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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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D-79100 Freiburg

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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Jörg Grüner, Reinhold John, Gregor Seitz und Jan Wußler
Redaktion: FVA, Deutschland
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Wie ging es dem Wald 2018/2019 in Baden-Württemberg?

In den Nadelwäldern Südwestdeutschlands sind im Zusammenhang mit Sturmschäden und extremer Dürre und Hitze durch Borkenkäfer enorme Schäden entstanden (Abb. 1). Die Kiefer leidet in der gesamten Oberrheinebene unter einem komplexen Schadgeschehen. Dort gefährdet in den Hardtwäldern auch der Waldmaikäfer die Bestände. Der Eichenprozessionsspinner hat sich weit verbreitet und führte regional zu enormen Problemen. Auch der Schwammspinner zeigt ansteigende Tendenz. Das Eschentriebsterben befindet sich nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Mit der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Ahorn-Rußrindenkrankheit ist ein neues Schadpathogen präsent.

Geräumte Käferfläche bei Erolzheim
Abb. 1: Geräumte Käferfläche bei Erolzheim.

Inhalt

Witterung, abiotische Schäden und Kronenzustand

Landesweit betrachtet war die Witterung 2018 in Relation zum vieljährigen Mittel (1981-2010) in der Vegetationszeit deutlich zu warm und ausgesprochen niederschlagsarm. Gerade waren die Bodenwasserspeicher im Januar aufgefüllt, sind die Niederschlagsmengen ab Februar wieder deutlich unter das langjährige Mittel gefallen. Mit Ausnahme des Monats Mai setzte sich die extreme Trockenheit bei erheblichen Niederschlagsdefiziten gepaart mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen bis in den Herbst weiter fort. Erst der Dezember 2018 war wieder niederschlagsreich. Dies hielt bis in den Januar 2019, als große Niederschlagsmengen in Form von Schnee nieder gingen. Der Schnee war in Lagen von etwa 700 bis 1.000 m ü. NN sehr nass und ist bei wechselnden Temperaturen oft zu Eis gefroren. Besonders im Schwarzwald sind in der Folge vor allem an Nadel- aber auch an Laubbäumen verbreitet Schnee- und Eisbruchschäden aufgetreten. Der Februar 2019 war dagegen wieder sehr mild, trocken und außergewöhnlich sonnenscheinreich.

Der Anteil des außerplanmäßigen Holzeinschlags aufgrund abiotischer oder biotischer Ursachen (ZN = zufällige Nutzungen) am Jahreseinschlag lag 2018 im Gesamtwald von Baden-Württemberg bei 46% (rd. 4 Mio. Fm = Festmeter) (Abb. 2). Insgesamt hatte die Einschlagsursache "Insekten" (45%) den größten Anteil, dicht gefolgt von "Sturm" (39%).

Anteil der Summe aller zufälligen Nutzungen an der Gesamtnutzung über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1986-2018
Abb. 2: Anteil der Summe aller zufälligen Nutzungen an der Gesamtnutzung über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1986-2018).

Zu Beginn des Jahres 2018 hat das Wintersturmtief "Burglind" am 02./03. Januar teils erhebliche Sturmschäden verursacht. Bis zum Jahresende wurden bei der Baumart Fichte landesweit rd. 1,2 Mio. Fm Schadholz verbucht (1,6 Mio. Fm über alle Baumarten). Ein Schwerpunkt lag im Süden des Landes in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Waldshut, wo ausgehend von Sturmschäden nach einem Tornado 2015 eine bereits angespannte Borkenkäfersituation vorlag. Aber auch in den bisherigen Schwerpunktregionen der Borkenkäferschäden infolge des Sturmtiefs "Niklas" 2015 im Osten des Landes sind weitere beträchtliche Sturmschäden aufgetreten.

Aufgrund der Dürre und Hitze und einer außergewöhnlich starken Fruchtbildung wiesen viele Laubholzbestände 2018 bereits im August verfärbtes Laub oder entlaubte Bäume auf. Das Bild zeigte sich in Abhängigkeit von Baumart, Fruchtbehang und Kleinstandort je nach Mischungsanteilen mitunter sehr uneinheitlich. Allen voran wiesen Rotbuchen, aber zum Beispiel auch Hainbuchen, Ahornbäume, Robinien oder Linden einen starken Fruchtbehang auf. Der frühzeitige Blattfall erfolgte aus Gründen des Eigenschutzes vor Vertrocknung und erfahrungsgemäß in der Regel erst nach Ausbildung der Knospenanlagen für das Folgejahr. So hatte eine eingehende Untersuchung zum Ende des letzten extremen Dürresommers 2003 ergeben, dass bereits frühzeitig verfärbte und auch vollständig entlaubte Buchen durchaus noch grüne Knospen und unter der Rinde ein intaktes Kambialgewebe aufwiesen. Diese Buchen haben im Folgejahr weitestgehend ohne ersichtliche Mängel wieder ausgetrieben. Auch nach dem Sommer 2018 stichprobenweise durchgeführte Kontrollen haben ergeben, dass die Knospen in ihrer Größe gegenüber Normaljahren zwar oft sehr reduziert waren, jedoch grüne Blattanlagen aufwiesen. Auf flachgründigen Extremstandorten oder im Unterstand kann jedoch nicht vollends ausgeschlossen werden, dass es örtlich zu unmittelbaren Trockenschäden gekommen ist. Bei allen Baumarten sind zumindest deutliche Zuwachsverluste entstanden.

Der Vergleich zweier Fotos eines Mischbestandes zeigt, dass Laubbäume, die bereits zum Ende des ebenfalls trockenen Sommers 2016 frühzeitige Laubverfärbung und Blattabfall aufwiesen, in der Aufnahme von 2018 immer noch vorhanden und von vergleichbaren Merkmalen geprägt waren (Abb. 3).

Die direkten Auswirkungen der Dürren im Sommer 2016 (links: Aufnahme vom 06.09.) und 2018 (rechts: Aufnahme vom 26.08.) auf einen Laubholzbestand im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zum Vergleich
Abb. 3: Die direkten Auswirkungen der Dürren im Sommer 2016 (links: Aufnahme vom 06.09.) und 2018 (rechts: Aufnahme vom 26.08.) auf einen Laubholzbestand im Vergleich, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Buchdrucker Brutgeschehen im Bodenseekreis, 31. August 2018
Abb. 4: Buchdrucker Brutgeschehen im Bodenseekreis, 31. August 2018.

Aus der Kronenzustandserhebung geht hervor, dass der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenschäden 2018 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozentpunkt auf 38% gestiegen ist. Die Verschlechterung des Kronenzustandes wird vor allem auf das Zusammentreffen von Trockenstress, Borkenkäfer, intensiver Fruchtausbildung und bei Eichen auch auf regional aufgetretenen Raupenfraß zurückgeführt.

Schadereignisse

Im Jahr 2017 wurden von den Unteren Forstbehörden auf einer Fläche von rd. 38.000 ha Schadereignisse gemeldet. Davon wurden rd. 17.000 ha als "bestandesbedrohend" und rd. 21.000 ha als "wirtschaftlich fühlbar" eingeschätzt. Das Eschentriebsterben (rd. 14.600 ha), Borkenkäfer (rd. 9.200 ha), Trockenschäden (rd. 4.300 ha), Stockfäule (rd. 2.600 ha) und der Eichenprozessionsspinner (rd. 1.600 ha) nehmen die größten Flächen ein.

Schaderreger an Nadelbaumarten

Vom Kupferstecher befallene Fichte im Nationalpark Schwarzwald, 29.August 2018
Abb. 5: Vom Kupferstecher befallene Fichte im Nationalpark Schwarzwald, 29.August 2018.
Fichte

Beim Start des Schwärmfluges im April 2018 war noch nicht mit einer außergewöhnlich schnellen Borkenkäferentwicklung zu rechnen. Doch schon der Ausflug der ersten Buchdrucker-Generation fand im Mai etwa zwei Wochen früher als im Vorjahr statt, in einigen Regionen sogar drei Wochen früher. Die zweite Generation flog an vielen Orten Ende Juli aus und legte eine dritte Generation an, die sich im September oft bis in das überwinterungsfähige Käferstadium entwickelte (Abb. 4). Sowohl die Ergebnisse der Fallenfänge als auch Beobachtungen vor Ort sprechen von einem "Dauerschwärmen" der Käfer über den Hochsommer. Aufgrund der außergewöhnlich warmen Witterung sind selbst in mittleren Höhenlagen noch Mitte September Käfer aus befallenen Fichtenstämmen ausgeflogen. So wurden bis in die 38. Kalenderwoche zum Beispiel im Nordschwarzwald selbst in einer Höhe von 860 m ü. NN an einem freiliegenden Brutbeobachtungsstamm noch zahlreiche frische Einbohrungen festgestellt und von Geschwisterbruten aus der zweiten Generation Rammelkammern angelegt. Neben dem beschriebenen Buchdrucker hat auch der Kupferstecher, der von Dürre und Hitze im Besonderen profitieren kann, einen erheblichen Anteil an den Käferschäden. Er hat im Frühjahr rascher als der Buchdrucker auf die ersten warmen Tage reagiert und Fichten rasch besiedelt. Eine zweite große Welle mit Befall durch Kupferstecher baute sich Mitte August auf (Abb. 5).

Holzeinschlag aufgrund von „Insekten“ über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989-2018
Abb. 6: Holzeinschlag aufgrund von "Insekten" über alle Baumarten in Baden-Württemberg von 1989-2018.

Über alle Waldbesitzarten fiel ein Einschlag mit der zufälligen Nutzungsursache "Insekten" von rd. 1,79 Mio. Fm an (Abb. 6). Davon waren Fichten zu 89%, Tannen zu 5%, Kiefern zu 1% und Laubhölzer zu 4% beteiligt. Die verbuchte Insektenholzmenge hat damit das Niveau des "Jahrhundertsommers" 2003 (rd. 1,76 Mio. Fm) knapp überschritten.

Die durch Borkenkäfer alleine an Fichten verursachte Schadholzmenge bewegte sich mit rd. 1,6 Mio. Fm bei etwa dem 2,1-fachen Wert des Vorjahres (Abb. 7). Dabei wurden von den Unteren Forstbehörden (UFBn) mit rd. 7.500 ha gegenüber dem Vorjahr auf etwa der doppelten Fläche Schäden durch Buchdrucker (Abb. 8) und auf rd. 1.110 ha auf nahezu der vierfachen Fläche Schäden durch Kupferstecher gemeldet.

Holzeinschlag aufgrund der Ursachen "Sturm" und "Insekten" (Zufällige Nutzungen) an Fichte in Baden-Württemberg von 2003-2018 im Vergleich
Abb 7: Holzeinschlag aufgrund der Ursachen "Sturm" und "Insekten" (Zufällige Nutzungen) an Fichte in Baden-Württemberg von 2003-2018 im Vergleich.
Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Buchdrucker-Schäden 2018
Abb. 8: Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Buchdrucker-Schäden 2018.
Als Brutstätte für Borkenkäfer sehr gut geeignet und als Infektionsquelle extrem gefährlich: nicht aufgearbeiteter Schneebruch aus dem Vorwinter, Nationalpark Schwarzwald, 29.August 2018
Abb. 9: Als Brutstätte für Borkenkäfer sehr gut geeignet und als Infektionsquelle extrem gefährlich: nicht aufgearbeiteter Schneebruch aus dem Vorwinter, Nationalpark Schwarzwald, 29.August 2018.

Im Hinblick auf die Vegetationsperiode 2019 ist die Situation sehr bedrohlich, auch wenn den Hinweisen zur dringenden Sanierung käferbefallener Fichten als Maßnahme zur Reduzierung der Ausgangsdichten überwinternder Borkenkäfer in den letzten Monaten weitgehend Folge geleistet wurde. Im Analogschluss zur Kalamität nach dem extremen Dürrejahr 2003 (Abb. 7) muss für die Vegetationsperiode 2019 und die folgenden Jahre weiter mit einer erheblichen Käfergefahr gerechnet werden.

Die im Januar 2018 verbreitet entstandenen Schnee- und Eisbrüche können sich gravierend auswirken. Denn damit trifft ein hoher Ausgangsbestand der Borkenkäferpopulation auf weiteres, zerstreut angefallenes und bruttaugliches Material in Form von abgebrochenen Gipfeln und fängischen, gebrochenen Bäumen mit geringem Anteil grüner Kronen (Abb. 9).

Zur Begrenzung der Borkenkäfer-Kalamität muss grundsätzlich sämtliches aus Sturm- oder Schneebruch entstehendes Brutmaterial rechtzeitig unschädlich gemacht werden. Dies gilt angesichts der kritischen Lage insbesondere für die im Januar 2019 aufgetretenen Schnee- und Eisbruchschäden, um von Beginn an das Brutraumangebot für den Borkenkäfer konsequent zu reduzieren. Angesichts der vom Kupferstecher ausgehenden Gefahren gilt dies auch für schwaches Material abgebrochener Gipfelstücke, die gehackt oder aus dem Bestand entfernt werden sollten, bevor sie im Frühjahr von den Käfern als Brutraum genutzt werden könnten. Stehend gebrochene Bäume mit nur noch wenigen erhaltenen grünen Astquirlen sind für einen Befall durch Borkenkäfer besonders geeignet und sollten daher aufgearbeitet werden.

Trotz konsequenter Aufarbeitungsmaßnahmen besteht im Umfeld der Schadflächen ein erhöhtes Borkenkäferrisiko. Die Randbereiche der Schadflächen sollten daher ab Anfang Mai regelmäßig untersucht und bei festgestelltem Befall die bekannten Waldschutzmaßnahmen ergriffen werden.

In Bezug auf die bestehende Gefährdung der Wälder durch Borkenkäfer ist es sehr wichtig, dass nach Beginn des Schwärmfluges im Frühjahr und im frühen Sommer besonders gewissenhaft gearbeitet wird. Zur effizienten Regulierung der Borkenkäfer-Population sind die gemeinhin bekannten einschlägigen Maßnahmen dringend geboten. Nach Eintritt von Borkenkäfer-Befall sollten zum Schutz der Wälder grundsätzlich alle im integrierten Pflanzenschutz zur Verfügung stehenden therapeutischen Maßnahmen sorgfältig abgewogen werden. Das Borkenkäfer-Management in Fichtenwäldern wird mit Hilfe eines fortlaufenden Monitorings des Schwärmverlaufs und der Entwicklung des Käfers und der darauf aufbauenden Einschätzungen des vom Borkenkäfer ausgehenden Risikos maßgeblich unterstützt (FVA Borkenkäfermonitoring).

Tanne
Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Schäden durch Tannen-Borkenkäfer 2018
Abb. 10: Räumliche Übersicht der in den Unteren Forstbehörden in Baden-Württemberg gemeldeten Schäden durch Tannen-Borkenkäfer 2018.
Im Februar 2019 rot zeichnende Tannen, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Abb. 11: Im Februar 2019 rot zeichnende Tannen, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Infolge der extremen Witterung 2018 sind vielerorts auch Tannen teils erheblich von Borkenkäfer-Befall betroffen (Abb. 10), die vom Tannenrüsselkäfer begleitet werden können. Die durch Trockenheit und Hitze besonders geschwächten Tannen können auch primär von Borkenkäfern befallen werden. Dies gilt insbesondere auch dort, wo ältere Tannen intensiv von chronisch vitalitätsmindernden Misteln zum Teil erheblich befallen sind. Durch die Ausbildung von zwei Generationen und Geschwisterbruten können auch hier Massenvermehrungen entstehen. Unter diesen Umständen geht jetzt auch von befallenen Tannen ein hohes Infektionsrisiko für umliegende Bestände aus. Ausgehend vom Einzelbaum können beim Befall mit dem Kleinen Tannenborkenkäfer oder dem Krummzähnigen Tannenborkenkäfer in unmittelbarer Nähe Käfernester mit weiteren befallenen Tannen entstehen. Deshalb ist unbedingt auch bei der Tanne analog zur Baumart Fichte vorzugehen. Noch bis ins Frühjahr 2019 werden immer wieder neue, rot zeichnende Tannen entdeckt (Abb. 11).

Kiefer und Lärche
Absterbende Waldkiefern im Rhein-Neckar-Kreis, Februar 2019
Abb. 12: Absterbende Waldkiefern im Rhein-Neckar-Kreis, Februar 2019.

Die Kiefernbestände in der Oberrheinebene leiden seit Jahren unter einem komplexen Schadgeschehen. Vor allem in Zusammenhang mit Trockenstress und lang in den Herbst anhaltender trocken-warmer Witterung führte dies zu erhöhten Mortalitätsraten. Unter der Dürre 2018 erfuhr dies noch einmal einen deutlichen Fortschritt. Beispielsweise bezifferten die Landkreise Rhein-Neckar, Karlsruhe und der Stadtkreis Karlsruhe die zufälligen Nutzungen bis Januar 2019 auf etwa 70.000 Fm. Jede dritte bis vierte Kiefer in mittelalten bis alten Kiefernbeständen wird als absterbend eingeschätzt. Erste Befunde deuten darauf hin, dass das Diplodia-Triebsterben in Verbindung mit der extremen Trockenheit einen deutlichen Anteil an dem aktuellen Schadgeschehen hat (Abb. 12). Der Trockenstress wird oft durch Mistelbefall erheblich verstärkt. Es ist zu befürchten, dass in diesem Zusammenhang auch das Ausmaß von Borkenkäfern und von Pracht- und Bockkäfern befallenen Kiefern in den nächsten Jahren ansteigen wird. In Anbetracht der Massenvermehrung des Waldmaikäfers auf nahezu gleicher Fläche steht die Waldwirtschaft besonders in der nördlichen Oberrheinebene auf den betroffenen trockenen Sandstandorten in den Hardtwäldern vor einer großen Herausforderung. Aber auch andernorts wie zum Beispiel auf Kiesstandorten bei Breisach stehen die Waldkieferbestände aus bisher nicht geklärten Ursachen flächig vor dem aus. Die Baumart Kiefer scheint in der gesamten Oberrheinebene dauerhaft gefährdet zu sein.

In der Neckar- und Odenwaldregion sowie im südlichen Breisgau wurden in größerem Umfang auch absterbende Schwarzkiefern beobachtet. Hier wurden der Zweizähnige und der Sechszähnige Kiefernborkenkäfer, Kiefernaltholzrüssler und vor allem Kiefernprachtkäfer als Schadorgansimen vorgefunden, die sich an disponierten Bäumen gut entwickeln können. In vielen Regionen hat auch der Lärchenborkenkäfer von der trocken-warmen Witterung sehr profitiert, sodass von zum Teil gravierendem Stehendbefall von Lärchen berichtet wird.

Absterbende Douglasie im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Abb. 13: Absterbende Douglasie im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Douglasie

Neben dem Befall durch die Douglasien-Gallmücken führten im Verlauf des Jahres verstärkt pilzliche Trieberkrankungen zu Schädigungen der Douglasie: Phomopsis-Krankheit, Grauschimmel, Sirococcus-Triebsterben und Diplodia-Triebsterben. Betroffen waren zumeist Douglasien-Kulturen bis hin zu Stangenhölzern. Die Symptome des Pathogen-Befalls sind dem Erscheinungsbild nach einem Spätfrostschaden ähnlich. Insbesondere das Waldinnenklima und Standorte mit ungünstiger Nährstoffausstattung bzw. -bilanz gelten als disponierend. Hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gesamtvitalität der Douglasie lässt sich gegenwärtig noch keine abschließende Aussage treffen. Dies ist Gegenstand aktueller Forschung. Vielerorts sind nach Befall durch die Rußige Douglasienschütte in den Vorjahren immer noch viele Douglasien mit sehr schütteren Kronen vorzufinden. An der Douglasie konnten in diesem Frühsommer erfolgreiche Bruten des Krummzähnigen Tannenborkenkäfer gefunden werden. Allerdings waren in diesen bislang wenigen Einzelfällen Vorschädigungen vorhanden wie zum Beispiel starker Befall durch Hallimasch. Dagegen werden Kupferstecher, Furchenflügliger Fichentborkenkäfer und auch Lärchenborkenkäfer regelmäßig auch an nicht vorgeschädigten Douglasien vorgefunden, die mit roten Kronen zeichnen (Abb. 13).

Schaderreger an Laubbaumarten

Buche

Nach der ausgesprochenen Dürre und Hitze sind an Buchen vereinzelt wieder rindenbrütende Käfer wie der Kleine Buchenborkenkäfer oder der Buchenprachtkäfer vorzufinden. Allerdings noch nicht in dem infolge des "Jahrhundertsommers" 2003 festgestellten Ausmaß. Insbesondere der Buchenprachtkäfer kann sich nach derartigen Ereignissen vor allem an lockeren Rändern und in aufgelichteten Beständen noch einige Jahre chronisch schädigend einstellen.

Meldungen des Eichenprozessionsspinners 2018
Abb. 14: Meldungen des Eichenprozessionsspinners 2018.
Eiche

Der Eichenprozessionsspinner hat 2018 wieder erheblich an Bedeutung gewonnen und zwar sowohl in Bezug auf Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit als auch auf die Gesundheit des Waldes (Abb. 14). Insgesamt wurde er auf einer Fläche von rd. 1.550 ha Eichenwälder gemeldet. Aufgrund der von den Brennhaaren der Raupen für Mensch und Tier ausgehenden Gefahren hat er über weite Teile des Landes von sich reden gemacht. Aufgrund des Eichenprozessionsspinners wurden rd. 910 ha als für Menschen "Gesundheitsrisiko vorhanden" gemeldet. Vom Licht- und Kahlfraß der Raupen waren die Eichenwälder im Nordosten von Baden-Württemberg besonders betroffen.

Besonders im Hohenlohekreis wurden im Frühjahr 2018 auf größerer Fläche auffällige Blattverluste bis hin zu Kahlfraß durch Schwammspinner-Raupen festgestellt. In diesem Winter 2018/2019 waren darüber hinaus in vielen weiteren Laubwäldern Eigelege festzustellen. Deshalb muss im nächsten Frühjahr mit steigender Tendenz regional mit erheblichen Fraßschäden gerechnet werden.

Eigelege des Schwammspinners im Landkreis Ludwigsburg, Dezember 2018
Abb. 15: Eigelege des Schwammspinners im Landkreis Ludwigsburg.

Die Raupen des Eichenwicklers und der Frostspanner-Arten haben vor allem im nördlichen Oberrheinischen Tiefland und im Neckarland deutliche Fraßschäden verursacht.

Mit dem Vorkommen blattfressender Insekten korrespondiert meist auch ein Befall durch den Eichenmehltau, denn der nach Fraß auftretende junge Neuaustrieb wird je nach Witterung sehr häufig von diesem Blattpilz befallen. Dadurch verstärkt sich die durch den Raupenfraß und die Dürre bedingte Schwächung der Eichen oft erheblich, was einem Befall durch den Eichenprachtkäfer Vorschub leistet.

Eschentriebsterben

Das Eschentriebsterben ist nach wie vor eine sehr bedeutende Baumkrankheit. Die vergleichsweise schlechten Infektionsbedingungen durch langandauernde sommerliche Trockenperioden in den letzten Jahren bremste aber die Neuinfektion der Blätter. Bestehende Triebinfektionen aus vorangegangenen Jahren setzen den infizierten Eschen jedoch weiterhin zu und führen in Kombination mit der diesjährigen Dürre zu erheblichen Schäden. Diese Krankheit bedroht weiterhin alle Altersklassen in allen Regionen des Landes. Besondere Besorgnis erregt das zunehmende Vorkommen von Stammfußnekrosen an Eschen, insbesondere auf nassen Standorten. Hier kommt es oft zusätzlich zu Hallimasch-Infektionen, welche eine relativ rasche Stockfäule mit Bruchgefährdung nach sich zieht. Damit verbunden sind große Herausforderungen bei der Arbeits- und Verkehrssicherung sowie eine rasche Holzentwertung. Untersuchungen verschiedener Forschungseinrichtungen zeigen jedoch, dass ein kleiner Teil der Eschen eine genetisch bedingte Resistenz gegen das Triebsterben zeigt. Deshalb müssen Eschen mit normaler Belaubung, ohne Ersatztriebe und ohne Stammfußnekrosen für den Aufbau einer künftig gesünderen Generation erhalten bleiben. Bei anstehenden Eingriffen sind geschädigte Eschen zu entnehmen, die sowohl durch Kronenverlichtung und/oder durch die Bildung von Ersatztrieben erkenntlich sind.

Erlensterben

Vor allem aus der Oberrheinebene werden gravierende Schäden an Erlen gemeldet. Dies kann möglicherweise auf sommerliche Trockenperioden zurückgeführt werden. Erlen, welche den Anschluss an die regelmäßige Wasserversorgung verlieren, sind sehr gefährdet. Bei länger andauernden Überflutungen kann es jedoch auch zu Neuinfektionen durch Erreger des neuartigen Erlensterbens v.a. durch den Phytophthora alni-Komplex kommen.

Waldmaikäfer

Durch Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers geschädigte Kiefern-Naturverjüngung im Rhein-Neckar-Kreis (Schwetzinger Hardt), Februar 2019
Abb. 16: Durch Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers geschädigte Kiefern-Naturverjüngung im Rhein-Neckar-Kreis (Schwetzinger Hardt), Februar 2019.

In der nördlichen Oberrheinebene sind insbesondere die Jungwüchse und unterständigen Laubhölzer durch den Wurzelfraß der Engerlinge des Waldmaikäfers gefährdet (Abb. 16). Es liegt nahe, dass dadurch auch ältere Laub- und Nadelbäume geschwächt werden. Dies verschärft die oben geschilderte Problematik der Kiefernkomplexkrankheit erheblich, da die Verjüngung unter diesen Bedingungen erheblich erschwert wird. Im Frühjahr 2018 fand im Raum Baden-Baden und Rastatt ("mittelbadischer Flugstamm") ein ausgedehnter Schwärmflug statt. Der Reifungsfraß der Käfer führte zu einer Entlaubung von Laubgehölzen, was aber durch Wiederaustrieb ausgeglichen wird. Doch ist nach den Eiablagen in diesem Frühjahr der Waldboden mit großer Sicherheit vielerorts wieder dicht mit Engerlingen besetzt, sodass weiter mit Schäden gerechnet werden muss. In diesem Zusammenhang ist zu befürchten, dass sich in den durch diese Schäden auflichtenden Waldstrukturen Neophyten wie Kermesbeere oder Spätblühende Traubenkirsche in ihrer Ausbreitung begünstigt werden.

Nach den Befunden aus den systematischen Probegrabungen sind in diesem Frühjahr 2019 zwischen Bietigheim und Bruchsal im Großraum Karlsruhe ("Südstamm") auf mehr als 10.000 ha Waldfläche sehr umfangreiche Flugaktivitäten der Waldmaikäfer zu erwarten.

Invasive gebietsfremde Schadorganismen und Quarantäne

Großflächige Sporenlager im Zusammenhang mit der Ahorn-Rußrindenkrankheit unter der Rinde von Bergahorn
Abb. 17: Großflächige Sporenlager im Zusammenhang mit der Ahorn-Rußrindenkrankheit unter der Rinde von Bergahorn .

Mit dem ursprünglich aus Nordamerika stammenden Erreger der Ahorn-Rußrindenkrankheit (Cryptostroma corticale) ist seit 2005 ein neues, eingeschlepptes Schadpathogen an Ahorn-Arten präsent. Im Verlauf der Krankheitsentwicklung werden unter der Rinde großflächige Sporenlager angelegt, in denen sehr große Sporenmengen gebildet werden (Abb. 17). Vornehmlich treten Schädigungen an Bergahorn auf. Neben der namensgebenden Erkrankung der Rinde stellen vom Pilz verursachte Holzfäulen im Verlauf der Krankheitsentwicklung an betroffenen Bäumen einen entscheidenden Faktor für die Entwertung und das Absterben dar. Der Pilz ist ein ausgesprochenes Sekundärpathogen und benötigt vorgeschädigte oder geschwächte Individuen für eine schadensverursachende Besiedlung. Die Erkrankung tritt vermehrt an Standorten auf, an denen die Baumart einem erhöhten Trockenstress ausgesetzt ist oder bereits andere Schadpathogene wie z. B. Hallimasch für eine Prädisposition gesorgt haben. Nach der Dürre 2018 ist in den nächsten Jahren eine weiter fortschreitende Verbreitung zu befürchten.

Es können sich im Zusammenhang mit der Ahorn-Rußrindenkrankheit auch gesundheitliche Probleme für Menschen ergeben. Diese stellen sich allerdings nur bei langanhaltendem intensivem Kontakt mit den Pilzsporen durch Einatmen ein. Symptome wie Fieber und Reizhusten resultieren aus einer Entzündung der Lungenbläschen. Bei den wenigen bislang klinisch dokumentierten Patienten handelte es sich um Beschäftigte, die über mehrere Jahre mit dem Häckseln, Entrinden oder Sägen von Ahornstämmen beschäftigt waren.

Der Esskastanien-Rindenkrebs stellt für die Esskastanie seit Jahren eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Durch die Verbreitung von hypovirulenten Pilzstämmen, die durch einen spezifischen Virusbefall ihre hohe Aggressivität einbüßen, besteht jedoch die Aussicht, dass sich der Krankheitsverlauf abschwächt. Die weitere Ausbreitung der Japanischen Esskastanien-Gallwespe wird nicht mehr aufzuhalten sein. Allerdings geht der Gallwespenbefall in den Esskastanienwäldern südlich der Alpen aufgrund einer Parasitierung durch eine in Italien freigesetzte, aus China stammende Schlupfwespe (Torymus sinensis) bereits wieder zurück. Denkbar ist, dass sich dieser Gegenspieler der Gallwespe auch in unsere Region hinein ausbreitet, da der Antagonist bereits in der Schweiz und auch im Elsass nachweislich vorhanden ist.

Die ursprünglich in Nordamerika beheimateten Douglasien-Gallmücken (Contarinia spp.) sind in Baden-Württemberg bereits mehrfach nachgewiesen worden. Da sich die Schäden der Gallmücke im jüngsten Nadeljahrgang und demgegenüber die der Douglasien-Schütte sich vorwiegend in den älteren Nadeljahrgängen äußern, könnte bei weiterer Ausbreitung und kombiniertem Befall beider Schadfaktoren die Vitalität der Douglasien verstärkt beeinträchtigt werden.

In Hildrizhausen im Landkreis Böblingen, Weil am Rhein und Grenzach-Whylen im Landkreis Lörrach und in Straßburg im Grenzbereich zu Kehl im Ortenaukreis wurde in den letzten Jahren ein Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) festgestellt. Da dieser Käfer auch gesunde Laubbäume befällt, sind die umliegenden Wälder erheblich gefährdet. Deshalb erfolgen dort auf Grundlage einschlägiger Rechtsnormen intensive Monitoring-Maßnahmen. Diese haben 2018 keine weiteren Funde und Beobachtungen von besorgniserregenden Symptomen hervorgebracht.

Besonders in der Nähe von Warenumschlags- und Lagerplätzen vor allem von Importwaren mit Verpackungsholz besteht vielerorts eine erhöhte Gefahr der Einschleppung von Quarantäne-Schadorganismen. Die Durchführung umfangreicher spezifischer Überwachungsmaßnahmen nach europäischen und nationalen Vorgaben ergaben in Bezug auf beispielsweise Kiefernholznematoden, die sogenannte Tausend-Nekrosen-Krankheit an Nussbäumen oder den aus Amerika stammenden Xylella-Bakterienbrand, bisher keinen positiven Befund.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift AFZ-DerWald. AFZ-DerWald

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