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Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Wildbäche und Massenbewegungen
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Artikel

Autor(en): Werner Gerber, Norina Andres, Alexandre Badoux
Redaktion: WSL, Schweiz
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Bergstürze und Steinschläge in der Schweiz 2002 bis 2016

In einem gebirgigen Land wie der Schweiz führen Naturgefahrenprozesse immer wieder zu Schäden an Sachwerten und zu Todesfällen, so auch Bergstürze und Steinschläge. Sturzereignisse haben in den letzten 15 Jahren Schäden in der Höhe von 55.5 Millionen Franken verursacht. Die Schadenskosten variieren von Jahr zu Jahr sehr stark und werden massgeblich von einzelnen grossen Ereignissen bestimmt. Dies zeigt eine Auswertung der Unwetterschaden-Datenbank.

Einschlag eines Steines in einen Fichtenstamm in 6 m Höhe
Abb. 1 - Einschlag eines Steines in einen Fichtenstamm in 6 m Höhe (Hüetegga, Eisten VS).
Foto: Werner Gerber (WSL)

In der Unwetterschaden-Datenbank der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) werden neben den Schadensmeldungen zu Hochwasser, Rutschungen und Murgängen seit 2002 auch die Sturzereignisse berücksichtigt. Die Datenbankeinträge basieren auf Meldungen aus rund 3000 Schweizer Zeitungen und Zeitschriften sowie auf zusätzlichen Informationen aus dem Internet.

Die Abschätzung der Schäden beruht grundsätzlich auf den Informationen aus den Medien. Sind dort keine Beträge angegeben, werden die Schadenskosten auf der Basis von Erfahrungswerten abgeschätzt. In den Schadenskosten sind die verursachten Sachschäden und die Interventionskosten zusammengefasst. Indirekte Schäden wie spätere Sanierungsmassnahmen und Betriebsausfallkosten werden hingegen nicht erfasst.

Die Schadenskosten sind in drei Klassen unterteilt: geringe Schäden (10'000–400'000 CHF), mittlere Schäden (0.4–2.0 Mio. CHF) und grosse/katastrophale Schäden (>2.0 Mio. CHF). Todesfälle werden den katastrophalen Schäden zugeordnet. Nicht berücksichtigt werden Todesfälle, bei denen sich Personen bewusst einer grossen Gefahr ausgesetzt haben oder die sich während Freizeitaktivitäten in potenziell gefährlichem Gebiet ereigneten (z.B. Bergsteigen, Klettern). Gemäss dem Faktenblatt Sturzprozesse des Bundesamtes für Umwelt umfassen Bergstürze Volumina von mehr als 1 Mio. m3 und Felsstürze solche von mehr als 100 m3. Prozesse mit geringerem Volumen werden als Stein- und Blockschlag bezeichnet, wobei nachfolgend für beide Prozesse die Bezeichnung Steinschlag verwendet wird.

Eine auf Medienberichten beruhende Analyse von Naturgefahrenereignissen ist zwangsläufig mit Ungenauigkeiten verbunden: Die Angaben sind nicht immer vollständig, und Meldungen werden hauptsächlich zu grossen Schäden an Gebäuden oder Infrastrukturanlagen verfasst. Schäden an Wald und Kulturland werden nur ausnahmsweise erwähnt, obschon die meisten Sturzereignisse in bewaldeten Gebieten stattfinden. Deshalb ist es auch nicht möglich, die Datenbank hinsichtlich Waldschadenflächen oder Schadholzkubaturen auszuwerten.

   
2 Kubikmeter grosser Felsblock, der im 2003 ein Haus in Evolène VS durchschlug  
5 Kubikmeter grosser Block, der bei Matt GL von einer Buche im Wald gestoppt wurde  
Abb. 2 - In der Unwetterschaden-Datenbank der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL werden auch Sturzereignisse berücksichtigt, sofern sie in den Medien Erwähnung finden. Der 2 m3 grosse Felsblock, der im Jahr 2003 ein Haus in Evolène VS durchschlug (oben), ist erfasst; der 5 m3 grosse Block, der bei Matt GL von einer Buche im Wald gestoppt wurde (unten), hingegen nicht.
Fotos: Werner Gerber (WSL)

 
   

Geografische und zeitliche Verteilung

In den letzten 15 Jahren wurden in der Datenbank 413 Meldungen über Schäden infolge Sturzereignissen erfasst (Abb. 3). Die Schäden sind hauptsächlich in den Alpen, Voralpen und im Jura entstanden; aber auch im Mittelland waren einzelne Fälle zu verzeichnen. Sogar ein Todesfall infolge eines Sturzereignisses ist dort in den Daten zu finden. Insgesamt kam es in der Schweiz von 2002 bis 2016 zu 43 Personenunfällen, 16 davon mit Todesfolgen.

   
Geografische Verteilung der Sturzereignisse  
Abb. 3 - Standort und finanzielles Ausmass der von 2002 bis 2016 in der Unwetterschaden-Datenbank der Schweiz erfassten Schadensereignisse durch Sturzprozesse. Verletzte Personen und Todesfälle sind speziell gekennzeichnet. Kartengrundlage: BFS GEOSTAT/Bundesamt für Landestopografie. Anklicken zum Vergrössern.
 
   

Die Anzahl Ereignisse bzw. Datenbankeinträge bewegt sich zwischen 14 im Jahr 2003 und 47 im 2013; der Mittelwert liegt bei 28 Ereignissen pro Jahr. In den 15 Jahren von 2002 bis 2016 wurden durch Sturzprozesse 16 Personen getötet und 27 verletzt. Das Jahr 2012 wies mit fünf getöteten Personen die traurigste Bilanz auf. Von den insgesamt 43 Personenunfällen ereigneten sich über die Hälfte (25) auf Verkehrswegen, allein deren 14 auf Hauptstrassen. In der Datenbank sind weiter neun Personen registriert, die in der Nähe von Bächen oder Flüssen durch Sturzprozesse verunfallten. Bei Sicherungsarbeiten auf Baustellen und im Wald ereigneten sich Unfälle mit sieben und auf Wanderwegen solche mit sechs Personen (Abb 4).

   
Verteilung der durch Sturzprozesse verursachten Personenunfälle nach Ort  
Abb. 4 - Verteilung der durch Sturzprozesse verursachten Personenunfälle nach Ort.  
   

Werden alle Ereignisse von 2002 bis 2016 pro Monat aufsummiert, zeigen sich deutliche Schwankungen. Die Monatssummen liegen zwischen 21 (September) und 47 (Mai und August) bei einem Mittelwert von 34 Ereignissen pro Monat. Obschon im August die meisten Ereignisse auftraten, weisen diese mit insgesamt 9200 m3 das kleinste Volumen auf. Demgegenüber beträgt die Kubatur im Mai mit gleich vielen Ereignissen fast 700'000 m3.

Schadensummen

Die Summe der in der Datenbank registrierten Schäden durch Sturzprozesse liegt bei 55.2 Millionen Franken (Jahre 2002 bis 2016). Werden die Schäden der früheren Jahre der Teuerung angepasst, liegt der Wert bei 55.5 Millionen Franken. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Schadenwert pro Jahr von 3.7 Millionen. Nur in den Jahren 2003 (7.1 Mio. CHF), 2006 (9.4 Mio. CHF) und 2012 (9.5 Mio. CHF) wurde der Mittelwert deutlich übertroffen. Verhältnismässig geringe Schadenskosten wurden in den Jahren 2010 (0.4 Mio. CHF) und 2011 (0.5 Mio. CHF) registriert. Bei 386 Schadenereignissen handelt es sich um solche mit geringen Schadenskosten; bei 23 wurden mittlere und bei vier Ereignissen grosse Schäden verzeichnet (Abb. 3).

Schlussfolgerung

Abgelagerter Block von 45 Kubikmetgern neben der Strasse im Murgtal
Abb. 4 - Dieser Felsblock von 45 m3 und geschätzten
125 Tonnen löste sich im April 2005 bei Murg SG.
Foto: Werner Gerber (WSL)
 

Ein Vergleich mit den anderen in der Unwetterschaden-Datenbank berücksichtigten Prozessen (Rutschungen, Hochwasser, Murgänge) zeigt, dass die Sturzprozesse nur rund 5% der total 8090 gespeicherten Einträge für die Jahre 2002 bis 2016 ausmachen. Auch ihr Anteil an den Schadenskosten ist mit 1.1% eher gering. Dies ist damit zu erklären, dass Sturzprozesse jeweils nur punktuell Schäden verursachen, während zum Beispiel Überschwemmungen flächig grosse Schäden anrichten können. Betrachtet man hingegen den Prozentsatz der Anzahl Todesopfer (22%) und Verletzten (28%), so fallen die Sturzprozesse deutlich mehr ins Gewicht.

Da die Unwetterschaden-Datenbank auf Medienberichten beruht, ist es nicht auszuschliessen, dass Ereignisse darin nicht erfasst sind (Abb. 2). Vor allem kleine Ereignisse ohne grosse Schäden werden in den Medien meist nicht erwähnt. Die Unwetterschaden-Datenbank dürfte damit die Sturzereignisse unterschätzen.

Alternative Datenbanken über Schäden könnten zur Komplementierung herbeigezogen werden. Zum einen führen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB eine Datenbank über Ereignisse, welche deren Infrastruktur betreffen. Zum anderen könnten Datenbanken von Versicherungen genutzt werden, ebenso Berichte oder Kataster von Kantonen (z.B. StorMe) oder Gemeinden. Die vorliegende Analyse macht deutlich, dass bei den in der Unwetterschaden-Datenbank erfassten Sturzereignissen kein allgemeiner Trend beobachtet werden kann: Sowohl die jährliche wie auch die monatliche Verteilung der Daten ist sehr variabel und hängt hauptsächlich von Grossereignissen ab.

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