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Manuel Karopka

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldnaturschutz

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Artikel

Autor(en): Manuel Karopka
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die Schwarzpappel - Baum des Jahres 2006

Mächtiger Stamm einer Schwarzpappel
Abb. 1: Mächtiger Stamm einer Schwarzpappel.

Jedes Jahr im Herbst bestimmt das Kuratorium "Baum des Jahres" den Baum, der für das nachfolgende Jahr im Zentrum des Interesses der Bevölkerung stehen soll. Für 2006 wurde die Schwarzpappel (Populus nigra L.) gewählt. Diese Baumart müsste eigentlich weit verbreitet sein, ist aber inzwischen so selten geworden, dass sie in den Roten Listen bedrohter Pflanzenarten steht.

Ein Grund ist sicher die mangelnde ökonomische Bedeutung der einheimischen Schwarzpappel. Das Holz ist ausgesprochen leicht, weich und anfällig für Pilz- und Insektenbefall. Auf den ihr zusagenden Standorten entlang von Gewässern werden Hybridpappeln oder wirtschaftlich interessantere Laubbaumarten angebaut. Dazu kommt, dass die Schwarzpappel in den Flussauen keine ausreichenden ökologischen Bedingung mehr vorfindet (Grundwasserabsenkung). Zusätzlich gefährden unkontrollierte Kreuzungen mit fremdländischen Pappelarten bzw. Rückkreuzungen mit euro-amerikanischen Pappelsorten den Genpool.

Erkennungsmerkmale

Weltweit gibt es etwa 60 Pappelarten. Die zweifelsfreie Bestimmung einer Schwarzpappel erfolgt durch einen Gentest oder eine gezielte morphologische Ansprache im Jungpflanzenstadium. Schwarzpappeln können bis zu 30 m hoch , bis zu 2 m dick und beachtliche 200 Jahre alt werden. Die Rinde ist in der Jugend grau, bei alten Bäumen finden wir eine schwärzliche Netzborke, Brettwurzeln und kropf- artige Verdickungen (Maserknollen). Die Wurzeln können sich sehr weit vom Stamm aus im Oberboden ausbreiten. Sie wachsen aber nicht unter die mittlere Grundwasserlinie und sind daher als Uferbefestigung nur bedingt geeignet.

Im Freistand bilden sich fast so breite wie hohe Kronen mit weit ausladenden Ästen und großen Blättern, die schon bei leichtem Wind auffallend flattern. Die Blattform ist sehr variabel, sie ist in der Regel dreieckig bis rhombisch, mit ausgezogenen Spitzen und beidseitig grün. Die Blattgröße variiert zwischen 5 und 12 cm Länge sowie 3 und 8 cm Breite.

Die Baumart ist zweihäusig, es gibt männliche und weibliche Individuen. Die Blüten erscheinen im April und Mai noch vor der Blattentfaltung. Sie sind in 5 bis 11 cm langen, hängenden Kätzchen zusammengefasst. Die männlichen Kätzchen sind rötlich, die weiblichen gelbgrün. Die Früchte sind Kapseln, die schon Ende Mai bis Anfang Juni am Baum aufplatzen und die flaumigen Samen herausfallen lassen. Der Wind trägt die Wattebüschel über weite Strecken - fast jeder kennt diesen "Pappelschnee".

Interessant ist die Verwendung des Pappelflaums als Füllung von Kissen und Decken und neuerdings auch als Isoliermaterial. Die Fasern halten so warm wie Daunen, leiten die Feuchtigkeit aber wesentlich besser und schneller weiter. Kein Textilmaterial schafft die Kombination zwischen Leichtigkeit, Wärmeisolation und Feuchtetransport besser als Pappelflaum.

Wuchsleistung

Schwarzpappel in Gewässernähe
Abb. 2: Der Baum des Jahres 2006 liebt die Gewässernähe.

Die Schwarzpappel ist eine raschwüchsige Baumart. Während eine Buche 120 bis 140 Jahre benötigt, um zu einem ausgereiften Baum heranzuwachsen, nimmt dies bei einer Pappel nur 30 bis 50 Jahre in Anspruch. Das wirkt sich auch auf das Volumen aus. Vitale Schwarzpappeln produzieren auf optimalen Standorten bis 20 m³ Holz je Jahr und ha, die Buche hingegen nur rund 8 m³ Holz.

Verbreitung und Standort

Die Heimat der Schwarzpappel ist ganz Europa mit Ausnahme von Skandinavien und Nordrussland, Teile von Nordafrika sowie weite Teile von West- und Zentralasien. Wegen ihres hohen Licht-, Wasser- und Nährstoffbedarfs gehört die Schwarzpappel zu den konkurrenzschwachen Baumarten, die fast nur in natürlichen Weichholz-Auewäldern direkt am Flussufer eine Chance haben. Sie ist gut an wechselnde Wasserstände angepasst und verträgt Überflutungen auf gut durchlüfteten, kiesigen Böden. Stagnierende Nässe verträgt sie nicht, In Baden-Württemberg erfasste die FVA die letzen autochthonen Schwarzpappelvorkommen im Land. Nach den bislang durchgeführten Erhebungen existieren Restbestände in den ehemaligen Auewaldbereichen am Rhein sowie Einzelbaumvorkommen am Bodensee und am Neckar.

In zehn Forstbezirken mit Schwerpunkt in der Oberrheinebene wurden über Tausend Altpappeln erfasst. Ein Ergebnis war, dass Jungwuchs weitgehend fehlt. Bei der starken Überalterung der Bestände droht ein Zusammenbruch der Restpopulation und der Verlust der Art in Baden-Württemberg. Um dem entgegenzuwirken, betreibt die FVA im Versuchsgarten in Emmendingen ein Mutterquartier, aus dem nachgewiesen autochthone Jungpflanzen nachgezogen und an Untere Forstbehörden, Wasserwirtschaftsämter und Naturschutzverbände abgegeben werden können.
In den letzten Jahren wurde somit durch die Auspflanzung einiger Tausend Jungpflanzen ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieser seltenen Baumart in Baden-Württemberg geleistet.

Verwendung

Das langfaserige und gut trocknende Holz ist weich. Es zeichnet sich durch einen hohen Zelluloseanteil aus. Es hat ein geringes Gewicht und einen hohen Abnutzungswiderstand. Es eignet sich für die Herstellung von Holzschuhe und Kisten und ist aufgrund der hellen Färbung besonders geeignet für Küchengeräte wie Löffel und Kellen. Wegen der guten Ausschlagfähigkeit werden Pappeln in holzarmen Gegenden zur Brennholz- und Futterlaubgewinnung im Kopfholzbetrieb bewirtschaftet.

Die Rinde wird zum Gerben und Gelbfärben benutzt, das Holz auch zum Korbflechten. Gelegentlich wird Holz aus dem Bereich der arttypischen Maserknollen für die Anfertigung charakteristischer Furniere verwendet, zudem ist es sehr begehrt zum Drechseln.

Allee am Rheindamm im Nebel
Abb. 3: Allee am Rheindamm im Nebel. Typisch die Masserknollen am Stamm.

Die heilkundliche Verwendung der Schwarzpappel geht bis ins Altertum zurück. Die gerbstoffhaltige Rinde von jungen Zweigen ist ein fiebersenkendes Mittel und wird in Pulverform zusammen mit Eichen- und Silberweidenrinde verabreicht. Am häufigsten werden die noch geschlossenen Knospen verwendet, die ätherisches Öl und Glykoside enthalten. Ihre Substanzen wirken desinfizierend und zusammenziehend. Aus der Rinde kann ein harntreibender und leberreinigender Sud gewonnen werden.