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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Naturverjüngung: durchkalkuliert

Naturverjüngung bietet zahlreiche Vorteile. Aber nicht nur waldbauliche: Waldbesitzer, die auf Naturverjüngung setzen, können viel Geld sparen.

Naturverjüngung bei Fürstenfeldbruck
Abb. 1: Üppige Naturverjüngung aus Tanne und Buche im Schönwald bei Fürstenfeldbruck; wer anstelle von Pflanzung auf Naturverjüngung setzt, gewinnt nicht nur ökologisch, sondern kann auch viel Geld sparen (Foto: G. Brehm).

Die Vorteile der Naturverjüngung liegen auf der Hand: Naturverjüngung ist meist standortsangepasst, zeigt oft eine höhere Pflanzendichte (kommt einem Risikopuffer gegenüber Schadeinwirkungen gleich) und naturverjüngte Pflanzen sind weniger durch Verbiss gefährdet als Baumschulpflanzen. Dennoch bevorzugen die Waldbesitzer vielerorts immer noch die künstliche Verjüngung. Waldbewirtschafter sollten die Naturverjüngung aber nicht nur waldbaulich sondern auch ökonomisch betrachten, um sich den Einfluss der Pflanzkosten bewusst zu machen.

Kalkulation – individuell und verständlich

Vergleicht man die Erträge aus der Forstwirtschaft, sind unbedingt die zeitlichen Aspekte zu berücksichtigen. Hierbei ist besonders die künstliche Bestandsbegründung gewichtig, da damit das Kapital lange über die verbleibende Umtriebszeit gebunden ist.

Im Mittelpunkt der Forstökonomie sollten die voraussichtlichen Zahlungsströme innerhalb eines Bestandslebens stehen. Sie werden erst vergleichbar, wenn der Zeitwert des Geldes berücksichtigt wird. Um diesen Zeitwert des Geldes zu kalkulieren, ist die Investitionsrechnung, wie sie z.B. bei der forstlichen Maschinenkostenkalkulation angewendet wird, die Grundlage. Wichtig ist es, den Einfluss des Zinseffektes auf forstliche Entscheidungen zu verstehen. Hier wird aufgezeigt, wie mit einfachen Mitteln schnell und übersichtlich eine individuelle Kalkulation aufgestellt werden kann.

Zeitwert des Geldes

Generationen
Abb. 2: Zwischen Bestandsbegründung und Ernte des Waldes liegen häufig ein mehrfacher Generationenwechsel; Erträge fallen somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten an (Foto: G. Brehm).

Zwischen dem Zeitpunkt der Bestandsbegründung und der Holzernte findet zum Teil ein mehrfacher Generationenwechsel statt. Gleich hohe Zahlungen – egal ob Ausgaben oder Einnahmen – können damit nicht das gleiche Gewicht haben, wenn sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen. Die Aussicht auf zukünftige Geldbeträge ist mit Unsicherheit behaftet. Geld kann an Wert verlieren (Inflation), der Holzpreis verfallen oder der Bestand Sturm bzw. Borkenkäfern zum Opfer fallen. Zudem kann später eingehendes Geld auch erst später wieder angelegt werden. So haben die Einnahmen in der Zukunft weniger Gewicht als unmittelbare, während zukünftige Ausgaben weniger belastend wirken als heutige.

Rechnen mit Kalkül: Barwert, Kapitalwert und Annuität

Hinter der Zinsrechnung steht der Gedanke, dass der Waldbesitzer nicht zwangsweise in eine Kultur investieren muss. Er könnte das Geld alternativ anlegen, auch in Wald, den man zukaufen könnte. Damit sind Zinsgewinne möglich, die dem Waldbesitzer entgehen, wenn er die Kulturbegründung durchführt. Diese Zinsgewinne müssen in der ökonomischen Betrachtung als Opportunitätskosten berücksichtigt werden. Daher werden alle Zahlungen mit einem Kalkulationszins auf den Betrachtungszeitraum abgezinst.

Bei Forstwirtschaft können wir in Deutschland mit Zinskosten in der Größenordnung von zwei bis drei Prozent operieren. Nur wenn der Zeitaspekt und die damit verbundenen Opportunitätskosten berücksichtigt werden, ist es möglich, alle Zahlungen zu verschiedenen Zeitpunkten vergleichbar zu machen. Das Abzinsen einer Zahlung ergibt den Barwert, hier beispielhaft für Einnahmen von 100,- €:

Barwert

Alternativ kann der Kapitalwert in äquivalente jährliche Zahlungen umgewandelt werden. So kann der Waldbesitzer sehen, welcher jährliche Betrag pro Hektar aus dem einen und dem anderen Bestand dem zuvor kalkulierten Kapitalwert entspricht:

Annuität

Naturverjüngung vs. Pflanzung

Buchen-Aufschlag gleich bares Geld
Abb. 3: Junger Buchen-Aufschlag ist bares Geld; häufig wird jedoch der geldwerte Vorteil, den standortgerechte Naturverjüngung mit sich bringt, verkannt (Foto: C. Schwab).

Um einen naturverjüngten mit einem gepflanzten Bestand finanziell zu vergleichen, müssen die zu erwartenden Zahlungsströme bzw. Nettoerlöse bis zur geplanten Umtriebszeit eingeschätzt werden. Diese werden sich zumeist in den Begründungs- und Pflegekosten unterscheiden. Möglich sind auch ein unterschiedliches Volumenwachstum oder unterschiedliche Umtriebszeiten. Dem Waldbesitzer, der im eigenen Wald arbeitet, ist ein kalkulatorischer Unternehmerlohn anzurechnen – er hätte seine Arbeitszeit schließlich auch alternativ einsetzen können.

Unterscheiden sich zwei Bestände lediglich in ihren Begründungskosten, lässt sich mit Hilfe der Annuität berechnen, um welchen Betrag der jährliche durchschnittliche Deckungsbeitrag eines Bestandes dadurch gesenkt wird. Bei Ausgaben für die Pflanzung von 3.000,- €/ha, einer durchschnittlichen Umtriebszeit von 110 Jahren und einem Zinssatz von zwei Prozent errechnet sich beispielsweise folgende Annuität:

Annuität

Die anfänglichen Investitionskosten werden hier unter Berücksichtigung der Zinswirkung auf alle Jahre der Umtriebszeit verteilt. Somit vermindert sich die mögliche Annuität um 68,- €.

Das Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung der TU München stellt auf seiner Internetseite ein vereinfachtes Excel-Tool zur Verfügung, mit dem Barwert, Kapitalwert und Annuität berechnet werden können. Dort ist ebenfalls ein Vergleich von zwei beispielhaften Beständen aufgeführt. Das Toll ermöglicht Waldbesitzern wie Beratern, Bewirtschaftungsalternativen unter Verwendung eigener, empirischer Zahlen zu vergleichen.

Investitionsrechner
Abb. 4:  Der "Investitionsrechner" des Fachgebiets für Waldinventur und nachhaltige Nutzung der TUM; in diesem Kalkulationsschema kann man mit eigenen Kennzahlen Kapitalwerte und Annuitäten eines gepflanzten und eines naturverjüngten Besatndes berechnen.

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