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Roland Schreiber

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Roland Beck
Redaktion: LWF, Deutschland
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Das Potenzial von Waldbewirtschaftungsverträgen

Immer öfter können oder wollen Waldbesitzer ihren Wald nicht mehr selbst bewirtschaften, Stichwort fehlende Hofnachfolge oder urbaner Waldbesitzer. Hier könnten Forstliche Zusammenschlüsse Überzeugungsarbeit für Waldbewirtschaftungsverträge leisten und viel erreichen.

Mitgliedschaft von Betrieben in Zusammenschlüssen nach Größe
Abb. 1: Verteilung der teilnehmenden Betriebe und Mitgliedschaft in Zusammenschlüssen nach Größenklassen
 
 
 
Interesse der Waldbesitzer an Waldpflegeverträgen
Abb. 2: Interesse der Waldbesitzer an Waldpflegeverträgen

Immer mehr Waldbesitzer können die Waldbewirtschaftung überhaupt nicht oder nicht mehr im vollen Umfang selbst wahrnehmen. Die Übernahme der Tätigkeiten im Rahmen von Waldbewirtschaftungsverträgen ist ein geeignetes Mittel, die Waldpflege trotzdem aufrecht zu erhalten. Insbesondere forstliche Zusammenschlüsse sehen in entsprechenden Angeboten ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld.

Trotz aller Bemühungen in den letzten Jahren blieb die Anzahl der mit Zusammenschlüssen abgeschlossenen Verträge hinter den Erwartungen zurück und reichte bis Februar 2005 in Bayern nur knapp über 350 hinaus. Auch wenn sich die Situation seit Inkrafttreten der Forstreform etwas verbessert haben dürfte, stellt sich die Frage nach dem mittelfristig realisierbaren Umfang weiterer Waldpflegeverträge.

Lediglich Forschungsergebnisse zur Einstellung von Waldbesitzern zu Eigentum und Waldbewirtschaftung lassen Schlüsse auf die mögliche Akzeptanz von Waldpflegeverträgen zu. Danach steht die Mehrzahl der Waldbesitzer der Abgabe von Bewirtschaftungskompetenz eher kritisch gegenüber. Leider fehlen bislang direkte Untersuchungen zur Haltung von Waldbesitzern gegenüber Bewirtschaftungsverträgen. Aber die jährliche Erhebung des Einschlags im kleineren Privatwald bietet die Möglichkeit, im Wechsel jeweils ein bis zwei aktuelle Fragen mit aufzunehmen. So wurde die Ermittlung des Einschlages 2004 mit einer Frage zur Einstellung der Waldbesitzer zu Waldpflegeverträgen ergänzt.

1.093 Fragebögen wurden ausgewertet. Drei Viertel der Waldbesitzer gehören dem bäuerlichen Umfeld an, ein Viertel sind ohne landwirtschaftlichen Hintergrund. Der Anteil der Mitglieder in forstlichen Zusammenschlüssen beträgt 86 Prozent. Deutlich wird der überragende Anteil der Mitglieder forstlicher Zusammenschlüsse in allen Betriebsgrößenklassen, der mit Zunahme der Betriebsgröße noch ansteigt (Abb. 1). Organisierte Waldbesitzer sind im Vergleich zu allen Befragten deutlich überrepräsentiert, die Ergebnisse sind damit insbesondere aussagekräftig für die Sichtweise der Mitglieder forstlicher Zusammenschlüsse.

Interesse an Waldbewirtschaftungsverträgen

Mit den Fragen: "Haben Sie einen Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen?" Und falls nein, "planen Sie ein solchen?" wurde das Interesse an Pflegeverträgen erhoben (Abb. 2). Nur 2 Prozent der Befragten (insgesamt 22) haben bisher einen Vertrag abgeschlossen, fast zwei Drittel lehnen eine vertragliche Bindung ab. Immerhin aber können sich rund 23 Prozent eine Vertragspartnerschaft vorstellen. Damit lassen sich diese als das derzeit vorhandene Potenzial interpretieren, das es zu mobilisieren gilt. Rechnet man diesen Anteil in konkrete Zahlen um, so ergibt sich – vorsichtig kalkuliert – eine potenzielle Anzahl von mindestens 40.000 Verträgen. 89 % der eher positiv eingestellten Waldbesitzer sind Mitglied in einem forstlichen Zusammenschluss.

Potenzial innerhalb der einzelnen Betriebsgrößen

Potenzial innerhalb der Besitzgrößenklassen
Abb. 3: Verteilung des Potenzials innerhalb der Besitzgrößenklassen
 
 
 
Interesse nach Berufsgruppen
Abb. 4: Interesse an Waldbewirtschaftungsverträgen innerhalb von Berufsgruppen

Zur weiteren Abschätzung der Lage ist nicht nur die Anzahl, sondern auch der Flächenbezug wichtig. In Abbildung 3 ist deshalb das Auswertungsergebnis zur Verteilung des Potenzials innerhalb der Waldbesitzgrößenklassen dargestellt.

Die positive Grundhaltung gegenüber Pflegeverträgen verteilt sich danach relativ gleichmäßig über alle Betriebsgrößenklassen. D. h. selbst in den für potenzielle Vertragspartner besonders interessanten höheren Besitzgrößen können sich zwischen 20 und 30 % der Befragten einen Waldpflegevertrag vorstellen. Gewichtet mit dem jeweiligen Anteil an den Gesamtnennungen (Abb. 1), ergibt sich ein Interessenschwerpunkt in den Größenklassen von 1 – 20 ha, wobei die Waldbesitze zwischen 5 und 10 ha besonders herausragen.

Unterschiede in den Berufsgruppen

Um zielgruppenorientierte Informationen und Angebote zu Waldbewirtschaftungsverträgen erstellen zu können, interessiert es weiterhin, die grundsätzlichen Haltungen innerhalb einzelner Berufsgruppen zu ermitteln. Abbildung 4 zeigt dazu das Auswertungsergebnis. Insgesamt liegen die Daten für die aufgeführten Berufsgruppen recht eng zusammen. Die Profile von Vollerwerbslandwirten und Waldbesitzern ohne landwirtschaftlichen Hintergrund sind dabei nahezu identisch. 67 % zeigen jeweils kein Interesse, 20 bzw. 23 % können sich den Abschluss eines Vertrages vorstellen. Ähnliches gilt für die Gruppe der Nebenerwerbslandwirte. Der deutlichste Unterschied findet sich zu Landwirten im Ruhestand: Sie weisen mit 57 % das größte Interesse und mit 32 % den höchsten Anteil positiv eingestellter Waldbesitzer auf.

Folgerungen und Ausblick

Die Erhebungsergebnisse lassen den Schluss auf ein erhebliches Potenzial grundsätzlich an Waldbewirtschaftungsverträgen interessierter Waldbesitzer zu. Dies trifft insbesondere für die Gruppe der Landwirte im Ruhestand und für die Besitzgrößen zwischen 5 und 10 ha zu. Die überragende Mehrheit ist bereits Mitglied in einem forstlichen Zusammenschluss. Ein hohes Potenzial heißt jedoch nicht, dass dies nun auch leicht zu erreichen ist, es zeigt nur die Chancen auf. Um diese möglichst auszuschöpfen, lohnt es sich, insbesondere auf der Ebene der Zusammenschlüsse, die Situation noch näher zu analysieren, um darauf aufbauend aktiv und zielgruppengerecht für Waldbewirtschaftungsverträge werben zu können. Die hohe grundsätzliche positive Einstellung der Waldbesitzer gegenüber solchen Vertragspartnerschaften sollte Ansporn genug sein.

Roland Beck leitete das Sachgebiet Forstpolitik, Wildtiermanagement, Jagd der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

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