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Originalartikel: Stofer S., Scheidegger C. Clerc, P., Dietrich M., Frei M., Groner U., Jakob P., Keller C., Roth I., Vust M., & Zimmermann E. (2008): SwissLichens - Webatlas der Flechten der Schweiz / Modul Verbreitung (Version 2 vom 24.02.2014). www.swisslichens.ch.
Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Online-Version: verändert, Stand: 17.11.2005
Redaktion: WSL, CH

Verbreitungsatlas der baumbewohnenden Flechten der Schweiz

Flechten gibt es in einer Fülle von Formen und Farben. Doch mehr als ein Drittel der einheimischen Arten ist gefährdet. Ein Verbreitungsatlas zeigt das Vorkommen der 557 baumbewohnenden Flechten der Schweiz.

Pseudevernia furfuracea
 
Cladonia macilenta
Flechten zeigen eine grosse Vielfalt von Formen und Farben.
Fotos: Christoph Scheidegger (WSL)

Wälder sind der bedeutendste Lebensraum epiphytischer, d.h. auf Borke (umgangssprachlich: Rinde) von Pflanzen lebenden Flechten. Die verschiedenen Waldtypen beherbergen dabei ganz unterschiedliche Flechtenvegetationen. Vor allem die subalpinen Fichtenwälder oder die Lärchen-Arvenwälder der Zentralalpen sind ausserordentlich flechtenreich. Nicht nur die Biomasse sondern auch die Artenvielfalt der Flechten kann in einem solchen Wald ausserordentlich gross sein: 30 verschiedene Arten an einem einzigen Baumstamm sind keine Seltenheit!

Die meisten epiphytischen Flechtenarten kommen nicht auf allen Baum- und Straucharten vor, sondern zeigen deutliche Vorlieben. Manche Flechten bevorzugen beispielsweise saure, nährstoffarme Rinden und sind daher überwiegend an Nadelbäumen zu finden, andere wiederum sind auf neutrale Borke, z.B. Esche, spezialisiert.

Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL haben einen Verbreitungsatlas aller baumbewohnenden Flechten entwickelt. Zu jeder der 557 auf lebenden Bäumen oder Sträuchern gefundenen Flechten der Schweiz erhalten Interessierte Informationen zu den folgenden Fragen:

Ein Leben in Symbiose

gelbe Flechte
 
Lobaria pulmonaria
 
schwarze Flechte
Fotos: Thomas Reich (WSL)

Flechten sind Pilze, die in enger Gemeinschaft mit Grünalgen oder Cyanobakterien (Blaualgen) leben. Eine solche Lebensgemeinschaft verschiedener Organismen nennt man Symbiose. Die Doppelnatur der Flechten ist äusserlich nicht erkennbar; sie offenbart sich erst bei Betrachtung unter dem Mikroskop.

Die Symbiose bietet beiden beteiligten Partnern erhebliche Vorteile. Die Algen und Cyanobakterien (Photobionten) sind in der Lage, Photosynthese zu betreiben, und versorgen auf diese Weise sich und den Pilzpartner (Mycobiont) mit den für die Ernährung notwendigen Kohlehydraten. Der Pilz seinerseits bietet durch Umhüllung der Alge Schutz vor intensiver Sonnenstrahlung, vor algenfressenden Tieren und versorgt sie zudem mit mineralischen Nährstoffen und Wasser. Alle Photobionten können auch ohne ihren Pilzpartner leben, dieser jedoch nicht ohne Photobionten

Je nach Wuchsform unterscheidet man Strauch-, Bart-, Blatt- und Krustenflechten. Flechten besiedeln eine Fülle von verschiedenen Substraten wie Baumrinde, Gestein, Erdboden, Holz, Moos, immergrüne Blätter, aber auch anthropogene Substrate wie bearbeitetes Holz, Mauern oder sogar Denkmäler.

Besonders flechtenreiche Wälder sind:

 
Textquelle
Scheidegger, C.; Clerc, P.; Dietrich, M.; Frei, M.; Groner, U.; Keller, C.; Roth, I.; Stofer, S.; Vust, M., 2002: Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Baum- und erdbewohnende Flechten. - Bern, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL; Birmensdorf, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL; Conservatoire et Jardin botaniques de la Ville de Genève CJBG. 124 S.

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