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Marco Conedera

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Ökologie der Lebensgemeinschaften
A Ramèl 18
CH-6594 Cadenazzo

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Artikel

Autor(en): Boris Pezzatti, Marco Conedera, Andrea Kaltenbrunner
Redaktion: WSL, Schweiz
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Swissfire – die schweizerische Waldbranddatenbank

Bis 2008 haben die Kantone Waldbrandereignisse getrennt voneinander erfasst. Eine Datenbank vereinigt seither alle Waldbrand-Informationen an zentraler Stelle und ist damit ein gutes Instrument, um die Waldbrandbekämpfung zu optimieren.

Waldbrand
 
Waldbrand
Abb. 1 - Die Waldbrände verschiedener Schweizer Kantone sind jetzt in einer zentralen Datenbank gespeichert.
 
 Fotos: Marco Conedera (Sottostazione WSL)

Die Waldbrandstatistik ist für den Forstdienst und für die Feuerwehr ein unverzichtbares Instrument zur Planung von technischen Bekämpfungsanlagen und Verhütungsmassnahmen. Sie trägt auch zur Optimierung der Bekämpfungsstrategien bei. Mit Waldbranddaten, die Jahre oder gar Jahrzehnte zurückreichen, lassen sich beispielsweise folgende Analysen durchgeführen:

  • Bestimmung von besonders waldbrandanfälligen Gebieten oder Waldtypen
  • Analyse der Waldbrandgefahr basierend auf der Meteorologie (Gefahrenindex), als Entscheidungsgrundlage für das Erlassen des Feuerverbots, für die Pikettstellung der Feuerwehren oder der Helikopter bei akuter Waldbrandgefahr
  • Ursachenanalyse zur Optimierung der Präventionsmassnahmen
  • Historische Erfolgsanalyse der verschiedenen Veränderungen in der Waldbrandbekämpfung (neue Gesetze, technische Fortschritte, Feuerwehrorganisation)

Solche Analysen sind heutzutage – vorausgesetzt die Daten sind auf eine kohärente und logische Weise gespeichert – sehr rasch und flexibel realisierbar. Dies gelingt am Besten mit einer Datenbank, in welcher die Verwaltung, die Kontrolle und der Schutz der Daten organisiert und den Zugang der verschiedenen Anwender geregelt ist.

Waldbrand-Daten zentral gespeichert

Für die Südschweiz (Kanton Tessin, Simplon-Süd und Bündner Südtäler) hat die Forschungsanstalt WSL bereits 1993 im Rahmen des Nationalforschungsprogramms 31 eine Waldbranddatenbank erstellt. Bis 2004 wurden in dieser Datenbank Informationen von mehr als 6’000 Waldbrandereignissen gespeichert, die teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurückgreifen. Ab 1980 hat auch der Kanton Graubünden die Waldbrände anhand eines Standardformulars systematisch aufgenommen (bis 2004 ca. 350 Einträge) und selbständig verwaltet. Im Kanton Wallis wurden durch Archivrecherchen die relevantesten Waldbrände seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfasst.

Alle diese Daten lagen getrennt voneinander und waren zum Teil doppelt erfasst (Simplon-Süd und Südbünden). Im Zuge einer Softwareaktualisierung wurde 2005 eine Revision und eine Anpassung der Datenbank fällig. Gleichzeitig leitete der Forstdienst des Kantons Graubünden eine Revision der eigenen Applikation zur täglichen Ermittlung der Waldbrandgefahr (INCENDI) ein. Dies war die einmalige Gelegenheit, die bestehenden Waldbranddaten verschiedener Kantone in einer einzigen kohärenten Waldbranddatenbank zu vereinigen. Das Projekt "Neue Waldbranddatenbank" startete Anfang 2005 in Zusammenarbeit mit den Kantonen Tessin, Graubünden, Wallis und Uri, die schon früher mit der WSL zusammengearbeitet hatten. Die gemeinsamen Ziele sind folgende:

  • Die bestehenden Daten harmonisieren
  • Eine benutzerfreundliche Plattform für die systematische Erfassung der künftigen Waldbrände zur Verfügung stellen
  • Eine breite Datenbasis für Analysen und Auswertungen betreffend Waldbrandgeschehen in den erfassten Gebieten schaffen
  • Ein Fernzugang (Dateneingabe, Datenanalyse) für alle Partner (je nach Zugriffsrecht) anbieten
  • Archivrecherchen zur Vervollständigung der Datenreihen durchführen

Neue Datenstruktur, verbesserte Zugriffsmöglichkeiten

Die Erfahrungen im Waldbranddaten-Management, welche die "WSL Sottostazione Sud delle Alpi" und der Bündner Forstdienst in den vergangenen Jahren sammelten, zeigten deutlich, dass die neue Datenbank die grösstmögliche Flexibilität betreffend der Datenorganisation (z.B. Mitberücksichtigung von Gemeindefusionierungen, Neudefinition von Waldbrand-Regionen), hinsichtlich der Einfügung von neuen Variablen (vor allem tägliche Parameter) oder bei der Aufnahme neuer Kantone aufweisen sollte.

Die neue Datenbankstruktur besteht aus 6 Haupttabellen (siehe Tab. 1) und 20 Hilfstabellen. Durch diese flexible Struktur kann jeder Brand einer Ausbruchsgemeinde sowie den eventuell zusätzlich betroffenen Gemeinden zugeteilt werden. Tägliche Parameter (z.B. kantonale Festtage; regionale Feuerverbote im Kanton Graubünden) lassen sich sehr flexibel verschiedenen oder ad hoc definierten Regionen (Gemeindegruppen) zuordnen.

Tab. 1 - Struktur der Waldbranddatenbank: Kurzbeschreibung der 6 Haupttabellen
Name der Haupttabelle  
Forst
  • Ausbruchsdaten (Ort, Koordinaten, Datum und Zeit, …)
  • Brandparameter (Fläche, Brandtyp, Brennmaterial, Ursache, …)
  • Forstparameter (Waldtyp, Baumarten, Schaden,…)
Feuerwehr
  • Einsatzaktion (Zeit, Mittel, Personen, Techniken, …)
  • Einsatzkosten (Gesamtkosten, Versicherungsentschädigung, …)
GIS
  • georeferenzierte Daten (Polygon, Brandperimeter, Fläche)
Gemeinde
  • Gemeindedaten (Kodierung, ev. neue Gemeinde, Forstkreis/Waldregion, Waldfläche …)
Region 
  • Gemeindegruppen, Gültigkeitsreferenz für tägliche Parameter
Tage 
  • tägliche Parameter (Urlaub, Feuerverbot, Helikopter Pikettstellung, Pikett Forstdienst, Trockenheitsperioden, Föhnlage, Feuergefahrenindex, …)


Die WSL verwaltet die Datenbank zentral, weil die gesammelten Daten für Forschungszwecke sehr interessant bzw. unentbehrlich sind. Die Datenerhebungen führt der Forstdienst bzw. die Feuerwehr durch. Die erste Kontroll- und Eingabestelle ist der kantonale Beauftragte. Eine aktive und direkte Teilnahme der Feuerwehr ist vorerst nur im Tessin vorgesehen. Der Informationsfluss ist schematisch in Abb. 2 dargestellt. Je nach Wunsch hat jeder Kanton volles Zugriffsrecht mit Eingabe-, Kontroll- und Einsichtsberechtigungen der eigenen Daten. Jährliche Standardstatistiken werden für die Kantone automatisch generiert, bzw. lassen sich durch jeden Anwender direkt zusammenstellen. Weiterführende Analysen brauchen hingegen gezielte Zusatzabfragen.

Informationsfluss bei der Waldbranddatenbank
Abb. 2 - Informationsfluss bei der Waldbranddatenbank
 

Anwendungsbeispiele

Die Informationen aus einer Datenbank sind besonders dann interessant, wenn längere Datenreihen vorhanden sind. Dadurch lässt sich die Entwicklung eines Phänomens über eine längere Zeit analysieren. Eine Beispiel solcher Analysen, wenn auch beschränkt auf 20 Jahre, ist die Verteilung der Blitzschlagbrände in den Alpen. Interessant ist auch das geographische Verteilungsmuster von Waldbränden. Durch die kartographische Darstellung der Brandperimeter kann man zum Beispiel für jeden Punkt eines Gebietes das genaue Feuerregime darstellen (Abb. 3). Dies liefert sehr wichtige Informationen, die zur Ermittlung der ökologischen Folgen von Waldbränden dienen. Umgekehrt lässt sich auch die geographische Verteilung eines bestimmten Waldbrandtyps analysieren, wie z.B. die Entstehungspunkte der Blitzschlagbrände im Hitzesommer 2003.

Verteilungsmuster der Waldbrände in der Region Vico Morcote
Abb. 3 - Verteilungsmuster der Waldbrände in der Region Vico Morcote, Tessin.
 

Literaturangaben

  • Conedera, M.; Marcozzi, M.; Jud, B.; Mandallaz, D.; Chatelain, F.; Frank, Carmen; Kienast, F.; Ambrosetti, P.; Corti, G., 1996: Incendi boschivi al Sud delle Alpi: passato, presente e possibili sviluppi futuri. Bericht NFP 31. Zürich, vdf Hochschulverlag. 143 S.
  • Gimmi, U.; Bürgi, M.; Wohlgemuth, T., 2004: Wie oft brannte der Walliser Wald im 20. Jahrhundert? Schweiz. Z. Forstwes. 155, 10: 437-440.
  • Jud, B.A.; Frank, Carmen, 1996: Ein Informationssystem für Waldbrände auf der schweizerischen Alpensüdseite. Schweiz. Z. Forstwes. 147, 12: 961-969.

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