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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Raritätenkabinett der Schöpfung

Karte Neukaledonien
Abb. 1: Grande Terre ist die Hauptinsel Neukaledoniens.

Für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

 
Harzeiben
Abb. 2: Alte Harzeiben am Rivière de Lacs (Dacrydium x suprinii vorn, D. guillauminii hinten) - sie zählen zu den seltensten Arten auf der Welt (Foto: H. Nimsch).
 
Parasitaxus usta
Abb. 3: Parasitaxus usta ist die einzige parasitisch lebende Art innerhalb der Gymnospermen. Diese Jungpflanze wächst auf den Wurzeln von Falcatifolium taxoides, die nur in Neukaledonien vorkommt (Foto: B. Suprin).
 
Neocallitropsis pancheri
Abb. 4: Neocallitropsis pancheri ist eine der vielen nur in Neukaledonien heimischen Baumarten. Obwohl stark gefährdet, wird unter anderem ihr Holz wegen des angenehmen Duftes zu Holzscheibchen verarbeitet und in Souvenirläden Touristen angeboten (Foto: H. Nimsch).

Das zu Frankreich gehörende Neukaledonien liegt 1.500 Kilometer östlich von Australien und 1.700 Kilometer nördlich von Neuseeland. Die Inselgruppe war Teil des Großkontinents Gondwana, der vor etwa 150 Millionen Jahren zu zerbrechen begann. Deshalb finden sich noch heute evolutionsgeschichtliche alte, in Gondwana verbreitete Nadelbaumgattungen sowohl in Südamerika als auch im pazifischen Raum. Seit etwa 100 Millionen Jahren ist Neukaledonien isoliert. Das erklärt das reliktartige Vorkommen zahlreicher urtümlicher Pflanzensippen. Der Anteil endemischer Pflanzen- und Tierarten ist mit 77 Prozent außergewöhnlich hoch. Als Endemiten werden Arten bezeichnet, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung (z.B. ein Gebirge oder eine Insel) vorkommen. Viele Arten sind bedroht oder schon ausgestorben. Grund dafür sind die Zerstörung des Lebensraums und die nicht wirksam bekämpften, teils wochenlang lodernden Buschfeuer.

Informationen zu Neukaledonien:

Grande Terre ist die Hauptinsel Neukaledoniens. Der längs über sie verlaufende Gebirgszug teilt die 400 Kilometer lange und bis zu 70 Kilometer breite Insel in einen humiden Osten und einen im Regenschatten liegenden ariden Westen. Höchster Punkt ist der Mont Panié mit 1.629 Metern über NN. Die mittleren Temperaturen schwanken zwischen 20 und 30 °C. Die Ostseite der Insel erhält 2.500 bis 4.000 Millimeter Regen pro Jahr, die Westseite weniger als 1.500 Millimeter. In sehr trockenen Jahren fallen mancherorts kaum mehr als 250 Millimeter Niederschlag.

Serpentinböden und der stark färbende rote Staub der vorherrschenden Magnesium-Eisen-Silikate prägen große Teile der Insel. Die ultrabasischen Steine sind arm an Calcium, Phosphor, Aluminium und Kalium aber reich an Eisen, Magnesium und Schwermetallen.

Ungewöhnlicher Reichtum

Auf der Insel sind ungewöhnlich viele Gymniospermenarten (Nacktsamer) vertreten. Von insgesamt 46 Arten sind 45 endemisch, das entspricht sieben Prozent aller Nacktsamer weltweit. Auch überdurchschnittlich viele ursprüngliche Vertreter der Angiospermen (Bedecktsamer) sind hier beheimatet. Insgesamt umfasst die neukaledonische Pflanzenwelt etwa 3.000 einheimische Arten. Zum Vergleich: Auf der 15 Mal so großen Fläche der "alten" Bundesrepublik (vor der Wiedervereinigung) existieren "nur" knapp 2.500 Arten.

Nickel – ökonomischer Segen, ökologischer Fluch

Neukaledonien ist nicht nur reich an Arten, sondern auch reich an Nickel. Etwa 20 bis 40 Prozent des gesamten Vorkommens der Welt befinden sich dort. Ab 1880 wurde Nickelabbau in großem Maßstab betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg weitete sich dieser Abbau rasant aus. Die Minerale werden in einer Fabrik in der Hauptstadt Nouméa verarbeitet. Zwei weitere Nickelfabriken sind geplant. Der Tagebau sorgt zwar für Verdienstmöglichkeiten, greift aber erheblich in die Ökosysteme ein mit schwerwiegenden Folgen für die Natur.

Botanische Kostbarkeiten

Neukaledonien darf sicherlich als eine faunistische und floristische Schatztruhe bezeichnet werden. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl von Bäumen und Sträuchern kurz vorgestellt.

Neukaledoniens weinende Bäume
Der Name der Harzeiben (Dacrydium) leitet sich aus dem Griechischen ab (dakryon = Träne). Er bezieht sich auf die am Stamm austretenden Harztropfen der "weinenden" Bäume. Dacrydium guillauminii gilt zusammen mit der 2007 entdeckten natürlichen Hybride Dacrydium x suprinii (D. araucarioides x D. guillauminii) als seltenste Konifere der Welt (Abb. 2). Der Gesamtbestand beider Arten umfasst jeweils weniger als ein Hektar. Weil biotische und abiotische Schädigungen den Fortbestand der Art gefährden ist sie unter die höchste Schutzstufe gestellt. Der Baum wird bis zu vier Meter hoch und wächst ausgesprochen langsam. Nach Schätzungen sind die ältesten Exemplare über 300 Jahre alt. Die geringen Dimensionen schließen eine Nutzung aus. Sie wachsen an Seeufern sowie in oder an Fließgewässern, was der Art Schutz vor Feuer bietet. Alle drei Arten kommen nur im Südosten der Hauptinsel vor.

Der einsame Parasit
Parasitaxus usta, die wohl außergewöhnlichste Konifere der Welt, ist der einzige bekannte Parasit innerhalb der Gymnospermen. Sie kommt nur auf Neukaledonien sehr zerstreut in abgelegenen, dicht bewaldeten Gebieten vor. Der wurzellose Strauch oder kleine Baum wird bis zu zwei Meter hoch und lebt auf Falcatifolium taxoides (Abb. 3). Parasitaxus usta besitzt keine speziellen Kontaktorgane und enthält sogar geringe Mengen Chlorophyll. Verbunden sind Wirt und Parasit über die Wasserleitungsbahnen. Wahrscheinlich sind auch die Assimilatleitungsbahnen zusammengeschlossen, da parasitierende Pflanzen auch bis 1,5 Meter Höhe am Stamm von F. taxoides gefunden wurden.

Der Wirt
Falcatifolium ist eine Pflanzengattung mit fünf Arten. Falcatifolium taxoides, der oben genannte Wirt von Parasitaxus usta, kommt nur auf Neukaledonien vor. Die anderen vier Arten sind auch Neuguinea, den Molukken, im nördlichen und zentralen Celebes, auf den Philippinen, auf Borneo, dem Riouw-Lingga-Archipel und der Malaiischen Halbinsel verbreitet. 

Weitere Arten Neukaledoniens
Gattung Situation
Agathis Auf Neukaledonien kommen fünf endemische Arten vor, alle im dichten Regenwald. Das Überleben aller fünf Arten ist aufgrund von Lebensraumverlust und Übernutzung bedroht.
Neocallitropsis Diese Gattung umfasst nur eine Art, nämlich Neocallitropsis pancheri (Abb. 4). Sie ist endemisch auf Neukaledonien und wächst auf Reliktstandorten mit hohen Niederschlägen, starkem Wind und intensiver Sonneneinstrahlung. Das Vorkommen umfasst circa 2,5 Quadratkilometer und verteilt sich auf etwa zehn Einzelpopulationen. Tage- und Straßenbau sowie die kaum bekämpften Brände gefährden die Art. Außerdem wird sie trotz Nutzungsverbot als Brennholz eingeschlagen, oder zur Gewinnung eines im Kern- und Wurzelholz enthaltenen angenehm riechenden Öls verwendet. Holzscheibchen werden als Souvenir verkauft.
Acmopyle Die Gattung ist Teil der antarktischen Flora, die ihren Ursprung in Gondwana hat. Auf Neukaledonien ist Acmopyle pancheri endemisch, wo sie in humiden Waldgesellschaften wächst.
Retrophyllum Von den fünf Arten der Gattung kommen auf Neukaledonien Retrophyllum comptonii – auf der gesamten – und die seltenere, stark gefährdete Retrophyllum minor in einem kleinen Gebiet im Süden der Insel vor. Letztere haben einen stark verdickten Stammfuß ("Flaschenbäume").
Callitris Auf Neukaledonien sind die beiden Arten Callitris neocaledonica und Callitris sulcata endemisch. Die Stämme sind drehwüchsig, das Holz riecht intensiv nach Kampfer.
Araucaria Araukarien waren einst in Gondwana weit verbreitet. 13 der 19 existierenden Arten dieser Gattung sind auf Neukaledonien heimisch (Abb. 5).
Baie de Tortues - die Schildkrötenbucht
Abb. 5: Die "Baie de Tourtes" (Schildkrötenbucht); direkt am Strand wächst ein kleiner Bestand der säulenartigen Araucaria luxurians (Foto: bananaflo, wikipedia).

Bleibt zu hoffen, dass dem Raubbau und der Umweltzerstörung noch rechtzeitig Einhalt geboten wird, damit diese einzigartige Flora, dieses "Raritätenkabinett der Schöpfung" nicht unwiederbringlich verloren geht.

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