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Urs-Beat Brändli

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Artikel

Autor(en): Urs-Beat Brändli, Christoph Bühler, Adrian Zangger
Redaktion: WSL, Schweiz
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Indikatoren zur Biodiversität in Waldinventuren

Waldinventuren sind in aller Regel darauf optimiert, verlässliche Informationen über die Holzressourcen zu liefern. Daneben stellt sich aber immer wieder die Frage, welchen Beitrag solche Stichprobenerhebungen auch zur Kontrolle der Biodiversität leisten können.

Flechtenbestimmung
Abb. 1 - Das Vorkommen gewisser Flechten kann auf die Natürlichkeit eines Waldes hinweisen. Eine reproduzierbare Erhebung von Flechtenarten erfordert aber grosses Spezialwissen und ist bei gängigen Waldinventuren nicht zu empfehlen.
Foto: Stefan Burch (WSL)
 

Im vorliegenden Beitrag sind die wichtigsten in der Schweiz empfohlenen und verwendeten Indikatoren zusammen gestellt. Deren Eignung für Waldinventuren wird aus den Erfahrungen des Landesforstinventars (LFI) beurteilt.

Internationale Verpflichtungen – nationale Instrumente

Mit der Unterzeichnung der globalen Biodiversitätskonvention, der "Waldgrundsätze-Erklärung" (Erdgipfel Rio 1992) und der Helsinki Resolution zum Schutz der Europäischen Wälder (1993) hat sich auch die Schweiz verpflichtet, die Entwicklung ihrer biologischen Vielfalt eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu überwachen. Auf nationaler Ebene steht die Erhaltung der biologischen Vielfalt neben dem Schutz vor Naturgefahren an erster Stelle des Waldprogramms der Schweiz (2004).

Als Folge der erwähnten umweltpolitischen Prozesse wandelte sich auch das Schweizerische Landesforstinventar (LFI) seit 1983 vom fast reinen Ressourcen-Inventar zu einer inhaltlich weit umfassenderen Waldinventur. Das LFI ist heute unbestritten eines der wichtigsten Instrumente der Waldberichterstattung, auch bezüglich Biodiversität im Wald. Das zentrale Instrument zur Überwachung der landesweiten Biodiversität ist aber das Biodiversitätsmonitoring Schweiz (BDM), das seit Mitte der 90er Jahre im Auftrag des heutige Bundesamt für Umwelt (BAFU) entwickelt wird. Das Indikatorenset des BDM umfasst insgesamt über 30 Indikatoren. Davon zeigen über 20 Indikatoren Einflüsse auf die Biodiversität und Massnahmen zugunsten derselben auf. Diese Indikatoren beruhen auf Daten aus Drittprogrammen, beispielsweise dem LFI. Im Zentrum des BDM-Konzeptes stehen aber so genannte Zustandsindikatoren, welche die Veränderung der Biodiversität anhand von Artenvorkommen für Gefässpflanzen, Brutvögel, Tagfalter, Moose und Mollusken erfassen.

Ökologische Relevanz forstlicher Inventurdaten

Messung der Trieblängen
Abb. 2 - Die Analyse von Gehölztrieben gibt Aufschluss über den Einfluss des Wildes auf junge Pflanzen (Wildverbiss). Im Rahmen der Jungwalderhebung wird beim LFI auch beurteilt, ob die Verjüngung auf natürliche Weise oder durch Pflanzung erfolgt ist (Verjüngungsart).
Foto: Simon Speich (WSL)
 

Daten aus der Waldinventur sind generell von ökologischer Relevanz, denn sie beschreiben Teile des Waldökosystems und damit Einflussfaktoren zur Biodiversität. Die umweltpolitische Bedeutung solcher Daten misst sich heute primär an den Indikatoren zur Überwachung der Biodiversität. In Europa bestehen derzeit zwei international anerkannte Indikatorsysteme. Zum einen hat die Europäische Umwelt Agentur EEA einen Katalog von internationalen Indikatoren mit Bezug zur Biodiversität erstellt und von diesen zumeist implementierten 655 Indikatoren insgesamt 78 dem Wald und der Waldwirtschaft zugeordnet.

Für die Waldpolitik und Waldinventuren stehen in Europa und in der Schweiz die Helsinki-Indikatoren (MCPFE-Indikatoren) im Vordergrund:

MCPFE-Indikatoren mit Bezug zur Biodiversität. Kursiv geschriebene Indikatoren sind im LFI beziehungsweise in Waldinventuren gut vertreten.
  1. Baumartenvielfalt
  2. Verjüngungsart
  3. Natürlichkeit
  4. Eingeführte Baumarten
  5. Totholz
  6. Genetische Ressourcen
  7. Landschaftsmuster
  8. Gefährdete Waldarten
  9. Geschützte Wälder

Das Indikatoren-Set der MCPFE weist aber eine Lücke auf bei Indikatoren, die den ökologischen Wert, also die Qualität von Waldbiotopen beurteilen. Experten aus nationalen Waldinventuren Europas sind sich über diesen Mangel einig und entwickeln neben dem Totholz weitere ökologisch wichtige Indikatoren beispielsweise zur Struktur der Bestände. Da die meisten der traditionellen Waldinventuren solche Merkmale wie Bestandesalter, Durchmesserverteilung, Schichtung oder Bestandesdichte teils seit Jahrzehnten erheben, wären mit solchen Strukturdaten wertvolle retrospektive Analysen zur bisherigen Lebensraumentwicklung möglich.

Geeignete Indikatoren für Waldinventuren

Ein langfristiges Monitoring-Programm wie das LFI muss sich laufend am Informationsbedarf informieren. Betreffend Biodiversität im Wald wurde deshalb eine Literaturstudie durchgeführt zu Frage, welche Indikatoren von Fachexperten einerseits empfohlen werden und anderseits auf (inter)nationaler Ebene auch wirklich erhoben und im offiziellen Reporting publiziert werden (siehe Tabelle 2 im Originalartikel). Im Rahmen des Waldmonitoring kann die Biodiversität (Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen) schon aus Kostengründen in der Regel nicht direkt erhoben werden. Dazu braucht es integrale Instrumente wie das BDM. Deshalb empfehlen Experten für die Waldbeobachtung fast nur Einfluss- und Massnahmenindikatoren. Nach unserer Einschätzung lassen sich über 40% dieser Indikatoren mit terrestrischen Waldstichproben und weitere rund 50% im Rahmen von kombinierten Waldinventuren wie dem LFI mit Daten aus Befragungen, Luftbildern oder GIS ermitteln.

Aufgrund der erwähnten Literaturstudie, praktischen Erfahrungen aus dem LFI sowie einer statistischen Analysen der LFI- und BDM-Daten werden folgende Indikatoren für Waldinventuren mit Stichproben empfohlen:

  • Häufigkeit der einzelnen Baum- und Straucharten (Stammzahl)
  • Anzahl Baumarten (in der Oberschicht)
  • Verhältnis Laub-/Nadelbäume
  • Anteil standortsheimischer Baumarten
  • Anteil Naturverjüngung
  • Bestandesdichte SDI / Kronenschlussgrad
  • Anteil offener Flächen im Wald
  • Deckung der Bodenvegetation
  • Totholz-Volumen stehend, liegend nach Durchmesser
  • Entwicklungsstufe / Bestandesalter (Anteil Altbestände)
  • BHD-Verteilung (Anteil dicker Bäume)
  • Anteil hochwertiger Waldränder
  • Anteil nicht genutzter Wälder

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