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Artikel

Autor(en): Hildegard Klessig
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Waldkindergarten Brummkreisel – Schmutzig machen erlaubt!

Interview mit Erzieherin Konstanze Mannott

Konstanze Mannott
Abb. 1: Konstanze Mannott ist Erzieherin im Waldkindergarten Brummkreisel und leitet die Gruppe der Bärenkinder (Foto: F. Gutjahr).
 
 
Kinder erobern den Wald und die Baumkronen
Abb. 2: Ausgestattet mit wetterfester und strapazierfähiger Kleidung erobern die Kinder den Wald und machen selbst vor luftigen Baumkronen nicht halt (Foto: U. Blum).
 
 
Auch Schnee und Kälte sind kein Hindernis
Abb. 3: Weder Schnee noch Minustemperaturen können die Bärenkinder davon abhalten, im Wald zu spielen. Für sie gibt es immer etwas zu entdecken (Foto: U. Blum).
 
 
Logo Waldkindergarten Brummkreisel
Abb. 4: Der Brummkreisel hat sogar sein eigenes Logo und einen eigenen Internet-Auftritt unter www.brummkreisel.de.
 

In der Kindertagesstätte Brummkreisel e.V., der seit 1991 ein eingetragener Verein ist, betreuen geschulte Erzieherinnen insgesamt 45 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Je nach Alter gehören maximal 15 Kinder in die Gruppe der Brombären, Maulwürfe, Bärenkinder oder zu den Wurzelkindern und erleben dort eine abwechslungsreiche und lebendige Kindergartenzeit. Da der Brummkreisel eine Eltern-Initiative ist, beteiligen sich auch die Eltern aktiv am Geschehen des Waldkindergartens. In regelmäßigen Abständen begleiten sie die Kinder mit in den Wald oder bieten interessante Projekte aus ihrem persönlichen Fachgebiet an.

LWF aktuell: Was schätzen die Eltern an Ihrem Kindergarten und warum melden sie ihre Kinder nicht in einem normalen Kindergarten an?

K. Mannott: Die Eltern, die ihre Kinder bei uns im Brummkreisel anmelden, wollen sie nicht einfach in einen Kindergarten schicken. Sie suchen für ihre Kinder eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und einen Ausgleich zur sonst hektischen und materiellen Welt. Sie möchten, dass ihre Kinder früh lernen, mit ihrer Umwelt respektvoll umzugehen, ein natürliches Verständnis für die Natur bekommen und sich an der frischen Luft bewegen. Bei uns können sich die Kinder nicht in einer Ecke verstecken oder Computer spielen, sondern erleben spielerisch den Ablauf der Jahreszeiten und die damit verbundenen Änderungen in der Natur.

LWF aktuell: Wie groß sind die Gruppen und wie viele Kinder betreuen die Erzieherinnen?

K. Mannott: Die Eltern schätzen die kleinen Gruppen mit etwa 15 Kindern und die intensive Betreuung. Drei Erzieherinnen kümmern sich um fünfzehn Kinder. Trotz der kleinen Gruppen funktioniert der Vormittag im Wald nur, wenn man sich aufeinander verlassen kann und nicht jeder sich nur um sich selber kümmert. Die Kinder lernen auf diese Weise schon früh gegenseitige Rücksichtnahme. Außerdem bieten wir noch eine Spielgruppe an, in die wir schon Kleinkinder ab eineinhalb Jahren aufnehmen.

LWF aktuell: Sind die Eltern bei Ihnen mehr gefordert als in einem normalen Kindergarten, sowohl in finanzieller als auch zeitlicher Hinsicht?

K. Mannott: Der Aufwand für die Eltern ist höher. Die Kinder spielen bei jedem Wetter draußen im Wald und machen sich dabei ordentlich dreckig. Das ist bei uns erlaubt, ja sogar erwünscht. Die Eltern müssen dafür ihre Kinder mit absolut wetterfester Kleidung ausstatten. Da auch wir mit staatlichen Fördergeldern unterstützt werden, müssen die Eltern in etwa die gleichen Beiträge wie in einem normalen Kindergarten zahlen. Wir sind also keine Eliteeinrichtung, sondern ein Kindergarten für jedermann.

LWF aktuell: Wie bringen sich die Eltern sonst noch ein?

K. Mannott: In regelmäßigen Abständen verbringen die Eltern zusammen mit den Kindern einen Tag im Wald und betreuen mit den Erzieherinnen die Gruppe.

Wir bemühen uns immer, die Fragen der Kinder zu beantworten, beispielweise mit kindgerechten Bestimmungsbüchern, aber immer gelingt uns das nicht. Deswegen bieten die Eltern freiwillige Projekte mit unserer Unterstützung in ihren Fachgebieten an, zum Beispiel zum Thema Lebensraum Waldboden im Frühling. Wir sind eine Eltern-Initiative, die nur bestehen kann, wenn sich die Eltern aktiv einbringen, das heißt, die Eltern helfen auch bei anfallenden Unterhaltsarbeiten, beispielsweise den Bauwagen zu reparieren.

LWF aktuell: Ist ein Waldkindergarten-Kind anders als andere Kinder?

K. Mannott: Wir beobachten, dass die Kinder aufgeschlossener und unkomplizierter sind. Sie zeigen für ihr Alter eine gut entwickelte Fein- und Grobmotorik. Sie gehen verantwortungsvoller mit ihrer Umwelt um. Für sie ist es selbstverständlich, dass sie keinen Müll zurücklassen oder keine kleinen Bäumchen ausreißen. Sie zeigen auch nur wenig Abneigung gegen Dreck und haben beispielsweise wenig Angst vor Wespen. Das gehört für sie einfach dazu. Sie sind insgesamt sehr phantasievoll, kreativ und stellen viele Fragen zum Wald und seinen Veränderungen, die sie aufmerksam im Laufe des Jahres beobachten.

Ich habe auch den Eindruck, dass die Kinder seltener krank sind. Die drei Tage in der Woche, die die Kinder im Wald verbringen, härten sie gut ab. Auch an den beiden Haustagen sind die Kinder bei jedem Wetter im Garten.

LWF aktuell: Was machen Sie mit den Kindern, wenn es regnet, stürmt oder schneit? Möchten alle Kinder gerne bei jedem Wetter draußen sein?

K. Mannott: Schlechtes Wetter wie Regen oder Schnee ist für die Kinder kein Grund, nicht in den Wald zu gehen. Wir haben draußen einen Bauwagen stehen, in dem wir uns aufwärmen und trocknen können. Nur wenn es extrem kalt ist oder stürmt, gehen wir nicht in den Wald. Dann legen wir einen "Haustag" ein. Die kleineren Kinder in der Spielgruppe verbringen nur einen Vormittag pro Woche im Wald. Bei ihnen achten wir mehr auf das Wetter, da sie noch nicht so widerstandfähig sind wie die größeren.

LWF aktuell: Was erwarten Sie von staatlichen Einrichtungen wie der LWF, deren Auftrag unter anderem auch der Bereich der Waldpädagogik ist?

K. Mannott: Da wir unseren Kindern ihre Umwelt und die Natur näher bringen möchten, begrüßen wir es sehr, wenn Fachleute für unsere Kinder Projekte anbieten. Interessant wäre natürlich auch eine fachliche Weiterbildungen für uns Erzieherinnen, so dass wir auf spezielle Fragen der Kinder besser eingehen können.

LWF aktuell: Brauchen Sie als Erzieherin in einem Waldkindergarten eine besondere Ausbildung?

K. Mannott: Nein, dazu muss man keine spezielle Ausbildung besitzen. Die besonderen Anforderungen eines Waldkindergartens erlernt man durch Erfahrung und private Weiterbildungen.

LWF aktuell: Haben Sie besondere Verhaltensregeln z. B. gegen Zecken?

K. Mannott: Wir haben mit den Kindern und Eltern ein paar wichtige Regeln vereinbart. Vor dem Essen waschen sich alle die Hände mit Seife und Wasser aus dem mitgebrachten Kanister. Wir nehmen nur Kinder mit in den Wald, die lange Kleidung, festes Schuhwerk, die Hose in den Socken und eine Kopfbedeckung tragen. Shorts und T-Shirts sind auch im Sommer tabu. Außerdem müssen die Kinder regelmäßig zu Hause nach Zecken abgesucht werden. Anlässlich der Vogelgrippe haben wir den Kindern erklärt, dass sie in Zukunft keine Federn mehr sammeln dürfen. Tote Tiere dürfen sie überhaupt nicht anfassen. Außerdem sind bei uns nur ungesüßte Getränke wie Tee oder Wasser erlaubt, damit wir keine unnötigen Probleme mit Wespen bekommen.

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