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Artikel

Autor(en): Karl Hogl, Michael Pregernig, Gerhard Weiß (BOKU)
Redaktion: BFW, Österreich
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Wem gehört Österreichs Wald?

Die Zahl land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sank von 1960 bis 2009 von 400.000 auf knapp 145.000. Mit diesem Strukturwandel schwindet auch die traditionelle Bindung von Waldeigentum an landwirtschaftliche Betriebe. Wer die "neuen" Waldeigentümer sind und wie sie ihrem Wald gegenüber stehen, zeigt ein erster Überblick einer Studie.

waldbauern
Die bäuerlichen Waldeigentümer/-innen nutzen und vertrauen vor allem auf "klassisch forstliche" Informationsquellen (Foto: FAST Ort)

Die Datenbasis für die Untersuchung lieferte eine repräsentative Stichprobe aus der österreichischen Grundstücksdatenbank. 1000 Waldeigentümerinnen und -eigentümer wurden per Zufallszahl ausgewählt und telefonisch befragt. Eine mit der Clusteranalyse durchgeführte Gruppenbildung weist auf sieben einigermaßen gut unterscheidbare Typen hin (Tabelle).

Typen von Waldeigentümern
1. Bauerliche Waldeigentümer/-innen (20 %)
2. Nebenerwerbslandwirt/-innen (20 %)
Traditionelle Waldeigentümer/-innen (40 %)
3. Kleinstädter/-innen mit landwirtschaftlichem Hintergrund (12 %)
4. Berufsausteiger/-innen (16 %)
Übergangstypen (28 %)
5. Hofaussteiger/-innen (10 %)
6. Urbane Waldeigentümer/-innen (9 %)
7. Landwirtschaftsferne Waldeigentümer/-innen (13%)
"Neue" Waldeigentümer/-innen (32 %)

Typ 1: Bäuerliche Waldeigentümer/-innen

Die erste Gruppe kann als Prototyp "bäuerlicher Waldeigentümer" angesehen werden. Vertreter dieses Typs sind in der Landwirtschaft aufgewachsen und haben eine land- oder forstwirtschaftliche Fachausbildung.

Zwei Drittel sind Vollerwerbslandwirte. Sie wohnen durchwegs in kleinen Gemeinden und in unmittelbarer Nähe zum Wald. In dieser Gruppe dominieren mittlere Betriebe mit 5 bis 20 ha Wald. Fast 90% haben ihren Wald geerbt. Nahezu alle haben in den letzten zehn Jahren Holz genutzt. Rund drei Viertel haben auch Holz verkauft.

Für diese Waldeigentümer/-innen ist ihr Wald insbesondere Einkommensquelle und Arbeitsplatz, selten Ort der Freizeitgestaltung oder Erholung. Die bäuerlichen Waldeigentümer/-innen nutzen und vertrauen vor allem auf "klassisch forstliche" Informationsquellen (Landwirtschaftskammer, Waldbesitzerverbände, ...) und nehmen häufig an forstfachlichen Beratungen oder Kursen teil.

Typ 2: Nebenerwerbslandwirte/-innen

Die zweite Gruppe ähnelt in vielen Aspekten den bäuerlichen Waldeigentümern. Auch sie weisen einen engen Bezug zur Landwirtschaft auf. Während jedoch in der ersten Gruppe Vollerwerbsbetriebe dominieren, betreiben in dieser Gruppe rund zwei Drittel die Landwirtschaft im Nebenerwerb. Neun von zehn Vertretern dieser Gruppe haben in den vergangenen zehn Jahren Holz genutzt, 45% haben auch Holz verkauft. In ihren Einstellungen und in ihrem Informationsverhalten unterscheiden sich die "Nebenerwerb-Waldbauern" nicht besonders vom Durchschnitt der Befragten.

Typ 3: "Kleinstädter/-innen" mit landwirtschaftlichem Hintergrund

Die Vertreter der dritten Gruppe leben vorwiegend in mittleren Gemeinden, durchwegs nahe am Wald. Sie haben schon deutlich weniger beruflichen Bezug zur Land- oder Forstwirtschaft. Fast drei Viertel sind aber noch in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. 13% sind Vollerwerbs- und 40% Nebenerwerbslandwirte. In ihren Einstellungs- und Verhaltensweisen sind diese Eigentümer/-innen bereits als Übergangstyp zu den mehr urban geprägten Gruppen zu sehen.

Typ 4: Berufsaussteiger/-innen

Im Gegensatz zu den bisher diskutierten Gruppen ist beim vierten Typ nur noch ein geringer Teil in der Land- und Forstwirtschaft hauptberuflich tätig, dies obwohl knapp 90% eine land- oder forstwirtschaftliche Berufsausbildung genossen haben. Die meisten haben also den erlernten landwirtschaftlichen Beruf hinter sich gelassen. Mit ihrem Wald verfolgen sie teils wirtschaftliche, teils außerwirtschaftliche Ziele. In ihren Einstellungen ähneln sie eher urbanen, in ihrem Informationsverhalten eher bäuerlichen Waldeigentümern. Letzteres mag auf ihre Fachausbildung zurückzuführen sein.

Typ 5: Hofaussteiger/-innen

Die nächste Gruppe unterscheidet sich in wichtigen Aspekten von den bisher behandelten Typen. Alle hier Gruppierten sind in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, heute ist ihr Wald aber in keinem Fall mehr Teil eines landwirtschaftlichen Betriebes. Mit jeweils einem Viertel sind viele Angestellte,
Beamte und Gewerbetreibende in dieser Gruppe.

Der Schwerpunkt der Waldbesitzgrößen liegt eindeutig im Klein- und Kleinstwaldbereich. Wald dient Hofaussteigern eher zu Erholungszwecken. Wird Arbeit im Wald verrichtet, dann häufig als Ausgleich zum Alltag. Sie nehmen so gut wie nie forstfachliche Beratung in Anspruch. Traditionellen forstlichen Informationskanälen wie den Landwirtschaftskammern wird eher geringe Bedeutung beigemessen.

Typ 6: Urbane Waldeigentümer/-innen

Urbane wohnen sehr oft in größeren Gemeinden, weit entfernt von ihrem Wald. Sie haben praktisch keinen beruflichen Bezug zu Land- und Forstwirtschaft. In eher wenigen Fällen haben sie einen bäuerlichen Hintergrund. Mehr als zwei Drittel sind Angestellte, Beamte oder freiberuflich Tätige. Rund drei Viertel besitzen weniger als 5 ha Wald. Vier von fünf Waldeigentümern/-innen dieser Gruppe haben in den vergangenen zehn Jahren Holz genutzt, wenn auch die Hälfte davon nur Kleinstmengen. Nur 38% sind seltener als andere in ihrem Wald anzutreffen und wenn, dann vor allem zu Erholungsaktivitäten.Wenn sie im Wald arbeiten, geschieht dies eher als Hobby oder Ausgleich zum Alltag. Sie informieren sich selten über waldbezogene Fragen; am häufigsten informiert man sich noch über das Fernsehen.

Typ 7: Landwirtschaftsferne Waldeigentümer/-innen

Im Unterschied zu den Urbanen wohnen die Waldeigentümerinnen und -eigentümer dieses Typs durchwegs in kleinen bis mittleren Gemeinden und zwar in der Regel in geringer Entfernung zum eigenen Wald. Was sie mit der Gruppe der Urbanen verbindet, ist das Fehlen des landwirtschaftlichen Bezugs: Kein Vertreter dieses Typs ist in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen oder hat eine land- oder forstwirtschaftliche Ausbildung. Der Anteil des Kleinstwaldbesitzes (< 2 ha) ist mit fast zwei Dritteln sehr hoch. Mehr als ein Drittel ist durch Kauf in den Besitz ihres Waldes gekommen.

Für landwirtschaftsferne Waldeigentümer bedeutet der eigene Wald kaum Einkommensquelle, viel mehr Freizeitbeschäftigung, Naturerhaltung und Besitzstolz. Mit fast einem Viertel ist der Anteil jener, die in den letzten zehn Jahren kein Holz genutzt haben, am größten.

Kontinuum der Typen

In der Beschreibung der sieben Typen spiegelt sich ein gewißes Kontinuum wider: von Waldeigentümertypen, die noch stark von bäuerlichen Einstellungs- und Verhaltensmustern geprägt sind, zu Typen, die schon weit von land- und forstwirtschaftlicher Praxis entfernt sind.

Die Auflistungen in der Tabelle sollen zeigen, dass die Grenzen zwischen den Gruppen nicht scharf, sondern fließend sind. Als "neue" Waldeigentümer bezeichnen wir die drei Typen 5 bis 7. Sie umfassen zusammen rund ein Drittel der Befragten. Aufgrund der geringen Besetzung der oberen Waldbesitzgrößenklassen in unserer Stichprobe einerseits und der unzureichenden Erfassung von Kleinstwaldbesitzern durch die regelmäßige Agrarstrukturerhebung andererseits ist es nicht möglich, die auf Waldeigentümertypen entfallenden Waldflächenanteile seriös hochzurechnen.

Relevanz für die politische Praxis

Aus der Darstellung der Waldeigentümer-Typen kann eine Reihe praktischer Hinweise für die Wald-Politik abgeleitet werden. So lassen sich etwa hinsichtlich des Informationsverhaltens zwei Gruppen ausmachen:

  • eine rund zwei Drittel der befragten Waldeigentümer umfassende Gruppe (Typen 1 - 4), die aktiv Informationen sucht und dabei insbesondere auf "klassisch forstliche" Institutionen setzt, und
  • eine zweite rund ein Drittel umfassende Gruppe (Typen 5 - 7), die sich derzeit kaum über waldbezogene Aspekte informiert und auch in Zukunft schwer zu erreichen sein wird.

Zentral ist die Frage nach der zukünftigen Entwicklung. Rund 10 % der Befragten geben an, dass der landwirtschaftliche Betrieb nicht übergeben werden wird oder der Wald vom Hof getrennt werden soll. Damit werden Zahl und Anteil der "neuen" Waldeigentümer/-innen entsprechend zunehmen.

Die Autoren danken dem BMLFUW und dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen fur die Unterstützung des Projekts. Ausführlichere Ergebnisse finden sich in einem Diskussions Papier des Instituts für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft (Download unter: www.boku.ac.at/sfh/papers/sfh-p03-1.pdf)

Literaturtipp: Hogl, Karl, Pregernig, Michael & Weiss, Gerhard (2005): What is New about New Forest Owners? A Typology of Private Forest Ownership in Austria. Small–scale Forest Economics, Management and Policy, 4/3, 325–342

Kontakt

  • Karl Hogl, Michael Pregernig, Gerhard Weiss,
    Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik, Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität für Bodenkultur,
    Feistmantelstraße 4, 1180 Wien, Österreich

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