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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Jörg Grüner, Reinhold John, Sarah Mitze, Gregor Seitz und Jan Wußler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Wie ging es dem Wald 2017/2018 in Baden-Württemberg?

Die Gefahr durch Borkenkäfer hat sich angesichts der Sturmschäden im Januar 2018 und hoher Ausgangsdichten in den Nadelwäldern Südwestdeutschlands verschärft. Die Kiefer leidet in der gesamten Oberrheinebene unter einem komplexen Schadgeschehen. Zudem gefährdet der Waldmaikäfer die Wälder auf nahezu gleicher Fläche. Das Eschentriebsterben befindet sich nach wie vor auf hohem Niveau.

Infolge Stehendbefall durch Buchdrucker geschädigte Fichte
Abb. 1: Infolge Stehendbefall durch Buchdrucker geschädigte Fichte (Foto: H. Delb).

Inhalt

Witterung, abiotische Schäden und Kronenzustand

Landesweit betrachtet war die Witterung bis in den Spätsommer mit Ausnahme von Januar und April in Relation zum vieljährigen Mittel (1981-2010) wieder zu warm. Zudem war die erste Jahreshälfte von Januar bis Juni vergleichsweise niederschlagsarm. Erst im Juli und August fielen überdurchschnittlich hohe Niederschläge, die für die Wasserversorgung der Bäume zu einer ersehnten Entspannung führten. Der September wartete dann mit einer vergleichsweisen kühlen und feuchten Witterung auf. Jedoch haben die Auswirkungen der Trockenheit in den beiden Vorjahren den Wald noch immer in einem Ausmaß belastet, die nur schwer abschätzbar sind.

Um den 20. April 2017 traten in einigen Landesteilen aufgrund von Nachtfrösten an Laubhölzern erhebliche Spätfrostschäden auf. Allerdings waren vielerorts im Wald Buchen, Eichen und vielfach auch Eschen weniger betroffen. Dort erfroren lediglich einzelne Blätter oder Blattränder. Demgegenüber traten an Bäumen im Freiland zum Beispiel an den Blättern und Blüten von Walnussbäumen erhebliche Frostschäden auf (Abb. 2). Die Schäden waren oft an exotischen Laubhölzern wie an Götterbäumen zu beobachten. Die betroffenen Laubbaumarten haben im Anschluss an dieses Ereignis jedoch weitestgehend wieder ausgetrieben.

Spätfrostschaden an einem Walnussbaum im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Spätfrostschaden an einem Walnussbaum im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Abb. 2: Spätfrostschaden an einem Walnussbaum im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Fotos: H. Delb).

Der Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags aufgrund abiotischer oder biotischer Ursachen (zufällige Nutzungen) am gesamten Jahreseinschlag lag 2017 im Gesamtwald von Baden-Württemberg bei 21% (1.673 Mio. Fm, Abb. 3). Gegenüber dem Vorjahr wurde 2017 erheblich weniger "Sturmholz" und "Schnee-, Duft- oder Eisholz" verbucht (2016: 0,356 Mio. Fm, 2017: 0,256 Mio. Fm). Infolge der Sturmtiefs "Egon" am 12./13. Januar und "Thomas" am 23./24. Februar 2017 sowie des schweren Unwetters am Abend des 18. August 2017 sind im Wald trotz erster Befürchtungen landesweit keine großflächigen Schäden bekannt geworden.

Insgesamt hatte die Einschlagsursache "Insekten" (53%) wieder einmal den größten Anteil, gefolgt von "Sturm" (16%), "Pilze" (15%) und "Dürre" (8%).

Anteil der Summe aller zufälligen Nutzungen an der Gesamtnutzung über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1986-2017 (auf Datengrundlage der ZS ForstBW)
Abb. 3: Anteil der Summe aller zufälligen Nutzungen an der Gesamtnutzung über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1986-2017 (auf Datengrundlage der ZS ForstBW).

Aus der Kronenzustandserhebung für Baden-Württemberg geht hervor, dass der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenschäden 2017 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 31% zurückgegangen ist. Die Erholung geht vor allem darauf zurück, dass die Buche im Gegensatz zum Vorjahr keine starke Fruktifikation aufwies. Aber auch die höheren Niederschläge im Juli und August haben zu einem verbesserten Kronenzustand beigetragen.

Zu Beginn des neuen Jahres 2018 hat das Wintersturmtief "Burglind" am 02. und 03. Januar 2018 teils erhebliche Sturmschäden verursacht. Ersten Schätzungen zufolge sind dem mehr als 650.000 Fm Schadholz zum Opfer gefallen. Davon ist der Süden des Landes mit etwa 200.000 Fm in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Waldshut besonders betroffen. Allein im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sind 36 von landesweit 90 ha flächigen Sturmschadensflächen entstanden. In diesen beiden Landkreisen ist die Borkenkäfersituation infolge der Sturmschäden nach einem Tornado im Mai 2015 ohnehin angespannt. Auch in den bisherigen Schwerpunktregionen der Borkenkäferschäden infolge des Sturmtiefs "Niklas" 2015 im Osten des Landes sind insbesondere im Landkreis Ravensburg, Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis wieder beträchtliche Sturmschäden aufgetreten. Das Sturmtief "Friedericke" am 18. Januar spielte in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern eine geringere Rolle.

Umstellung auf ein digitales Waldschutzmeldesystem

Im Jahr 2017 wurde das Waldschutzmeldewesen auf ein digitales und webbasiertes System umgestellt. Dadurch ist es jetzt möglich, die Schadereignismeldungen unabhängig von bestehenden Organisationseinheiten georeferenziert, zeitnah und medienbruchfrei durchzuführen. Bis auf die örtliche Ebene können mit unterschiedlichem Raumbezug sowohl Standardauswertungen als auch Spezialanalysen vorgenommen werden, die besonders in Zeitreihen künftig für alle Beteiligten wertvolle Ergebnisse liefern werden. Diese Verbesserung stellt in Bezug auf die Beobachtung des Schädlingsgeschehens eine nachhaltige und fortwährende Anpassungsstrategie an die künftigen Herausforderungen im Klimawandel dar.

Schadereignisse

Im Jahr 2017 wurden von den Unteren Forstbehörden auf einer Fläche von rd. 36.900 ha Schadereignisse gemeldet. Davon wurde mit rd. 12.400 ha etwa ein Drittel als "bestandesbedrohend" und rd. 24.000 ha als "wirtschaftlich fühlbar" eingeschätzt. Neu wurden aufgrund des Eichenprozessionsspinners ca. 500 ha als "Gesundheitsrisiko vorhanden" für den Mensch gemeldet. Dabei nehmen das Eschentriebsterben, Kiefernkomplexkrankheit und -mistelbefall, Trockenschäden, Buchdrucker sowie Stockfäule an Fichte und Kiefer die größten Flächen ein.

Holzeinschlag aufgrund von Insekten über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989-2017; davon entfielen im Jahr 2017 auf Fichte 86%, Tanne 8%, Kiefer 1% und Laubhölzer 4%
Abb. 4: Holzeinschlag aufgrund von Insekten über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989-2017; davon entfielen im Jahr 2017 auf Fichte 86%, Tanne 8%, Kiefer 1% und Laubhölzer 4% (auf Datengrundlage der ZS ForstBW).

Schaderreger an Nadelbaumarten

Fichte

Die Entwicklung der beiden wichtigsten Fichtenborkenkäfer, Buchdrucker und Kupferstecher, sowie der Verlauf ihrer Flugaktivitäten wird mit Hilfe wöchentlicher Aufnahmen der Brutentwicklung an Brutbeobachtungsbäumen und mit Pheromonfallen im Rahmen des Borkenkäfer-Monitorings überwacht. Auf Grundlage dieser Daten werden fortlaufend Empfehlungen zu einem effektiven Borkenkäfer-Management in den Fichtenwäldern abgeleitet.

Kontrolle auf Borkenkäfer-Befall im Nordschwarzwald
Abb. 5: Kontrolle auf Borkenkäfer-Befall im Nordschwarzwald (Foto: R. John).
 
Borkenkäferbefall 2016 und 2017 nach Sturmschäden 2015 im Bannwald Napf, Feldberg
Abb 6: Borkenkäferbefall 2016 und 2017 nach Sturmschäden 2015 im Bannwald Napf, Feldberg (Foto: H. Delb).

Nach einem außergewöhnlich frühen Start des Schwärmfluges erster Käfer aus der Überwinterung Anfang April sorgte danach eine kühl-feuchte Wetterperiode dafür, dass der Hauptschwärmflug doch erst wieder in der zweiten Maihälfte einsetzte. Das weitere Schwärmgeschehen war geprägt von Schönwetterperioden eines insgesamt vergleichsweise wechselhaften Sommer. Ende Juni und phasenweise im Juli war der Schwärmflug intensiver. Die Entwicklung des Buchdruckers erbrachte je nach Höhenlage bis zu zwei Generationen und Geschwisterbruten, in Ausnahmen waren drei Generationen möglich. Trotz a) insgesamt nur durchschnittlicher Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäfer, b) überdurchschnittlicher Niederschläge im Juli und August sowie c) des Ausbleibens abiotischer Schadereignisse wie Sturm oder Schneebruch, die für Käferbruten gut geeignetes Material als Ausgangspunkt von Gradationen mit sich bringen, ist 2017 beim Nadelholz eine gegenüber den Vorjahren noch einmal deutlich gesteigerte Käferholzmenge von rd. 769.000 Fm angefallen (Abb. 4). Die durch Borkenkäfer an Fichte verursachte Schadholzmenge bewegte sich bei etwa dem 1,6-fachen des Vorjahres. Dies ist besonders auf die hohen Ausgangsdichten aus den trocken-warmen Vorjahren 2015 und 2016 zurückzuführen. Dabei wurden von den Unteren Forstbehörden (UFBn) auf rd. 3.500 ha Schäden durch Buchdrucker und auf rd. 300 ha Schäden durch Kupferstecher gemeldet.Die räumlichen Schwerpunkte lagen erwartungsgemäß vorwiegend im Osten und Süden des Landes, in denen der Sturm "Niklas" und ein Tornado 2015 gravierende Schäden verursacht haben. Diese waren Ausgangspunkte für seit diesem Zeitpunkt laufende Borkenkäfer-Gradationen (Abb. 7). Damit hat sich vor allem in diesen Regionen die Lage nicht beruhigt, auch wenn die intensiven Kontrollen der Fichtenbestände durch die Forstbetriebe in Verbindung mit einer raschen Aufarbeitung und Abfuhr sowohl des bruttauglichen als auch des befallenen Fichtenholzes (Abb. 5) insgesamt zu einer Begrenzung der Schäden beigetragen haben.

Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Buchdrucker-Schäden 2017.
Abb. 7: Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Buchdrucker-Schäden 2017.

Im Hinblick auf die Vegetationsperiode 2018 muss nach der Entwicklung der letzten Jahre weiter von hohen Ausgangsdichten überwinternder Buchdrucker ausgegangen werden. Zudem hat sich die Gefahrenlage angesichts des im Zusammenhang mit dem Sturmtief "Burglind" (siehe oben) Anfang 2018 angefallenen Brutmaterials erheblich verschärft. Zur Bewältigung der entstandenen Sturmschäden sind hinsichtlich der Vermeidung von Folgeschäden durch Borkenkäfer die im "Handbuch Sturmschadensbewältigung" beschriebenen Empfehlungen grundsätzlich zu beachten. Ein hoher Anteil von 84% der gemeldeten Sturmschäden treten einzelbaum- oder nesterweise auf. Deshalb wird ausdrücklich darauf hingewiesen, diese Schäden aus Sicht der Käfergefahr prioritär aufzuarbeiten. Denn das frische Sturmschadholz aus dem Winter ist dort rasch aufgebraucht, sodass es davon ausgehend in Fichtenbeständen schon bald zu einem Stehendbefall kommen kann. Auch dort, wo weniger Sturmschäden auftreten, ist hauptsächlich in Waldgebieten mit Vorjahresbefall insbesondere bei trocken-warmer Witterung wieder eine hohe Aufmerksamkeit geboten (Abb. 5). Erforderlichenfalls sind zügige Maßnahmen gegen Borkenkäfer geboten. Diesbezüglich ist wichtig, dass im Frühjahr und im frühen Sommer besonders gewissenhaft gearbeitet wird. Mit Hilfe des Monitorings erfolgt die fortlaufende Einschätzung des vom Borkenkäfer ausgehenden Risikos als Grundlage für ein effektives Borkenkäfer-Management in Fichtenwäldern.

Mit Krummzähnigem Tannenborkenkäfer befallene Tanne
Abb. 8: Mit Krummzähnigem Tannenborkenkäfer befallene Tanne (Foto: R. John).
Tanne

Die trocken-warme Sommerwitterung der beiden Vorjahre hat zu einem regional teils gravierenden Anstieg des Befalls durch Tannenborkenkäfer und -rüsselkäfer geführt. Davon sind vor allem der südliche und mittlere Schwarzwald und Waldregionen in den nordöstlichen Landesteilen auf rund 860 ha betroffen. Ausgehend vom Einzelbaum können beim Befall mit dem kleinen Tannenborkenkäfer oder dem Krummzähnigen Tannenborkenkäfer (Abb. 8) in unmittelbarer Nähe Käfernester mit bis zu einem Dutzend weitere befallener Tannen entstehen. Noch bis zum September hinein wurden immer wieder neue, rot zeichnende Tannen entdeckt.

Die von Tannen-Komplexkrankheit, Stamm- und Trieblaus betroffenen Flächen sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Trotzdem bleibt der Trieblausbefall regional in mehr oder weniger freistehenden Jungwüchsen weiterhin ein bedeutendes Problem. Sowohl die Stamm- als auch die Trieblaus werden durch Witterungskonstellationen mit milden Frühjahren und Wintern besonders gefördert, womit aufgrund des Klimawandels in Zukunft häufiger zu rechnen ist. Nach wie vor sind ältere Tannen vielerorts intensiv von chronisch vitalitätsmindernden Misteln zum Teil erheblich befallen. Oft ist auch der Tannenkrebs mit seinen typischen Symptomen Hexenbesen und Stammkrebs anzutreffen.

Douglasie

Vielerorts sind nach Befall durch die Rußige Douglasienschütte in den Vorjahren immer noch viele Douglasien mit sehr schütteren Kronen vorzufinden. Durch den Pilzbefall büßen die Nadeln ihre Frosthärte ein und fallen nach Frostereignissen wie im April 2017 in großem Umfang ab. Häufig weist die Douglasie in der folgenden Vegetationsperiode dann nur noch einen Nadeljahrgang auf. Im Landkreis Rastatt wird dies derzeit erheblich durch eine außerordentlich hohe Dichte von Waldmaikäfer-Engerlingen im dritten Larvenstadium verstärkt, deren Wurzelfraß vielen Douglasien so zugesetzt hat, dass sie aufgrund dessen zum Teil abgestorben sind (Abb. 9).

Sterbelücken in einem Douglasien-Bestand Douglasien-Wurzeln mit Fraßschäden durch Waldmaikäfer Waldmaikäfer-Engerlinge im Landkreis Rastatt
Abb. 9 a-c: "Sterbelücken" in einem Douglasien-Bestand (Bild links), Douglasien-Wurzeln mit Fraßschäden (Bild Mitte) durch Waldmaikäfer-Engerlinge im Landkreis Rastatt (Bild rechts) (Fotos: H. Delb).
Kiefer
Abgestorbener Kiefernbestand bei Breisach im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Abb. 10: Abgestorbener Kiefernbestand bei Breisach im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Foto: R. John).

In der Oberrheinebene sind Kiefernbestände nach wie vor weitflächig intensiv und anhaltend von Misteln befallen. Eng damit verbunden ist die sogenannte Kiefern-Komplexkrankheit. Zusammen ergibt sich eine betroffene Fläche von nunmehr rund 6.300 ha. Vor allem nach Trockenstress und lang in den Herbst anhaltender trocken-warmer Witterung führt dies in den letzten beiden Jahren zu erhöhten Mortalitätsraten. Dies erfolgt oft aber nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit einem Befall durch Borken- oder Prachtkäfer sowie dem Diplodia-Triebsterben. Die Baumart Kiefer scheint in der Oberrheinebene dauerhaft gefährdet zu sein. In Anbetracht der Massenvermehrung des Waldmaikäfers auf nahezu gleicher Fläche steht die Waldwirtschaft besonders in der nördlichen Oberrheinebene auf den betroffenen trockenen Sandstandorten vor einer großen Herausforderung. Aber auch andernorts wie zum Beispiel auf Kiesstandorten bei Breisach stehen die Waldkieferbestände aus bisher nicht geklärten Ursachen flächig vor dem aus (Abb. 10).

Schaderreger an Laubbaumarten

Buche

In Bezug auf die Buche sind 2017 insbesondere in der nördlichen Oberrheinebene in einem gravierenden Ausmaß Trockenschäden aufgetreten. Aus der gleichen Region und insbesondere im Landkreis Schwäbisch-Hall wurde zudem die Buchenkomplexkrankheit gemeldet. Die Blattschäden durch den Buchen-Springrüssler sind bei landesweiter Betrachtung insgesamt noch einmal deutlich zurückgegangen.

Eiche

Im Rahmen des routinemäßig durchgeführten Monitorings für das nördliche Oberrheinische Tiefland und das Neckarland wurden Fraßschäden durch die sogenannte Eichenfraßgesellschaft prognostiziert. Diese waren im Frühjahr im Norden des Landes tatsächlich festzustellen und wurden dementsprechend gemeldet. Daran waren vor allem die Schmetterlingsraupen von Frostspanner-Arten beteiligt.

Raupen des Schwammspinners
Abb. 11: Raupen des Schwammspinners (Foto: H. Delb).

Der Eichenprozessionsspinner hat aufgrund der von den Brennhaaren der Raupen für Mensch und Tier ausgehenden Gefahren besonders in den Regionen Ostalb, Neckarland, Odenwald und nördliche Oberrheinebene wieder von sich reden gemacht. Dies wurde auf insgesamt rund 440 ha gemeldet.

In einigen Regionen wie zum Beispiel im mittleren Oberrheinischen Tiefland, im Neckarbecken oder Tauberland werden – nach vorliegenden Informationen und Befunden in diesem Winter – wieder vermehrt Eischwämme des Schwammspinners festgestellt. Deshalb ist im Frühjahr mit dem Auftreten der auffälligen Raupen dieses Schadschmetterlings (Abb. 11) zu rechnen, die aufgrund der Fraßschäden für Eichenwälder sehr gefährlich werden können.

Eschentriebsterben

Das Triebsterben stellt für die Esche weiterhin eine große Bedrohung dar. Betroffen sind alle Altersklassen in allen Regionen des Landes. Die gemeldete Schadfläche lag bei rd. 14.100 ha. Besonders besorgniserregend ist das zunehmende Vorkommen von Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere auf nassen Standorten. Hier kommt es oft zusätzlich zu Hallimasch-Infektionen, welche eine relativ rasche Stockfäule mit Bruchgefährdung nach sich ziehen. Entsprechende Holzentwertungen sind mit großen Herausforderungen für die Arbeits- und Verkehrssicherung verbunden. Untersuchungen verschiedener Forschungseinrichtungen zeigen auf, dass ein kleiner Teil der Eschen eine genetisch bedingte Resistenz gegen das Triebsterben zeigt. Deshalb müssen Eschen mit normaler Belaubung, ohne Ersatztriebe und ohne Stammfußnekrosen für den Aufbau einer künftig gesünderen Generation erhalten werden.

Erlensterben

Vor allem aus dem Ortenaukreis werden gravierende Schäden an Erlen gemeldet. Dies kann möglicherweise auf sommerliche Trockenperioden zurückgeführt werden. Erlen, welche den Anschluss an die regelmäßige Wasserversorgung verlieren, sind sehr gefährdet. Bei länger andauernden Überflutungen kann es jedoch auch zu Neuinfektionen durch Erreger des neuartigen Erlensterbens vor allem durch den Phytophthora alni-Komplex kommen.

Waldmaikäfer

In der nördlichen Oberrheinebene sind vor allem die Jungwüchse und unterständigen Laubhölzer durch den Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers gefährdet. Es liegt nahe, dass dadurch aber auch ältere Laub- und Nadelbäume geschwächt werden. In Frühjahr 2017 fanden bei Rastatt und Baden-Baden ausgedehnte Flugaktivitäten des "Mittelbadischen Stammes" statt. Der Reifungsfraß der Käfer führt zu einer Entlaubung von Laubgehölzen, was aber durch Wiederaustrieb ausgeglichen wird. Jedoch ist nach den Eiablagen in diesem Frühjahr der Waldboden mit großer Sicherheit vielerorts wieder dicht mit Engerlingen besetzt, sodass weiter mit Schäden gerechnet werden muss. In diesem Zusammenhang ist zu befürchten, dass sich in den durch diese Schäden auflichtenden Waldstrukturen Neophyten wie Kermesbeere oder Spätblühende Traubenkirsche in ihrer Ausbreitung begünstigt werden. Im nächsten Frühjahr 2018 wird im Landkreis Rastatt in den Wäldern um Hügelsheim, Rheinmünster, Iffezheim und Durmersheim und Baden-Baden mit Käferdichten von bis zu 20 Käfer/m² wieder ein ausgedehnter Maikäferflug stattfinden, woran jedoch nicht nur der Wald- sondern auch der Feldmaikäfer beteiligt ist.

Invasive gebietsfremde Schadorganismen und Quarantäne

Der Esskastanien-Rindenkrebs stellt für die Esskastanie seit Jahren eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Durch die Verbreitung von hypovirulenten Pilzstämmen, die durch einen spezifischen Virusbefall ihre hohe Aggressivität einbüßen, besteht jedoch die Aussicht, dass sich der Krankheitsverlauf abschwächt. Die weitere Ausbreitung der Japanischen Esskastanien-Gallwespe wird nicht mehr aufzuhalten sein. Allerdings geht der Gallwespenbefall in den Esskastanienwäldern südlich der Alpen aufgrund einer Parasitierung durch eine in Italien freigesetzte ebenfalls aus China stammende Schlupfwespe (Torymus sinensis) bereits wieder zurück. Denkbar ist, dass sich dieser Gegenspieler der Gallwespe auch in unsere Region hinein ausbreitet.

Die ursprünglich in Nordamerika beheimateten Douglasien-Gallmücken (Contarinia spp.) sind bereits in den Landkreisen Karlsruhe-Land, Ludwigsburg und Freudenstadt eindeutig nachgewiesen worden. Da sich die Schäden der Gallmücken im jüngsten Nadeljahrgang und demgegenüber die der Douglasien-Schütte sich vorwiegend in den älteren Nadeljahrgängen äußern, könnte bei weiterer Ausbreitung und kombiniertem Befall beider Schadfaktoren die Vitalität der Douglasien beeinträchtigt werden.

Das Monitoring zum Auftreten der pflanzenschutzrechtlich geregelten Dothistroma-Nadelbräune der Kiefer, die in den Jahren 2014 und 2015 erstmals in den Wäldern Baden-Württembergs an Pinus nigra und P. ponderosa im Landkreis Rastatt nachgewiesen wurde, hat keine weitere Ausbreitung ergeben.

In Hildrizhausen im Landkreis Böblingen, Weil am Rhein und Grenzach-Whylen im Landkreis Lörrach und in Straßburg im Grenzbereich zu Kehl im Ortenaukreis wurde seit 2003 bisher ein Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) festgestellt. Da dieser Käfer auch gesunde Laubbäume befällt, sind die umliegenden Wälder erheblich gefährdet. Deshalb erfolgen dort auf Grundlage einschlägiger Rechtsnormen intensive Monitoring-Maßnahmen. Diese haben 2017 bisher keine weiteren Befallsmeldungen hervorgebracht.

Besonders in der Nähe von Warenumschlags- und Lagerplätzen vor allem von Importwaren mit Verpackungsholz besteht vielerorts eine erhöhte Gefahr der Einschleppung von Quarantäne-Schadorganismen. Diese soll neuerdings mit Hilfe eines verpflichtenden präventiven Monitoring-Programms so frühzeitig wie möglich eingedämmt werden. So werden intensive Überwachungsmaßnahmen zum Beispiel in Bezug auf den Kiefernholznematoden oder auf den aus Amerika stammenden Xylella-Bakterienbrand, verursacht durch eine Bakterienart die auch Waldbaumarten befallen kann, sowie auf die sogenannte Tausend-Nekrosen-Krankheit an Nussbäumen durchgeführt. Dies erfolgt nach europäischen und nationalen Vorgaben bisher ohne Befund.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift AFZ-DerWald. AFZ-DerWald

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