Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Manuel Karopka

zur FVA Homepage

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldnaturschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 181
Fax: +49 761 4018 333

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Manuel Karopka, Stephanie Eckhardt und Katharina Töpfner
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 52.052.052.052.052.0 (55)

Das forstliche Versuchsgelände Liliental – Naherholungsgebiet und Publikumsmagnet

Das Versuchsgelände Liliental im Kaiserstuhl gehört seit 1958 zur FVA Baden-Württemberg und umfasst eine Größe von knapp 80 ha. Die Abteilung Waldökologie bewirtschaftet dort auf 25 ha Samenplantagen, auf 13 ha ein Arboretum und auf gut 30 ha Herkunfts- und Anbauversuche mit heimischen und exotischen Baumarten, die Fragen der Provenienzforschung und des Klimawandels dienen. Die übrigen 12 ha sind nicht bewirtschaftete Trockenrasengesellschaften, Böschungen und Brachflächen.

Das Kaiserstuhlgebiet ist eine der wärmsten Regionen Deutschlands und entsprechend gestaltet sich die natürlich Vegetation. Im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung und dem Offenhalten der Flächen im Versuchsgelände hat sich im Liliental in über vier Jahrzehnten eine Flora (Schwerpunkt Orchideen) herausgebildet, die deutschlandweit einzigartig ist. So sind innerhalb des Versuchsgeländes Vorkommen von 21 Orchideenarten nachgewiesen und seltene Arten wie Kaiserstuhl-Annemone und Küchenschelle finden hier ein Refugium.

Waldpädagogische Pionierarbeit

Arboretum im Liliental
Abb. 2: Arboretum im Liliental. (Fotos: FVA)

Das mit zahlreichen Wegen gut erschlossene Gelände ist parkartig und weitläufig angelegt. Die Öffentlichkeitsarbeit und Information der Besucher waren bei der Begründung des Versuchsgeländes Ende der 50er Jahre von Anfang an ein Hauptaspekt der Gestaltung und Planung.

Zwei Wandertafeln und zahlreiche Schilder mit Erläuterungstexten informieren über Versuche und Pflanzen. Dieser besondere Charakter des Geländes spiegelt sich in den seit Jahren stetig steigenden Besucherzahlen wieder. Detaillierte Informationen für die Öffentlichkeit und eine aktuelle Kartierung der Orchideenvorkommen sind in der Broschüre "Das Liliental – Kleinod am Kaiserstuhl" veröffentlicht. Die Broschüre kann über die FVA bezogen werden.

Das Versuchsgelände Liliental wird von der FVA aus verwaltet und von einem FVA-Mitarbeiter sowie zwei Zivildienstleistenden vor Ort fachlich betreut und gepflegt. Hoheitliche Belange obliegen der unteren Forstbehörde Breisgau-Hochschwarzwald.

Evaluation der Besucherstruktur

Über die Anzahl und Struktur der Besucher und Besuchergruppen war der FVA bislang nur wenig bekannt. 2007 wurde daher zusammen mit der Fachhochschule Freising, Lehrstuhl für Waldpädagogik, eine Diplomarbeit durchgeführt, welche die Evaluation der Besucherstruktur zum Thema hatte. Ziel der Arbeit war es, mittels Besucherzählungen und -befragungen einen Überblick über die Anzahl der jährlichen Besuche, deren Motivation und die Zufriedenheit der Besucher zu erhalten. Die Arbeit sollte weiterhin Hinweis darauf geben, inwieweit das Liliental als wissenschaftliches Versuchsgelände einer Forschungseinrichtung von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Die Zählung der Besucher wurde mittels einem Lichtschranken- und Bewegungsmeldersystem durchgeführt. Unterstützend und zur Verifizierung der Messdaten wurden an 3 Tagen Besucherzählungen durch Zivildienstleistende durchgeführt. Die Befragung der Besucher erfolgte anhand von Fragebögen mittels Direktansprache durch die Diplomantin. Zusätzlich konnten die Besucher Fragebögen selbstständig ausfüllen. An den beiden Hauptzugängen im Gelände standen "Briefkästen" zum Entnehmen und Abgeben von Fragebögen.

Besucherzählung und Lichtschranken

Das Lichtschrankensystem wurde an einer Stelle aufgebaut, die hauptsächlich als Durchgang in den östlichen Teil des Lilientales benutzt wird. Die beiden Hauptzugänge rechts und links der Parkanlage wurden mit zeitverzögerten Bewegungsmeldern erfasst. Die Zeitverzögerung von 5 Sekunden sollte Mehrfachbewegungen durch ein und dieselbe Person ausschließen. Die Messungen wurden vom Juni bis Oktober 2007 durchgeführt. Im Messzeitraum wurden an den 3 Schranken- und Bewegungsmeldersystemen ca. 27.600 Bewegungen gezählt. Auf ein Jahr hochgerechnet ergibt das ca. 66.300 Bewegungen, die mit Personenbegängen/Besuchen gleichgesetzt werden können. Das entspricht durchschnittlich 181 Besuchern täglich. Dieser Wert ist eher als niedrig einzustufen, denn vom Bewegungsmeldersystem wurden wegen der Messverzögerung auch Personengruppen als Einzelbewegungen registriert. Weiterhin ist die Frühjahrsaison mit ihrer Orchideenblüte erfahrungsgemäß die besucherstärkste Zeit, die hier jedoch vor dem Messzeitraum der Diplomarbeit lag.

Besucherbefragung und Ergebnisse

Mit den Fragebögen konnten ca. 1.100 Besucher angesprochen werden. Das entspricht etwa 1,67 % der jährlichen Besucher. Es wurden 18 Fragen mit folgenden Schwerpunktthemen gestellt:

  • Art der Anreise
  • Alter der Besucher
  • Entfernung des Wohnortes, Herkunft
  • Häufigkeit des Besuches
  • Anliegen des Besuches, Interessenschwerpunkt
  • Kenntnisse über Funktion des Geländes
  • Wünsche und Anregungen

Ca. 53 % der Besucher kommen aus dem Nahbereich bis ca. 25 km Entfernung. Über 20 % sind jedoch Fernanreisende, die meist in Zusammenhang mit Urlaubsreisen kommen. Die meisten der Besucher aus dem Nahbereich kennen das Versuchsgelände Liliental bereits seit Jahren, ca. 20 % sind durch Medien und Literatur darauf aufmerksam geworden

Die Häufigkeit der Besuche variiert von erstmals (31 %) über gelegentlich (11 %), regelmäßig 1–3 mal jährlich (25 %), regelmäßig 4–10 mal jährlich (15 %) bis hin zu wöchentlich und öfter (18 %). Die überwiegende Anzahl der Besucher reist mit dem PKW an, was die seit vielen Jahren prekäre Parkplatzsituation bestätigt. An besucherstarken Tagen ist demnach mit über 400 Fahrzeugbewegungen über den Tagesverlauf zu rechnen.

Die Altersgruppe der 46–65-jährigen ist mit über 42 % am häufigsten vertreten. 19,2 % der Besucher sind über 65 Jahre, 31 % 26–45 Jahre alt. Der Anteil der Kinder unter 14 Jahren ist mit 4,5 % relativ gering.

Als Motivation das Liliental zu besuchen, geben 26 % der Besucher berufliche, 35 % der Besucher private Interesse an der Natur an. Über 10 % kommen zum Freizeitsport ins Liliental. Wandergaststätte und Spielplatz sind laut Fragebögen für 12,5 % der Besucher ein Hauptgrund das Liliental zu besuchen. 48 % aller Befragten geben als Interessenschwerpunkt Bäume und Arboretum an, weitere 18 % interessieren sich speziell für die Orchideenflora.

Die Frage, wer für die Unterhaltung und Bewirtschaftung des Lilientals verantwortlich ist, konnte frei formuliert werden und wurde nicht von allen Befragten beantwortet. Dennoch verbinden 21 % der Befragten das Liliental mit der FVA. Weitere 27 % sehen die Verantwortlichkeit allgemein beim "Forst" angesiedelt und 34 % der Besucher beantworteten die Frage nicht.

Zusammenfassend konnte der Informationsgehalt der gesamten Einrichtung bewertet werden. Fast 70 % der Besucher empfinden diesen als genau richtig, 27 % hätten gerne mehr Informationen und nur 1,2 % der Besucher empfinden die Informationsmenge als zu hoch.

Fazit

Das Versuchsgelände Liliental wird jährlich von deutlich mehr 66.000 Besuchern begangen, deren Hauptmotivation Erholung und Weiterbildung im Bereich Natur und Forst ist. Bedingt durch die einzigartige Kombination von bewirtschafteten Versuchflächen und landschaftstypischer Flora ist hier von der FVA ein Erholungs- und Bildungsraum geschaffen worden, der weit über die Landesgrenzen hinauswirkt. Die FVA hat hier ein großes Potential Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, das es als Aushängeschild für ForstBW zu erhalten und weiter zu optimieren gilt.

Link

  • Detaillierte Informationen zu den einzelnen Flächen und Versuchen erhalten Sie über die Webseite der FVA.