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Stefan Tretter

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Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Klaus Wagner, Michael Suda
Redaktion: LWF, Deutschland
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Die ruhigen Zeiten sind vorbei!?

Freisinger "Seenlandschaft" – Isarauen bei Freising 2005
Abb. 1: Freisinger "Seenlandschaft" – Isarauen bei Freising während des Hochwassers vom August 2005 (Foto: M. Streckfuß).

Schwere Überschwemmungen, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte häufen, erhöhen die Aufmerksamkeit gegenüber Naturgefahren oder auch der Rolle des Waldes bei solchen Katastrophen. Die Suche nach Lösungen führt über technische Maßnahmen bis hin zum Erlass neuer oder der Umsetzung und Verschärfung gegebener Gesetze. Auch werden auf Grund dieser "außergewöhnlichen Ereignisse" Verwaltungen gegründet oder umstrukturiert. Von hoher symbolischer Bedeutung sind finanzielle Mittel, die für den Hochwasserschutz bereit gestellt werden. Dies ist nicht nur eine Beschreibung der aktuellen Situation, sondern auch einer ähnlichen Konstellation Mitte des 19.Jahrhunderts.

Zwischen 1825 und 1875 häuften sich Unwetterereignisse im Alpenraum. Auf Grund der zunehmenden Besiedlung gefährdeter Räume führte dies dann immer wieder zu Katastrophen. Damit war die Zeit für Verbesserungen im Katastrophenschutz gegeben. Seither herrschte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts relative Ruhe. In dieser ruhigen Zeit, verstärkt seit der Zeit des Wirtschaftswunders, wurden viele Gebäude errichtet, die dann bei den Hochwasserereignissen 1999 und 2005 überschwemmt wurden.

Trügerische Sicherheit und Kurzzeitgedächtnis

Zwei Faktoren verstärken diese Entwicklungen, an deren Ende nicht das Naturereignis, sondern die Katastrophe steht. Dämme oder andere technische Maßnahmen vermitteln das trügerische Gefühl der Sicherheit. Die Halbwertszeit des Vergessens beträgt nur 14 Jahre. Die Hälfte der betroffenen Bevölkerung kann sich nach diesem Zeitraum nicht mehr an die selbst erlebte Katastrophe erinnern. Das heißt je länger ein Schadereignis zurück liegt, desto eher ist es aus dem Gedächtnis verschwunden und desto leichter führen auf (kurzfristigen) Gewinn bedachte Interessen zur Bebauung gefährdeter Standorte.

Auf Grund der relativ langen Phase ohne schwere Schäden nimmt die Bevölkerung diese Ruhe vor Katastrophen als Normalzustand wahr. Nach der Katastrophe wird ein verstärkter technischer Hochwasserschutz gefordert, der im Idealfall diese Ruhe wiederherstellen soll anstatt nach langfristigen Strategien zu suchen. Die nachhaltigste Strategie jedoch ist das Freihalten bzw. Wiederherstellen natürlicher Überschwemmungsbereiche und eine angepasste Bauweise.

Kurzsichtig und festgefahren

Dieser langfristigen Strategie stehen aber viele, hier drei beispielhaft genannte Hürden gegenüber. So zieht der Mensch kurzfristig wirksame Lösungen langfristigen im Allgemeinen vor. Auch hält er beharrlich an Traditionen fest. Gebäude in Überschwemmungsgebieten müssen um alles in der Welt einen Keller haben. Die meisten Menschen sind unfähig, kurzfristige Gewinne gegen langfristige Schäden abzuwägen. So werden sich weiterhin lokale Interessen z. B. gegen die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten und damit die Beschränkung der Bauentwicklung stellen.

Die gegenwärtige Hochwasserschutzpolitik versucht, diesen Hürden mit Hilfe langfristiger Konzepte zur Raumnutzung zu begegnen. Forstwirtschaft und Waldbesitzer bieten sich hierbei als Partner einer strategischen Allianz an.