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Artikel

Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Der Wildapfel (Malus sylvestris)

In der Schweiz ist der Wildapfel sehr selten geworden. Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen, um diese Rarität bei uns wieder vermehrt zum Blühen zu bringen.

Früchte des Wildapfels
Abb. 1 - Die "Wildäpfel" sind gelblichgrün und schmecken sauer.
Foto: H. Zell/Wikipedia
 

Wildäpfel gehören zur Familie der Rosengewächse und sind mit rund 20 Arten in fast ganz Europa, Westasien und in Nordamerika vertreten. Der Europäische Wildapfel (Malus sylvestris) bevorzugt nährstoffreiche, etwas feuchte Standorte und ist in Ausnahmefällen bis gegen 1300 m ü. M. anzutreffen. Im Volksmund ist er auch als Holzapfel bekannt.

Aussehen und Merkmale

Der Stamm des Wildapfels ist kurz, häufig gekrümmt und gewunden. Seine schirmförmige, breite Krone besteht aus sperrigen und meist mit abstehenden Dornen versehenen Ästen. Die dünne Rinde – in der Jugend hellrotbraun, später graubraun – ist rissig und aufgeschuppt. Wildäpfel werden 5 bis 10 m hoch und höchstens 100 Jahre alt. Oft wachsen sie strauchförmig.

Ende April bis Mitte Mai blühen die fast kreisrunden und wohlriechenden Blüten, die in Doldentrauben angeordnet sind. Die eher spärlichen Blüten sind innen weiss und aussen hellrosa. Die Blätter des Wildapfels sind oval, 4 bis 10 cm lang, bis 5 cm breit und am Rand kerbig gesägt. Im Gegensatz zum Kulturapfel sind sie auf der Unterseite wenig bis gar nicht behaart. Die Äpfel – im botanischen Sinn Scheinfrüchte – sind kurzstielig, rundlich und messen 2 bis 4 cm. Sie sind gelblichgrün und auf der Sonnenseite leicht rotwangig.

Verwendung und ökologische Bedeutung

Blüten des Wildapfels
Abb. 2 -  Wildäpfel blühen zirka von Ende April bis Mitte Mai.
Foto: H. Zell/Wikipedia
 

Die gerbstoffreichen Äpfelchen schmecken sauer. Sie sind erst nach einem Herbstfrost geniessbar und lassen sich beispielsweise zu Gelee verarbeiten. Im Mittelalter dienten die sauren Früchte zur Konservierung von Speisen und zum Würzen von Salaten.

Das im Splint rötlichweisse, im Kern rotbraune, feinfaserige, jedoch meist drehwüchsige Holz fand wegen seiner Härte Verwendung bei Drechslern und Tischlern. Diese kreierten daraus unter anderem Zahnräder für Uhren, Göpelwerke (Tretmühlen) sowie Schrauben. Schöne Stämmchen wurden gedämpft und zu Furnieren geschnitten, um damit Möbel zu verzieren. Weil das Gehölz abgesehen davon jedoch kaum Nutzwert hatte, wurde es in Feld und Wald oft abgeschnitten oder gar ausgehackt. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden, nachdem man die ökologische Bedeutung des Wildapfels erkannte.

Dank seiner dichten Verästelung dient der Wildapfel vielen Kleintieren als Versteck. Besonders Höhlenbrüter wie der Steinkauz schätzen die relativ häufig auftretenden Stammhöhlen und -löcher als Brutstätte. Fledermäuse nutzen die Höhlen wiederum als Tagesquartier. Die Früchte dienen verschiedenen Pflanzenfressern wie dem Dachs als Nahrung.

Kulturgeschichte und Name

Affoltern im Emmental
Abb. 3 -  Wappen der Gemeinde Affoltern im Emmental.
Foto: Aliman5040/Wikipedia
 
Apolda (Thüringen)
Abb. 4 - Von der Stadt Apolda (Thüringen) im Juli 1945 herausgegebene Briefmarke.
Foto: Koni Häne

Die Existenz des Apfels belegen bereits Funde aus der Jungsteinzeit. In prähistorischen Siedlungen konnten verkohlte Apfelreste ausgemacht werden. Man nimmt an, dass Siedler vor etwa 6000 Jahren mit der Kultivierung des Wildapfels begannen. Allerdings konnte bis heute nicht mit Sicherheit belegt werden, dass unser Kulturapfel vom europäischen Wildapfel abstammt. Genetische Untersuchungen deuten eher darauf hin, dass der Kulturapfel ein Kreuzungsprodukt aus südwestasiatischen Wildäpfeln ist.

Im Verlauf der Zeit wurde die althochdeutsche Bezeichnung für den Apfelbaum von "aful", "afil" oder "afful" in "apholtra" oder "affaltra" abgeleitet. Letzteres setzt sich aus dem keltischen "afal" (Apfel) und "tra" (Baum) zusammen. Ortschaften wie beispielsweise "Apfeldorf", "Apfelbach" und "Apolda" sowie Orts- als auch Geschlechtsnamen wie "Affeltrangen" und "Affeltranger" oder "Affoltern" und "Affolter" zeugen von der engen Verbundenheit der Leute mit dem Apfelbaum.

Zudem begegnen wir dem Apfel in verschiedenen Sprichwörtern: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" oder "In den sauren Apfel beissen". Der wohl bekannteste Spruch ist das englische "An apple a day keeps the doctor away".

Wortbildungen in Kombinationen mit "Apfel" haben die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Augapfel", "Zankapfel", "Apfelschimmel", "Erdapfel" (Kartoffel), "Liebesapfel" (Tomate), "Frauenapfel" (Busen) oder "Kienapfel" (Föhrenzapfen). Weil gemäss der Paradieserzählung angeblich der Bissen des Apfels in Adams Hals stecken blieb, entstand der Begriff Adamsapfel.

Der aus Schweizer Sicht wohl bekannteste Apfel ist derjenige, den Wilhelm Tell beim sagenumwobenen Apfelschuss mit der Armbrust vom Haupt seines Sohnes schoss.

Der Wildapfel in der Schweiz

Gemäss dem Schweizerischen Landesforstinventar gibt es in der Schweiz rund 36'000 Wildapfelbäume mit Brusthöhendurchmesser 12 cm und mehr (Stammdurchmesser auf 1.30 m). Dazu dürften noch einige Tausend Jungbäume aus Naturverjüngung hinzukommen, sowie die während den letzten 10 Jahren anlässlich von Aufforstungskampagnen gepflanzten Bäumchen.

Mitarbeiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf ZH ziehen jährlich einige hundert Wildapfelbäumchen nach. Zur Saatgutgewinnung ernten sie jedes Jahr 50 bis 150 kg Früchte. Weil die Samenausbeute mit lediglich 0.5% äusserst gering ausfällt, sind die Preise mit Fr. 1'000.-- pro Kilogramm dementsprechend hoch. Trotzdem sind die Wildapfelsamen sehr begehrt.

Wildäpfel fördern

Der seltene Wildapfel bedarf unserer Unterstützung. Wir haben dazu verschiedene Möglichkeiten, sei es als Forstmann in unsern Wäldern und Auen, als Landwirtin oder Landschaftsgärtner in unserer Kulturlandschaft und als Gartenfreundin in unsern Wohngebieten, wo wir in diesem Jahr einen oder mehrere Wildäpfel pflanzen können.

Quellen
  • Kuratorium Baum des Jahres
  • Anton Burkart, Eidg. Forschungsanstalt WSL: Angaben per E-Mail
  • Guggenbühl, P. (1962): Unsere einheimischen Nutzhölzer. Die gebräuchlichen Holzarten Mittel- und Nordeuropas.‎  ‎Zürich, Stocker-Schmid, 1962. 406 S.
  • Laudert, D. (2000): Mythos Baum. Geschichte, Brauchtum, 40 Baumporträts. 5., überarb. Aufl.. 2003. 256 S. ISBN: 3-405-16640-3.
  • Brändli U. -B. (Red.) 2010; Schweizerisches Landesforstinventar. Ergebnisse der dritten Erhebung 2004—2006. Birmensdorf. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Bern Bundesamt für Umwelt, BAFU. 312 S.

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