrags:
43 Bewertung(en)
|
- Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Beitrag.
| 08.03.2008 | Verfasser muck |
| Heikle Suche nach geeigneten Douglasienherkünften übertrieben? | |
| Sehr geehrter Herr Kölling, eigentlich beziehe ich mich nicht direkt auf diesen Artikel hier, sondern mehr auf den Beitrag "Die Douglasie im Klimawandel: Gegenwärtige und zukünftige Anbaubedingungen in Bayern" von Ihnen im LWFWissen Nr. 59 02/2008 (http://www.lwf.bayern.de/veroeffentlichungen/lwf-wissen/59.php). Da aber der Beitrag hier "Waldbau im Klimawandel– Eine Herausforderung für die Forstliche Standortserkundung" auf waldwissen.net ihr neuester Beitrag ist und ebenfalls zum Thema passt, füge ich meine Anmerkung eben an dieser Stelle ein. Ich bin ein kleiner privater Waldbesitzer und kein Wissenschaftler. Trotzdem versuche ich die wissenschaftliche Diskussion so weit als möglich mit zu verfolgen. Im oben erwähnten Beitrag aus LWFWissen nennen Sie eine ganze Reihe wichtiger Punkte, die bei einem wissenschaftlich fundierten "klimafesten" Anbau der Douglasie in Bayern zu beachten sind. Insgesamt sind auch meiner Meinung nach alle genannten Schwierigkeiten und Bedenken gerechtfertigt. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Sie die Lage aus praktischer Sicht heraus ein wenig zu heikel sehen. Denn auch aus Ihren Ausführungen geht ja klar hervor, dass die Douglasie im deutschen Flachland trotz aller Probleme in allen Punkten immer noch weniger heikel und trotzdem selbst bei suboptimalen Bedingungen immer noch ertragreicher ist als die Fichte. Salopp gesagt erscheint es mir so, als wäre bei einer halbwegs verantwortungsvollen Auswahl der Herkunft die Douglasie jetzt und in Zukunft an jedem derzeitigen Fichtenstandort immer noch risikoärmer und ertragreicher zugleich als die Fichte. Und im Flachland ist sowohl die Fichte also auch die Douglasie so oder so ein „unnatürlicher, künstlicher“ Gast, weshalb das Argument der „bewährten heimischen“ Art aus meiner Sicht nicht greift. Die Fichte wird in Deutschland auf großen Flächen nach wie vor auch in Zukunft dominieren und eigentlich nirgends komplett in Frage gestellt (von einigen extremeren Standorten wie z.B. in Mittelfranken mal abgesehen). Selbst wenn in einigen Jahrzehnten überall die geplanten Umbaumaßnahmen hin zu Mischwäldern umgesetzt sein werden, wird der Fichtenanteil im deutschen Flachland sicher noch ein Vielfaches des derzeit geplanten Douglasienanteils betragen. Gleichzeitig wird aber nirgends derart vorsichtig und zurückhaltend über die Eignung der Fichte gesprochen, wie Sie es über die Eignung der Douglasie tun. Und das, obwohl meiner Meinung nach die Gefahren durch die von Ihnen beschriebenen Auswirkungen des Klimawandels bei der Fichte viel, viel größer sein dürften, als bei der Douglasie. Entweder werden also die Gefahren im Umgang mit der Fichte bezüglich des Klimawandels in der deutschen Forstwirtschaft derzeit völlig unterschätzt, oder Sie sind etwas zu pessimistisch hinsichtlich eines praktikablen Umgangs mit der Douglasie. Ich meine, wer heute im deutschen Flachland noch Fichte anbaut, braucht sich über einen zusätzlichen Anbau der Douglasie eigentlich überhaupt keine grauen Haare wachsen lassen, sondern kann beherzt zugreifen und wird immer gewinnen, selbst wenn er nicht die vollkommen optimale Herkunft erwischt. Mit freundlichen Grüßen muck |
|
| Kommentar beantworten |
| 02.04.2008 | Verfasser patsibubu |
| Douglasie / Fichte | |
| Sehr geehrter Herr Muck, unten finden Sie eine Fülle von Links. In den dort hinterlegten Dokumenten können Sie nachlesen, dass die Fichte die Nummer 1 bei den gefährdeten Baumarten ist. Die Douglasie ist auf vielen Fichtenstandorten die bessere Alternative, jedoch sollten die Probleme, die der Anbau einer Baumart fernab ihres natürlichen Vorkommens mit sich bringt, nicht verschwiegen werden. Beste Grüße Christian Kölling Links zu Voträgen: http://download.dlg.org/pdf/wita2008/Koelling.pdf Wälder im Klimawandel: Einwirkung, Anfälligkeit, Anpassung http://www.stmlf.bayern.de/agrarpolitik/aktuell/24609/linkurl_0_9_0_5.pdf www.alf-ts.bayern.de/forstwirtschaft/26790/linkurl_0_2.pdf Standort- und Klimaverhältnisse für die Douglasie in Bayern Meine Publikationen zum Klimawandel/Wald, z.T. zum Download: http://www.lwf.bayern.de/organisation/mitarbeiter-verzeichnis/koe.php http://www.wbv-kelheim-thaldorf.de/holzfuchs2008/nr23web.pdf Klimahüllen: http://www.lwf.bayern.de/oekosystem_wald/bodenschutz/ http://ww997.wb09.de/docs/arbeitsgruppe/ag_klimawandel.html Welche Baumarten überstehen den Klimawandel? http://download.dlg.org/pdf/wita2008/KF_Koelling.pdf Anpassung an Klimaänderungen in Deutschland |
|
| Kommentar beantworten |
| 01.05.2008 | Verfasser Ernst |
| Regenwürmer im Wirtschaftswaldboden | |
| Sehr geehrter Herr Kölling Ich bin ein kleiner Privatwaldbesitzer der schon vor 35 Jahren ein Tannensterben hatte. Die Forstlichen sagten damals an diesem Standort gibt es in zehn Jahren keine Tannen mehr, heute stehen immer noch Tannen in meinem kleinen Wald. Vor über zwanzig Jahren habe ich gelesen das Regenwürmer die Nadeln der Koniferen, Buchen- und Eichenlaub nicht anrühren. Das Eschen-, Erlen- und Birkenlaub wird von den Regenwürmer bevorzug, das Laub der ändern Laubbäume ist ein gutes Futter für die Regenwürmer. Ich als kleiner Waldbesitzer musste zuerst lernen das die Fachpersonen die sich mit Waldwirtschaft befassen gar keine Ahnung von den Regenwürmer haben. Darum werden solche Massnahmen vorgeschlagen Fichten durch Douglasien zuersetzen oder reine Buchenbestände aufzubauen.In diesen Beständen bleibt alles beim alten, die unabgebaute Nadel- oder Buchenlaubstreu bleibt bestehen. Stehen diese Bestände in einem Gebiet wo wenig Niederschlag fällt kommt gar kein Wasser zu den Wurzeln. In diesen Beständen ist das Bodenleben abgestellt es werden keine Nährstoffe dauernd produziert die von den Bäumen dringend gebraucht werden. Für mich ist das nicht nachvollziehbar das Fachpersonen die sich mit Waldwirtschaft befassen die Regenwürmer im Wirtschaftswaldboden gar nicht beachten. Das der Ausstoss von Schadstoffen reduziert werden muss bin ich einverstanden. Beim Waldbewirtschaften bleib ich bei meiner Betriebsmethode abgestufter Bestand mit beigemischten Bäumen dessen Laub zur Nahrung der anektischen Regenwürmer gehört. Im Jahr 2003 als bei uns in drei Monaten vierzig Liter Regen in drei Monaten herunterkamen sind um meinen Bestand die reinen Fichtenbestände vom Käfer weggeräumt worden. Die Fichte wird auch in der Zukunft bei uns wachsen, werden Baumarten beigemischt die den organischen Teil des Wirtschatswaldboden fördern. Freundlich grüsst Ernst |
|
| Kommentar beantworten |
| 13.05.2008 | Verfasser muck |
| Re: Regenwürmer im Wirtschaftswaldboden | |
| Hallo Ernst, ich bin ja wie Sie auch ein kleiner Waldbesitzer, sehe die Sache aber nicht so kritisch wie Sie. Zur Tanne: Damals (Waldsterben!) waren alle erschreckt und keiner konnte wissen, wie es weiter ging. Heute weiß man, dass die Tanne immer wieder mal Phasen hat, in denen sie schwächelt. Hinzu kommt, dass die Tannenherkünfte in Deutschland wegen der Aus- und Wiedereinwanderung vor und nach der Eiszeit genetisch verarmt sind und daher besonders anfällig gegenüber bestimmten Einflüssen sind. Die Tanne wird also sicher nicht aussterben und weiterhin ein vom Holz ebenso wegen ihrer Fähigkeit tief zu wurzeln auch von ökologischer Seite her ein sehr wertvoller Baum unserer Wälder bleiben. Es ist dennoch nicht auszuschließen, dass auch wieder Schwächephasen kommen. Zu den Regenwürmern: Es gibt viele verschiedene Arten, zu behaupten, keine dieser Arten würde sich mit Buchen- und Eichenlaub abgeben, halte ich für gewagt. Gerade der Boden unter Buchenwäldern ist oft besonders wertvoll, Stichwort Mullauflage! Und selbst wenn, in Amerika gibt es von Natur aus überhaupt keine der bei uns so verbreiteten Regenwurmarten und trotzdem wachsen dort vielfältige Wälder! Was die Regenwürmer nicht schaffen, machen dann halt andere Tierarten. Dazu habe ich über google und den Suchbegriff "buchenstreu" übrigens folgenden interessanten Artikel gefunden: http://www.lwf.bayern.de/imperia/md/content/lwf-internet/veroeffentlichungen/lwf-wissen/33/lwf_wissen_33_05.pdf Egal wie, Douglasienstreu ist sicherlich besser als Fichtenstreu und die Buche würde in Deutschland von Natur aus alles bedecken, ob Regenwürmern das gefällt oder nicht. Somit würde ich den Aufbau von Buchenwäldern hier unkritisch sehen. Und soweit ich weiß, werden überall MISCHwälder und keine Reinbestände angestrebt, gerade von Seiten der staatlichen Forstbetriebe, ihr Vorwurf gegen die "Forstlichen" sie würden nur Monokulturen anbauen ist also ebenfalls sehr gewagt! Im Gegenteil, sie tun doch gerade genau das, was Sie selbst für Ihren Wald auch für richtig erachten (Mischwald). Und was die Fichte betrifft, sie wird selbstverständlich weiterwachsen - in den Mittelgebirgen, Hochlagen und da wo es feucht ist. Wenn aber die Witterung weiterhin so warm und trocken bleibt wie in den letzten 10 Jahren, wird sie in den trocken-warmen Gegenden nicht flächig überleben, schauen Sie sich nur mal in den Tieflagen von Nordbayern (Mittel und Unterfranken) um. Und das hat nichts mit den Regenwürmern zu tun, da bin ich sicher. Viele Grüße und viel Erfolg mit ihrem Wald! muck |
|
| Kommentar beantworten |
| 18.05.2008 | Verfasser Ernst |
| Regenwürmer im Wirtschaftswaldboden | |
Guten Tag muck Im Jahr 1984 sagte ich die Baumbestände sterben nicht nur wegen der Luftverschmutzung auch die einseitigen Bestände sind daran schuld und das die Regenwürmer im Waldboden fehlen. Eine Naturzeitschrift hat das in der Deutschsprachigen Schweiz veröffentlicht, die Briefe die mir von Forstlichen zugestellt wurden waren nicht freundlich. Die Aussagen die damals von Forstfachleuten gemacht wurden sind nicht eingetroffen. Die Fachleute machten sogar die Aussage für die Schäden an den Baumbeständen seien nur die Schadstoffe schuld, die unserer Gesellschaft produziert. Diese Fachleute haben Heute doch ein Problem, an den gemachten Aussagen müssen Sie doch festhalten. Die Glaubwürdigkeit steht doch auf dem Spiel. Da hab ich es doch besser ich kann mich für die Reduzierung der Schadstoffe einsetzen und für bessere Bedingungen für die Regenwürmer im Wirtschaftswaldboden. Aus Erfahrung weiss ich das Forstliche die sich für strukturierte Wälder einsetzen ein Wissen über den Aufbau dieser Wirtschaftswälder haben, das für die Zukunft von grossen Nutzen ist. Es gibt auch Forstfachleute die im mineralischen Teil des Wirtschaftwaldboden ein sehr gutes Wissen haben. Der organische Teil des Wirtschaftswaldboden besteht aus Humus, Pflanzenwurzeln und Bodenleben auch Edaphon genannt.Das Edaphon besteht wieder aus Pilzen, Bakterien, Regenwürmer, Makrofauna und Mesofauna grob gesagt. Auch in Deutschland wie in der Schweiz funktioniert das Edaphon im Wirtschaftswaldboden ohne Regenwürmer nicht. Die Regenwürmer muss man in drei ökologische Gruppen einteilen, ein habe ich schon erwähnt. Werden jetzt Baumbestände gefördert die das Nahrungsnetz der anektischen Regenwürmer nicht beachtet, diese Bestände werden in Zukunft doch noch schneller zerstört. Hier noch eine Adresse wo man etwas über Regenwürmer lesen kann. www.regenwurm.ch/files/downloadfiles/DOWNLOADS/Dokument1.pdf In Deutschland müssen in Dauerbuchenwälder die Buchen in dünneren Durchmesser gefällt werden wegen dem sogenannten Braunkern. Das in Deutschland von Natur aus nur reine Buchenbestände wachsen würden glaub ich nicht. Warum gibt es dann so viele Baumarten? In Brasilien werden die Regenwälder mit Unterstützung der meisten Politiker umgehackt. Bei einem Klimawandel und der kommt haben nicht nur die Bäume Probleme, den Menschen wird es dann auch nicht besser gehen. Ich kann nur noch sagen das Pferd kann ich zur Tränke führen das Wasser muss das Pferd selber trinken. Wir können uns in zwanzig Jahren wieder treffen und dann wissen wir mehr. Gruss Ernst |
|
| Kommentar beantworten |
| 31.05.2008 | Verfasser Ernst |
| Esche, Bergahorn und Hainbuche | |
Hallo muckl Habe den Bericht über Zersetzer und ihre Leistung: Buche - Fichte- Douglasie von Kerstin Engel gelesen. Frau Kerstin Engel schreibt die Streu von Esche, Bergahorn und Hainbuche wird sehr gut abgebaut. Warum dann Mischbestände anstreben mit 70 % Fichte und 30 % Buche? Bin sicher Frau Kerstin Engel will sich auch nicht mit den Regenwürmer im Ökosystem Wirtschaftswaldboden befassen Gruss Ernst |
|
| Kommentar beantworten |


