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Artikel

Autor(en): Elmar Hauk, Frank Perzl
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 2 Kommentare
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Die Weidefläche nimmt in Österreichs Wald ab

Freiflächen im Wald werden als Weideflächen genutzt und sind Schwachstellen der Schutzwirkung des Waldes. Obwohl Waldweide in Österreich nur in Schonungen verboten ist, geht sie seit der Erhebungsperiode 1992/96 in allen Betriebsarten deutlich zurück. In der Periode 2007/09 betrug der Beweidungsgrad für die Waldfläche Österreichs 8,4%. Jedoch: Im Schutzwald im Ertrag liegt er bei 20%. 

In der forstlichen Literatur gibt es keine einheitlich verwendete Definition für gering bestockte Flächen wie Lücken, Blößen und andere Freiflächen (Maukisch et al. 1996, Bauerhansl et al. 2010, Perzl et al. 2012). Je nach dem Zweck der Erhebung (z. B. Verjüngung, Ertragssituation, Schutzwirkung des Waldes) werden sie unterschiedlich definiert.

Rind (Copyright: Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de)
Ein moderater Besatz mit Rindern wirkt sich weniger negativ auf die Entwicklung von Nadelbäumen aus als Wildverbiss

Die Österreichische Waldinventur (ÖWI) definiert Freiflächen als Blößen ≥ 500 m2, Lücken < 500 m2, freistehende Jugenden I (Höhe < 1,3m) ≥ 500 m2, freistehende Jugenden II (Höhe ab 1,3m) ≥ 500 m2, Strauchflächen und Misch­freiflächen (wo mehrere angeführte Elemente gemischt vorkommen). 

Für ökologische Fragestellungen wurde die Mindestbreite einer Freifläche mit der halben Baumhöhe des umgebenden Bestandes definiert. Im Hinblick auf den Schutz vor Naturgefahren wurden aber auch kleinere Lücken ab 30 m2 Flächen­größe als bestandesstrukturelle Elemente mit aufgenommen. Hier stößt man aber auf einen Grenzbereich zwischen abgrenzbaren Freiflächen und lockeren Beständen.

Für die österreichische Waldfläche weist die ÖWI 2007/09  811.000 ha als Freifläche aus (Tabelle 1). Das sind 20% der gesamten Waldfläche.

 Tabelle 1: Freiflächenanteile im Wirtschafts- und Schutzwald (ÖWI 2007/09)
Freiflächenanteile, tab1

Freiflächen haben  einen Anteil von 18%  an der Fläche des Wirtschafts­waldes und von 40% an der begehbaren Schutzwaldfläche (Tabelle 1). Der hohe Anteil der Freiflächen am Schutzwald außer Ertrag ist zum Großteil auf Strauchflächen, bestehend aus Latsche und Grün­erle, zurückzuführen, die hier 66% der Freiflächen aus­machen.

Schutzwald-Definition
Im Schutzwald im Ertrag können wirtschaftliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Schutzfunktion noch durchgeführt werden. Im Schutzwald außer Ertrag hingegen kann nicht oder nur unbedeutend genutzt werden. Es handelt sich dabei um Wälder in schwer oder unbegehbaren Lagen und Bestände auf dürftigsten Standorten mit sehr geringen Wuchsleistungen.

Waldweide rückläufig

Gerade in Bergwäldern findet teilweise intensive Beweidung statt. Das öster­reichische Forstgesetz betont zwar den Vorrang der Erhaltung des Waldes besonders im Hinblick auf die Erfüllung der Schutzwirkung, verbietet aber Waldweide (außer auf Schonungsflächen) nicht. Auf vielen österreichischen Waldflächen bestehen noch immer Weiderechte.

Die ÖWI erfasst mit dem Merkmal "Wildökologische Einflussgrößen" auch Indikatoren von Beweidung auf ihren Probeflächen. Gemeint sind neben dem direkten Kontakt mit Weidetieren auch "stumme Zeugen" wie Spuren von Viehtritt und Exkremente.

Nach dem österreichischem Waldbericht 2008 waren rund 285.000 ha Waldflächen in Österreich beweidet (8,1% der Gesamtwaldfläche). Laut ÖWI 2007/09 sind auf 323.000 ha Wald (8,4% der gesamten Waldfläche) Be­weidungsspuren vorhanden.

 Tabelle 2: Beweidung nach Betriebsarten (ÖWI 2007/09)
Beweidung nach Betriebsart, tab2

Während der Wirtschaftswald zu 6,5% beweidet wird, weisen rund 20% der begehbaren Schutzwaldfläche Beweidungsspuren auf (Tabelle 2). Für unbegehbare Flächen wurde kein Weideeinfluss angenommen. Seit der ÖWI-Periode 1992/96 hat der Anteil der Waldweidefläche an der Gesamtwaldfläche kontinuierlich von 10,6% auf 8,4% abgenommen. Am stärksten beweidet ist nach wie vor der Schutzwald, doch nahm hier die Beweidung wesentlich stärker als im Wirtschaftswald ab (Abbildung 1). 

Viehweide, abb1
Abbildung 1: Entwicklung der Anteile der Waldweideflächen an der Gesamtwaldfläche nach Betriebsarten seit der ÖWI 1992/96

Im Schutzwald Beweidung hauptsächlich in lockeren Strauchflächen

Im Ertragswald (Wirtschaftswald und Schutzwald im Ertrag) liegen drei Viertel der Waldweideflächen in geschlossenen Waldbeständen. Etwas mehr als ein Viertel der Beweidung findet auf Freiflächen statt (Tabelle 3).

Tabelle 3: Waldweide im Bestand und auf Freiflächen (ÖWI 2007/09)
Waldweide im Bestand, tab3

Ganz anders ist das Verhältnis im Schutzwald außer Ertrag. Hier befinden sich ein Drittel der beweideten Flächen innerhalb der Bestände und zwei Drittel auf Freiflächen (Tabelle 3).

Der größte Teil der beweideten Freiflächen im Schutzwald außer Ertrag (71%) sind Strauchflächen (lockere Latschen- oder Grünerlenbestockung) im Bereich von Almen (Tabelle 4). Im Ertragswald sind 55% der beweideten Freiflächen den Kategorien „Lücke“ und „Blöße“, aber nur 4% den „Strauch­flächen“ zuzuordnen (Tabelle 4).  

 Tabelle 4: Beweidung im Wirtschafts- und Schutzwald nach Freiflächenkategorien (ÖWI 2007/09)
Beweidung im Wirtschaftswald, tab4

16% der Blößen und Lücken sowie 8% der freistehenden Jungwuchsflächen werden beweidet, im Schutzwald im Ertrag findet man Spuren von Weidevieh auf 28% der Blößen und Lücken sowie auf 17% der Jungwuchsflächen (Tabelle 5).

 Tabelle 5: Beweidungsprozente der Freiflächenkategorien (ÖWI 2007/09)
Beweidungsprozente

Bodenerosion eher das Problem als Entmischung

Schweizer Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass genügend große Weide­flächen (> 5 ha) und ein moderater Besatz mit Rindern (bis zu einer Großvieheinheit von 500 kg/ha) weniger negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Nadelbäumen haben als Wildverbiss. Rinder ziehen anders als Wildtiere leichtverdauliches Gras und Krautmaterial, allerdings auch Laubbäume wie Ebereschen den für sie weniger bekömm­lichen Nadelbäumen vor. Die Schädigung kleiner Pflanzen durch Viehtritt wurde mit 8% der Pflanzen als eher mäßig angegeben (Mayer & Stöckli, 2004).

Allerdings dürfen die Gefahren durch Weidevieh für die Funktion des Schutzwaldes nicht unterschätzt werden. Weniger die Entmischung der Bestände durch Viehverbiss, sondern vor allem die nicht immer unmittelbar sichtbaren Boden­schäden führen zur Funktionsbeeinträchtigung. Entscheidend für die hydro­logische Schutzwirkung des Waldes ist der Waldbodenzustand. Bodenverdichtung durch Beweidung vermindert auch auf grobskelettreichen Böden die Infiltrationsfähigkeit und erhöht den ober­flächennahen Abfluss, der die Wirkungskette gefährlicher Erosionsprozesse in Gang setzt. Besonders empfindlich sind aber feinerdereiche, lehmig-tonige Böden.

Literaturhinweise

bei den Autoren erhältlich

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