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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

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Artikel

Autor(en): Reinhold John, Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
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Borkenkäfer 2019: Im Frühjahr dringend handeln!

Das trocken-heiße Jahr 2018 ist uns allen in lebhafter Erinnerung. Obwohl beim Start des Schwärmfluges im April 2018 zunächst nicht mit einer schnellen Borkenkäferentwicklung zu rechnen war, fand der Ausflug der ersten Buchdrucker-Generation etwa zwei Wochen früher als im Vorjahr statt. Und so ging es dann mit der Käferentwicklung rasant weiter: Die zweite Generation flog an vielen Orten Ende Juli aus und legte eine dritte Generation an, die sich im September oft bis in das überwinterungs­fähige Käferstadium entwickelte.

Schäden durch Buchdrucker und Kupferstecher im südlichen Schwarzwald
Abb. 1: Schäden durch Buchdrucker und Kupferstecher im südlichen Schwarzwald.

Inhalt

Die Käfersituation

Sowohl die Ergebnisse der Fallenfänge als auch Beobachtungen vor Ort sprechen von einem "Dauerschwärmen" der Käfer über den Hochsommer. Aufgrund der außergewöhnlich warmen Witterung sind selbst in mittleren Höhenlagen noch Mitte September Käfer aus befallenen Fichtenstämmen ausgeflogen. Neben dem beschriebenen Buchdrucker hat auch der Kupferstecher, der von Dürre und Hitze im Besonderen profitieren kann, einen erheblichen Anteil an den Käferschäden (Abb. 1). Er hat im Frühjahr schneller als der Buchdrucker auf die ersten warmen Tage reagiert und Fichten rasch besiedelt. Eine zweite große Welle mit Befall durch Kupferstecher baute sich Mitte August auf. Des Weiteren haben diese Rahmenbedingungen auch die rindenbrütenden Käfer an der Weißtanne, der Kiefer und der Lärche gefördert. Auch hier kam es lokal zu größeren Ausfällen.

Die verbuchte Insektenholzmenge hat mit fast 1,8 Mio FM (über alle Baum- und Waldbesitzarten) die Menge des Trockenjahrs 2013 knapp überschritten. Davon waren Fichten zu 89%, Tannen zu 5%, Kiefern zu 1% und Laubhölzer zu 4% beteiligt.

Hauptschaden an Fichte

Die durch Borkenkäfer alleine an Fichten verursachte Schadholzmenge bewegte sich mit rd. 1,5 Mio. Fm bei etwa dem 2,1-fachen Wert des Vorjahres.

Befall durch den Kleinen und den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer im Raum Sulzburg
Abb. 2: Befall durch den Kleinen und den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer im Raum Sulzburg.
 
Aufnahmen mit einer UAV-Kamera über den Kronenraum: offenbar von Tannen­borkenkäfern befallene Bäume (UAV = unpiloted aerial vehicle)
Abb. 3: Aufnahmen mit einer UAV-Kamera über den Kronenraum: offenbar von Tannen­borkenkäfern befallene Bäume (UAV = unpiloted aerial vehicle).

Im Hinblick auf die Vegetationsperiode 2019 ist die Situation sehr bedrohlich, auch wenn den Hinweisen zur dringenden Sanierung käferbefallener Fichten als Maßnahme zur Reduzierung der Ausgangsdichten überwintern­der Borkenkäfer in den letzten Monaten weitgehend gefolgt wurde.

Weißtannen leiden erheblich

Infolge der extremen Witterung 2018 sind vielerorts auch Tannen teils erheblich von Borkenkäfer-Befall betroffen, der vom Tannenrüsselkäfer begleitet werden kann. Durch Trockenheit und Hitze geschwächte Tannen sind für einen Befall prädisponiert (Abb. 2).

Dies gilt insbesondere auch dort, wo ältere Tannen intensiv von chronisch vitalitätsmindernden Misteln zum Teil erheblich befallen sind. Durch die Ausbildung von zwei Generationen und Geschwisterbruten können auch hier Massenvermehrungen entstehen. Unter diesen Umständen geht jetzt auch von befallenen Tannen ein hohes Infektionsrisiko für umliegende Bestände aus. Ausgehend vom Einzelbaum können beim Befall mit dem Kleinen oder auch dem Krummzähnigen Tannenborkenkäfer in unmittelbarer Nähe Käfernester mit weiteren befallenen Tannen entstehen (Abb. 3).

Deshalb ist unbedingt auch bei der Tanne analog zur Baumart Fichte vorzugehen. Aktuell werden immer noch neue, rot zeichnende Tannen entdeckt.

Die Kiefernbestände bei Hartheim sind nach Trockenheit, Diplodia- und Borkenkäfer­befall nun durch den Kiefernprachtkäfer stark bedroht
Abb. 4: Die Kiefernbestände bei Hartheim sind nach Trockenheit, Diplodia- und Borkenkäfer­befall nun durch den Kiefernprachtkäfer stark bedroht.
 
Trockenschäden und Borkenkäferbefall machen auch vor der Douglasie nicht halt (bei Sulzburg)
Abb. 5: Trockenschäden und Borkenkäferbefall machen auch vor der Douglasie nicht halt (bei Sulzburg).
Kiefern sind ebenfalls betroffen

Die Kiefernbestände in der Oberrheinebene leiden seit Jahren unter einem komplexen Schadgeschehen. Vor allem in Zusammenhang mit Trockenstress und lang in den Herbst anhaltender trocken-warmer Witterung führte dies zu erhöhten Mortalitätsraten. Unter der Dürre 2018 erfuhr dies noch einmal einen deutlichen Fortschritt. Erste Befunde deuten darauf hin, dass das Diplodia-Triebsterben in Verbindung mit der extremen Trockenheit einen deutlichen Anteil an dem aktuellen Schadgeschehen hat. Der Trockenstress wird oft durch Mistelbefall erheblich verstärkt. Es ist zu befürchten, dass in diesem Zusammenhang auch das Ausmaß von Borkenkäfern sowie von Pracht- und Bockkäfern befallenen Kiefern in den nächsten Jahren ansteigen wird. Aber auch aus anderen Regionen Südwestdeutschlands wird aktuell von deutlichen Problemen an Kiefern berichtet (Abb. 4).

In der Neckar- und Odenwaldregion sowie im südlichen Breisgau wurden in größerem Umfang auch absterbende Schwarzkiefern beobachtet. Hier wurden der Zweizähnige und der Sechszähnige Kiefernborkenkäfer, Kiefernaltholz­rüssler und vor allem Kiefernprachtkäfer als Schadorganismen vorgefunden, die sich an disponierten Bäumen gut entwickeln können. In vielen Regionen hat auch der Lärchenborkenkäfer von der trocken-warmen Witterung sehr profitiert, sodass von zum Teil gravierendem Stehendbefall berichtet wird. Auch Douglasien weisen Befall durch den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer auf (Abb. 5).

Schnee- und Eisbruch: akut eine große Gefahr

Die im Januar 2019 verbreitet entstandenen Schnee- und Eisbrüche in den Lagen von 700 bis 1.000 m üNN können sich gravierend auswirken. Denn damit trifft ein hoher Ausgangsbestand der Borkenkäferpopulation auf weiteres, zerstreut angefallenes und bruttaugliches Material in Form von abgebrochenen Gipfeln und fängischen, gebrochenen Bäumen mit geringem Anteil grüner Kronen.

Zur Begrenzung der Borkenkäfer-Kalamität muss grundsätzlich sämtliches aus Sturm- oder Schneebruch entstandenes Brutmaterial rechtzeitig unschädlich gemacht werden. Dies gilt angesichts der kritischen Lage auch für diese Schnee- und Eisbruchschäden, um von Beginn an das Brutraumangebot für den Borkenkäfer konsequent zu reduzieren. Angesichts der vom Kupferstecher ausgehenden Gefahren gilt dies auch für schwaches Material abgebrochener Gipfelstücke, die gehackt oder aus dem Bestand entfernt werden sollten, bevor sie im Frühjahr von den Käfern als Brutraum genutzt werden und später als Infektionsquelle eine große Gefahr darstellen können. Stehend gebrochene Bäume mit nur noch wenigen erhaltenen grünen Astquirlen sind für einen Befall durch Borkenkäfer besonders geeignet und sollten daher konsequent aufgearbeitet und unschädlich gemacht werden.

Behandlung der Gipfelstücke
Vor allem in den ersten Januartagen kam es in den Lagen von 700 bis 1.000 m üNN zu Schnee- und Eisbruch an Fichten
Abb. 6: Vor allem in den ersten Januartagen kam es in den Lagen von 700 bis 1.000 m üNN zu Schnee- und Eisbruch an Fichten.

Liegende Gipfelstücke müssen vorsorglich aufgearbeitet, gehackt oder aus dem Bestand entfernt werden, bevor sie im Frühjahr von den Käfern als Brutraum genutzt werden. Die Hackung der anfallenden Hölzer ist dabei ein probates Mittel und auch die Nadelbaum-Gipfelhackung nach FSC-Standard bei Vorliegen einer Waldschutz-Notwendigkeit (Risiko-Minderung) und Vorab-Dokumentation möglich (s. Formular von ForstBW zur Nadelbaum-Gipfelhackung).

Behandlung von stehend gebrochenen Bäumen

Stehend gebrochene Bäume, bei denen mindestens 2/3 der ehemaligen grünen Krone noch erhalten sind, bilden mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ersatzgipfel und müssen nicht entnommen werden. Als besonders gefährdet gelten dagegen Bäume mit nur noch wenigen erhaltenen grünen Astquirlen. Diese sollten daher aufgearbeitet werden. Bäume, die entsprechend ihrem verbliebenen Kronenanteil derzeit noch als ausreichend vital eingestuft werden, sind ab Anfang Mai jedoch regelmäßig auf Borkenkäfer-Befall hin zu überprüfen.

Sanierung von Überwinterungsbäumen versus Behandlung von Schnee- und Eisbruch

In Beständen mit Überwinterungsbäumen des Borkenkäfers sollten diese bis zum Ausflug der Elternkäfer als wesentliche Gefahrenquelle noch vorzugsweise mit erster Priorität identifiziert, aufgearbeitet und unschädlich gemacht werden. Wenn jedoch der Schwärmflug im April eingesetzt hat und die Bäume verlassen werden, ist das Augenmerk sofort auf die bruttauglichen und ggf. bereits schon befallenen Hölzer aus Schnee- und Eisbruch zu legen.

Borkenkäfer-Management ab Frühjahr 2019

 Zum Download der PDF-Version Abbildung anklicken.
Borkenkäfer-Management von April bis September 2019
Schema Borkenkäfer-Management von April bis September 2019.
Borkenkäfer-Kontrollen

Trotz konsequenter Aufarbeitungsmaßnahmen besteht im Umfeld von sanierten Befallsflächen weiter ein deutlich erhöhtes Borkenkäferrisiko. Die Randbereiche dieser Schadflächen sollten daher vorzugsweise ab Anfang Mai regelmäßig kontrolliert, untersucht und bei festgestelltem Befall die bekannten Waldschutzmaßnahmen ergriffen werden.

In Bezug auf die bestehende Gefährdung der Wälder durch Borkenkäfer ist es sehr wichtig, dass nach Beginn des Schwärmfluges im Frühjahr und im frühen Sommer besonders gewissenhaft gearbeitet wird. Die Zahl der Käfer und damit das Gefahrenpotential für Nadelbäume nimmt im Jahresverlauf mit jeder Generation beträchtlich zu. Aus einer Fichte fliegen nach Abschluss der ersten Generation ungeachtet der Geschwister­bruten so viele Käfer aus, dass wieder 20 weitere befallen werden können. Nach der zweiten Generation können in der Folge 400 Bäume befallen werden und nach der dritten Generation sogar ganze 8.000 Fichten. Diese modellhafte Betrachtung zeigt, dass bei Identifikation und Sanierung von nur jeder zweiten Käferfichte in der ersten Generation, bis zum Jahresende eine Reduktion auf 13% der Käfermenge im Vergleich zur Variante des Nichtstun möglich ist. Daraus wird noch einmal ersichtlich, wie wichtig das frühzeitige Erkennen und unschädlich machen von Borkenkäfer befallenen Nadelbäumen ist.

Zur effizienten Regulierung der Borkenkäfer-Population sind die gemeinhin bekannten einschlägigen Maßnahmen dringend geboten (s. Informationsquellen am Ende des Artikels). Nach Eintritt von Borkenkäfer-Befall sollten zum Schutz der Wälder grundsätzlich alle im integrierten Pflanzenschutz zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Sanierung sorgfältig abgewogen werden. Das Borkenkäfer-Management in Fichtenwäldern wird mit Hilfe eines fortlaufenden Monitorings des Schwärmverlaufs und der Entwicklung des Käfers und der darauf aufbauenden Einschätzungen des vom Borkenkäfer ausgehenden Risikos maßgeblich unterstützt (s. www.fva-bw.de).

Die Aufarbeitungsreihenfolge bei Monitoring und Management

Die in der Waldschutzinfo Nr. 4/2018 ausführlich behandelten "Käfer-Überwinterungsbäume" sollten mittlerweile entdeckt und abgefahren sein. Dennoch können immer wieder noch vereinzelte solcher Bäume gefunden werden; dies gilt besonders für verschneite Hochlagen.

Die eher unscheinbaren "Überwinterungs­bäume" sollte es kaum noch geben: Im Herbst und bis in den Winter auftretende Befallsmerkmale sind weitestgehend die Folge von sich spät abzeichnendem Stehendbefall im August und September. Überwinterungsbäume sind befallene Fichten mit oft noch grüner und/ oder schütterer Krone, die aus der Ferne zumeist nicht auffällig sind. Selten sind Harztropfen zu sehen, Bohrmehl tritt gar nicht auf, aber auf dem Waldboden sieht man vielmals einen grünen Teppich abgeworfener Nadeln. Typischerweise sind mit dem Fernglas erste Spechtabschläge zu erkennen.

Weiterhin gilt: Bäume mit fast vollständig abgefallener Rinde können stehen bleiben, hier ist der Käfer ausgeflogen. Solche „Bergungshiebe“ belegen nur unnötig Fuhrkapazitäten und blockieren Arbeitskräfte. Wenn jedoch aufgrund der Verkehrssicherung Bedenken bestehen, müssen solche Fichten selbstverständlich entnommen werden.

Solange ein Großteil der Rinde noch am Stamm haftet, und die Krone noch benadelt ist, muss kontrolliert werden, ob noch Borkenkäfer vorhanden sind. Bis in den Sommer 2018 befallene und aus verschiedenen Gründen nicht aufgearbeitete Fichten zeichnen seit Monaten mit roter, mittlerweile meist brauner oder vollständig entnadelter Krone und sind damit gut aus der Ferne sichtbar. Nutzen Sie diese Bäume zur Lokalisierung von bisher nicht gefundenen Käferbäumen. Aber Vorsicht: Rote Kronen sind nicht immer ein sicherer Hinweis dafür, dass die Bäume schon verlassen sind. Im Zweifelsfall sind Probefällungen vorzunehmen.

Sobald die Käfer ausgeflogen sind, trägt eine Nutzung nichts mehr zur Käferbekämpfung bei. Zahlreiche natürliche Feinde verlassen einen Käferbaum sogar erst einige Wochen nach den Käfern, so dass eine Nutzung auch diesbezüglich kontraproduktiv sein kann.

Also nochmals die eindringliche Aufforderung, alle Käfer-befallenen Stämme aus dem Wald zu holen; Resthölzer sind gegebenenfalls durch Hacken unschädlich zu machen. Dies alles muss möglichst schnell erfolgen, denn mit zunehmender Dauer nach dem Befall löst sich die Rinde vom Holz ab.

Risikominimierung im Kalamitätsfall

Nach Extremereignissen wie Sturm, Schnee- und Eisbruch sowie insbesondere Dürren steigt das Risiko für Borkenkäferbefall stark an. Durch vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen kann eine Massenvermehrung der Käfer oft nicht verhindert werden, doch kann das räumliche und zeitliche Ausmass des Käferbefalls deutlich reduziert werden. Dank rechtzeitigem Eingreifen kann der Befallsdruck gesenkt und der Folgebefall erheblich verkleinert werden.

Im Jahr 2019 aber ist dringend angeraten, die Kontrollen auf Vorjahresbefall (bis Mitte April) und Neubefall (ab Mitte April) in den gefährdeten Fichtenbeständen einmal wöchentlich durchzuführen. Die Wahrscheinlichkeit für Stehendbefall dürfte dabei in der Nähe zu noch nicht aufgearbeiteten alten Käfernestern oder Sturmholz bzw. Schneebruch am höchsten sein, sie ist aber unbedingt auch in die Bestandestiefe auszuweiten. Dabei muss in älteren Beständen die Kontrolle Baum für Baum erfolgen und die befallenen Bäume sind für den Einschlag im Bestand auffällig zu markieren und kartographisch zu erfassen.

Pflege- und Holzerntemaßnahmen sollten in Kalamitätsjahren mit erhöhtem Borkenkäferrisiko soweit wie möglich ausgesetzt werden. Falls dringend notwendig, empfiehlt es sich, die Arbeiten möglichst im Herbst, nach Beendigung des Käfer-Schwärm­fluges durchzuführen. Es muss besondere Sorgfalt auf die Vernichtung aller Resthölzer bzw. allen befallenen Materials verwendet werden (Hacken). Gipfel­stücke, Äste und Reisig­matten nach Harvestereinsatz behalten über viele Monate ihre Bruttauglichkeit für den Kupferstecher.

Handlungsempfehlungen ab Beginn des Käferflugs: intensive Kontrollen und Sanierung bruttauglicher und käferbefallener Bäume

Nachdem der Altbefall beseitigt wurde, ist der Fokus auf den Neubefall zu legen. Nutzen Sie bei den Käfer-Kontrollen die in den UFB’en bereit gestellten Borkenkäfer-Gefährdungskarten bzw. soweit verfügbar die Borkenkäfer-App auf dem Tablet. Ansonsten arbeiten Sie mit den gewohnten Methoden und verorten den Befall auf Karten. Spätestens von der zweiten Aprilhälfte an ist mit dem Ausflug der Überwinterungs-Käfer zu rechnen. Sollte schon vorher ein nennenswerter Käferausflug stattfinden, so wird dies über den Newsletter Südwest zeitnah kommuniziert.

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:
  • braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation
  • Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz
  • helle Flecken, sogenannte "Spiegel", auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte auf der Suche nach Nahrung, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird
  • verblassend fahl-grün werdende bis ver- gilbende Nadeln
  • Rötung der Krone
  • Abfallen grüner oder roter Nadeln
  • charakteristische Fraßbilder unter der Rinde
Braunes Bohrmehl ist oftmals unter Rindenschuppen verborgen Harztrichter mit Bohrmehl sind eindeutige Hinweise auf einen Käferbefall
Abb. 7: Braunes Bohrmehl ist oftmals unter Rindenschuppen verborgen. Abb. 8: Harztrichter mit Bohrmehl sind eindeutige Hinweise auf einen Käferbefall.
Buchdrucker und Kupferstecher besiedeln bisweilen gemeinsam die Fichte Im Umfeld befallener Fichten (rechts) muss besonders intensiv kontrolliert werden
Abb. 9: Buchdrucker und Kupferstecher besiedeln bisweilen gemeinsam die Fichte. Abb. 10: Im Umfeld befallener Fichten (rechts) muss besonders intensiv kontrolliert werden.
Kontrollieren Sie Ihre Wälder! Zu kontrollieren sind:
  • geworfenes, gebrochenes und angeschobenes Sturmholz vom Winter 2018/ 2019. Achten Sie auf die Schnee- und Eisbrüche.
  • alle stehenden Fichtenbestände
  • nach Schadereignissen, Hiebsmaß­nahmen und Pflegeeingriffen liegenge­bliebenes, bruttaugliches Material
  • aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz.
Einzelne Harztropfen als Abwehrreaktion des Baumes auf Käferein­bohrungen sind mit dem Fernglas zu finden
Abb. 11: Einzelne Harztropfen als Abwehrreaktion des Baumes auf Käferein­bohrungen sind mit dem Fernglas zu finden.

Wann und wie häufig kontrollieren?
  • ab Mitte April bis Ende September
  • derzeit möglichst im einwöchigen Turnus
  • Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht bzw. abgewaschen werden kann.
Wo kontrollieren?
  • Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte
  • an Rändern von Windwurf- und Schnee- und Eisbruchnestern
  • in südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern
  • in allen Fichtenbeständen bei entsprechender Gefahrenlage
  • an Jungwüchsen bei der Gefährdung durch Kupferstecher.
Wie kontrollieren?
  • in älteren Beständen einzeln, d. h. Baum für Baum
  • befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren bzw. in App oder Karte verorten.
Nach den Kontrollen bitte reagieren:

Können Sie das befallene Holz nicht rechtzeitig aus dem Wald bringen, sind folgende Verfahren zu überlegen:

  • Stämme entrinden, aber nur sofern noch keine Käferstadien vorhanden sind
  • Hacken und das Schüttgut abfahren, ggf. thermisch verwerten oder in den Wald verblasen. Das Verblasen sollte jedoch bei Gefahr durch Kupferstecher nicht erfolgen
  • Als "ultima ratio" der Einsatz eines zugelassenen Pflanzenschutzmittels an auf Poltern an Forstwegen konzentriert waldlagerndem Holz zur Vermeidung von Befall stehender, noch ungeschädigter Fichten

Frischer Stehendbefall durch den Kupferstecher ist kaum erkennbar. Daher ist es umso notwendiger, liegendes bruttaugliches Material wie frische Fichtenkronen, Resthölzer und Reisigmatten auf Kupferstecherbefall hin zu kontrollieren und bei Befall unverzüglich unschädlich zu machen. Dies erfolgt durch Hacken und/ oder Abfahren.

Wo könnnen Sie sich weiter infomieren?

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