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Jan Preller

Wald und Holz NRW
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Artikel

Autor(en): Jan Preller
Redaktion: WUH, Deutschland
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Lebendige Bäche für Mensch und Natur

Waldbach
Abb. 1: Waldbach im Arnsberger Wald. Foto: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Elektrobefischung
Abb. 2: Elektrobefischung in der Heve, Arnsberger Wald. Foto: ABU Soest
Projektgebiet, kleine Karte
Abb. 3: Ausdehnung und Lage des Projektgebietes im Arnsberger Wald. Karte: ABU Soest
Mittelgebirgsbach
Abb. 4: Mittelgebirgsbach im Sauerland. Foto: ABU Soest
Bachforelle
Abb. 5: In vielen Bächen des Arnsberger Waldes hat sich auch die Bachforelle halten können. Foto: ABU Soest
Eisvogel
Abb. 6: Auch der Eisvogel ist im Projektgebiet heimisch. Foto: ABU Soest
Große Schmalenau
Abb. 7: Bachnaher Bestand (Bachabschnitt der Großen Schmalenau), in dem die Fichten mit Forstwirtauszubildenden entfernt wurden. Es stehen noch die Schwarzerlen. Foto: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Hevetal
Abb. 8: Blick auf das Hevetal: Der Vorbestand Fichte wurde überwiegend durch "Kyrill" geworfen. Verbliebene Bestandesreste wurden vom Borkenkäfer befallen und sind dann genutzt worden. Waldbaulich (auch im Rahmen des LIFE-Projektes) ist dort geplant, in unmittelbarer Bachnähe Schwarzerle und weiter oberhalb Eiche und auch Buche einzubringen. Foto: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Das europäische LIFE-Projekt "Bachtäler im Arnsberger Wald" dient der Entwicklung der Gewässer und Auen. Neben wasserbaulichen Maßnahmen zielt es auch auf die waldbauliche Gestaltung der Auen und die Aufklärung der Bevölkerung ab.

Nach der offiziellen Eröffnung des LIFE-Projektes für die Gewässer im Arnsberger Wald im Februar 2009 durch den nordrhein-westfälischen Umweltminister Eckhard Uhlenberg sowie intensiven Planungen im Frühjahr und Sommer können jetzt erste Ergebnisse des Naturschutzprojektes vorgestellt werden. Ziele für die "Bachtäler im Arnsberger Wald" sind neben wasserbaulichen Maßnahmen in den zahlreichen Fließgewässern des Gebietes im nördlichen Sauerland auch die waldbauliche Gestaltung der Auen und die Aufklärung der Bevölkerung.

Dass die Arbeiten nach der fünfjährigen Projektlaufzeit und einem Fördervolumen von insgesamt 1,1 Mio. Euro bei Naturschutzmaßnahmen im Wald nicht vollständig beendet werden können, machte Lorenz Lüke-Sellhorst vom Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald deutlich: "Wir müssen im Wald und in der Forstwirtschaft in deutlich längeren Zeiträumen denken". Das gelte auch für Projekte im Waldnaturschutz mit waldbaulichen Zielsetzungen. Trotzdem sei man über den zusätzlichen Impuls durch das LIFE-Projekt dankbar. Mit floristischen und faunistischen Kartierungen - z.B. für im Wald lebende Libellenarten - und Vermessungen von Fließgewässern hatten die Arbeiten der Spezialisten aus den Biologischen Stationen Soest und Hochsauerlandkreis begonnen. Denn sowohl das dem Projekt zu Grunde liegende Konzept als auch die Europäische Union als maßgeblicher Förderer fordern ein Monitoring der Arten im Projektgebiet. Durch den Vorher-Nachher-Vergleich soll der Erfolg der Naturschutzmaßnahmen bewertet werden.

Einsatz der Elektro-Angel

Ein wichtiger Maßstab für die Beurteilung von Fließgewässern ist der Zustand der Fischfauna. Die effektivste und auch für die Tiere unschädlichste Erfassungsmethode ist die Elektrobefischung. Die kontrollierte Abgabe von Strom in das Gewässer betäubt die Fische, sodass sie mit Hilfe eines Keschers gefangen und bestimmt werden können. Nach wenigen Minuten erlangen die Fische ihre volle Vitalität zurück und werden zurück in das Gewässer entlassen. In vielen Bächen des Arnsberger Waldes, wie etwa der Heve, haben sich neben Bachforelle, Döbel und Hasel mit der Groppe und dem Bachneunauge, einer urtümlichen Rundmaulart, auch seltene, besonders geschützte Arten halten können. Beide Arten benötigen saubere und strukturreiche Bäche mit kiesigem bis sandigem Grund. Ihre Populationsgrößen sollen durch das LIFE-Projekt wachsen. In dessen Rahmen soll auch eine weitere, seltene Tierart der Gewässer untersucht werden. "Wir vermuten noch Restbestände des Europäischen Edelkrebses in einzelnen Gewässern", sagt Olaf Zimball, Gewässerspezialist der Bio-Station im Kreis Soest. Krebse seien reichlich da. Allerdings handele es sich bei den Tieren um den eingeführten Amerikanischen Kamberkrebs, mit dem die tödliche Krebspest eingeschleppt und der Europäische Krebs nahezu ausgerottet wurde. Mithilfe einer wissenschaftlichen Kartierung durch eine Diplomarbeit wollen die Biologen den letzten Edelkrebsen "auf den Grund gehen".

Wasserbau beginnt in Kürze

Aussetzungen von seltenen Tieren sind im Rahmen des LIFE-Projektes nicht geplant. Stattdessen setzen Biologen und Förster konsequent auf die Optimierung bzw. Wiederherstellung der Lebensräume. Ein Mangel größerer und kleinerer Waldbäche ist die so genannte "Eintiefung" der Gewässer in ihren Auen. Durch Begradigungen im Verlauf der Jahrhunderte und die dadurch verursachte hohe Fließgeschwindigkeit mit der Abtragung von Schottermaterial ist die Gewässersole vielerorts stark gesunken, die Bäche tief im Gelände eingeschnitten. Eine Konsequenz der Veränderung der Bachstruktur kann die fehlende Durchlässigkeit für wandernde Arten sein. Für den genetischen Austausch von Teilpopulationen und die Möglichkeit des Ausweichens bei Niedrigwasser in die Oberläufe sind wasserbauliche Maßnahmen geplant. In Kürze soll mit der Anlage von mehreren Furten anstelle enger Durchlässe die Barrierewirkung von Waldwegen für das Fließgewässer wegfallen. Auf Grundlage von altem Kartenmaterial soll der historische Bachverlauf an mehreren Stellen wieder angelegt, Uferbefestigungen entnommen und Altarme wieder an das Gewässer angeschlossen werden. Das nutzt nicht nur den ständig im Wasser lebenden Fischen, sondern auch den Amphibien in der Aue rechts und links vom Bach. "Durch zu tief liegende Bäche trocknen die Auen und damit wichtige Biotope für die Lurche im Wald aus", erklärt Dr. Margarete Bunzel-Drüke von der Bio-Station im Kreis Soest.

Mehr Wasser im Wald

Die Perspektive des LIFE-Projetes liegt demnach nicht nur auf dem Wasser selbst. Auch geht es bei den Renaturierungsarbeiten in den Auen nicht um den Natur- und Artenschutz allein. Die Projektbeteiligten erhoffen sich darüber hinaus eine Verbesserung des Hochwasserschutzes. "Das Wasser soll durch die zusätzlichen Bachschlingen und die intakte Bachaue länger im Wald bleiben und kann so bei Hochwasser als Puffer dienen", erklärt Olaf Zimball. Die Wirkung darf bei extremen Hochwasserlagen wie zuletzt im Jahr 2007 im Arnsberger Wald allerdings nicht überschätzt werden. Wichtig für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW ist die Einbindung der auf die Gewässer bezogene LIFE-Kulisse in die Gesamtplanung der vorgesehenen Waldentwicklung und die Bewirtschaftung der Nachbarflächen. "Die Aue wird langfristig wieder nasser, der Nadelholzanteil in Bachnähe wird deutlich zurückgehen", erklärt der Förster Lüke-Sellhorst. Für ihn ist die Fichtennaturverjüngung ein "Knackpunkt": "Auch wenn wir die starken Fichten jetzt nutzen, werden wir uns weiter mit der Naturverjüngung beschäftigen müssen". Durch Initialanpflanzungen zum Beispiel mit Erle und der waldbaulichen Gestaltung der Nachbarbestände unter anderem mit Eiche wollen die Förster den Baumartenwechsel am Bach langfristig sichern.

Kleine Hände ziehen kleine Bäume

Kurzfristig setzen die Projektbeteiligten auf die Motorsäge und Kinderhände. Letztere ziehen im Rahmen von Umweltbildungsangeboten junge Fichten in der Aue oder bearbeiten die Naturverjüngung mit der Handsäge. Für das zum Lehr- und Versuchsforstamt gehörende Jugendwaldheim Obereimer ist das LIFE-Projekt zu einem Leitprojekt für die nächsten Jahre geworden. Immer wieder sollen Schulklassen an den Bächen arbeiten, sich als Paten für die Gewässer verantwortlich fühlen. Kürzlich war eine internationale Jugendgruppe zu Gast im Arnsberger Wald. Tatkräftige Hilfe leisteten auch die Forstwirt-Auszubildenden des Forstlichen Bildungszentrums aus Neheim bei der ersten Entfichtungsmaßnahme überhaupt. Im Rahmen der diesjährigen Abschlussprüfung wurde ein Bachabschnitt der Großen Schmalenau durchforstet und stellt sich jetzt als typischer Schwarzerlenbestand dar.

Mehrere für die nächsten Monate errichtete Informationsschilder erläutern den Menschen die forstliche Maßnahme und ihren naturschutzfachlichen Wert. Die Information der Waldbesucher und der Bevölkerung ist den Projektbeteiligten wichtig. Zwei Bürgerinformationen haben in den umliegenden Dörfern Neuhaus und Breitenbruch stattgefunden. Im nächsten Jahr starten erneut Veranstaltungen und Wanderungen zum LIFE-Projekt. Ein internationaler Workshop im April soll ein Fachpublikum ansprechen. Faltblätter, Thementafeln im Gelände und zwei neue Naturpfade runden das Angebot der LIFE-bezogenen Öffentlichkeitsarbeit ab. Dabei ist den Projektbeteiligten das gemeinsame Auftreten nicht nur im Sinne der fachlichen Projektziele wichtig. Darüber hinaus soll mit dem LIFE-Projekt im Arnsberger Wald auch die gute Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Naturschutz herausgestellt werden.

LIFE-Steckbrief "Bachtäler im Arnsberger Wald"

Projektträger der "Bachtäler im Arnsberger Wald" ist die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V. (ABU). Ihr zur Seite stehen neben dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW und der Stadt Meschede - den Flächeneigentümern - die Biologische Station Hochsauerlandkreis und der Naturpark Arnsberger Wald. Das LIFE-Projekt soll von der interdisziplinären Zusammenarbeit der Projektpartner profitieren.

Für das Projekt im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis stehen Mittel in Höhe von insgesamt 1,1 Mio. Euro zur Verfügung, welche zu 50 Prozent von der Europäischen Union und zu 45 Prozent vom Land NRW erbracht werden. Die restlichen fünf Prozent werden von den Projektpartnern finanziert. Das Gebiet umfasst die FFH-Gebiete "Arnsberger Wald", "Heveoberlauf", "Kleine Schmalenau und Hevesee" sowie "Hamorsbruch und Quellbäche". Mit 1.300 Hektar umfasst es große Teile der Bachtäler und Moore der vier FFH-Gebiete, die zusammen eine Fläche von 8.504 Hektar bilden. Maßnahmen des LIFE-Projektes werden ausschließlich auf Flächen in öffentlichem Besitz durchgeführt (Land NRW und Stadt Meschede). Das Projekt läuft vom 2. Januar 2009 bis zum 31. März 2014.

Der überwiegende Teil des Projektgebietes wird forstlich genutzt. Rund 97 Prozent der Fläche ist Wald, davon 48 Prozent Laubwald, zwei Prozent Mischwald und 47 Prozent Nadelwald, zumeist Fichte. Etwa ein Prozent der Fläche sind Moor- und Sumpfstandorte. Das Gebiet zeichnet sich durch ausgedehnte Vorkommen von verschiedenen, natürlichen Waldgesellschaften, wie zum Beispiel Hainsimsen-Buchenwäldern oder Erlen-Eschenwäldern, sowie vielen naturnahen Bachabschnitten aus.

Ein Schwerpunkt des Projektes sind Maßnahmen, die die natürlichen Lebensräume und Lebensgemeinschaften der Mittelgebirgsbachtäler entwickeln sollen. Innerhalb der Projektkulisse befinden sich Fließgewässer mit einer Gesamtlänge von mehr als 30 Kilometern. Ein Teil der Bäche befindet sich bereits in einem naturnahen Zustand. Andere Gewässer wurden in der Vergangenheit begradigt, ihre Ufer befestigt und ihre Auen durch Entwässerungsgräben trocken gelegt. Die Auen wurden in erheblichem Umfang mit Fichten aufgeforstet, die die Gewässer ausdunkeln und die Lebensraumqualität einschränken.

Ziel der wasser- und waldbaulichen Maßnahmen im Rahmen des LIFE-Projektes ist eine Strukturanreicherung in den Gewässern sowie die Wiederherstellung einer naturnahen Fließgewässerdynamik und der Bach begleitenden Auen auf einer Fläche von rund 150 Hektar.

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