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Artikel

Autor(en): Michael Prskawetz, Thomas Gschwantner
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Altersklassenwälder in Österreich – in ihrer Verbreitung oft überschätzt

Welcher Anteil des österreichischen Ertragswaldes ist noch dem typischen Altersklassenwald zuzurechnen? Und welches Bestandesbild verbirgt sich hinter diesem Begriff. Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Verbreitung der Altersklassenwälder.

Unter dem Eindruck verschiedener Schadereignisse und der Diskussionen über die Anpassung des Waldes auf geänderte klimatische Verhältnisse wird der Stabilität und der Naturnähe der Bestände erhöhte Bedeutung beigemessen. Gleichaltrige und strukturarme Reinbestände werden vermehrt in stabilere Mischbestände umgewandelt oder überführt. Welcher Anteil des österreichischen Ertragswaldes ist noch dem typischen Altersklassenwald zuzurechnen? Und welches Bestandesbild verbirgt sich hinter diesem Begriff? Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Verbreitung der Alterklassenwälder in Österreich.

Altersklassenwald (Foto: stock.xchng / Krappweis)
70 % der Alterklassenwälder sind Fichtenwälder (Foto: http://www.sxc.hu/photo/1425964, stock.xchng / Krappweis)

Laut Österreichischer Waldinventur (ÖWI) erhöhte sich in den letzten Jahrzehnten der Flächenanteil von strukturreicheren Beständen mit zwei- oder mehrschichtigem Bestandesaufbau. Weiters ist ein Trend zu Laubholz- und Laubholzmischbeständen zu beobachten. Auch das Nutzungsverhalten hat sich seit den 1980er Jahren geändert: die Nutzungsmengen aus Verjüngungshieb sind gestiegen und Räumungen von Altbeständen über etablierter Naturverjüngung nahmen zu. 

Diese positiven Entwicklungen werfen aber auch Fragen hinsichtlich der waldbaulichen Behandlung und der ertragskundlichen Beschreibung und Beurteilung von ungleichaltrigen Mischbeständen auf, zumal die Vorstellungen von einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung nach wie vor stark vom Modell des Altersklassenwaldes beeinflusst sind.

Abgrenzung der Altersklassenwälder

Anhand der Erhebungsdaten der ÖWI wurden zunächst die Alterklassenwälder von ungleichaltrigen Beständen abgegrenzt. In einem stufenweisen Ausschlussverfahren wurden mehrschichtige und in Trupps oder Gruppen aufgelöste Bestände aussortiert. Zudem musste eine Altersklasse eindeutig dominieren und einen Anteil von mindestens 85 % aufweisen, um den Kriterien des Altersklassenwaldes zu entsprechen. Für Bestände in der Verjüngungsphase wurde keine dominierende Altersklasse unterstellt. Diese weisen vorübergehend eine zweischichtige Bestandesstruktur auf, nach Räumung des Altholzschirmes verbleibt jedoch ein annähernd gleichaltriger Jungbestand. 

Schutzwälder, Ausschlagwälder und strauchdominierte Flächen wurden aus der Kategorie Altersklassenwälder ausgeschlossen und den ungleichaltrigen Beständen zugeordnet. Die Bestandesblößen wurden dem Altersklassenwald zugewiesen, während die Lücken naturgemäß zu den ungleichaltrigen Beständen gezählt wurden. Unter einer Blöße ist ein Waldboden zu verstehen, der zumindest 500 m² Fläche hat und keinen forstlichen Bewuchs aufweist. Darunter befinden sich auch zahlreiche Windwurfflächen. Unter Lücken hingegen werden Flächen mit einer Größe von 50 – 500 m² verstanden.

Altersklassenwald macht nicht mehr als 41% der Gesamtwaldfläche aus

Abb. 1: Anteil an Gesamtwaldfläche laut Österreichischer Waldinventur 2007/09
Abbildung 1: Anteil an Gesamtwaldfläche laut Österreichischer Waldinventur 2007/09

Nach obigen Kriterien beträgt die Fläche des Altersklassenwaldes 1,6 Millionen ha (41 % des Gesamtwaldes). Der ungleichaltrige Wald hat eine Fläche von 2,2 Millionen ha (55 % des Gesamtwaldes) und damit den größten Anteil an Österreichs Wald. Die restlichen 140.000 ha, das sind 4%, sind anderer Holzboden, wie zum Beispiel Forststraßen (Abbildung 1).

Im nächsten Schritt wurden jene Teile herausgenommen, für welche die ÖWI nur wenig Daten erheben kann. Dazu gehören die Blößen (80.000 ha) und Lücken (268.000 ha), auch die Strauchflächen und der unbehgebare Wald sollten getrennt vom ungleichaltrigen Wald dargestellt werden; deren Anteile betragen jeweils 3,4% und 5,1%. Der derart verkleinerte ungleichartige Wald weist ein Fläche von 1,6 Milionen ha auf, sein Anteil vermindert sich von 55% auf 40%. Der Anteil des Alterklassenwaldes verringert sich dadurch nur um zwei Prozentpunkte auf 39% (Tabelle 1).

Tabelle 1: Anteil an Gesamtwaldfläche laut Österreichischer Waldinventur 2007/09 
Kategorie
Fläche (1000 ha)
Anteil (%)
reduzierter Altersklassenwald 1562 39,1
reduzierter ungleichaltriger Wald 1605 40,2
Blößen und Lücken
348 8,7
Strauchfläche 134 3,4
unbegehbarer Wald 202 5,1
anderer Holzboden 140
3,5
Gesamtwald 3991 100,0

Die Altersklassenverteilung

Abbildung 2 zeigt die Altersklassenverteilung des (reduzierten) Altersklassenwaldes: Beinahe ein Drittel der Flächen ist zwischen 21 und 40 Jahre alt. Danach nimmt der Altersklassenwald flächenmäßig zuerst sprunghaft und dann stetig ab.

Abb. 2: Altersklassenverteilung des (reduzierten) Altersklassenwaldes laut ÖWI 2007/09
Abbildung 2: Altersklassenverteilung des (reduzierten) Altersklassenwaldes laut Österreichischer Waldinventur 2007/09 
Die Fichte dominiert den Altersklassenwald

Die aktuelle Waldgesellschaft wird im Zuge der ÖWI unabhängig von der Anschätzung der Baumartenzusammensetzung auf der Probefläche angesprochen. Die den Bestand charakterisierende Baumart bestimmt den Leittyp. Tritt eine zweite Baumart bestandesprägend auf, kann sie als Mischtyp angegeben werden. In Tabelle 2 sind die Leittypen des Altersklassenwaldes angegeben.

Tabelle 2: Leittypen des Altersklassenwaldes laut Österreichischer Waldinventur 2007/09
Leittyp Fläche (1000 ha)
Anteil (%)
Fichtenwälder 1093
70,0
Tannenwälder
16
1,1
Lärchenwälder
31 2,0
Kiefernwälder
87 5,6
Zirbenwälder 1 0,1
sonstige Nadelwälder 4
0,2
Buchenwälder
152
9,8
Eichenwälder 20
1,3
andere Hartlaubwälder 98 6,3
andere Weichlaubwälder 58 3,7
Gesamt 1562
100,0

Nicht zu Unrecht wird der Altersklassenwald oft mit Fichten dominierten Wäldern in Zusammenhang gebracht. Demnach ist der Anteil des Fichtenwaldes mit 70% erwartungsgemäß am höchsten. Das sind beinahe drei Viertel der Altersklassenwaldfläche. Aber auch die Buchenwälder mit fast einem Zehntel und die Kiefernwälder mit 6% haben einen ebenfalls nicht unbeträchtlichen Anteil am Altersklassenwald. Einen relativ geringen Anteil von 2% beziehungsweise 1 % haben Wälder mit den Leittypen Lärchenwald sowie Eichenwald.

Abb. 3: Hauptverbreitung des Altersklassenwaldes im Norden und in den östlichen und südlichen Zwischenalpen
Abbildung 3: Hauptverbreitung des Altersklassenwaldes im Norden und in den östlichen und südlichen Zwischenalpen.

50% des Altersklassenwaldes in der Höhenlage zwischen 500 und 1000 m

Nahezu 50% der Altersklassenwälder stocken zwischen 500 und 1000 m Seehöhe (Abbildung 4). Immerhin ein Drittel der Altersklassenwälder befinden sich in der Seehöhe zwischen 1000 und 1500 m, ein Fünftel unter 500 m.

Abb. 4: Seehöhenverteilung des Altersklassenwaldes
Abbildung 4: Seehöhenverteilung des Altersklassenwaldes

Privatwald über 1000 ha hat größten Altersklassenwaldanteil

Betrachtet man den Altersklassenwald nach Eigentumsart, sticht ein Wert klar hervor: Im Privatwald über 1000 ha macht der Altersklassenwald beinahe 60% aus. Die Anteile aller anderen Eigentumsarten bleiben unter 51% beziehungsweise deren Werte befinden sich zwischen 45 und 50% (Tabelle 3).

Tabelle 3: Eigentumsarten im Altersklassenwald und im ungleichaltrigen Wald
Eigentumsart
  Altersklassenwald Fläche (1000 ha) Ungleichaltriger Wald Fläche (1000 ha) Anteil Altersklassenwald Prozent (%)
Kleinwald bis 200 ha 836 
963 46,5
Österreichische Bundesforste AG 205 206 49,9
Privatwald 200 - 1000 ha 150 150 49,9
Privatwald über 1000 ha 330 238 58,1
Gebietskörperschaften über 200 ha 41
48
46,1
Gesamt 1562 1605 49,3

Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass der Altersklassenwald in seinem Vorkommen, der tatsächliche Anteil beträgt 41%, eher überschätzt wird. Dass es sich jedoch beim Altersklassenwald vor allem um Fichten dominierte Wälder handelt, entspricht den Erwartungen. Auch die Altersstruktur und die Seehöhenverteilung erstaunen nicht. Die Verteilung nach den Eigentumsarten zeigt ein auffallendes Resultat, das auf die unterschiedliche Waldbewirtschaftung verweist. In einer weiterführenden Studie sollen mit den Daten der Waldinventur Vorrat, Zuwachs und Nutzung im Altersklassenwald untersucht und mit dem übrigen ungleichaltrigen Ertragswald verglichen werden.

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