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Originalartikel: Matschke, J. (2011): Wenn der Austrieb ausbleibt. LWF aktuell 80, S. 44 – 46.
Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Online-Version: Stand: 04.04.2014
Redaktion: LWF, D

Wenn der Austrieb ausbleibt

junge Nordmannstanne
Abb. 1: Austriebsschädigungen können bei unsachgemäßer Kultur bereits im Verschulbeet beginnen. Bei dieser jungen Nordmannstanne trieben nur die Seitenknospen, nicht jedoch die Terminalknospe aus (Foto: J. Matschke).

Möglichst viele verkaufsfähige Bäume in bester Qualität und das spätestens ab einem Alter von acht Jahren zu produzieren, ist das Ziel des Weihnachtsbaumanbaus. Treiben die Bäume unzureichend oder gar nicht aus, bedeutet das für den Produzenten gravierende Verluste. Häufig versucht man, diese Ausfälle mit Frostschaden, Sonnenbrand, Mikroorganismen- oder Insektenbefall usw. zu erklären. Bei falscher Ansprache der Schadursache wird durch die daraus folgenden Behandlungen die Situation der Bäume oft noch weiter verschlechtert. Bei den meisten Schadbildern handelt es sich aber um das Resultat additiver Einflussgrößen.

Belastung beginnt auf Zellebene

Pflanzliche Zellen können Temperaturschwankungen, intensive Sonneneinstrahlung, Wassermangel und / oder eine hohe Salzdosis mittels eigener Schutz- und Entgiftungsmechanismen teilweise ausgleichen. Bei zusätzlichen belastenden Einflüssen über längere Zeit kommt es jedoch zur Erschöpfung des Reparaturmechanismus. Die Folge sind chronische Schädigungen, physiologische und morphologische Veränderungen sowie eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber Parasiten. Die Schäden sind grundsätzlich das Resultat verschiedener Einflussgrößen.

Vorrangig stehen damit herbizide Hemmstoffe des Einweiß- und / oder Zellstoffwechsels in Zusammenhang. Diese senken das Wasserpotential, verändern den pH-Gradienten im Zellsaft und reduzieren den Tugor (= Druck des Zellsaftes auf die Zellwand) und die Festigkeit der Zellen. Zudem reichern sich insbesondere bei intensiver Sonneneinstrahlung Radikale an, die die Zellmembranen zerstören. Daraus resultierende Folgen sind beispielsweise:

Bäume, die einer Stressbelastung ausgesetzt sind, aktivieren Phytohormone, die die Alterung der Pflanze bedingen. Die Meristeme werden unzureichend ausgebildet, die Ruhephase wird vorzeitig eingeleitet. Gleichzeitig vermindert sich durch ein gestörtes und verzögertes Wachstum der Wurzelspitzen die Bildung der Cytokinine, was die Zahl und Ausbildung von Haupt- und Seitenknospen reduziert und den Knospenaustrieb im Frühjahr hemmt oder gar verhindert. Auslöser von Mangelerscheinungen sind unter anderem auch herbizide Stoffe, die die Eiweißbildung und Zellteilung hemmen, z.B. Sulfonylharnstoffe. Ähnlich wie diese Sulfonylharnstoffe verhalten sich die Wirkstoffe Flufenacet und Metosulam, die zunehmend für die "Pflege" von Sämlingen und Kulturen eingesetzt werden. Die Koniferen besitzen keine Mechanismen, um diese Wirkstoffe zu entgiften.

Insgesamt führen die jährlichen Belastungen der Pflanzen zu einer beschleunigten Alterung der Zellen und damit einer unzureichenden Ausbildung der Knospen-Meristeme vor der Herbstperiode.

Belastungen für Pflanzen reduzieren

Getreide zwischen den Reihen
Abb. 2: Der Schatten spendende Anbau von Getreide zwischen den Reihen wirkt ausgleichend auf die Bodentemperatur (Foto: J. Matschke).

Weihnachtsbaumproduzenten sollten negativ wirkende Einflüsse von Beginn der Sämlingskultur an niedrig halten. Besonders geachtet werden sollte dabei auf folgende Punkte:

Tab. 1: Optimale Nährstoffverhältnisse in den Nadeln:
N / K
N / Ca
N / Mg
N / P
N / Fe
N / B
N / Zn
> 0,55    
> 0,55    
> 0,13    
> 0,13    
> 0,010    
0,002    
0,003    

Die Klimaerwärmung wird die Abhärtungsphasen in ihrer Länge und Intensität verändern. Sie haben sich meist verkürzt; auf warme, zumeist trockene Sommer folgen schnell zu feuchte Herbstmonate, eine kurzzeitige Frostperiode sowie eine Enthärtungsphase, bei der sich nach kurzer Erwärmung ein schneller Temperatursturz in den Monaten Februar / März anschließt.

 Frostschutz-Anlagen in Knospen
Forstschutz-Anlagen in Knospen
Schnitte durch eine unbeeinflusste, gesunde (links) und beeinflusste (rechts) Terminalknospe während des Winters. Der mit Luft gefüllte Hohlraum (Pfeil) und ein aus mehreren Zellreihen bestehendes Festigungsgewebe mit verstärkten Zellwänden (Collenchymzellen) schützen das darüber liegende Meristem im Vegetationskegel der Knospe. Bei vorgeschädigten Knospen fehlt der Hohlraum und das Collenchymgewebe ist mit deutlich weniger Zellreihen ausgestattet.

Nur voll ausgebildete Knospen-Meristeme, wie sie die genannten Behandlungshinweise gewährleisten, überstehen diese Belastungsphasen schadfrei.

Originalartikel

Der Originalartikel ist als PDF (342 KB) erhältlich.

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