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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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(Ur-)Waldland Ukraine

Von der Steppe bis zu den Karpaten hat die Ukraine einiges zu bieten. Darunter auch viel Wald. Und natürlich die größten noch erhaltenen Urwälder Europas.

Waldverteilung
Abb. 1: Waldverteilung in der Ukraine (aus: Lavnyy, V.; Spiecker, H. (2007))

Die Ukraine ist verglichen mit anderen europäischen Ländern mit einem Waldanteil von 15,6 Prozent ein waldarmes Land. Dennoch beträgt die Waldfläche der Ukraine rund 9,4 Millionen Hektar (Stand 1996). Das ist mehr als die Waldfläche Polens und fast so viel wie in der Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte beträgt der Waldanteil je Einwohner rund 0,2 Hektar.

Die Wälder verteilen sich ungleichmäßig über die Landesfläche (Abb. 1). Die Karpaten weisen mit 42 Prozent den höchsten Bewaldungsanteil auf, in der Steppenzone sind es dagegen nur 5,3 Prozent. Die Baumarten verteilen sich wie folgt:

   
Laubbaumarten 58 % Eiche 24 %
  Buche 7 %
  Erle 6 %
  Birke 6 %
  Robinie 5 %
  Esche 3 %
  sonstige Laubbäume 7 %
   
Nadelbaumarten 42 % Kiefer 33 %  
  Fichte 8 %
  Tanne 1 %
   
Baumarten in der Ukraine
Abb. 2: Prozentuale Verteilung der Baumarten in der Ukraine (aus: Lavnyy, V.; Spiecker, H. (2007))
 
 

Bei der Eiche handelt es sich meist um die Stieleiche (Quercus robur). Eichenwälder wachsen meist in der mittleren Ukraine, Kiefernwälder überwiegend im nördlichen Teil des Landes. Fichten und Buchen sind vor allem in den Karpaten und im Westen der Ukraine anzutreffen.

Zuwachs und Vorrat

Der mittlere Zuwachs je Hektar Holzbodenfläche beträgt vier Kubikmeter pro Jahr und variiert sehr stark (Karpaten 5 m3, Steppe 2,5 m3). Der durchschnittliche Bestandesvorrat liegt bei 185 Kubikmetern pro Hektar. Der Gesamtvorrat der ukrainischen Wälder steigt Jahr für Jahr und betrug Anfang 1996 1,74 Millionen Kubikmeter.

In der Ukraine überwiegen junge und mittelalte Bestände. Besonders niedrig ist der Anteil hiebsreifer Bestände in den Eichen- und Kiefernwäldern. Dieser ungleiche Altersaufbau ist Folge der intensiven Holznutzungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Urwaldland

Rund die Hälfte der ukrainischen Wälder ist gepflanzt, die andere Hälfte natürlichen Ursprungs. Im Transkarpatengebiet befinden sich die größten noch erhaltenen Urwälder Europas. Auf einer Fläche von 20.000 Hektar finden sich Urwälder unterschiedlicher Ausmaße und Waldgesellschaften. Sie stehen Größtenteils unter dem Schutz des Karpaten-Biosphärenreservates, das 1992 in das UNESCO Welterbeprojekt aufgenommen wurde. Die Gesamtfläche des Biosphärenreservates von 57.880 Hektar gliedert sich in fünf Teilareale:

Schutzgebiete im Biosphärenreservat
  • Massive Kusij und Marmarosch
  • Massiv Swydowez
  • Massiv Tschorna Hora mit dem Hoverla (höchster Berg der Ukraine, 2.061 m)
  • Massiv Mala Uholka – Schirokij Luh (größte Buchenurwälder Europas)
  • Uhols’ko-Shyrokoluzhans’kyy (Buchenurwald mit 8.500 ha)

Die ukrainischen Urwälder sind laut UNESCO das größte Vorkommen von unberührten Mischlaubwäldern in Europa. Sie sind ein einzigartiges Reservoir für die Buche und die mit ihr verbundenen Pflanzen- und Tierarten. Zudem kommt die Buche gerade in den Karpaten unter den unterschiedlichsten geografischen Bedingungen vor.

Waldbewirtschaftung – Holznutzung

Verschiedene Ministerien und Staatsagenturen bewirtschaften die ukrainischen Wälder. Der größte Waldnutzer ist die Staatsagentur für die Forstressourcen der Ukraine, die 68 Prozent der ukrainischen Wälder bewirtschaftet. Sie gliedert sich in 25 Forstverwaltungen mit 281 staatlichen Forstbetrieben. Das Ministerium für Agrarpolitik ist für die Bewirtschaftung von ehemaligen Kolchosen zuständig. Umfangreiche Waldflächen sind anderen Ministerien und Behörden untergeordnet.

Grundlage für die Bewirtschaftung ist eine verbindliche Forsteinrichtungsplanung. Die Forsteinrichtung gibt unter anderem für bestimmte Baumarten und Waldtypen die Umtriebszeit vor. Pflegeeingriffe sind fest an das Bestandesalter geknüpft. Bei den Durchforstungen werden in reinen Nadelbaumbeständen bis heute meist Niederdurchforstungen angewendet.

Bei der Endnutzung dominieren Kahlhiebe. Sie machen etwa 80 Prozent der Erntehiebe aus (Schirmhiebe 15 %, Femelhiebe 5 %). In den letzten Jahren ist aber ein steigender Trend zu Schirm- und Femelhieben mit Sicherung der Naturverjüngung zu beobachten. Eine Verordnung bestimmt die maximale Hiebsfläche. Diese beträgt je nach Baumart und Waldkategorie ein bis fünf Hektar.

Jährlich werden etwa 17 Millionen Festmeter Holz geerntet (durchschnittlich 1,8 m3/ha Holzbodenfläche), wobei lediglich 42 Prozent aus der Endnutzung stammen. Damit ist die Intensität der Holznutzung in der Ukraine viel niedriger als in Deutschland und den meisten Staaten Europas.

Seit 1998 übersteigt der Holzexport den Holzimport. Heute exportiert die Ukraine rund 20 Prozent des aufgearbeiteten Rundholzes, vor allem in die Türkei und nach Ungarn. Auch Holzspanplatten, Dünnschnitt, Furnierholz und Holzkohle werden ausgeführt.

Waldbewirtschaftung – Waldbegründung

Urwald im Massiv Kusij
Abb. 3: Edellaubholzdominierter Urwald im Massiv Kusij (Foto: E. Hussendörfer)

Rund 1,4 Millionen Hektar neue Wälder wurden in den letzten 50 Jahren in der Ukraine neu begründet. Die ukrainischen Förster haben 100.000 Hektar Dünenflächen im Kherson Gebiet (Steppenzone) aufgeforstet – ein besonderer Verdienst. Außerdem bepflanzten die Ukrainer tausende Feldränder, um die weitere Bodenerosion auf den Ackerflächen zu vermindern.

Ein gut entwickeltes Netz von zahlreichen Samenbeständen und -bäumen ist für die großflächigen Aufforstungen verfügbar. Etwa 2.200 staatlich verwaltete Baumschulen mit einer Gesamtfläche von 4.600 Hektar gewinnen jährlich rund 400 Millionen Pflanzen. Dafür wurden 16.000 Hektar Samenbestände ausgewiesen.

Probleme bei der Bewirtschaftung

Infolge der Reaktorexplosion von Tschernobyl sind etwa 3,5 Millionen Hektar der ukrainischen Wälder radioaktiv verseucht. Davon dürfen 157.000 Hektar nicht bewirtschaftet werden, auf etwa 1,5 Millionen Hektar gelten Beschränkungen der Waldbewirtschaftung.

Ein aktuelles Problem bereitet der schlechte Zustand der Forstmaschinen, Traktoren und Autos. Sie sind oft veraltet, den Forstbetrieben fehlt das Geld für die Beschaffung neuer Forstmaschinen. Hinzu kommen die geringe Wegedichte und der schlechte Zustand, in dem sich die meisten Waldwege befinden.

Forstpolitische Situation

Staatspräsident, Regierung und Parlament der Ukraine widmeten der Forstwirtschaft des Landes in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit. Sie streben an:

Erweiterung der Waldanteile
  • Sicherung der Walderhaltung
  • Erweiterung der Waldflächen
  • Verbesserung der Umweltverträglichkeit von Wirtschaftsmaßnahmen
  • Steigerung der multifunktionalen Nutzung von Wäldern

Als wichtigste gesetzliche Grundlage für die Bewirtschaftung der Wälder in der Ukraine dient der Waldkodex. Dieses Gesetzeswerk reguliert die wichtigsten Fragen des Waldeigentums, der Waldbewirtschaftung, der staatlichen Leitung auf dem Gebiet der Waldbeziehungen, der Forsteinrichtung und des Waldkatasters. Der Waldkodex sieht neben den Eigentumsformen Staatswald und Kommunalwald neuerdings auch Privatwälder vor. Allerdings können nur Staatsbürger der Ukraine hier privat Wälder besitzen und nur bis zu einer Größe von fünf Hektar.

Der Waldkodex gliedert die ukrainischen Wälder in vier Kategorien entsprechend ihrer Hauptfunktionen:

  • Schutzwälder (Wasser-, Boden- und andere Schutzfunktionen)
  • Erholungswälder
  • Naturschutzwälder
  • Wirtschaftswälder

In der Ukraine haben die Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Naturschutz eine große Bedeutung. Gegenwärtig sind 14,3 Prozent der Wälder als Naturschutzgebiete ausgewiesen, in denen die Holznutzung stark eingeschränkt bzw. verboten ist.

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