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Originalartikel: Blaschke, M.; Hahn, C. (2006): Totes Holz – Substrat, auf dem die Pilze wuchern. LWF aktuell 53, S. 22-23.
Autor(en): Markus Blaschke, Christoph Hahn
Online-Version: Stand: 10.02.2011
Redaktion: LWF, D

Totes Holz – Substrat, auf dem die Pilze wuchern

Buchentotholz ist ein idealer Lebensraum für zahlreiche Pilzarten

Rotbuchen-Rindenkugelpilz
Abb. 1: Der Rotbuchen-Rindenkugelpilz kann bereits relativ frisches Totholz zersetzen und sichert sich damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen holzzersetzenden Pilzen (Foto: M. Blaschke).
 
Schwarzflockiger Dachpilz
Abb. 2: Schwarzflockige Dachpilze bevorzugen stark zersetztes Totholz (Foto: M. Blaschke).
 
Hexenbutter
Abb. 3: Die Hexenbutter kommt häufig an toten Laubholzstrünken und -ästen, seltener an Nadelholz vor. Bisweilen kann man sie auch an Wundstellen noch lebender Bäume beobachten (Foto: M. Blaschke).
 
Zunderschwamm
Abb. 4: Der Zunderschwamm ist jedem Waldbesucher bekannt. Er ist der Charakterpilz für starkes Totholz (Foto: M. Blaschke).

Wer einmal die Gelegenheit hat, einen vom Wind geworfenen Buchenstamm über mehrere Jahre zu beobachten, wird überrascht sein von der Vielfalt, die an einem solchen Stamm zu beobachten ist. Mit mehr als 250 nachgewiesenen Pilzarten sind tote Buchenstämme der Renner für Totholzpilze. Besonders deutlich wird dies auch an den zahlreichen Pilzfruchtkörpern, die einen solchen Stamm im Laufe der Zeit besiedeln. Immer wieder wird in der forstlichen Ausbildung, aber auch bei verschiedenen Diskussionen vom "artenarmen bodensauren Buchenbestand" gesprochen. Doch diese Betrachtung blendet viele Aspekte eines umfassenden Ökosystems Wald aus. Sie beschränkt sich ausschließlich auf die verhältnismäßig leicht erfassbare Gruppe der Gefäßpflanzen. Andere Artengruppen sowohl im Tierreich als auch im Pilzreich verhalten sich grundlegend anders.

Buchenholz – Nummer Eins der Hitliste vieler Totholzpilze

Die mykologischen Untersuchungen in den bayerischen Naturwaldreservaten brachten bislang Nachweise von 269 verschiedenen Arten allein am Buchentotholz. Unter diesen waren auch zahlreiche seltene Arten. Darunter sind drei "stark gefährdete Arten" (RL-2), 19 "gefährdete Arten" (RL-3) und 13 weitere als "potenziell gefährdet" (RL-4) eingeschätzte Arten der Roten Liste Bayerns. Allein an einem einzelnen Buchenstamm konnten inzwischen 29 verschiedene Pilzarten beobachtet werden.

Dabei haben die Pilze die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um einen Teil vom Kuchen oder besser gesagt vom Holzkörper abzubekommen. Es gibt Arten, wie der zu den Schlauchpilzen gehörende Rotbuchen-Rindenkugelpilz (Biscogniauxia nummularia), die sich darauf spezialisiert haben, bereits in der Anfangsphase der Holzzersetzung zu erscheinen und sich einen Teil des frischen Holzes zu erschließen (siehe Abb. 1). Einige Arten überlassen die Vorarbeit anderen und erscheinen, wie der Schwarzflockige Dachpilz (Pluteus umbrosus), erst im letzten Stadium der Zersetzung (siehe Abb. 2).

Hexenbutter und Austerseitling – die Formenpracht ist vielfältig

Doch keineswegs erscheinen auch alle im Holz lebenden Pilzarten mit ähnlichen Fruchtkörpern. Der Charakterpilz für etwas stärkeres Buchentotholz ist der bekannte Zunderschwamm (Fomes fomentarius, Abb. 4). Seine dauerhaften und mehrjährigen Fruchtkörper sind mit bis zu 30 cm Breite verhältnismäßig groß. Seine Fruchtkörperkonsolen können wir vom Baumstumpf bis hinauf zum mittelstarken Totholzast in der Krone beobachten. Der Pilz ist häufig schon an kränkelnden aber noch lebenden Bäumen zu beobachten, oft tauchen die Konsolen aber erst am liegenden Totholz auf. Auch die abgestorbenen, harten Fruchtkörper bleiben sehr lange am Stamm.

Viele Arten sind wesentlich unscheinbarer. Der Scharlachrote Rotpustelpilz (Nectria coccinea) ist manchem vielleicht als Schädling im Zusammenhang mit der Buchenwolllaus im Komplex der Buchenschleimflusskrankheit bekannt. Seine Hauptaufgabe im Ökosystem dürfte allerdings die Erschließung von ganz frischem Buchentotholz sein. Auch wenn seine Fruchtkörper unter der Lupe durch die rote Farbe eigentlich auffällig erscheinen, die stecknadelkopfgroßen einzelnen oder zu wenigen zusammenstehenden Pusteln bleiben dem Auge oft verborgen.

Andere Arten wie die Hexenbutter (Exidia plana) fallen nur bei entsprechender Feuchtigkeit als gallertartige Masse auf (siehe Abb. 3). Im trockenen Zustand bilden sie lediglich sehr dünne, schwarze bis graue Überzüge auf dem Holz. Wiederum andere Fruchtkörper erscheinen nur für einige Tage. Darunter ist z. B. auch der schmackhafte Austerseitling (Pleurotus ostreatus), der an starkem Buchentotholz regelmäßig auftritt – jedoch zur Winterszeit, wenn kaum jemand auf Pilzfruchtkörper achtet. Übrigens stellt dieser Pilz nicht nur für den Menschen eine köstliche Mahlzeit dar. Auch so manche Tierart wie das Reh bedient sich hier gern eines Leckerbissens zur ungemütlichen Jahreszeit.

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