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Artikel

Autor(en): Wolfgang Russ
Redaktion: BFW, Österreich
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Mehr Wald in Österreich

Weltweit nimmt die Waldfläche ab, vor allem durch großflächige Rodungen von Tropenwäldern. In Mitteleuropa hingegen - und hier insbesondere im Alpenraum - breitet sich der Wald stetig aus. Dies belegt auch die Österreichische Waldinventur 2007/09. Ein weiteres interessantes Detail: Die Folgen der Windwurfkatastrophen 2007 und 2008 wurden mit erfasst.

Hochalmhütte (Foto: PIXELIO/Elke Barbara Bachler
Die Waldfläche nimmt am stärksten in den Hochlagen über 1800 m Seehöhe zu. Im Bild: Hochalmhütte, Gesäuse (Foto: PIXELIO/ Elke Barbara Bachler)

Auch in Österreich kann seit dem Beginn eines bundesweiten Waldmonitorings im Jahr 1961 eine laufende Flächenzunahme des Waldes beobachtet werden. Seit Bestehen der Österreichischen Waldinventur (ÖWI) ist die Waldfläche um insgesamt 300.000 ha angewachsen (Abbildung 1). Dies entspricht fast der Fläche des Mühlviertels und übersteigt beispielsweise die Landesfläche Vorarlbergs von rund 260.000 ha deutlich.

Waldfläche - Abb. 1
Abbildung 1: Waldflächenentwicklung in Österreich

Mit seiner Waldausstattung liegt Österreich damit im internationalen Vergleich im Spitzenfeld und ist eines der dichtest bewaldeten Länder Mitteleuropas. Mit umgerechnet rund 0,5 ha Wald pro Einwohner stehen den Österreicherinnen und Österreichern etwa drei mal soviel Waldfläche zum Beispiel für Erholungszwecke zur Verfügung wie in Deutschland (0,14 ha Wald pro Einwohner) oder der Schweiz (0,17 ha Wald pro Einwohner).

Neubewaldung nimmt langsam ab

Der Trend zu mehr Wald in Österreich hat sich auch in der aktuellen Erhebungsperiode 2007/09 fortgesetzt. Der Wald als prägendes Element der österreichischen Landschaft ist neuerlich um rund 30.000 ha auf eine Gesamtfläche von nunmehr 3,991 Mio. ha angewachsen.  Mit einem Bewaldungsprozent von 47,6 % bedeckt der Wald fast das halbe Bundesgebiet. Die Waldflächenzunahme von 7.700 ha (ÖWI 1992/96) und 5.100 ha (ÖWI 2000/02) verlangsamte sich auf nunmehr rund 4.300 ha pro Jahr (ÖWI 2007/09).

Was sind die Gründe für die Waldflächenveränderung? Dies ist nicht allein auf menschliche Eingriffe wie Neuaufforstungen oder behördlich genehmigte Rodungen zurückzuführen. Vielfach dehnt sich der Wald im Laufe der Jahre, der natürlichen Sukzession folgend, auf nicht mehr bewirtschaftetes Grünland und landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte aus. Auch die Besiedelung von Ödland und extremeren Naturstandorten mit Bäumen oder kleinräumige Naturkatastrophen beeinflussen  die Waldflächenentwicklung.

Ehemaliges Grünland wird Wald

Basierend auf der ÖWI 2007/09 kann nun erstmals abgeschätzt werden, aus welchen ursprünglichen Kulturgattungen und Betriebsarten die Neubewaldungsflächen der letzten beiden Jahrzehnte stammen. Rund 60 % der Waldflächenzunahme erfolgt auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. Fast 90 % davon entfallen auf ehemaliges Grünland wie Almen, Weiden und Mähwiesen.

Extreme Standorte und Naturflächen wie Rutschflächen, Nass- und Moorstandorte, Schutt- und Schotterflächen, Blockhalden und Felsstandorte sowie Böschungen werden von Bäumen in Besitz genommen, dies erklärt ungefähr ein Drittel der Waldflächenzunahme. Die übrigen Neubewaldungsflächen sind ehemalige Bergbauflächen, Deponien oder sonstige Flächen.

Waldflächenzunahme im bäuerlichen Kleinwald

Mehr als vier Fünftel des österreichischen Waldes sind im Privatbesitz. Rund zwei Drittel davon gehören etwa 170.000 bäuerlichen Kleinbetrieben mit Betriebsgrößen unter 200 ha. Die meisten dieser Kleinbetriebe bewirtschaften neben dem Wald auch noch landwirtschaftliche Flächen, größten Teils mit Hilfe von Familienmitgliedern.

Bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft geht die Zahl der Vollerwerbslandwirte stetig zurück, landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte, Almen, Weiden und Mähwiesen werden nach teilweisen oder gänzlichen Betriebsstilllegungen nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt bewirtschaftet. Der natürlichen Sukzession folgend kommt es zu einer langsamen Wiederbewaldung von brach liegendem, nicht mehr bewirtschaftetem Grünland und es werden landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte teilweise auch aufgeforstet. Es ist daher nicht verwunderlich, dass rund vier Fünftel der gesamten Waldflächenzunahme im bäuerlichen Kleinwald stattfinden. Insgesamt geht rund jeder 100. Hektar Wald im bäuerlichen Kleinwald auf Neubewaldung zurück.

Wald erobert sich die höheren Lagen

Die Waldflächenentwicklung nach Seehöhenstufen ergibt ein sehr differenziertes Bild: Die stärkste Flächendynamik ist zwischen 300-600 m zu beobachten. Auch in den Seehöhenstufen 1500-1800 m und über 1800 m sind ausgeprägte Waldflächenveränderungen festzustellen.

Waldflächenbilanz - Abb. 2
Abbildung 2: Waldflächenbilanz für die Seehöhenstufen

Summiert man die Waldflächenzu- und -abgänge auf (Abbildung 2), zeigt sich: Die Waldfläche nimmt in allen Seehöhenstufen zu, am stärksten in den Hochlagen über 1800 m Seehöhe mit 10.000 ha. Für  tiefere Lagen bis 300 m waren dies 3.700 ha, zwischen 300-600 m Seehöhe 5.600 ha.

Bewaldungsprozent - Abb. 3
Abbildung 3: Bewaldungsprozent der Seehöhenstufen (Auf das Bild für größere Ansicht klicken)

Interessant ist der Vergleich des Bewaldungsprozents zwischen den Höhenstufen (Abbildung 3): Gerade in jenen Seehöhenstufen nimmt die Waldfläche überproportional zu, die ein eher geringeres Bewaldungsprozent aufweisen. Setzt man den Waldflächenzuwachs in den Seehöhenstufen in Relation zur Gesamtwaldfläche der jeweiligen Höhenstufe, zeigt sich, dass insgesamt 6 % der gesamten Waldfläche über 1800 m Seehöhe auf neu bewaldete ehemalige Nichtwaldflächen entfallen. Auch in Tieflagen bis 300 m ist der Anteil der Neubewaldungsflächen mit über 2 % der Gesamtwaldfläche in dieser Höhenstufe sehr hoch.

Starker Rückgang der Fichte

Die mit Nadelhölzern bestockte Fläche hat laut ÖWI 2007/09 neuerlich um rund 116.000 ha abgenommen. Vor allem die Fichte hat im Vergleich zur Vorperiode über 100.000 ha an Fläche verloren, ein Grund dafür sind die Windwurfkatastrophen 2007 und 2008. Aber auch die mit Weißkiefer bestockte Fläche ist um rund 14.000 ha zurückgegangen. Damit einher geht eine Zunahme der Laubholzflächen.

Tabelle 1: Baumartenentwicklung im Ertragswald (in 1000 ha)
  1986/90 1992/96 2000/02 2007/09 Flächenbilanz
Fichte 1870
1866
1810
1709
-161
Tanne
82
78
78
81
-1
Lärche
150
147
155
154
4
Weißkiefer
193
182
166
152
-41
sonstiges Nadelholz
44
46
46
42
-2
Summe Nadelholz

2339

2320

2255

2139

-200

Rotbuche 296
309
323
336
40
Eiche
68
67
66
69
1
sonstiges Hartlaubholz
195
229
269
275
80
Weichlaubholz 128
143
144
142
14
Summe Laubholz

687

748

802

821

134

Blößen 54
45
35
69
15
Lücken
151
172
195
240
89
Sträucher im Bestand
68
42
57
73
5
Strauchflächen
32
26
26
25
-7
Ertragswald

3331

3352

3371

3367

36

Die Nadelhölzer verloren mit jeder Erhebungsperiode stärker an Fläche als zuvor (Tabelle 1). Fichte hat seit der ÖWI 1986/90 um über 160.000 ha oder fast ein Zehntel ihrer ursprünglichen Fläche eingebüßt, die Weißkiefer sogar mehr als ein Fünftel. Gleichzeitig stiegen die mit Laubholz bestockten Flächen um 134.000 ha an. Vor allem Hartlaubholz und Buche legten stark zu.

Die Windwurfkatastrophen der Jahre 2007 und 2008 haben deutliche Spuren hinterlassen: Während das Ausmaß der Blößen in den letzten Jahrzehnten einem stets rückläufigen Trend folgte, stieg dieser Wert in der aktuellen Erhebungsperiode 2007/09 enorm an. Auch die Fläche der Bestandeslücken nimmt in diesem Zeitraum überproportional stark zu.

Erstmalig mehr Laubholz- und Mischbestände als Fichtenreinbestände

Der Trend zu laubholzreicheren Mischbeständen bei gleichzeitigem Rückgang der Fichtenreinbestände spiegelt sich auch in den Ergebnissen 2007/09 wider (Abbildung 4).

Baumartenmischung - Abb. 4
Abbildung 4: Entwicklung der Baumartenmischung im Ertragshochwald

Beeindruckend: Die Fläche der Nadelholzreinbestände im Ertragshochwald nahm um 133.000 ha ab, die  Fichtenreinbestände alleine um 126.000 ha. Gleichzeitig legten Laubholz- und Mischbestände mit 38.000 ha an Fläche zu. Erstmals seit Bestehen der ÖWI liegt damit der Anteil an Laubholz- und Mischbeständen im österreichischen Ertragshochwald über jenem der Fichtenreinbestände (Abbildung 6).
Auf einem Großteil ehemaliger Nadelholz- und Fichtenreinbestandsflächen im Ertragswald wurden jedoch Blößen, Bestandeslücken oder mit Waldsträuchern bestockte Flächen angetroffen (95.000 ha). Auch hier ist zu berücksichtigen, dass die Folgen der Windwurfkatastrophen 2007 und 2008 von der ÖWI 2007/09  mit erfasst wurden. 

Originalartikel

Mehr Wald in Österreich (BFW-Praxisinformation 24, Seite 3 - 5)

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