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Artikel

Autor(en): Julien Prinet
Redaktion: FVA, Deutschland
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Kartographische Erfassung von Gewässern im Wald: Ziele und Umsetzung

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Inhalt

Gegenstand der kartographischen Untersuchung

Die im Rahmen des INTERREG-Projektes "wasserwirtschaftliche und gewässerökologische Belange in der Waldwirtschaft" durchgeführte Untersuchungen beziehen sich auf im Wald vorkommende Gewässer. Dazu gehören:

  • Fließgewässer, Bäche und kleine Bäche. Das in den öffentlichen Wäldern vorhandene Gewässernetz wurde abgelaufen, auch Bäche mit nicht ständigem Abfluss, ungeachtet ihrer Größe und ihrer Durchflussmenge. In den Bergregionen, die sehr viele kleine Bäche und Rinnsale aufweisen (Runtz, Talweg usw.), beschränken sich die Beschreibungen auf das Hauptgewässersystem. Bäche, die auf den Karten IGN 1/25.000 nicht ausgewiesen sind, wurden nicht mit in die Beobachtung einbezogen. Von vornherein nicht in Betracht gezogen wurden Gräben, Kanäle und andere, künstlich angelegte Wassersysteme. Diese Beobachtung schließt von vornherein Gräben, Kanäle und sonstige, künstlich angelegte Wassersysteme aus und ergänzt die Erhebungskampagnen zur physischen Qualität der Fließgewässer, die von der Agence de l´eau (Wasseragentur) im Einzugsgebiet Rhein-Maas durchgeführt werden.
Die Petite Fecht in den Vogesen. Feuchtgebiet im Wald.
Abb. 1: Fließgewässer im Wald: Die Petite Fecht in den kristallinen Vogesen. (Foto: ONF) Abb. 2: Feuchtgebiet im Wald: Hochmoor. (Foto: ONF)
  • Feuchtgebiete: die Gesamtheit aller von Wasser beeinflussten Gebiete (definiert nach der Bodenfeuchte und dem eventuellen Vorkommen von feuchtigkeitsliebenden Pflanzen), natürlichen oder künstlichen Ursprungs (z. B. Tümpel) ab einer Mindestgröße von 100 m². Seen und Weiher sind nicht Gegenstand der kartographischen Erfassung. "Feuchtgebiete von besonderer Bedeutung" ("zones humides remarquables"; beschrieben in den "inventaires départementaux des zones humides remarquables") waren ebenfalls nicht Gegenstand der Untersuchung.
Tab. 1: Die sechs Naturlandschaften im Untersuchungsgebiet.
Naturlandschaften
 
Untersuchungsgebiet
Abb. 3: Karte des Untersuchungsgebiets.
Für eine vergrößerte Version bitte anklicken.

Gewässer und Feuchtgebiete außerhalb der öffentlichen Wälder wurden nicht kartographisch erfasst. Eine Ausnahme bilden Feuchtgebiete und Fließgewässer am Waldrand, die vollständig oder zum Teil in Kontakt mit dem öffentlichen Waldgebiet sind.

Bei der Untersuchung wird eine gewisse Vollständigkeit angestrebt; sie soll alle relevanten Feuchtgebiete und Bäche mit einbeziehen; ohne besondere qualitative oder quantitative Unterscheidungsmerkmale. Aufgrund der Größe des Untersuchungsgebiets und der bedeutenden Anzahl an Untersuchungsobjekten konnten einige Gewässerbereiche jedoch nicht erfasst werden. Dies soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Untersuchungsgebiet

Der Untersuchungsraum erstreckt sich auf eine Fläche von 1666.000 ha und bezieht die öffentlichen elsässischen Wälder des Bergfußes der Vogesen und des elsässischen Jura mit ein. Die geomorphologischen Strukturen sind unterschiedlich, da sechs verschiedene Naturlandschaften vorhanden sind (s. Tab. 1 und Abb. 3).

Vorgehensweise und Personal

Die Außenarbeiten fanden zwischen Juni 2006 und Juni 2007 statt. Die Beschreibung erfolgte auf Revierebene durch die Revierleiter. 196 Forstreviere sind betroffen, verteilt auf 305 Gemeinden. Etwa 200 Mitarbeiter vor Ort haben in ca. 996 Arbeitstagen die Erhebungen durchgeführt (durchschnittlich 5 Tage/Forstrevier). Für die Vorbereitung, Leitung und Durchführung der Erhebungen sind 285 131 € veranschlagt. (= 54 % des Gesamtvolumens des INTERREG-Projektes auf französischer Seite).

Methode zur Beschreibung der Feuchtgebiete

Das angewandte Verfahren stützt sich zum Teil auf die nationale französische Methode "Tronc commun", entwickelt vom "Institut français de l’environnement" (IFEN) (franz. Statistikamt des franz. Umweltministeriums). Es handelt sich um eine funktionelle Beschreibung und nicht um eine reelle Kartierung von Lebensräumen.

Methode zur Beschreibung der Wasserläufe

Das angewandte Verfahren wurde in Anlehnung an das "Estruka-Verfahren" der FVA Freiburg entwickelt.

Beide Methoden berücksichtigen in großem Maße die Auswirkungen der Forstbewirtschaftung und -nutzung und die dadurch hervorgerufenen Störungen.

Ziel und Bedeutung der Kartierung von Fließgewässern und Feuchtgebieten im Wald

Die Erfassung von Fließgewässern und Feuchtgebieten im Wald ist ein unabdingbares Instrument zur Durchsetzung der vier - von den Partnern des Interreg-Projekts definierten - Hauptziele.

Die vier Hauptziele des INTERREG-Projektes
Abb. 4: Die vier Hauptziele des INTERREG-Projektes.

Bestandteile des Projekts

Maßnahme
Erfassung von Fließgewässern und Feuchtgebieten
WO? Im öffentlichen Wald der Vogesen und des elsässischen Jura
WER? ONF

Die Erfassung der Fließgewässer und Feuchtgebiete dient der besseren Kenntnis der im Untersuchungsgebiet vorhandenen Fließgewässer und Feuchtgebiete.

Diese Bestandsaufnahme ermöglicht:

  • die Erstellung einer GIS-Datenbank zum Thema "Gewässerstrukturen im Wald" als dauerhafte Informationsbasis für die Bewirtschafter zur besseren Kenntnis der Wasservorkommen in den jeweiligen Wäldern,
  • eine Diagnose über den jeweiligen Zustand der Fließgewässer und Feuchtgebiete,
  • das Erkennen negativer Auswirkungen der Waldbewirtschaftung auf diese Gebiete. Infolgedessen können "Prioritätsgebiete", in denen Maßnahmen durchgeführt werden müssen, bestimmt werden.

Erhebung der Fließgewässer

  • Vor der Durchführung wurde ein Vergleich der in der Region angewandten Methoden angestellt: QUALPY ®- Methode der Agence de l’Eau Rhin-Meuse, Methode der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) Baden- Württemberg und die Estruka-Methode der FVA. Letztere wurde schließlich berücksichtigt. Das Messprotokoll wird an den spezifischen Kontext der Wasserläufe im Wald angepasst. Es basiert auf einer Strukturkartierung (Erkennen von Querbauwerken und natürlichen Hindernissen) und ermöglicht es, die besonderen Bedingungen des jeweiligen Gewässers zu erkennen.
Zu beschreibende Objekte.
Abb. 5: Zu beschreibende Objekte.

Prinzip der Methode:
Der Mitarbeiter bestimmt vor Ort:

  • Hindernisse und Strukturen, die die Durchgängigkeit des Gewässers behindern:
  1. natürliche Hindernisse (Verklausungen, Abstürze, umgestürzte Bäume usw., s. Abb 6)
  2. künstliche Hindernisse (Querbauwerke, Stufen usw., s. Abb. 7)
  • Linien- und punktförmige Objekte im Gewässerbett oder in Kontakt mit dem Uferbereich (Steinaufschüttungen, Uferwege usw.);
  • Den jeweiligen Baumbestand (im Rahmen von 25 m auf beiden Seiten des Gewässers) mit Spezifizierung eines echten Auewalds,
  • Schäden/ Beeinträchtigungen, hervorgerufen durch die forstwirtschaftliche Aktivität (Maschinenquerungen, Holzablagerungen, Schlagabraum...) oder anderen Ursprungs (Jagd, Besiedlung…).
Natürliches Hinderniss: Totholz   Künstliches Hinderniss: Rohrdurchlass
Abb. 6: Natürliches Hinderniss: Totholz. (Foto: ONF)
  Abb. 7: Künstliches Hinderniss: Rohrdurchlass. (Foto: ONF)

Erhebung der Feuchtgebiete

Es handelt sich um eine fast vollständige Erhebung der Feuchtgebiete im öffentlichen Wald. Der Zustandsbericht bezieht sich auf "gewöhnliche" Feuchtgebiete aller Größen mit gewohnter Fauna.

  • Entwicklung einer Referenzmethode und einer pragmatischen Beschreibung (in Anlehnung an die nationale französische Methode des IFEN "tronc commun")
  • Strukturelle Beschreibung der Feuchtgebiete (Standort, Oberfläche, Typ, durch die Waldbewirtschaftung hervorgerufene Störungen, Funktion usw.).
Beispiele für Gewässeranbindungen
Abb. 8: Beispiele, wie die Anbindung von Feuchtgebieten an das Gewässernetz beschrieben wird.
  • Bestandsaufnahme und Klassifikation der Beeinträchtigungen, die mit der Waldbewirtschaftung einhergehen.
Relevante Daten
Abb. 9: Relevante Daten.

Der Zustandsbericht der Fließgewässer und Feuchtgebiete ermöglicht eine bessere Kenntnis über die Verteilung dieser Gebiete im Wald.

Er ermöglicht außerdem die mit der Waldbewirtschaftung entstehenden Probleme in diesen Gebieten zu erkennen und nach Prioritäten einzuordnen. Die Vorgaben zur Bewirtschaftung können lokal angepasst und spezifische Maßnahmen eingeführt werden.

Satellitenbildauswertung potentieller Feuchtgebiete

Parallel zur Bestandserfassung vor Ort erfolgt eine Erhebung potentieller Feuchtgebiete mithilfe von hoch auflösenden Satellitenbildern (QuickBird). Sie betrifft zwei Sektoren von 60 km², beide liegen in den Vogesen.

Dieses Verfahren zeigt die Grenzen einer Kartierung mithilfe einer Satellitenbildauswertung von kleinen Bereichen innerhalb von bewaldeten Gebieten auf.

Für beide Sektoren werden die vor Ort erhobenen Daten mit den automatisch ausgewerteten Daten der Satellitenbilder (Nahinfrarot) verglichen.

Übersetzung

dialogos GbR Regina Strübe
79100 Freiburg

Artikelserie: Kartographische Erfassung der Gewässer in den Vogesen und dem elsässischen Jura des ONF

Teil 2: Ergebnisse der kartographischen Erfassung von Gewässern im Wald

Teil 3: Bewirtschaftung von Feuchtgebieten im Wald

Hinweis

Dieser Beitrag ist Teil des Ratgebers "Handbuch Wald & Wasser".
Dort finden Sie eine Vielzahl weiterer Beiträge zum Thema "Wald & Wasser".