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Artikel

Autor(en): Kathrin Weber
Redaktion: LWF, Deutschland
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Christbaummarkt mit guten Aussichten

Christbaumernte
Abb. 1: In Bayern werden auf 1.800 bis 2.000 ha Christbäume angebaut (Foto: T. Bosch).

In Deutschland hat der Christbaum eine rund 400-jährige Tradition. Bis Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts stammte er als forstliches Nebenprodukt ausschließlich aus dem Wald. Gezielt angebaut wurde er auf Grund veränderter Produktionsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft und anspruchvolleren Kundenwünschen nach ideal gewachsenen Bäumen. Die Zeiten von Überangebot und Preisverfall bei der Weihnachtsbaumproduktion scheinen nun vorbei zu sein. Die Anbauflächen sind in Europa rückläufig. Die wegen des knapper werdenden Angebots zu erwartenden höheren Preise lassen die Produzenten positiv in die Zukunft schauen.

Weihnachten ist wohl das wichtigste Fest im Jahr und wer kann sich dies ohne einen schönen Christbaum vorstellen?

Jährlich werden in Deutschland rund 24 Millionen Naturbäume verkauft; Schwarzverkäufe, gestohlene Christbäume und Kaufhausdekoration sind hierbei nicht eingerechnet. Damit können zwei Drittel der bundesdeutschen Haushalte versorgt werden. Private Haushalte mit drei oder mehr Personen (insbesondere Kindern) stellen zu 90 Prozent einen Christbaum an Weihnachten auf.

Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Bei einem Durchschnittspreis von ca. 20 Euro pro Baum beträgt der jährliche Umsatz der Christbaumbranche fast 500 Millionen Euro. Dies entsprach im Jahr 2002 15 Prozent des gesamten Jahresumsatzes der Forstindustrie. Zusammen mit Baumschmuck, Christbaumständern und Kerzen setzt die Branche insgesamt ca. 1 Milliarde Euro im Jahr um.

Etwa 12.000 Produzenten sind in Deutschland haupt- oder nebenerwerbsmäßig mit dem Anbau und der Kulturenpflege von Weihnachtsbäumen beschäftigt. Rund 100.000 Dauer- und Saisonarbeitsplätze sichert die Weihnachtsbaumproduktion im Bundesgebiet. Weitere 50.000 Arbeitsplätze kommen in der Verkaufssaison vor den Festtagen hinzu.

Anbaufläche

Die Angaben zur Anbaufläche in Deutschland schwanken je nach Autor zwischen 50.000 und 75.000 Hektar. Eine genaue Zahlenangabe ist schwierig, da das Statistische Bundesamt die Anbauflächen von Weihnachtsbaumkulturen zusammen mit Korbweiden- und Pappelanlagen bzw. unter Baumschulflächen angibt sowie Anbauflächen in Wäldern nicht erfasst werden. Auch von einer gewissen Dunkelziffer muss ausgegangen werden. Gleiches gilt für Bayern. Das Statistische Landesamt Bayern gibt für das Jahr 2003 insgesamt 1.537 Hektar an, das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nennt 686 Hektar. Insgesamt kann in Bayern wohl von 1.800 bis 2.000 Hektar Anbaufläche ausgegangen werden.

Etwa 6.500 Setzlinge werden pro Hektar gepflanzt, als Christbäume werden davon ca. 4.000 Stück pro Hektar geerntet. Demzufolge sind in Deutschland ca. 250 bis 300 Millionen Christbäume angepflanzt. Die Menge der jährlich nutzbaren Bäume liegt bei etwa 20 bis 25 Millionen.

12 Minuten Arbeitsaufwand pro Christbaum

Produzenten von Qualitätsbäumen investieren pro Baum ca. 12 Minuten Arbeitsaufwand. Während der gesamten Wachstumszeit sind das 100 Stunden Arbeitszeit pro Hektar.

Die betriebswirtschaftlichen Grunddaten können folgendermaßen definiert werden: Auf jeden produzierten Baum entfallen an Arbeitskosten etwa 4,20 Euro auf Anbau und Pflege, 2,30 Euro für Erntekosten. Dazu kommt eine Verzinsung von 0,80 Euro bei 6 Prozent, eine Pacht in Höhe von 1,20 Euro sowie Forst- und Verwaltungskosten von 0,50 Euro. Die Kosten eines Baumes belaufen sich somit auf ca. 9 Euro. Werden Mitarbeiter aus den neuen EU-Ländern eingesetzt, lässt sich derzeit eine Reduzierung der Arbeitskosten von ca. 1,80 Euro pro Baum erzielen.

Markt- und Umsatzanteile
Abb. 2: Markt- und Umsatzanteile der Weihnachtsbaumsaison 2000/2001; die weichen, festsitzenden Nadeln ließen die Nordmannstanne zum beliebtesten Christbaum in Deutschland werden.

Nordmannstanne ist der "Renner"

Wegen ihrer weichen und festsitzenden Nadeln ist die Nordmannstanne der beliebteste Christbaum in Deutschland. Sie zählt neben Blaufichte, Rotfichte und Edeltanne zu den ökonomisch bedeutendsten Christbaumarten. Aus Abbildung 2 wird die Bedeutung der Nordmannstanne am Umsatz deutlich. Auch im Jahr 2003 veränderten sich die Anteile der Baumarten nicht.

Import und Export

Das wichtigste Importland Deutschlands für Christbäume ist Dänemark. Jährlich werden mindestens 5 Millionen Bäume (vor allem Nordmannstannen) eingeführt. Der Gesamtimport im Zeitraum von 2000 bis 2003 lag pro Jahr zwischen 7 und 8 Millionen Christbäumen. Ein Teil der in Deutschland produzierten Christbäume wird exportiert. Die wichtigsten Exportländer sind Frankreich, Österreich, die Schweiz und Polen. Insgesamt kann wohl von einem Export von ca. 1 Million Christbäumen ausgegangen werden.

Gute Bäume werden knapper

Die Jahre des Überangebots an Christbäumen und die damit verbundenen Folgen wie Preisdruck und das "Verramschen" von Christbäumen dürften vorbei sein. Prognostiziert werden ein zurückgehendes Angebot an traditionellen Baumarten sowie ein Ansteigen der Preise und des Bedarfs in den nächsten Jahren.

In Dänemark, einem der wichtigsten Produktionsländer, hat sich die Anbaufläche für Christbäume seit 2000 um ca. 8.000 ha reduziert und damit auch die Gesamtproduktion. Aber auch in den übrigen europäischen Ländern geht die Produktion vielfach zurück, obwohl die Nachfrage insgesamt steigt.

Wegen des Preisverfalls in den letzten Jahren lohnte es für die meisten Produzenten kaum, ihre Anbauflächen auszuweiten. Die Erträge nach einer 8- bis 12-jährigen Kulturenpflege standen in einem ungünstigen Verhältnis zum finanziellen und personellen Aufwand. Der Preisdruck, den einzelne Handelsgruppen ausgelöst hatten, führte in vielen Regionen zu einem Rückgang der Erträge auch beim Verkauf an den Endverbraucher. Vereinzelt kam es zu regelrechten Preiskriegen, bei denen ein wirtschaftlich notwendiges Ergebnis kaum zu erzielen war.

Wie Fachleute aus den Produzentenverbänden erklären, fehlt ein Volumen von 2 bis 4 Millionen Bäumen europaweit. Diese Entwicklung ergibt sich aus einer weitreichenden Änderung in der Flächennutzung. Die GAP-Reform, ein EU-Programm, soll langfristige Perspektiven für eine nachhaltige Landwirtschaft schaffen. Dies veranlasste zahlreiche Christbaumproduzenten, die bisherigen Anbauflächen künftig für eine andere Nutzung einzusetzen.

Neue Herausforderungen - neue Chancen

Die auf Grund der Verknappung von Bäumen zu erwartenden Preissteigerungen sind insbesondere für die Billigbaum-Anbieter eine Herausforderung: die Qualitäten der letzten Jahre werden sich künftig zu den bisher gewohnten Preisen kaum noch beschaffen und liefern lassen. Hier liegt möglicherweise eine Alternative in anderen Weihnachtsbaumarten wie Blau- und Rotfichte. Gute Auswahl schöner Bäume, Erlebniskauf sowie Frische, Qualität und Service - das sind die Erfolgskriterien der traditionellen Christbaum-Händler, die einheitlich positiv in die kommende Saison schauen.

Forstassessorin Kathrin Weber war Mitarbeiterin beim Bayerischen Waldbesitzerverband.

Literatur

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (2006): Christbaumkulturen, Mehrfachantrag 2006 (mündl. Mitteilung)

Informationszentrum Nordmanntanne: www.original-nordmann.de

Seipp, R. (2004): Bedarf, inländische Produktion, Import und Export von Weihnachtsbäumen in Deutschland. Diplomarbeit, Fakultät für Ressourcenmanagement, Göttingen

Statistisches Bundesamt Deutschland (2002): Außenhandelsstatistik nach Bestimmungsländern und Einfuhrarten. Einfuhr Spezialhandel

Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (2003): Anbaufläche Christbaumkulturen in Bayern (mündl. Mitteilung)

Østergaard, K. (2001): Dänemark - Wald und Weihnachtsbäume