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Artikel

Autor(en): Michael Eiper
Redaktion: BFW, Österreich
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Der Waldwirtschaftsplan gibt klare Linie für  Bewirtschaftung vor

Als Waldbesitzer oder Waldbesitzerin gibt es viele Pflichten, die erfüllt werden müssen. Jedoch gibt es in Österreich keine Verpflichtung zum Erstellen eines Waldwirtschaftplanes. Bei jeder Unternehmensgründung wird ein Businessplan erstellt, der die Chancen und Risiken des Unternehmens auflistet.

Betrachtet man den raschen Wechsel der Trends in der Finanzwelt, ist der Geschäftsplan oft schon vor der Fertigstellung überholt. Ein Waldwirtschaftsplan hingegen hat eine Gültigkeit von 10 Jahren. Die Faktoren, die in den Plan einfließen, sind im Gegensatz zur Finanzwelt recht stabil.

Ist-Zustand, Planung und Kontrolle

Ein Waldwirtschaftsplan besteht aus drei Teilen:

  • einer Zustandserhebung des Waldes,
  • einer gründlichen Planung der Eingriffe und Pflege sowie
  • einer Kontrolle der durchgeführten Arbeiten. 
Collage von Broschüren, bearbeitet mit PaperArtist
Der Waldwirtschaftsplan legt für die nächsten 10 Jahre die Nutzungen und Pflegeeingriffe fest

Für eine gründliche Planung ist eine Zustandserhebung unumgänglich. Das Erheben der Daten folgt keiner strengen Richtline. Es werden allgemeine Daten, wie zum Beispiel: Besitzstrukturen, Größe, Aufschließung, Standort, Böden, Klima usw. über den Betrieb erhoben. Dieser einleitende Teil gibt einen Überblick über den Betrieb, seine Wirtschaftszweige und eventuellen Potenziale.

Detailerhebung

Für die Detailerhebung von Flächen ist Kartenmaterial mit Luftbildern von Vorteil. Diese Karten sind über geographische Informationssysteme erhältlich. Auf den Luftbildern werden ähnlich erscheinende Flächen unterteilt. Bei den Aufnahmen im Gelände werden Informationen wie Grundgestein, Bodenform, Humusform, Wasserhaushalt, Nährstoffhaushalt, Begleitwuchs, Neigung, Schäden, Erntemöglichkeiten usw. dokumentiert.

Unter einem Bestand wird die kleinste Bewirtschaftungseinheit verstanden. Die Ausscheidung (Einteilung) der Bestände erfolgt nach dem Alter, der Baumart, der Qualität, der Bonität, dem Bestockungsgrad sowie der Bewirtschaftungsform.

In den Beständen werden die Daten mit einem Stichprobenverfahren, einem Probeflächenverfahren oder einer Vollaufnahme aufgenommen. Bei der Auswertung der Daten wird die stehende Holzmasse sowie der jährliche Zuwachs pro Fläche errechnet (Zusammenspiel von behördlicher mit betrieblicher forstlicher Planung am Beispiel Schweiz).

Planung liefert To-do-Liste

Der zweite Teil des Waldwirtschaftplanes ist die Planung. Bei ihr werden die Ergebnisse der Auswertung und Erhebungen zusammengefasst und daraus Ziele und Vorgaben formuliert. Aus dem Zuwachs, dem stehenden Vorrat und dem Alter wird der sogenannte Hiebssatz errechnet. Unter dem Hiebssatz versteht man die nachhaltig nutzbare Holzmenge auf einer gewissen Fläche. Vorsicht beim Umgang mit Zahlen von Hiebsätzen, sie beziehen sich meist auf Vorratsfestmeter und nicht auf Erntefestmeter. Der Unterschied zwischen Vorratsfestmeter und Erntefestmeter sind rund zwanzig Prozent. Diese müssen von den Vorratsfestmeter für Brüche, Übermaß und Rinde abgezogen werden.

Nicht nur Endnutzungen, sondern auch Vornutzungen, Dickungspflege, Kulturpflege, Kulturschutz und Pflanzungen sind Inhalt eines Waldwirtschaftsplanes. Das wichtigste Ergebnis des Planes ist die To-do-Liste, sie listet Eingriffe nach Dringlichkeit und Umfang auf (Ansprechpersonen finden unter klimafitter Wald).

Laufend Bewirtschaftung und Planung vergleichen
Rückegasse (Foto: BFW/Schönauer)
Mittels GIS-Programmen können über Layer Ortsinformation wie Holzlagerplätze rasch ein- oder ausgeblendet werden - je nach Verwendungszweck der Karte

Die Aufgabenliste sollte in den nächsten Jahren abgearbeitet werden. Diese Liste kann sich durch Schadereignisse verändern, deshalb sollten immer wieder Vergleiche zwischen der Bewirtschaftung und der Planung gemacht werden. Durch Abmaßlisten, Rechnungen und Aufzeichnungen über Zeitaufwände kann eine Statistik für weitere Vergleiche erstellt werden. So können etwaige Aufforstungskosten oder Schlägerungsarbeiten sehr genau vorkalkuliert werden.

Durch die Verwendung von GIS-Programmen ist das Erstellen einer Forstkarte vereinfacht worden. In den Programmen gibt es die Möglichkeit mit Layern zu arbeiten. Dies ermöglicht das Ein- und Ausblenden von Informationen auf der Basiskarte und erhöht die Übersichtlichkeit. So kann zum Beispiel eine Straßen- und Lagerplatzkarte über das Luftbild gelegt und für den Holzabtransport dem Frächter überreicht werden. Auch das Einzeichnen von Reviergrenzen und Jagdeinrichtungen ist für den täglichen Gebrauch möglich.

Erst durch die Aufnahme und der Berechnung einiger ertragskundlicher Daten, ist ein Abschätzen des Potenzials möglich. Durch das Berechnen des Hiebssatzes ergibt sich ein jährlicher Ertrag, der eine Neuausrichtung des Betriebes ermöglichen kann. Eventuell ist die jährlich anfallende Holzmenge dementsprechend groß, dass eine Neuanschaffung von Maschinen notwendig wird (Fehlinvestitionen vermeiden). Abschließend kann jedem Waldbesitzer und jeder Waldbesitzerin nur empfohlen werden, einen Waldwirtschaftsplan zu erstellen und zu benutzen, um seinen Wald nicht nur sporadisch zu nutzen (Waldbesitzer, die ihren Wald nicht bewirtschaften wollen, könnten dies über Waldbewirtschaftungsverträge forstlichen  Zusammenschlüssen überlassen).

Kurse zur Erstellung von Waldwirtschaftsplänen

Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach/Kärnten und Ort bei Gmunden/Oberösterreich

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