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Kompetenz-Netzwerk Klimawandel, Krisenmanagement und Transformation in Waldökosystemen (KoNeKKTiW)

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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Artikel

Autor(en): Tillmann Friederich
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Der 4-3-2-Krisenmanagement-Zyklus

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Vier Phasen

Der Umgang mit Krisensituationen erfolgt in einem 4-phasigen Zyklus. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt die "notwendigen Anpassungen zur Vermeidung von, Vorbereitung auf, Erkennung und Bewältigung sowie Nachbereitung von Krisen" als Bestandteile dieses Zyklus. Abbildung 1 stellt die vier Phasen dar und verdeutlicht, in welcher Reihenfolge sie in Relation zur jeweiligen Krisensituation ablaufen. Dabei wird deutlich, dass jeweils zwei Phasen des Zyklus vor und jeweils zwei Phasen nach der Krise durchlaufen werden und entsprechend präventiven, bzw. reaktiven Charakter haben.

Drei Ebenen

Neben den Waldbeständen als Austragungsort der Krisenbewältigung dürfen als weitere Ebenen auch der Gesamtbetrieb und die Gesellschaft nicht außer Acht gelassen werden (Abb. 2).

Krisen-Management-Zyklus
Abb.1: Der 4-phasige Krisen-Management-Zyklus zeigt alle notwendigen Schritte im Umgang mit Krisensituationen auf und lässt sich in einen reaktiven (Intervention und Instandsetzung) und einen präventiven Teil (Prävention und Vorbereitung) gliedern.
Krisen-Management-Zyklus
Abb. 2: Krisenmanagement findet auf drei Ebenen statt: Neben dem Bestand müssen stets auch die gesamtbetriebliche Ebene und die gesellschaftspolitische Ebene betrachtet werden.
Krisen-Management-Zyklus
Abb. 3: Ist es wirtschaftlicher, eine Leistung in Eigenregie zu erstellen, oder sie durch professionelle Dienstleister zu generieren?
Krisen-Management-Zyklus
Abb. 4: Präventionsphase
Krisen-Management-Zyklus
Abb. 5: Vorbereitungsphase

Krisen-Management-Zyklus
Abb. 6: Interventionsphase

Krisen-Management-Zyklus
Abb. 7: Wiederherstellungsphase

Als kleines Beispiel soll ein fiktives Windwurfereignis diesen Zusammenhang verdeutlichen: In der Interventionsphase muss sich der Betrieb auf Bestandesebene mit der Aufarbeitung des Sturmholzes auseinandersetzen. Dabei stehen die Arbeitssicherheit, die Belange des Forstschutzes, die Vermeidung von Wertverlusten und die Sicherheit von Waldbesuchenden im Vordergrund. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass sich gewisse Elemente der genannten Ziele nicht auf den einzelnen Bestand beschränken, sondern eher gesamtbetrieblich angegangen werden müssen. Darunter fällt z.B. der koordinierte Einsatz der Arbeitskapazitäten, die Holzkonservierung in Nasslagern bzw. die Kommunikation zur Besucherlenkung.

Letztgenannter Punkt leitet bereits auf die dritte Ebene weiter. Die Einflüsse der Gesellschaft und der Politik spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle im konkreten Krisenmanagement. Zu nennen wäre im konkreten Beispiel die Zusammenarbeit mit der Lokalpresse, oder die Beantragung von Leistungen der forstlichen Förderung. Selbstverständlich besteht diese Dreiteilung in allen vier Phasen des Krisenmanagement-Zyklus (vgl. Abb. 1). Erst durch die Beachtung sämtlicher Aktivitätsebenen kann eine Krise ganzheitlich bewältigt werden.

Zwei Beteiligte

Zuletzt spielt noch die Frage eine Rolle, wer im Prozess beteiligt ist. Förster neigen aufgrund ihrer generalistischen Ausbildung dazu, sämtliche Probleme alleine lösen zu wollen. Das führt aber in echten Krisensituationen unweigerlich zu Überforderung. Während die Inanspruchnahme von zusätzlicher (insbesondere hochmechanisierter) Arbeitskapazität durch Unternehmer mittlerweile zum Standard gehört, ist die Hilfestellung durch Beratung meist noch ein rotes Tuch.

Zu groß ist die Angst vor dem Verlust der eigenen Gestaltungshoheit. Dabei sollte die Frage: "Mache ich es selber, oder hole ich mir Hilfe?", gerade in Krisensituationen angstfrei gestellt werden, um rechtzeitig professionelle Hilfestellungen in Anspruch nehmen zu können (Abb. 3).

Präventionsphase

Ist eine mögliche Krise erkannt und hinsichtlich ihres Gefahrenpotentials für die Betriebsziele bewertet, können Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden. Das UN Sendai-Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge ist ein freiwilliges Rahmenwerk, das unter Federführung des UN Büros für Reduktion des Katastrophenrisikos [Übersetzung d. d. Verfasser] entwickelt und von der UN Generalversammlung angenommen wurde. Es beschreibt vier Prioritäten bei der Krisenbewältigung:

Tab. 1: Prioritäten Sendai-Framework
Priorität 1: Das Katastrophenrisiko verstehen.
Priorität 2: Alle beteiligten Sektoren und Institutionen der Katastrophenvorsorge stärken, um das Katastrophenrisiko auf regionaler bis globaler Ebene zu steuern.
Priorität 3: In die Katastrophenvorsorge investieren, um die Resilienz zu stärken.
Priorität 4: Die Vorbereitung auf den Katastrophenfall verbessern, um wirksamer reagieren zu können, und bei Wiederherstellung, Rehabilitation und Wiederaufbau nach dem Prinzip "besser wiederaufbauen" vorzugehen.

Die ersten drei dieser Prioritäten fallen in den Bereich Prävention und gehören somit zur ersten Phase des Krisenmanagementzyklus. Dieser Sachverhalt macht deutlich, welche hohe Bedeutung die UN Generalversammlung der Krisenprävention beimisst.

Vorbereitungsphase

Die vierte Priorität des Sendai-Rahmenwerks hebt die hohe Bedeutung der Vorbereitung auf den Krisenfall hervor. Die nachfolgenden Phasen (Intervention und Wiederherstellung) gelingen wesentlich besser, wenn im Vorfeld der Krise bereits Vorbereitungsmaßnahmen für den Ernstfall getroffen wurden.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Vorbereitungsarbeit ist die Priorisierung von Tätigkeiten im Krisenfall. Ein gut strukturierter Ablaufplan mit "Regieanweisungen im Ernstfall" dient zum einen dem ressourceneffizienten Handeln in der Interventionsphase und unterstützt insofern den innerbetrieblichen Prozess. Zudem eignet sich eine Prioritätenliste als wertvolles Kommunikationswerkzeug gegenüber der Öffentlichkeit. Im Krisenfall ist mit zahlreichen Anfragen und Forderungen aus der Gesellschaft zu rechnen (z. B. "Wann bekomme ich mein Brennholz?" oder "Wann ist meine Joggingroute wieder offen?", etc.). In dieser Situation ist eine Prioritätenliste äußerst hilfreich, um zu signalisieren, dass es einen ausgereiften Plan gibt, der alle Belange berücksichtigt und gleichzeitig die notwendige Zeit für den Betrieb reklamiert.

Interventionsphase

Die Interventionsphase findet unmittelbar während und direkt im Anschluss an eine Krise statt. Hier geht es hauptsächlich darum, die Schäden möglichst gering zu halten. Die Beseitigung der Krisenschäden gelingt erfahrungsgemäß umso besser, je gründlicher die Möglichkeiten der Prävention und der Vorbereitung auf die Krise genutzt wurden. Außerdem empfiehlt es sich, den Fokus der Aktivitäten auf die Vermeidung von Sekundärschäden zu legen. Was bereits zerstört ist, geht sicherlich kein zweites Mal kaputt. Primärschäden sollten daher in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden. Sie müssen ohnehin den versunkenen Kosten zugerechnet werden. Andererseits besteht bei jeder Krise die Gefahr, dass weitere Schäden in der Folge des Krisenereignisses auftreten (Sekundärschäden). Diese können oftmals bei schnellem Eingreifen vermieden oder zumindest abgemildert werden. Daher kommt einer klugen Priorisierung der Reihenfolge der "Aufräumarbeiten" eine besonders hohe Bedeutung zu.

Wiederherstellungsphase

In der Wiederherstellungsphase findet eine Beseitigung der Schäden statt, die durch die Krise angerichtet wurden. Wiederherstellungsmaßnahmen zielen auch darauf ab, einen stabileren Zustand (z.B. artenreiche, gut strukturierte Mischbestände) aufzubauen. Der Übergang von dieser letzten Phase des Krisenmanagementzyklus zur ersten Phase liegt nahe und ist teilweise fließend.

Der richtige Zeitpunkt ist immer jetzt

Selbst wenn Sie nach der Lektüre der vorangegangenen Ausführungen davon überzeugt sein sollten, dass rechtzeitige Präventions- und Vorbereitungsmaßnahmen auf mögliche Krisensituationen grundsätzlich wichtig sind, so wird Sie vermutlich im nächsten Atemzug die Dringlichkeit des Alltagsgeschäfts eingeholt haben. Freiräume für die proaktive Gestaltung von Krisen sind schwer realisierbar, insbesondere in Zeiten schrumpfender Personalkörper und gleichzeitig wachsender Arbeitsvolumina. Daher kommt auch in krisenfreien Phasen im Forstbetrieb meist wenig Bereitschaft auf, sich neben dem aufreibenden Alltagsgeschäft auch noch Gedanken um mögliche Krisen in der Zukunft zu machen. Und dennoch sind genau diese störungsfreien Zeiten der richtige Zeitpunkt, um ein bis zwei Arbeitstage zu investieren und eine überschaubare Anzahl von 4-3-2 Krisenmanagement-Plänen auszuarbeiten. Denn den persönlichen Terminplan kann man nur in den Zeiten der betrieblichen Normalität selbst bestimmen. Wenn die Krise erst einmal da ist, ist es mit der Selbstbestimmtheit des Arbeitsalltags dahin und die Rückkehr zur Normalität gelingt umso schneller und erfolgreicher, je besser vorbereitet man in die Krise geraten ist.

Unser Appell lautet daher:

  • Betreiben Sie proaktives Krisenmanagement. Unser Formblatt 4-3-2 Krisenmanagement können Sie als Vorlage benutzen.
  • Nutzen Sie unsere Onlineratgeber.
  • Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wenn Sie Unterstützung benötigen, steht Ihnen das KoNeKKTiW-Netzwerk auch persönlich mit Rat und Tat zur Seite.

Literatur und Internetquellen

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