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Dr. Gerald Kändler

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Gerald Kändler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die BWI3 im Bundesvergleich

Die Gesamtdarstellung der BWI-Ergebnisse für den Wald in Deutschland findet sich in Broschüren des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Detaillierte Ergebnisse für die Bundesländer bietet der Internetauftritt des Bundes unter www.bundeswaldinventur.de. Die folgende Darstellung beruht auf dieser Datenquelle. Sie beschränkt sich auf einige wesentliche Aspekte.

Mehr Beiträge zur BWI3 finden Sie im Artikel: Langfristige Waldbeobachtung: Einführung in die BWI3

Nach der BWI3 sind die höchsten Totholzvorräte in Baden-Württemberg zu finden.
Abb. 1: Nach der BWI3 sind die höchsten Totholzvorräte in Baden-Württemberg zu finden (Foto: FVA/Weidner).

Inhalt

Mit der BWI3 liegt erstmals für das gesamte Bundesgebiet eine Wiederholungsinventur vor, die auch die Veränderungsdynamik beschreibt. Folgende Trends sind in allen Regionen gleichgerichtet: die Zunahme der Laubbaumanteile mit einem entsprechenden Rückgang der Nadelbäume, ein weiterer Vorratsanstieg und eine Zunahme der Artenvielfalt.

Waldfläche

Die gesamte deutsche Waldfläche beträgt einschließlich Nicht-Holzboden im Jahr 2012 11,4 Mio. ha. Mit Abstand die größte Waldfläche von 2,61 Mio. ha findet sich in Bayern, dem auch flächenmäßig größten Bundesland. Es folgen mit deutlichem Abstand Baden-Württemberg (1,37 Mio. ha), Niedersachsen (1,20 Mio. ha), Brandenburg (Berlin) (1,13 Mio. ha).

Das gesamtdeutsche Bewaldungsprozent liegt bei 32%. Auch hier gibt es zwischen den Ländern große Unterschiede: Am waldreichsten sind Hessen und Rheinland-Pfalz (jeweils 42,3%), gefolgt vom Saarland (39,9%), Baden-Württemberg (38,4%), Brandenburg mit Berlin (37,2%), Bayern (36,9%) und Thüringen (34%). Mit 11% am waldärmsten ist Schleswig-Holstein, die übrigen Länder weisen Bewaldungsanteile zwischen 24 und 29% auf.

Große Unterschiede zwischen den Ländern zeigen sich auch bei der Verteilung des Waldeigentums. Im Bundesdurchschnitt befindet sich fast die Hälfte des Waldes (48%) in Privateigentum, es folgen die Wälder im Eigentum der Länder mit 29%, während der Körperschaftswald (überwiegend Kommunen) auf rund 19% kommt; in Bundeseigentum sind lediglich 3,5% der Waldfläche. Die höchsten Privatwaldanteile finden sich in Nordrhein-Westfalen (ca. 67%), Brandenburg (mit Berlin) und Niedersachsen (jeweils rund 59%) sowie Bayern (fast 56%), Sachsen-Anhalt (54%) und Schleswig-Holstein (51%). Unter dem Bundesschnitt liegen die übrigen Länder, den geringsten Anteil hat Hessen. In Baden-Württemberg sind 36% des Waldes privat. Der Körperschaftswald spielt nur in Rheinland-Pfalz (46%), Baden-Württemberg (40%) und in Hessen (36%) eine größere Rolle.

Beim Landeswald haben Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen, Schleswig-Holstein und das Saarland Anteile zwischen 30 und 48%, in den übrigen Ländern liegen die Anteile der Landeswälder zwischen 24 und 28%, den kleinsten Landeswaldanteil hat mit 13% Nordrhein-Westfalen.

Der Bundeswald erreicht Anteile von 5 bis 10% vornehmlich in den neuen Bundesländern und in Niedersachsen, in den übrigen Bundesländern spielt er nur eine untergeordnete Rolle.

Die Baumarten

Die unterschiedlichen naturräumlichen Gegebenheiten und nutzungsgeschichtlichen Entwicklungen spiegeln sich auch in den Baumartenverteilungen der Länder wider.

Generell haben im Bundesdurchschnitt nach wie vor die Nadelbäume mit 56,4% Anteil die Mehrheit, wenngleich sich auch bundesweit der Rückgang des Nadelbaumanteils bestätigt: so lag er bei der BWI2 noch bei 59%. In Baden-Württemberg ist im gleichen Zeitraum der Nadelbaumanteil von 57,1 auf 53,3% zurückgegangen.

Zwischen den Ländern zeigen sich deutliche Unterschiede: Besonders in Brandenburg (mit Berlin) (78%), Sachsen (69%), Sachsen-Anhalt (61%) und Bayern (65%) dominieren die Nadelbäume. Prägende Baumart in den östlichen Ländern ist die Kiefer: Brandenburg (mit Berlin) 73 %, Sachsen-Anhalt 46%, Mecklenburg-Vorpommern 39%.

Mit 26,3% Anteil ist die Fichte bundesweit immer noch die häufigste Baumart vor der Kiefer mit 23,3%. Die höchsten Fichtenanteile finden sich im Süden (Bayern und Baden-Württemberg mit ca. 42 bzw. 34%), in Thüringen und Sachsen (ca. 40 bzw. 36%) sowie in Nordrhein-Westfalen (30%). Gut die Hälfte der Fichtenfläche liegt in Bayern und Baden-Württemberg.

Laubbäume dominieren in Rheinland-Pfalz (60%), im Saarland (74%), in Hessen (59%) und in Schleswig-Holstein (64%). Führende Laubbaumart ist die Buche, im Bundesdurchschnitt hat sie einen Anteil von 16,1%. Das Land mit dem höchsten Buchenanteil ist Hessen (31%). In den Ländern Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland sowie Schleswig-Holstein und Thüringen erreicht die Buche Anteile zwischen 20 und 23%, in Nordrhein-Westfalen sind es gut 19%. In den übrigen Ländern liegen die Buchenanteile unter dem Bundesdurchschnitt, besonders buchenarm sind die Länder Brandenburg (Berlin), Sachsen und Sachsen-Anhalt mit Anteilen von 3 bis 7%. Die Eiche kommt bundesweit auf 10,4%. Zwischen den Ländern gibt es wieder deutliche Unterschiede: Hohe Eichenanteile von gut 20% finden sich in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Nordrhein-Westfalen folgt mit knapp 17% vor Schleswig-Holstein (fast 16%), Hessen (fast 13%), Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (jeweils rund 12%). Unterdurchschnittlich sind die Eichenanteile in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen, Bayern und Brandenburg (mit Berlin).

Die Nadelbaumarten Lärche (2,9%), Douglasie (2,1%) und Tanne (1,7%) weisen bundesweit jeweils recht niedrige Anteile auf. Die Tanne ist nur in Baden-Württemberg (8,2%) und mit deutlich geringerem Anteil in Bayern (2,4%) von Bedeutung. Die Douglasie erreicht nur in Rheinland-Pfalz (6,5%), Hessen (3,8%), Baden-Württemberg (3,4%) und Niedersachsen (2,5%) überdurchschnittliche Anteile. Die Lärche kommt in allen Bundesländern mit Anteilen von 1,2 bis 7,8% vor; am häufigsten ist sie in Schleswig-Holstein (7,8%), Niedersachsen (5%) und Hessen (4,7%).

Etwas heterogener zusammengesetzt sind die Laubbaumgruppen ALH (Andere Laubbäume hoher Lebensdauer), die im Bund im Mittel 6,9% Anteil erreichen, und die ALN (Andere Laubbäume niederer Lebensdauer) mit sogar 10,2% Anteil im Bundesmittel. Die ALH weisen mit regional variierender Zusammensetzung die höchsten Anteile im Saarland und Baden-Württemberg (14,2 bzw. 12,1%) auf, nennenswerte Anteile finden sich ferner in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen; den geringsten Anteil mit 2,8% haben die ALH in Brandenburg (mit Berlin). Bei den ALN findet sich der niedrigste Anteil mit 5,1% in Baden-Württemberg, die höchsten Anteile mit rund 19% in Mecklenburg-Vorpommern, im Saarland und Schleswig-Holstein.

Die Baumartenanteile nach Bundesländern im Jahr 2012, geordnet nach Nadelbaumanteilen.
Abb. 2: Die Baumartenanteile nach Bundesländern im Jahr 2012, geordnet nach Nadelbaumanteilen.

Altersstruktur

Der Trend, dass die Bäume und Bestände älter werden, besteht auch auf Bundesebene. Im deutschen Wald ist knapp ein Viertel des Waldes (24,5%) älter als 100 Jahre, 14% sogar älter als 120 Jahre. In Baden-Württemberg sind aktuell fast 27% der Waldbäume über 100 Jahre alt, der Anteil der über 120 jährigen Bäume beträgt gut 15%. Noch höhere Anteile über 100-jähriger Bäume finden sich in Thüringen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen, während in den übrigen Bundesländern die Bäume im Mittel jünger sind.

Totholz

Totholz ist ein wichtiger ökologischer Faktor als Lebensraum für Pilze, Flechten, Insekten und Vögel und trägt so zur biologischen Vielfalt im Ökosystem Wald bei.

Totholz wurde erstmals bei der BWI2 aufgenommen. Bei der BWI3 wurden die Aufnahmekriterien geändert; im Wesentlichen wurden die Aufnahmeschwellenwerte herabgesetzt. Insofern ist der Vergleich mit den Werten der Vorinventur nur möglich, wenn die aktuellen Totholzvorräte nach den Kriterien der BWI2 gesondert berechnet werden. Im Folgenden werden nur die aktuellen Totholzvorräte im Bundesvergleich betrachtet. Demnach finden sich (wie schon bei der BWI2) die höchsten Totholzvorräte von 28,8 m³ je Hektar in Baden-Württemberg; es folgen auf fast ähnlichem Niveau das Saarland, dann mit gut 25 m³/ha Hessen, Nordrhein-Westfalen (23,8 m³/ha), Rheinland-Pfalz (23,1 m³/ha) und Bayern (22,0 m³/ha), die alle über dem Bundesdurchschnitt von 20,6 m³/ha liegen. Die niedrigsten Totholzvorräte finden sich mit rund 11 m³/ha in Sachsen beziehungsweise Brandenburg (mit Berlin).

Die Totholzvorräte in m³ je Hektar im Jahr 2012 nach Bundesländern, entsprechend den Kriterien der BWI3, geordnet nach Vorratshöhe.


Abb. 3: Die Totholzvorräte in m³ je Hektar im Jahr 2012 nach Bundesländern, entsprechend den Kriterien der BWI3, geordnet nach Vorratshöhe.

Naturnähe der Baumartenzusammensetzung

Auch die Naturnähe der Baumartenzusammensetzung wurde erstmals bei der BWI2 erhoben. Sie wird in fünf Stufen ausgedrückt, die von sehr naturnah, naturnah, bedingt naturnah, kulturbetont bis kulturbestimmt reichen. Im Jahr 2012 fällt bundesweit der größte Flächenanteil (40,5%) in die mittlere Kategorie "bedingt naturnah"; es folgt mit 21,3% die Stufe "naturnah", 16,4% des Waldes weist die naturfernste Stufe "kulturbestimmt" auf, während 14,5% der Fläche "sehr naturnah" eingestuft sind, "kulturbetont" sind 7,2%.

In Baden-Württemberg ergibt sich folgendes Bild: In die Kategorie "sehr naturnah" fällt 19,5% des Waldes (nur Hessen hat mit 24,5% einen höheren Anteil), in der Kategorie "naturnah" erreicht Baden-Württemberg 30,6%, nur Bayern hat mit 31,5% einen höheren Anteil. Fasst man beide Kategorien zusammen, erreicht Baden-Württemberg mit einem Anteil von 50,4% naturnaher bis sehr naturnaher Wälder den höchsten Wert im Bundesgebiet, wo der Durchschnitt dieser zwei Kategorien bei 35,9% liegt; an zweiter Stelle im Bundesvergleich kommt Hessen mit 45%, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland liegen ebenfalls noch über dem Bundesdurchschnitt. Den geringsten Anteil sehr naturnaher und naturnaher Bestockungen weisen Sachsen-Anhalt und Brandenburg (mit Berlin) auf. Wie in Baden-Württemberg hat auch im Bund im Mittel die Naturnähe gegenüber der Vorinventur tendenziell zugenommen, wenngleich die Veränderungen in einem Zeitraum von 10 Jahren gering sind.

Die Anteile der fünf Naturnähestufen nach Bundesländern im Jahr 2012, geordnet nach den Anteilen der Stufen 1 und 2 (sehr naturnah und naturnah).
Abb. 4: Die Anteile der fünf Naturnähestufen nach Bundesländern im Jahr 2012, geordnet nach den Anteilen der Stufen 1 und 2 (sehr naturnah und naturnah).

Holzvorrat

Der Derbholzvorrat ist im Zeitraum 2002 bis 2012 in allen Bundesländern angestiegen, im Bundesdurchschnitt um 8,4% (bezogen auf den Vorrat von 2002). Die Vorratsänderung fällt zwischen den Ländern sehr unterschiedlich aus. Erhebliche Vorratserhöhungen sind in den neuen Ländern zu verzeichnen: Brandenburg (mit Berlin) (+29,3%), Sachsen (+24,4%), Sachsen-Anhalt (+20,5%), Thüringen (+18,0%), Mecklenburg-Vorpommern (+14,4%); in den alten Ländern verzeichnen Schleswig-Holstein (+16,1%), Niedersachsen (+14,3%) und das Saarland (+ 18,3%) überdurchschnittlich hohe Vorratsanstiege. Deutlich geringer fiel der Vorratszuwachs in Hessen (+9,1%), Baden-Württemberg (+3,2%), Rheinland-Pfalz (+1,6%), Nordrhein-Westfalen (+ 1%) und Bayern (+0,8%) aus. Betrachtet man die Ausgangsvorräte, wird deutlich, dass die höchsten Vorratsanstiege in den Ländern mit den niedrigsten Ausgangsvorräten stattgefunden haben. Nordrhein-Westfallen stellt außerdem wegen des Sturmereignisses Kyrill im Jahr 2007, dem große Fichtenflächen zum Opfer gefallen sind, einen Sonderfall dar. Bayern, wo der Vorratsanstieg am geringsten ausfiel, ist das Land mit den höchsten Hektarvorräten in den Jahren 2002 und 2012. Beim Vergleich der Hektarvorräte fällt zudem auf, dass die Vorratsänderungen geringer ausfallen, in Nordrhein-Westfalen und in Bayern werden sie sogar negativ. Dies liegt daran, dass bei der Betrachtung der Gesamtvorräte auch Flächenänderungen (Flächenzugänge) eine Rolle spielen. Flächenzugänge tragen zwar zum Gesamtvorrat bei, da sie aber geringere Hektarvorräte aufweisen, senken sie den mittleren Hektarvorrat.

Der durchschnittliche Hektarvorrat liegt nun bei 336 m³ Derbholz m. R.; nach Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede: Die höchsten Vorräte hat Bayern mit 396 m³/ha, gefolgt von Baden-Württemberg (377 m³/ha), Thüringen (347 m³/ha) und Hessen (342 m³/ha); die übrigen Länder liegen unter dem Bundesmittel, den niedrigsten Hektarvorrat hat Sachsen-Anhalt mit 272 m³/ha.

Hektarvorräte 2012 nach Bundesländern.
Abb. 5: Hektarvorräte 2012 nach Bundesländern.

Zuwachs, Vorratsabgang und Nutzung

Mittlerer periodischer Volumenzuwachs im Zeitraum 2002 bis 2012

Für die Periode zwischen BWI2 und BWI3 (2002 bis 2012) liegen erstmals für das gesamte Bundesgebiet vergleichbare Zuwachswerte vor. Der mittlere periodische Volumenzuwachs beträgt im Bundesdurchschnitt über alle Eigentumsarten 11,2 m³ Derbholz in Rinde je Hektar und Jahr. Am höchsten ist der Zuwachs mit 12,3 m³/ha/Jahr in Baden-Württemberg, am niedrigsten mit 9,5 m³/ha/Jahr in Sachsen-Anhalt.

Periodischer Volumenzuwachs im Zeitraum zwischen BWI2 und BWI3 (2002 bis 2012) über alle Eigentumsarten im Ländervergleich.
Abb. 6: Periodischer Volumenzuwachs im Zeitraum zwischen BWI2 und BWI3 (2002 bis 2012) über alle Eigentumsarten im Ländervergleich.

Interessant ist der Vergleich der Zuwachswerte mit der Vorperiode zwischen BWI1 und BWI2 (1987 bis 2002), der nur für das alte Bundesgebiet möglich ist. Demnach lässt sich mit Ausnahme Hessens für die aktuelle Periode 2002 bis 2012 ein durchaus signifikanter Rückgang des periodischen Volumenzuwachses feststellen.

Schon in der Periode 1987 bis 2002 war der Zuwachs mit 13,9 m³/ha/Jahr in Baden-Württemberg am höchsten, gefolgt von Bayern mit 13,5 m³/ha/Jahr; in beiden Ländern ist der Zuwachs in der Periode 2002 bis 2012 in derselben Größenordnung (um 1,6 m³/ha/Jahr bzw. knapp 12%) zurückgegangen, und auch in Nordrhein-Westfalen ist ein deutlicher Rückgang um 1,4 von 12,3 auf 10,9 m³/ha/Jahr festzustellen. Nur in Hessen ist der Zuwachs der aktuellen Periode nominal sogar höher (11,6 gegenüber 11,4 m³/ha/Jahr); ein geringer nominaler (nicht signifikanter) Zuwachsrückgang ist in Niedersachsen festzustellen (von 11,0 auf 10,8); im Saarland und Rheinland-Pfalz liegen die aktuellen Periodenzuwächse wiederum deutlicher unter den Werten der Vorperiode.

Vergleich der periodischen Volumenzuwächse zwischen den Perioden 1987 bis 2002 und 2002 bis 2012 in den alten Bundesländern.
Abb. 7: Vergleich der periodischen Volumenzuwächse zwischen den Perioden 1987 bis 2002 und 2002 bis 2012 in den alten Bundesländern.
Mittlerer ausgeschiedener Vorrat (Vorratsabgang) in der Periode 2002 bis 2012

Dem Zuwachs steht der ausgeschiedene Vorrat gegenüber. Er umfasst sowohl die geernteten Mengen als auch das im Wald ungenutzt verbliebene Holz der Bäume, die natürlich abgestorben oder trotz Fällung nicht aus dem Wald entfernt worden sind. Diese ungenutzte Holzmenge kann im Wirtschaftswald aber nicht mit der natürlichen Mortalität gleichgesetzt werden, da absterbende oder durch Sturm geworfene Bäume oft auch geerntet und verwertet werden. Im Mittel sind 9,8 m³/ha/Jahr im Zeitraum 2002 bis 2012 ausgeschieden. Nach Bundesländern ergibt sich folgendes Bild: Über dem Bundesdurchschnitt liegen die Vorratsabgänge in Nordrhein-Westfalen (12,4 m³/ha/Jahr), sicher eine Folge des Sturmereignisses Kyrill 2007, in Bayern (12,4), in Baden-Württemberg (11,9) und in Hessen (10). Die Werte der übrigen Länder bewegen sich im Bereich 9,4 (Thüringen) und 6,6 (Brandenburg/Berlin, Sachsen-Anhalt).

Nutzungen

Betrachtet man nur den genutzten Vorratsabgang und rechnet diesen Vorrat in Erntevolumen (m³ o. R.) um, ergeben sich die Nutzungen in der Einheit, wie sie in Einschlagsstatistiken erfasst werden. Demnach wurden im Zeitraum 2002 bis 2012 im Bundesdurchschnitt 7,0 Erntefestmeter ohne Rinde je Hektar und Jahr genutzt; die höchsten Nutzungen erfolgten in Nordrhein-Westfalen (9,1), in Bayern (9,0) und in Baden-Württemberg (8,9); in Hessen liegt der Einschlag mit 7,2 m³/ha/Jahr schon deutlich niedriger, aber noch etwas über dem Bundesdurchschnitt; zwischen 6,8 und 5,3 liegen die Einschläge in Thüringen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, zwischen 4,7 und 4,2 in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Saarland und Brandenburg (mit Berlin).

Resümee

Die Bundeswaldinventur liefert in der gesamtdeutschen Betrachtung ein differenziertes Zahlenbild vom Wald, welches Gemeinsamkeiten und regionale Unterschiede deutlich macht. Gemeinsame Trends betreffen die Entwicklung der Baumarten, der Rückgang der Nadelbaumanteile mit entsprechender Zunahme der Laubbäume, der Trend zu steigendem Alter und zu mehr Vielfalt und ökologischer Wertigkeit (Totholz, Naturnähe). Unterschiede zeigen sich zum einen in den gegebenen naturräumlichen Baumartenzusammensetzungen und Waldbildern, in der Vorratshöhe und -struktur sowie im Nutzungsgeschehen.

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