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Artikel

Autor(en): Patric Bürgi, Bernhard Pauli (HAFL)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Schweizer Waldwirtschaft vor grossen Herausforderungen

Die Forstbetriebe in der Schweiz stehen vor grossen wirtschaftlichen Herausforderungen. Dies zeigen die Ergebnisse des forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetzes (TBN) der Schweiz. Gibt es Wege aus der Krise?

Buchenwald
Abb. 1 - Die Betriebsergebnisse der Schweizer Forstbetriebe sind im Durchschnitt negativ. Vor allem die Waldbewirtschaftung schlägt stark negativ zu Buche.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 

Im Auftrag der Bundesämter für Umwelt und Statistik hat die Abteilung Forstwirtschaft der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) zusammen mit der Dachorganisation der schweizerischen Waldwirtschaft (WVS) die Daten aus dem Forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetz von 2008 bis 2010 ausgewertet.

Die Forstbetriebe haben 2010 im Durchschnitt mit einem Verlust von 63 Franken pro Hektare abgeschlossen. Nur 44% aller am Netz beteiligten Betriebe weisen einen Gewinn aus. Einen Überblick über alle wichtigen Ergebnisse finden Sie in einem separaten Artikel:

Den Ursachen für die Defizite auf der Spur

Die Gründe für die vielerorts negativen Ergebnisse in der Waldbewirtschaftung liegen hauptsächlich in den hohen Kosten der 2. Produktionsstufe, der 1. Produktionsstufe sowie beim Strassenunterhalt.

1) Holzernte als wichtigster Kostentreiber

Die Holzernte hat mit einem Anteil von 93% den grössten Einfluss auf die Kosten in der 2. Produktionsstufe (vgl. Tabelle 1). Ein Grund dafür ist der hohe Personal- und Maschinenbestand. Da viele Forstbetriebe in grösserem Umfang Dienstleistungen erbringen und Sachgüter produzieren, richten sie den Personal- und Maschinenbestand auf den Produktmix des Gesamtbetriebes aus. Dies führt dazu, dass an manchen Orten keine Spezialmaschinen für die Holzernte vorhanden sind, da diese in den anderen Betriebsteilen nicht eingesetzt werden können.

Viele Betriebe sehen die Durchführung der Holzernte mit eigenem Personal und eigenen Maschinen aber als Kernaufgabe an. Durch den daraus resultierenden hohen Eigenleistungsgrad (derzeit durchschnittlich 56%) kann oft nicht das Bestverfahren zum Einsatz gebracht werden, da die Betriebe gezwungen sind, ihre eigenen Ressourcen auszulasten. Neben diesen hausgemachten Problemen führen auch die teilweise schwierigen Nutzungsbedingungen im Gebirge zu erhöhten Kosten. Die Bandbreite der Holzerntekosten zeigt aber, dass bereits etliche Forstbetriebe existieren, die offensichtlich überwiegend das Bestverfahren anwenden und dadurch im Schnitt tiefere Holzerntekosten ausweisen.

2) Hohe Pflegeintensität bei der Jungwaldpflege
Jungwaldpflege
Abb. 2 - Die Jungwaldpflege verursacht hohe Kosten in der ersten Produktionsstufe.
Foto: BAFU/AURA
 
Brennholz
Abb. 3 - Das Aufbereiten von Brennholz ist oft nicht kostendeckend.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Die Jungwaldpflege verursacht mehr als die Hälfte der Kosten der 1. Produktionsstufe (vgl. Tabelle 1). Ausschlaggebend dafür sind die hohe Pflegeintensität und der ebenfalls hohe Eigenleistungsgrad (geringe Mechanisierung). Mit ein Grund dafür sind teilweise mangelnde Einsatzalternativen für das eigene Personal während der Pflegesaison.

3) Grosser Aufwand beim Strassenunterhalt

Insgesamt fallen auch die Kosten für Strassenunterhalt ins Gewicht. Sie trugen im Jahr 2010 mit durchschnittlich 7% zu den Gesamtkosten der Betriebe bei. In den Alpen sind die erhöhte Unterhaltstätigkeit für Entwässerung und Böschungssicherung ausschlaggebend (Abb. 4). Im Mittelland tragen dagegen die hohe Erschliessungsdichte und Nutzungsintensität sowie die höheren Ansprüche der Erholungssuchenden an den Ausbaustandard des Waldstrassennetzes zu den hohen Kosten bei. Zudem führt auch in diesem Bereich der hohe Eigenleistungsgrad und der damit einhergehend geringe Mechanisierungsgrad zu dieser ungünstigen Kostensituation.

4) Dienstleistungen ohne Erlöse

Hauptursache der negativen Dienstleistungsergebnisse sind nicht oder nur teilweise abgegoltene Leistungen der Forstbetriebe gegenüber Dritten. Dies betrifft vor allem die Dienstleistungen für das eigene Gemeinwesen (z.B. Pflege von Grünanlagen) und andere Dienstleistungen wie z.B. Lehrtätigkeiten, Waldschulen oder Vorträge. Die dadurch entstehenden Kosten werden oft durch die Gesamtrechnung der Gemeinde abgedeckt, und dem Forstbetrieb vielfach nicht oder nur teilweise vergütet. Dies führt zu einer Verzerrung der Ergebnisse und die Forstbetriebe werden von Aussen als wirtschaftlich weniger erfolgreich gesehen, als tatsächlich gegeben. Ein erfreuliches Bild zeigt sich dagegen bei den Dienstleistungen für Dritte. Mit diesen erzielen die Forstbetriebe in allen Forstzonen einen Gewinn.

5) Brennholzerzeugung nicht kostendeckend

Den grössten Einfluss auf das durchschnittlich negative Gesamtergebnis bei den Sachgütern hat die Brennholz-
erzeugung. Der eher geringe Mechanisierungsgrad und der in der Folge hohe Personalaufwand führen dazu, dass bereits die Herstellungskosten die Verkaufserlöse übersteigen. Positive Beispiele zeigen aber auch hier, dass die Brennholzbereitstellung gewinnbringend organisiert werden kann. Voraussetzung hierfür ist aber auch hier ein hoher Mechanisierungsgrad und eine effiziente Prozessgestaltung. Oft wird die Brennholzaufbereitung jedoch als "Schlechtwetterarbeit" gesehen, die gemacht wird wenn beispielsweise Holzerntearbeiten wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse eingestellt werden müssen. Mancherorts sind aber auch die geringen Erlöse aus dem Brennholzverkauf Ursache für den Verlust. So fordern einige Gemeinden, dass der eigene Forstbetrieb Brennholz für die Bevölkerung zu Preisen bereitstellt, die deutlich unter den Herstellungskosten liegen.

6) Verwaltungskosten belasten Produktgewinne

Auch die Verwaltungskosten wirken sich sichtbar negativ auf die Betriebsergebnisse aus. Im Jahr 2010 betrugen die Verwaltungskosten über alle Hauptproduktbereiche durchschnittlich 118 CHF/ha (12 % der Gesamtkosten). Davon sind lediglich 17% produktnahe Verwaltungskosten, das heisst sie lassen sich eindeutig einem erzeugten Produkt zuordnen. Die restlichen Kosten sind allgemeine Verwaltungskosten. Die Höhe dieser Kosten wird massgeblich durch die Organisation der Betriebsabläufe beeinflusst. So verursacht beispielsweise eine Einzelabrechnung jeder Gemeinde einer Forstbetriebsgemeinschaft wesentlich höhere Verwaltungskosten als eine Gesamtrechnung über alle beteiligten Gemeinden. Zudem führen die Ansprüche der vielfältigen Interessengruppen an die Forstbetriebe zu erhöhten Aufwendungen für die Betriebsleitung (z.B. Bike-Parcours im Wald).

Neue Wege beschreiten

Aus dem Forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetz geht hervor, dass Forstbetriebe auch in der Schweiz wirtschaftlich erfolgreich geführt werden können. Hierfür braucht es eine klare strategische Ausrichtung. Ein Forstbetrieb könnte etwa zum Schluss kommen, dass er sich stärker als Dienstleister und Sachgüterproduzent positioniert. Dies ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn eine entsprechende Nachfrage und Zahlungsbereitschaft für das Angebot gegeben ist. Ist dies nicht der Fall, so wird dadurch die wirtschaftliche Situation möglicherweise sogar verschlechtert. Ein anderer Forstbetrieb könnte sich stark auf die Holzproduktion ausrichten. Ist jedoch seine Betriebsfläche zu klein und der Eigenleistungsgrad zu hoch, so wird er nicht wettbewerbsfähig sein. Bei der Überprüfung von betrieblichen Optionen sollte der Blick mittels Betriebsvergleich durchaus auf die Quellen des Erfolgs anderer Forstbetriebe gerichtet werden. Gelegenheit dazu bieten z.B. Workshops der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Zollikofen zum Thema "Best-Practice". Zudem ist der Aufbau dauerhafter regionaler Benchmark-Zirkel geplant.

Forststrasse
Abb. 4 - Durch den gezielten Ausbau des Wegenetzes und durch Verbesserung des Ausbaustandards lassen sich zwar produktive Waldflächen besser erschliessen, der Unterhalt der Forststrassen verursacht allerdings erhebliche Kosten (vgl. oben).
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
 

Forstbetriebe müssen aber auch flexibel auf Veränderungen der Holzpreise reagieren und die Holzproduktion bei hohen Preisen steigern, bzw. bei tiefen Preisen reduzieren können. Bei den primär öffentlichen Forstbetrieben können auch die Waldbesitzer dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit der Forstbetriebe zu verbessern. Im Sinne einer wirkungsorientierten Verwaltungsführung könnten sie ihre Forstbetriebe stärker marktorientiert führen und damit die Betriebsleiter motivieren Marktchancen besser zu nutzen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn die betrieblichen Ressourcen auf die entsprechende Bewirtschaftungsfläche hin angepasst sind. Eine niedrige Leistungstiefe in der Holzernte hilft zusätzlich, auf die zunehmende Volatilität der Holzmärkte zu reagieren.

Um die Kostensituation beim Strassenunterhalt zu verbessern, könnten Wegemanagementkonzepte helfen, welche sicherstellen, dass die Erschliessungsanlagen entsprechend den tatsächlichen Anforderungen (Holz-
nutzung, Erholung etc.) instand gehalten werden. Bei der Instandhaltung könnten die Forstbetriebe wiederum auf professionelle Dienstleister zurückgreifen, die das entsprechende Equipment zur Verfügung haben. Andererseits sollte man versuchen, durch eine Inwertsetzung der Erholungsleistungen zusätzliche Erlöse zu generieren. In den Alpen und Voralpen liessen sich dagegen durch den gezielten Ausbau des Wegenetzes und durch Verbesserung des Ausbaustandards (Erhöhung der Tragfähigkeit) produktive Waldflächen besser erschliessen (Abb. 4). Dadurch können die Transportkosten gesenkt und gleichzeitig der Einsatz hochmechanisierter Holzernteverfahren ermöglicht werden, die wiederum tiefere Holzerntekosten verursachen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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Kontakt

  • Patric Bürgi
    Abteilung Forstwirtschaft
    Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL)
    Länggasse 85
    3052 Zollikofen
    Tel. +41 (0)31 910 21 48
    e-mail: patric.buergi @ bfh.ch
    www.shl.bfh.ch

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