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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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D-79100 Freiburg

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Artikel

Autor(en): Reinhold John, Thomas Bublitz, Horst Delb, Berthold Metzler, Jörg Schumacher
Redaktion: FVA, Deutschland
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Die stille Brunft – Waldmaikäfer und weitere Waldschädlinge im Fokus

Waldschutzsituation in Baden-Württemberg

Während in den Wäldern Südwestdeutschlands 2014 besonders die weitreichenden Fraßschäden durch den Buchen-Springrüssler auffällig waren, scheint der Massenwechsel dieser doch auffälligen, aber weitgehend unschädlichen Art diesjährig beendet zu sein. Der Buchdrucker an Fichten hat 2014 in etwa den gleichen Schadholzeinschlag wie im Vorjahr verursacht. Deshalb ist hier auch 2015 wieder Vorsicht geboten. In diesem Jahr könnten die landesweiten Sturmwürfe durch "Niklas" vom März und ein Tornado vom Mai auf Landkreisebene (Breisgau-Hochschwarzwald, Waldshut, Schwarzwald-Baar-Kreis) viel besiedelbaren Lebensraum für den Buchdrucker liefern. Das Ausmaß des Eschentriebsterbens legte 2014 noch einmal gravierend zu. Dieses Jahr haben Waldmaikäfer und Frostspanner im Oberrheingraben in den Eichenbeständen kräftig gefressen.

Inhalt

Witterung und abiotische Schäden

Sturmwurf "Niklas" vom März 2015 sorgt in einigen Landesteilen für reichlich besiedelbares Käferholz.
Abb. 1: Sturmwurf "Niklas" vom März 2015 sorgt in einigen Landesteilen für reichlich besiedelbares Käferholz.

Der Winter 2013/2014 war in Baden-Württemberg insgesamt deutlich zu mild und zu trocken. Dieser Witterungsverlauf setzte sich bis in das Frühjahr fort. Erst im Juli wurde die Reihe zu trockener Monate mit ausgiebigen Niederschlägen durchbrochen. Danach folgte vielerorts ein kühler und nasser August. Im weiteren Verlauf des Jahres war es wieder überwiegend warm und trocken. Das neue Jahr 2015 begann mit einer weitgehend durchschnittlichen Witterung. In der ersten Dezemberwoche 2014 kam es insbesondere auf der Schwäbischen Alb zu Schäden durch Eisbruch. Ende März sorgte der Sturm "Niklas" landesweit für Furore, den Schätzungen nach fielen etwa 300.000 Kubikmeter Sturmholz im gesamten Wald in Baden-Württemberg an. Dies entspricht etwa drei Prozent des normalen jährlichen Holzeinschlages. Großflächige Schäden entstanden dabei nicht, der Sturm hat vor allem einzelne Bäume oder Baumgruppen geworfen. In der Nacht zu Christi Himmelfahrt 2015 sorgte ein zyklonal rotierender Tornado vor allem in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Waldshut und Schwarzwald-Baar-Kreis für erhebliche Windwürfe.

Der Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags aufgrund abiotischer oder biotischer Ursachen am gesamten Jahreseinschlag lag im Gesamtwald von Baden-Württemberg mit 8% (616.313 Fm) unter dem Vorjahresniveau (Abb. 2). Davon wurden nur ein Fünftel als "Sturmholz" (129.804 Fm, 21%) und nahezu die Hälfte als "Insektenholz" (273.737 Fm, 44%) verbucht.

Prozentualer Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags an der Gesamtnutzung über alle Baumarten im Gesamtwald Baden-Württemberg von 1986-2014
Abb. 2: Prozentualer Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags an der Gesamtnutzung über alle Baumarten im Gesamtwald Baden-Württemberg von 1986-2014.

Aus der Waldzustandsinventur geht hervor, dass der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen 2014 um sieben Prozentpunkte auf 42% erheblich gestiegen ist. Als Grund ist das landesweit stark ausgeprägte Niederschlagsdefizit in der ersten Jahreshälfte hervorzuheben. Besonders betroffen waren die Baumarten Fichte und Buche, wo eine starke Fruchtausbildung festzustellen war.

Biotische Schäden

Die Anzahl der Meldungen und der Umfang der Flächen mit Schaderregern sind gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen. Dies ist im Wesentlichen auf das ausgedehnte Vorkommen des Buchen-Springrüsslers und des Eschentriebsterbens zurückzuführen (Tab. 1).

Tab. 1: Schädlingsmeldungen der Unteren Forstbehörden (UFB) von 2006 bis 2014 im Vergleich.
Von den Unteren Forstbehörden gemeldete Flächen mit Schaderregern 2006-2014 (N = Anzahl der Meldungen)

Schaderreger an Nadelbaumarten

Die durch Käfer an Fichte verursachte Schadholzmenge bewegte sich mit 232.180 Fm etwa auf dem Vorjahresniveau. Korrespondierend hierzu hat der Umfang der von den Unteren Forstbehörden (UFB) gemeldeten Flächen, die von Buchdrucker und Kupferstecher befallen waren, nur leicht zugenommen.

Ein milder Winter 2013/2014 sowie ein mildes und trockenes Frühjahr 2014 sorgten für einen raschen Ausflug der überwinternden Jungkäfer. Demzufolge begann der Schwärmflug im Südschwarzwald bereits Mitte März und somit einen Monat früher als im Vorjahr. In höher gelegenen Bereichen (> 800 m ü NN) waren die ersten Flugtage Anfang April zu verzeichnen. Nach einer kurzen Kälteperiode Mitte April, die die rasche Entwicklung der Borkenkäfer ausbremste, konnte sich die Brut im Mai und warmen Juni zügig weiterentwickeln. Somit war der Ausflug der ersten Generation in den unteren und mittleren Lagen des Südschwarzwalds Ende Mai (Buchdrucker) beziehungsweise Anfang Juni (Kupferstecher) zu verzeichnen. Trotz der für die Entwicklung und für die Aktivität ungünstigen Monate Juli (zu nass) und August (zu kalt) konnte in den unteren und mittleren Lagen die Anlage einer zweiten Generation beobachtet werden. Der Ausflug der zweiten Buchdrucker-Generation erfolgte dort ab Mitte Juli. Eine zweite Kupferstecher-Generation konnte sich nur lokal an wärmebegünstigten Standorten entwickeln, welche dann Ende Juli ausflog. Aufgrund des kühlen August kam die Schwärmaktivität überall gegen Mitte August fast ganz zum Erliegen; so hielt sich auch der Stehendbefall (Abb. 3) entgegen erster Befürchtungen in Grenzen. Zudem hat das weitgehende Fehlen größerer Mengen Brutmaterials aufgrund abiotischer Schadereignisse das Ausmaß der Populationsentwicklung begrenzt. Weiterhin trägt die sorgfältige Kontrolle der Bestände durch die Waldbesitzenden sowie die zügige Abfuhr befallener Stämme aufgrund der günstigen Holzmarktlage zur Entspannung bei.

Stehendbefall durch Buchdrucker im Nordschwarzwald
Abb. 3: Stehendbefall durch den Buchdrucker (Foto: John)

Auf Befall durch Nutzholzborkenkäfer (Xyloterus lineatus) an lagerndem Nadelholz muss während der gesamten Käferflugzeit (März bis Oktober) geachtet werden (Befallszeichen: weißes Bohrmehl auf den Stämmen, Abb. 4). Bester Schutz gegen den Holzbrüterbefall ist die rechtzeitige Abfuhr des Holzes, bevor sich die Käfer tiefer ins Holz einbohren. Auch eine Entrindung verhindert nicht den Befall, weil das Holz nicht rasch genug austrocknet. Ist die Abfuhr aus dringenden Gründen nicht möglich, kann eine rechtzeitige Schutzspritzung des Holzes einen Käferbefall wirksam verhindern. Allerdings sind die Zertifizierungs-Auflagen zu beachten: Im FSC-zertifiziertem Wald ist diese Polterbehandlung zum Beispiel untersagt.

Weißes Bohrmehl an der Fichte: untrügliches Zeichen für aktive Rindenbrüter. Hier hat sich der gestreifte Nutzholzborkenkäfer Xyloterus lineatus eingebohrt
Abb. 4: Weißes Bohrmehl an der Fichte: untrügliches Zeichen für aktive Rindenbrüter. Hier hat sich der gestreifte Nutzholzborkenkäfer Xyloterus lineatus eingebohrt (Foto: John).
BuchDruckerfrisch: Borkenkäfer im Jahr 2015

Aktuell (Juni 2015) stehen die Käfer der ersten Generation kurz vor dem Ausflug. Der 2015-er Jahrgang war bislang unspektakulär, der Schwarmflug der Parentalkäfer war eher zeitverzögert. Nur an wenigen warmen und trockenen Tagen Anfang Juni herrschten bislang tatsächlich gute Flugbedingungen für den Buchdrucker. Bislang gibt es keine besorgniserregenden Käferholzzahlen. Das Monitoring am Rande des Nationalparks Schwarzwald gibt Hinweise darauf, dass dem Kupferstecher lokal in diesem Jahr eine größere Bedeutung zukommen könnte. Trotz allem gilt, dass sich die Situation insbesondere bei länger anhaltenden Hitze- und Trockenperioden jederzeit rasch verschärfen kann. Deshalb ist besonders in Beständen mit Sturmbruchhölzern höchste Aufmerksamkeit geboten. Erforderlichenfalls ist eine zügige Durchführung einschlägiger Maßnahmen zur effizienten Regulierung der Borkenkäfer dringend geboten. Dies wird durch die fortlaufende Einschätzung der Gefährdungslage auf Grundlage des Monitoring der Flugaktivitäten und des Brutfortschritts (Abb. 5) unterstützt.

Jede Nadel eine Buchdrucker-Einbohrung: Die Überwachung von Brutbäumen ist ein wichtiger Aspekt des Borkenkäfer-Monitorings
Abb. 5: Jede Nadel eine Buchdrucker-Einbohrung: Die Überwachung von Brutbäumen ist ein wichtiger Aspekt des Borkenkäfer-Monitorings (Foto: John).
Die Situation der Weißtanne

In südwestdeutschen Wäldern war in den letzten Jahren die Tannen-Rindennekrose weit verbreitet. Dabei sind die Weißtannenstammlaus und der Rindenpilz Neonectria fuckeliana wesentlich beteiligt, die oft von Weißtannenrüssler und verschiedenen Borkenkäferarten begleitet werden. Landesweit sind die betroffenen Flächen dieser Tannen-Komplexkrankheit weiter zurückgegangen. Nur bei rindenbrütenden Borkenkäfern war ein Anstieg festzustellen. So erhöhte sich der durch Insekten verursachte Tanneneinschlag gegenüber dem Vorjahr auf 14.870 Fm. Häufig sind ältere Tannen zudem intensiv von vitalitätsmindernden Misteln befallen.

Die Meldungen der Tannentrieblaus sind deutlich zurückgegangen. Trotzdem bleibt der Befall regional in mehr oder weniger freistehenden Jungwüchsen weiterhin ein bedeutendes Problem. Sowohl die Stamm- als auch die Trieblaus werden durch Witterungskonstellationen mit milden Frühjahren und Wintern besonders gefördert, womit aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufiger zu rechnen sein könnte.

Schädlinge an der Kiefer
Kiefern mit Misteln in der Oberrheinebene
Abb. 6: Kiefern mit Misteln in der Oberrheinebene (Foto: John)

Der Umfang von mit Waldgärtner und sonstigen Borkenkäfern sowie Pracht- und Bockkäfern befallenen Flächen hat sich auf etwa 1.600 ha deutlich reduziert. Trotzdem ist der durch Rindenbrüter bei Kiefern verursachte Holzeinschlag gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 7.400 Fm gestiegen. Ein großes waldbauliches Risiko für die Kiefernwirtschaft in der nördlichen Oberrheinebene stellt auf etwa 4.100 ha nach wie vor der Befall durch die Mistel dar (Abb. 6). Vor allem im Zusammenhang mit Trockenstress kann dies zu erhöhten Absterberaten führen. Eng damit in Verbindung steht auch die Kiefern-Komplexkrankheit, die mit einer gemeldeten Fläche von 1.045 ha etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Es ist unverkennbar, dass die Baumart Kiefer in der nordbadischen Oberrheinebene dauerhaft stark gefährdet ist. In Anbetracht der Problematik einer Gradation des Waldmaikäfers (siehe unten) auf nahezu gleicher Fläche, muss in dieser Region auf den betroffenen trockenen Sandstandorten die Walderhaltung in Frage gestellt werden.

Schaderreger an Laubbaumarten

Wie steht es um die Eiche?
: Hell wurde es im Wald bei Weingarten, als Anfang Mai von oben der Maikäfer und von unten der Frostspanner um Nahrung konkurrierten
Abb. 7: Hell wurde es im Wald bei Weingarten, als Anfang Mai von oben der Maikäfer und von unten der Frostspanner um Nahrung konkurrierten (Foto John).

Die gemeldete Waldfläche mit Fraßschäden durch den Frostspanner (Abb. 7) und Eichenwickler ist gegenüber dem Vorjahr erwartungsgemäß gestiegen. Je nachdem, ob eine Koinzidenz zwischen dem Schlupf der Raupen und dem Austrieb vorhanden war, sind einzelbaumweise unterschiedliche Fraßschäden aufgetreten. Die in Laubholzbeständen gemeldete Fraßfläche lag mit rund 1.770 ha etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die routinemäßig durchgeführten Leimring-Prognosen zum Frostspanner lassen je nach Witterung auch für das Frühjahr 2015 besonders in der nördlichen Oberrheinebene aber auch im Neckarland einen Raupenfraß erwarten.Der Schwammspinner wurde auf 48 ha häufiger als im Vorjahr beobachtet. Anhand von jährlich durchgeführten Pheromon-Fallen-Fängen gibt es vorsichtige Anzeichen, dass die Population im Steigen begriffen sein könnte (Abb. 8).

Schwammspinner-Monitoring mit Pheromon-Fallen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
Abb. 8: Schwammspinner-Monitoring mit Pheromon-Fallen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (Foto John)

Der Eichenprozessionsspinner stellt insbesondere aufgrund der Gefährdung durch die Brennhaare der Raupen für Mensch und Tier vielerorts ein Dauerproblem dar, auch wenn der Umfang der gemeldeten Flächen landesweit auf 181 ha zurückgegangen ist. An einigen Orten mussten aus humanhygienischen Gründen mit Bioziden vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Die Raupen haben infolge der außergewöhnlich warmen Witterung zu Jahresbeginn bereits in der ersten Märzwoche mit dem Schlupf begonnen. Da der Austrieb der Eichen in den folgenden Wochen jedoch oft auf sich warten ließ, erfolgte die weitere Entwicklung sehr zögerlich mit der Gefahr des Verhungerns der Raupen. Trotzdem weisen die Befunde des bei Freiburg jährlich durchgeführten Monitorings stellenweise auf einen leichten Anstieg der Populationsdichte hin.

Der Flächenumfang mit Eichenmehltau befallener Bestände ist insgesamt auf 314 ha angewachsen. Dies korrespondiert mit der festgestellten Steigerung des Auftretens blattfressender Raupen vor allem in der Oberrheinebene und im Neckarland, denn der junge Neuaustrieb nach Fraß wird je nach Witterung sehr häufig von diesem Blattpilz befallen. Dadurch verstärkt sich die durch den Raupenfraß bedingte Schwächung der Eichen oft erheblich.

Über das gesamte Land gesehen ist die Befallsfläche durch den Eichenprachtkäfer in etwa gleich geblieben und mit 97 ha noch auf einem vergleichsweise geringen Niveau. Dementsprechend liegt auch die Insektenholzmenge bei lediglich 1.990 Fm. Die von der Eichen-Komplexkrankheit betroffene Fläche ist gegenüber dem Vorjahr mit rund 360 ha in etwa gleich geblieben.

Waldschädlingssituation an der Buche
Sichtbare Schäden an der Buche durch den Buchenspringrüssler
Abb. 9: Sichtbare Schäden an der Buche durch den Buchenspringrüssler (Foto John)

Die gemeldete Fläche mit Stehendbefall durch Rindenbrüter, den Buchenprachtkäfer und Kleinen Buchenborkenkäfer, hat sich mit rund 60 ha deutlich verringert. Demgegenüber ist die durch Insekten verursachte Schadholzmenge im Vergleich zum Vorjahr auf etwa 10.780 Fm gestiegen. Die vom Springrüssler betroffene Buchenfläche hat sich auf 15.050 ha mehr als versechsfacht. Besonders betroffen waren die Höhenlagen oberhalb 600 m. Da die Blattschäden durch den Springrüssler mit einer ausgeprägten Fruchtausbildung einhergegangen sind, ist von einer latenten Schwächung der Buchenbestände auszugehen (Abb. 9).

Was gibt es Neues bei der Esche?

Die Schäden durch das Eschentriebsterben sind weiterhin äußerst bedrohlich. Die gemeldete Schadfläche ist noch einmal gravierend um mehr als das Anderthalbfache sprunghaft auf 17.150 ha gestiegen, wovon nahezu die Hälfte als bestandesbedrohend eingestuft ist. Betroffen sind alle Altersklassen in allen Regionen des Landes. Nach den aus ganz Europa vorliegenden Erfahrungen muss von einer weiteren Zunahme dieser Krankheit ausgegangen werden. Besondere Besorgnis erregt das zunehmende Vorkommen von Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere (jedoch nicht nur) auf nassen Standorten. Hier kommt es oft zusätzlich zu Hallimasch-Infektionen, welche eine relativ rasche Stockfäule mit Bruchgefährdung nach sich ziehen. Damit verbunden sind große Herausforderungen bei der Arbeits- und Verkehrssicherung. Die Forstbehörden informieren die Bevölkerung, um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen zu gewinnen. Der durch das Eschentriebsterben verursachte Holzeinschlag erreicht in der laufenden Einschlagssaison fast den regulären Escheneinschlag.

Weiterhin zeigen sich zerstreut auch symptomfreie Eschen. Untersuchungen der FVA und weiterer europäischer Forschungseinrichtungen haben ergeben, dass Resistenzen existieren und genetisch vererbt werden. Ob daraus bereits in einigen Jahren wieder brauchbares Saatgut erzeugt werden kann, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Es wird empfohlen, weiterhin keine Eschen anzupflanzen. Bei anstehenden Eingriffen sind bevorzugt anfällige Eschen zu entnehmen, die sowohl durch Kronenverlichtung und/oder durch die Bildung von Ersatztrieben erkenntlich sind. Dagegen sollen bisher befallsfreie Eschen zum Aufbau einer weniger anfälligen Eschengeneration erhalten werden, ebenso wie Mischbaumarten.

Schaderreger in Kulturen und Jungwüchsen: Wald- und Feldmaikäfer

In der nördlichen Oberrheinebene sind die Jungwüchse und unterständigen Laubhölzer durch den Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers weiterhin gefährdet. Unmittelbar spürbare Schäden wurden auf 940 ha festgestellt. Im Frühjahr 2014 fand im Raum Baden-Baden und Rastatt ("mittelbadischer Flugstamm") sowie bei Mannheim ("südhessischer Flugstamm") ein Schwärmflug statt. Befunde aus den systematischen Probegrabungen im Herbst 2014 ließen im Frühjahr 2015 einen Waldmaikäferflug zwischen Bietigheim und Bruchsal im Großraum Karlsruhe ("Südstamm") auf mehr als 10.000 ha Waldfläche erwarten. Diese Prognosen haben sich bestätigt, allerdings herrschten in der zweiten April- und ersten Maihälfte nur an drei Tagen auch in den Abendstunden Temperaturen um 20° C, sodass der Käferschlupf eher still und heimlich, nicht aber unbemerkt vonstattenging: Drei Schlupfeklektoren im Raum Rastatt, Karlsruhe und Bienwald zeigten, dass vom 21. April an erst die Männchen, dann vom 27. April auch die Weibchen aus dem Boden schlüpften. Der Fraß an Eichen und anderen Laubbäumen schien oftmals konkurrierend mit den Partnern der Eichenfraßgemeinschaft (hier ist vor allem der Frostspanner zu nennen). Aktuell erholen sich die Bestände, der Fraß der gefräßigen Engerlinge über die nächsten drei Jahre steht ihnen aber noch bevor.

Neu ist das Auftreten und schädliche Wirken von Feld- und Waldmaikäfern in Kulturen in den Rheinauewäldern zwischen Jechtingen und Weisweil (UFB Emmendingen). Hier gab es schon deutliche Ausfälle, in diesem Jahr konnten an einigen Abenden markante Flugaktivitäten der Maikäfer beobachtet werden (Abb. 10). 

Feldmaikäfer suchen zur Eiablage in den Rheinauewäldern zwischen Jechtingen und Weisweil Aufforstungen auf Die Engerlinge schädigen die Kulturen
Abb. 10: Feldmaikäfer suchen zur Eiablage in den Rheinauewäldern zwischen Jechtingen und Weisweil Aufforstungen auf.
Abb. 11: Die Engerlinge schädigen dann die Kulturen. (Fotos: John)

Quarantäne-Schadorganismen

Kiefernbestand befallen mit Mycosphaerella pini
Abb. 11: Kiefernbestand befallen mit Mycosphaerella pini (Foto: Schumacher)

Der Esskastanienrindenkrebs hat sich in der Oberrheinebene und im Neckarland auf 120 ha ausgeweitet. Betroffen ist ganz besonders der Ortenaukreis. Durch die Verbreitung von hypovirulenten Pilzstämmen, die durch einen spezifischen Virusbefall ihre Aggressivität verloren haben, besteht grundsätzlich die Aussicht, dass sich die Krankheit verlangsamt. Dies kann trotz des immer noch negativen Gesamttrends an einigen Orten in der Ortenau beobachtet werden.Die gemeldete Befallsfläche der Japanischen Esskastanien-Gallwespe hat sich von 43 auf 79 ha ausgeweitet, wobei ein Schwerpunkt im Raum Heidelberg liegt. Die bis Anfang des Jahres 2014 gültigen Notmaßnahmen sind aufgrund der weiten Verbreitung des invasiven Schadinsekts durch die Änderung der Richtlinie 2000/29/EG aufgehoben worden. Ähnlich wie für den Erreger des Esskastanienrindenkrebses werden in Zukunft besondere Anforderungen lediglich für die Verbringung von Pflanzgut in eigens ausgewiesene Schutzgebiete gestellt. Der Erreger der Dothistroma-Nadelbräune ("Kiefernnadelbräune"), Mycosphaerella pini, wurde nach dem Erstnachweis in einem Waldbestand bei Rastatt im Jahr 2013 noch in einem weiteren Waldbestand desselben Forstbezirkes im Jahr 2014 festgestellt. Neben der Schwarz-Kiefer war hier auch die Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa) befallenen. Die betroffenen Bestände wurden inzwischen durch forstaufsichtliche Anordnungen abgetrieben (Abb. 11); ein Monitoring zur Erfolgskontrolle wird derzeit eingerichtet.

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