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Dr. Herbert Borchert

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Artikel

Autor(en): Sven Korten
Redaktion: LWF, Deutschland
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Technik für die Holzernte im Hochgebirge

Technische Arbeitsproduktivität
Abb. 1: Technische Arbeitsproduktivität [Efm o.R./MAS] in Abhängigkeit vom BHD [cm] bei nicht schneegebrochenen und nicht geschälten Bäumen

Im Rahmen des Projektes ST 108 wurde der Raupenharvester Valmet 911 X3M (vormals "Snake") bei einem Einsatz im Forstamt Ruhpolding untersucht. Bei dieser Maschine wurde nicht eine Raupenmaschine für den Forst umgerüstet, sondern eine Forstspezialmaschine mit vier einzeln aufgehängten Raupenlaufwerken ausgestattet. Die Knicklenkung reduziert die hohen Scherkräfte, die bei Raupenmaschinen systembedingt auftreten. Damit wird eine größere Bodenschonung erreicht. Daneben weist dieser Harvester eine Steigfähigkeit bis 80 % auf.

Auf der Versuchsfläche wurde die Leistung der Maschine anhand einer Zeitstudie dokumentiert. Daneben wurden die ober- und unterirdischen Schäden am verbleibenden Bestand sowie die befahrungsbedingten Bodenveränderungen erfasst.

Bei einem mittleren BHD von 25 cm wurde eine technische Arbeitsproduktivität (TAP) von 12,6 Efm o.R./MAS ermittelt. Dies ist im Vergleich zum Flachland ein vergleichsweise niedriger Wert, der sich aber durch die abholzigeren und weniger hohen Fichten im Hochgebirge erklären lässt. Hinzu kamen auf der Versuchsfläche massive Schälschäden und Schneebrüche, die den Zeitbedarf erhöhen und das Erntevolumen verkleinern. Auf der Basis von nicht schneegebrochenen oder geschälten Fichten wurde die Produktivitätsfunktion in Abb. 1 ermittelt. Bei einem mittleren BHD von 25 cm läge die TAP ohne Schneebrüche oder Schälschäden um 50 % höher als bei dem Einsatz bei ca. 18 Efm o.R./MAS. Die höchste Leistung würde bei einem BHD von 34 cm erzielt. Dies entspricht einem Baumvolumen von etwa einem Festmeter. Die wichtigsten Faktoren, die den Zeitbedarf pro Baum und damit auch die Produktivität beeinflussen, sind die Baumdimension (Stückmassegesetz), die Eingriffsstärke und die Länge der grünen Krone. Ein vorhandener Schneebruch senkt ebenfalls die Leistung.

Die oberirdischen Schäden am verbleibenden Bestand wurden im Anhalt an Meng (1978) erhoben. Das Schadprozent betrug 15,1 % und lag damit auf einem praxisüblichen Niveau. Da das Schadprozent stark von der Anzahl entnommener Bäume abhängt, wurde zur neutraleren Bewertung der Schäden die Anzahl beschädigter Bäume je entnommenem Altbestandsbaum errechnet. Im vorliegenden Fall betrug dieser Wert 0,17, das heißt je sechs entnommene Bäume wird ein verbleibender Baum beschädigt. Dies ist ein vergleichsweise niedriger Wert.

Die Schäden an den Wurzeln wurden an den Randbäumen der Rückegassen ermittelt. Dabei waren 2/3 aller Wurzeln, die in die Rückegassen hineinreichten, beschädigt. Bei 80 % der vorgefundenen Schäden handelte es sich um massive Verletzungen des Holzkörpers der Hauptwurzeln bis hin zum vollständigen Abriss, der insgesamt 40 % der Schäden ausmachte. 95 % aller Wurzelschäden wiesen dabei Schadflächengrößen über 10 cm² auf, 72 % waren über 100 cm² groß. Bezüglich des Infektionsrisikos erscheint dies äußerst bedenklich. Dies sind typische Schäden beim Einsatz von Raupenharvestern.

Raupenharvester Valmet 911 X3M
Abb. 2: Raupenharvester Valmet 911 X3M (Foto: von Bodelschwingh)

Hinsichtlich der Bodenschäden zeigte der Vergleich der Befahrungslinien mit den unbefahrenen Referenzflächen lediglich geringfügige Veränderungen der Bodenstruktur. Die mittleren Lagerungsdichten der drei untersuchten Rückegassen zeigten leichte Erhöhungen, das Gesamtporenvolumen nahm leicht ab. Diese Veränderungen sind allerdings zumeist nicht signifikant, so dass allenfalls von Tendenzen gesprochen werden kann. Das Grobporensystem als empfindlichste Struktur eines Bodens wies ebenfalls keine signifikanten Veränderungen auf. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die geringe Auswirkung der mechanischen Belastung durch den raupengestützten Harvester. Die Leitfähigkeiten für Wasser und Luft fielen lediglich bei einer der untersuchten Rückegassen bedenklich niedrig aus. Hier würde es im Falle eines starken Niederschlags zu oberflächlichem Abfluss kommen. Dies stellte auf der Versuchsfläche aber die Ausnahme dar. In der Regel drainieren Fahrspur- und Referenzproben annähernd gleich schnell. Hier sind aus ökologischer Sicht in der Regel keine Beeinträchtigungen zu erwarten.

Somit lässt sich insgesamt feststellen, dass die Leistung des Valmet 911 X3M auf einem für einen Harvester dieser Leistungsklasse angemessenen Niveau liegt. Die befahrungsbedingten Bodenveränderungen sind gering, die oberirdischen Schäden am verbleibenden Bestand akzeptabel. Lediglich die Schäden an den Wurzeln der Rückegassen-Randbäume erscheinen bedenklich. Abrisse und Zerfaserungen von Hauptwurzeln führen nicht nur zu einem augenblicklichen Stabilitätsverlust, sie erhöhen auch das Infektionsrisiko erheblich. Diese Schäden sind allerdings typisch für alle Raupenmaschinen mit ihren scharfkantigen Stahlplatten. Generell sind daher bei Einsätzen mit Raupenharvestern Rückegassenbreiten von fünf Metern zu empfehlen, um das Verletzungsrisiko für die Wurzeln zu minimieren.

Literatur

Die Literatur ist auf Anfrage beim Verfasser erhältlich.

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