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Originalartikel: Streckfuß, M. (2008): Dossier Urbaner Waldbesitz.
Autor(en): Michael Streckfuß
Online-Version: Stand: 30.09.2008
Redaktion: LWF, D

Dossier Urbaner Waldbesitz

Der Lebensstil heutiger Kleinwaldbesitzer wird urbaner. Oft sinken dann Kompetenz und Motivation, den Wald zu bewirtschaften. Die Folge sind steigende Risiken durch Pflegerückstände und fallende Renditen. Spezielle Dienstleistungsangebote können da ganz neue Perspektiven eröffnen.

Vollkommen geastetes aber ungeläutertes Fichtenstangenholz
Abb. 1: Der Pflegezustand dieses Fichten-Stangenholzes entspricht sicher nicht der reinen Lehre, doch offensichtlich wird er wenigstens intensiv betreut, was im keine Selbstverständlichkeit ist (Foto: M. Streckfuß).

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft betrifft auch die kleineren Waldeigentümer, die meist ebenfalls Landwirte sind. Viele Betriebe werden aufgegeben oder nur noch im Nebenerwerb geführt, Flächen werden vererbt oder veräußert. Die Haupteinnahmequelle der Eigentümer liegt immer öfter außerhalb der Landwirtschaft und führt zu neuen sozialen Strukturen und einem weniger traditionellen Lebensstil. Hinzu kommen veränderte Marktbedingungen, neue Technologien und hohe Anforderungen seitens der Holzabnehmer und der Gesellschaft. Das alles überfordert so manchen Kleinwaldbesitzer und hat zur Folge, dass auf solchen Flächen Pflegerückstände entstehen und sogar ganze Betriebe beginnen, der Entwicklung hinterherzuhinken.

"Urbanisierung" der Waldbesitzer

Im Extremfall wird diese Tatsache gar nicht bemerkt oder ignoriert, etwa wenn der Betrieb oder Waldbesitz durch Vererben an eine Generation gerät, die zuvor keinen praktischen Bezug dazu hatte und womöglich noch nicht einmal in der Nähe des Besitzes lebt. Oft wissen die neuen Eigentümer dann nur wenig über ihre Möglichkeiten, von den Pflichten und Haftungsfragen ganz zu schweigen.

Bei dieser neuen Generation von Waldbesitzern spricht man vom so genannten "urbanen Waldbesitzer". Mit "urban" ist weniger ein städtischer Wohnort, sondern der entsprechende Wandel im Lebensstil gemeint. Je urbaner jemand lebt, desto weniger ist sein Lebensstil ländlich-traditionell. Der urbane Waldbesitzer will oder muss nicht mehr von seinem Wald leben – stattdessen ist Erholung und Erleben im Wald wichtiger. Sofern er überhaupt betreten wird. Schon die Umstellung von einem Haupt- in einen Nebenerwerbsbetrieb kann zur schleichenden "Urbanisierung" des Besitzers führen.

Die Konsequenz ist allmählich eine fachliche Entfremdung zwischen Eigentümer und Wald. Sie kann einen Teufelskreis bis hin zur Abwertung des Waldbesitzes in Gang setzen. Denn eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit gefolgt von falscher oder gar ausbleibender Waldbewirtschaftung erzeugt teure Pflegerückstände. Diese hemmen die Motivation, die Renditen sinken weiter und die wirtschaftlichen Risiken steigen.

Delegation an Fachleute

Dabei müsste das gar nicht sein – über die bestehenden Zusammenschlüsse und bereits bewährte Waldbewirtschaftungs- oder Beratungsverträge ließe sich der Waldbesitz rentabel erhalten, ohne dass der Waldbesitzer seine Lebensumstände verändern oder den Wald veräußern müsste. Zusammenschlüsse können wirtschaftlicher arbeiten, so dass der Waldbesitzer trotz eigener fachlicher Defizite und kleiner Flächen profitabel am Markt teilnehmen kann. Zudem findet er fachliche Unterstützung, wenn dringender Handlungsbedarf bei Kalamitäten oder anderen Schadereignissen entsteht.

Es sollten aber beide Seiten aufeinander zugehen und insbesondere die Zusammenschlüsse und Dienstleister müssten der neuen Kundschaft aktiver als bisher passende Angebote machen. Denn viele Kleinwaldbesitzer zögern, die Bewirtschaftungskompetenz ganz oder teilweise abzugeben. Die Überzeugungsarbeit dürfte sich aber lohnen – das Geschäft ist chancenreich und staatliche Stellen ziehen sich verstärkt aus diesem Feld zurück.

Holzmobilisierung

Holzabnehmer und Gesellschaft sind sehr daran interessiert, den "urbanisierten" Waldbesitz zu erschließen, Stichwort Holzmobilisierung. Auch hier kann eine für beide Seiten wirtschaftliche Lösung aus einer Kooperation zwischen Holzindustrie und den Zusammenschlüssen bestehen.

Vorteile bei der Mobilisierung dieses Holzes sind zum einen die Deckung des Holzbedarfs der Holzindustrie. Schließlich sind gerade die Waldflächen im Kleinprivatwald mit ihren oft hohen Vorräten eine attraktive Holzquelle vor Ort. Zum anderen die Erhaltung einer gepflegten (Wald-)Kulturlandschaft. Schon das ist in Tourismusregionen ein echter Wirtschaftsfaktor. Und der regionale Holzmarkt erhält seinerseits Arbeitsplätze oder schafft sogar neue. Nicht zuletzt hat die Forstwirtschaft als Ganzes ein Interesse daran, überhöhte und damit aus Sicht der Forsthygiene und des Risikomanagements kritische Durchforstungsrückstände abzubauen.

Bedürfnisse des Kleinwaldbesitzers bedienen

Letztlich müssen bei allen Lösungsansätzen rund um den "urbanen Waldbesitz" die Bedürfnisse dieser Klientel erkundet und gezielt bedient werden. Mit Hilfe von Testbetriebsnetzen und Forschungsarbeiten wird bereits versucht, die Informationsdefizite über das noch "unbekannte Wesen" dieser Betriebe zu beheben.

Die folgenden Dokumente geben eine Übersicht über die Facetten des urbanen Waldbesitzes.