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Artikel

Autor(en): Gerhard Hösl
Redaktion: LWF, Deutschland
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Baumwahl für Christbaumkulturen

Christbäume sind Modeschwankungen unterworfen und treffen auf eine anspruchsvolle Kundschaft. Neben dem Gespür für die Kundenwünsche der Zukunft muss der Christbaumproduzent bei seiner Baumartenwahl auch die natürlichen Standortfaktoren berücksichtigen.

Nordmannstanne
Abb. 1: Nordmannstannen (Abies nordmanniana) sind schon seit Jahren die Bestseller auf den Christbaumplantagen (Foto: G. Hösl).

Die richtigen Christbaumarten anzupflanzen, ist schon eine schwierige Entscheidung für den Weihnachtsbaumproduzenten. Zumal er viele Jahre im Voraus abschätzen muss, welchen Baum sein Kunde in zehn Jahren kaufen will. Daneben müssen aber auch Standortsfaktoren wie Klima, Geländerelief und Boden sehr gewissenhaft geprüft werden, damit der gewünschte Weihnachtsbaum auch sein Qualitätsziel erreicht.

Die Wahl der richtigen Baumarten gehört neben der Standortwahl zu den wichtigsten Entscheidungen bei der Anlage einer Christbaumkultur. Sie muss sich nach den vorhandenen Standortsfaktoren (Klima, Lage, Boden) richten. Außerdem ist der Kundenwunsch bezüglich des Aussehens eines Weihnachtsbaumes ein wesentlicher Faktor, der bei der Bestandsbegründung zu bedenken ist. Hier besteht immer eine gewisse Unsicherheit, weil man nie genau weiß, ob und wie sich Nachfrage, Idealvorstellung und Preisgefüge nach einem acht- bis zehnjährigen Produktionszeitraum verändern.

Während früher hauptsächlich die heimische Fichte und Tanne als Christbaum verwendet wurden, werden heute vor allem fremdländische Tannen- und Fichtenarten für die Christbaumproduktion angebaut.

Auswahl geeigneter Standorte

Bei der Auswahl des Standortes muss der Produzent besonders auf Spätfrost, Bodenart und Nährstoffausstattung achten. Spätfrostgefährdete Mulden oder Unterhänge sind zu meiden. Am besten eignen sich leichte Hanglagen in nördlicher Ausrichtung. Auf Südhängen treiben die Bäume in der Regel ein bis zwei Wochen früher aus und sind deshalb spätfrostgefährdeter. Sehr günstig sind Böden aus sandigem Lehm oder lehmigem Sand, die leicht zu durchwurzeln sind. Staunasse Böden scheiden aus. Die Nährstoffausstattung der Böden sollte mindestens auf mittlerem Niveau liegen. Landwirtschaftliche Grenzertragsböden scheiden für die meisten in Frage kommenden Baumarten aus.

Die wichtigsten Christbaumarten

Die Nordmannstanne (Abies nordmanniana) hat in Europa unumstritten die größte Bedeutung in der Christbaumproduktion. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Nordmannstanne liegt im Kaukasusgebiet. Es erstreckt sich vom südlichen Russland über Georgien bis in die westliche Türkei. Die Art kommt hauptsächlich in Hochlagen zwischen 1.000 und 2.000 m vor. Auf Grund der großen Bedeutung für die Weihnachtsbaumproduktion wurden und werden nicht nur in Dänemark immer wieder Versuche im Hinblick auf die am besten geeigneten Herkünfte angelegt.

Die Provenienzen Ambrolauri tlugi, Borshomi und Beshumi ergeben die größte Weihnachtsbaumausbeute und somit die größte Wirtschaftlichkeit. Die größte Gefahr für den hiesigen Anbau stellen Spätfröste (Ende Mai) nach dem Austrieb der jungen Triebe dar. Deshalb sind möglichst spätaustreibende Herkünfte zu verwenden und spätfrostgefährdete Lagen (insbesondere Mulden, Unterhänge) unbedingt zu meiden. Die Nordmannstanne verträgt etwas Schatten, die Aststärken und die Benadelung sind aber unter Schirm geringer, zum Nachteil für größere Bäume. Die Nordmannstanne gehört zu den langsamwüchsigeren Tannenarten, sie benötigt neun bis zehn Jahre. Ihre Produktion dauert in der Regel zwei bis drei Jahre länger als z. B. bei Korea- oder Frasertanne. Die Ausbeute ist bei der Nordmannstanne meist relativ hoch. Weiterhin ist sie anfällig für Trieblausbefall.

Koreatanne
Abb. 2: Die Koreatanne (Abies koreana) ist eine nur sehr selten angebaute Tannenart. Als lebender Christbaum könnte sie eine Marktlücke schließen (Foto: G. Hösl).

Die Coloradotanne (Abies concolor), auch Grautanne genannt, stammt aus den Rocky Mountains. Sie ist eine besonders attraktive Tannenart und erfüllt viele Ansprüche "moderner" Christbaumkäufer. Sie verströmt einen angenehmen Duft. Die sehr langen, sensenartig gekrümmten Nadeln (bis 7 cm) halten extrem lange. Die Nadelfarbe variiert von silbriggrau bis blaugrün.

Die Coloradotanne ist wenig anspruchsvoll und verträgt Trockenheit fast genauso gut wie die heimische Kiefer. Sie kann deshalb auch auf etwas nährstoffärmeren Sandstandorten angebaut werden. Ein Nachteil ist ihr früher Austriebszeitpunkt. Sie ist deshalb sehr anfällig für Spätfröste vor allem bis Mitte Mai. Allerdings sind bei Spätfrost Ende Mai / Anfang Juni die Triebe oftmals schon so kräftig, dass sie "etwas tiefere Temperaturen" überstehen. Außerdem bedarf die Coloradotanne zumeist regelmäßiger Formschnitte, damit sie ein dichtes, buschiges Aussehen erlangt.

Beim Anbau sollte die Varietät "glauca" bevorzugt werden. Sie ist etwas langsamwüchsiger und auf Grund ihrer bläulichen Farbe besonders gefragt.

Die Koreatanne (Abies koreana) ist, wie der Name schon sagt, auf der koreanischen Halbinsel beheimatet. Sie ist eine relativ raschwüchsige Tannenart, die aber nur eine Höhe von etwa 15 m erreicht. Sie ist relativ anspruchslos und treibt sehr spät aus. Hier liegt ihr besonderer Vorteil, wenn in spätfrostgefährdeten Lagen Weihnachtsbäume angebaut werden.

Die Koreatanne braucht volles Sonnenlicht, da sie sonst zu geringe Aststärken ausbildet. Sie verträgt keine wechselfeuchten Böden und nur geringe Kalkgehalte. Sie weist einen sehr schlanken Wuchs auf. Dies kommt den steigenden Wünschen nach schlankwüchsigen Bäumen sehr entgegen. Ihre Astreihen sind etagenartig angelegt. Von Natur aus sind allerdings die Abschnitte zwischen den Astquirlen nicht allzu dicht. Mit Hilfe entsprechender Schnittkorrekturen kann man trotzdem einen "fülligen" Weihnachtsbaum erreichen.

Besonders schön sind die blauvioletten Zapfen, die zum Teil bereits an jungen Bäumen schon ab 1 m Höhe ausgebildet werden. Leider zerfallen diese aber meist noch vor Weihnachten. Als flach wurzelnde Baumart ist sie problemlos aus dem Boden zu nehmen und eignet sich deshalb besonders gut für die Verwendung als lebender Christbaum.

Edeltanne
Abb. 3: Die Edeltanne (Abies procera) eignet sich besonders für die Schmuckreisigproduktion (Foto: G. Hösl).

Die Edeltanne (Abies procera) ist im Westen von Nordamerika beheimatet. Sie bevorzugt ein Klima mit kühlen Sommern und hohen Niederschlägen (1.500 - 2.500 mm/Jahr) bzw. hoher Luftfeuchtigkeit. An den Boden stellt sie mittlere Ansprüche und meidet Kalk.

Sie ist weniger spätfrostgefährdet, leidet aber durch Barfröste im ausgehenden Winter. Ein intensiver Duft sowie eine lange Nadelhaltbarkeit zeichnen sie aus. Bei uns neigt sie zu unregelmäßigem Wuchs. Deshalb bleibt der Anteil an vermarktungsfähigen Weihnachtsbäumen gering. Allerdings ist die Edeltanne besonders interessant für die Schmuckreisiggewinnung.

Die Blaufichte (Picea pungens) stammt aus den Rocky Mountains und ist dort in Mischung mit Coloradotanne und Douglasie zu finden. Sie stellt kaum Ansprüche an Boden und Klima und eignet sich deshalb für die plantagenmäßige Produktion von Weihnachtsbäumen. Wie die meisten anderen Baumarten braucht auch sie volles Sonnenlicht, um ansprechende Weihnachtsbaum-Qualitäten zu erzielen. Ihre Nadelfarbe variiert zwischen grün und intensiv blau (Name!). Die Nadeln sind radial um den Trieb angeordnet, relativ starr und besitzen eine scharfe Spitze, die ihren wissenschaftlichen Namen Picea pungens, das heißt "Stechfichte" erklärt.

Auf Grund dieser Eigenschaft ging ihr Marktanteil in den letzten zehn bis zwanzig Jahren stetig zurück. Auch die derzeitigen Preise sind nicht sehr lukrativ. Der Vorteil der Blaufichte liegt allerdings darin, dass sie etwas später austreibt als andere Fichten und deshalb weniger empfindlich gegenüber Spätfrösten ist als beispielsweise die Nordmannstanne. Außerdem ist sie nicht verbissgefährdet und benötigt deshalb keinen Zaunschutz. Probleme kann die Sitkalaus bereiten.

Die Veitchstanne (Abies veitchii) kommt aus Japan. Dort wächst sie in Höhenlagen zwischen 1.300 m und 2.300 m. Als typisches Erkennungsmerkmal gilt die wirtelige Anordnung der Äste und die Zweifarbigkeit der Nadeln. Während die Oberseite glänzend grün ist, erscheint die Nadelunterseite wegen der mit Wachs überzogenen Spaltöffnungsreihen silbrig-weiß. Sie eignet sich für fast alle Standorte. Auf Grund ihrer Schnellwüchsigkeit ist ein hoher Schnittaufwand erforderlich, wenn man eine entsprechende Ausbeute an schön gewachsenen Weihnachtsbäumen erreichen will.

Die Frasertanne (Abies fraseri) ist eine der bedeutendsten Weihnachtsbäume in den USA. Ihrer Schnellwüchsigkeit erfordert einen höheren Pflegeaufwand (Formschnitt). Lange Nadelhaltbarkeit und ein angenehmer Zitronenduft sind weitere Kennzeichen. Die Frasertanne ist schwer entflammbar. Dies ist bei der Verwendung von Wachskerzen von großem Vorteil. Sie gehört bei uns zu den sehr früh mit dem Austrieb beginnenden Tannen. Die Spätforstgefahr ist aber geringer als bei der Nordmannstanne, da sie bei Kälteeinbrüchen im Mai oftmals noch eine Vegetationsruhe einlegt und auf diese Weise Spätfröste überstehen kann.

Die Korktanne (Abies lasiocarpa var.arizona) ist in Arizona beheimatet. Sie stellt eine Varietät der Felsengebirgstanne (Abies lasiocarpa) dar. Als Hochgebirgsbaum treibt sie bei uns sehr früh aus und ist daher spätfrostgefährdet. Allerdings zeigt die Praxis, dass die jungen Triebe sehr schnell ein Stadium erreichen, in dem sie leichte Minustemperaturen ohne Schaden überstehen. Bei Spätfrösten Ende Mai / Anfang Juni ist der Trieb meist soweit verholzt, dass geringe Spätfröste nicht mehr schädigend wirken.

Wegen ihrer blauen Nadelfarbe und der schmalen Wuchsform ist sie ein äußerst begehrter Weihnachtsbaum. Ihre Ansprüche an den Nährstoffgehalt der Böden sind relativ gering, sie braucht aber volles Sonnenlicht.

Gerhard Hösl leitet die Abteilung Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weiden und baut selbst Weihnachtsbäume an.

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