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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Martin Burger, Paula Halbig und Horst Delb
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 66.3366.3366.3366.3366.33 (497)

06.07.2020: Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner

Die Raupen des EPS haben das letzte Larvenstadium vollendet und sich in Gespinstnestern verpuppt. Die Gespinstnester befinden sich am Stamm und an der Unterseite von Ästen und Astgabeln. Der Zeitpunkt für eine mechanische Regulierung ist jetzt günstig.

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Verpuppungsnest des Eichenprozessionsspinners an der Astunterseite; außen am Gespinst: Häutungsreste des fünften Larvenstadiums
Abb. 1: Eichenprozessionsspinner‐Verpuppungsnest

Aktuelle Situation

Die Raupen des EPS haben das letzte Larvenstadium vollendet und sich in Gespinstnestern mit dicht aneinander gedrängten Kokons verpuppt. Die Gespinstnester befinden sich am Stamm und an der Unterseite von Ästen und Astgabeln.

Die EPS-Häutungsreste und Verpuppungsnester stellen weiterhin eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit dar, auch über mehrere Jahre hinweg. Direkter Kontakt ist unbedingt zu vermeiden.

Juckende und entzündliche Hautausschläge und Augen- und Atemwegserkrankungen nach Kontakt mit den Brennhaaren sind die Folge. Bei besonders empfindlichen Personen kann die Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock führen.

In Regionen mit EPS-Befall sollten Eichenwälder wegen des potenziellen Vorhandenseins von Gespinstnestern nur auf den Wegen betreten werden.

Regulierungsmaßnahmen

Für eine gezielte mechanische Regulierung ist gegenwärtig der richtige Zeitpunkt.

Zur Verringerung der Gesundheitsgefährdung durch Brennhaare können die Gespinstnester mit Hilfe mechanischer Verfahren entfernt werden. Aktuell befinden sich die Raupen verpuppt und immobil in den Gespinsten, sodass deren Entfernung die EPS-Populationsdichte effektiv reduziert. Gleichzeitig werden auch die Brennhaare als Infektionsquellen entfernt.

Schutzausrüstung
Abb. 2: Schutzausrüstung

Bei starkem Befall hat sich das Absaugen der Gespinstnester mit einem speziellen Sauggerät in der Praxis bewährt. Dies sollte nur von Fachpersonal durchgeführt werden. Eine weitere Möglichkeit der mechanischen Regulierung ist das Absammeln der Gespinstnester und Raupen. Hierzu werden die Raupenhaare bspw. mit Sprühkleber oder mit Wasserglas fixiert, bevor die Gespinstnester oder Raupen abgenommen, in einem dichten Behältnis gesammelt und abschließend fachgerecht entsorgt werden.

Folgende Grundsätze sind bei der Durchführung mechanischer Verfahren zu beachten:

  • Schutzausrüstung tragen
    • Schutzanzug
    • Atemschutz
    • Augenschutz
    • Handschuhe
    • Gummistiefel
  • Kein Aufenthalt ungeschützter Personen in der Nähe. Hierzu auch die Windverhältnisse beachten.
  • Nach Entfernung der Gespinste Bewuchs unter behandeltem Baum mit Wasser (ohne Hochdruck) reinigen.
  • Nach Beendigung der Arbeit Schutzkleidung mit Wasser gründlich abwaschen.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761-4018 222
  • Martin Burger: Tel. 0761-4018 162
  • Dominik Wonsack: Tel. 0761-4018 219

NEU: Demnächst können Sie sich über unsere Abteilungswebsite anmelden, um den EPS‐Newsletter zukünftig per E‐Mail zu erhalten.

Website zur EPS-Entwicklung

Tagesaktuelle Informationen zur EPS-Entwicklung mit 7-Tages-Prognose, Gefährdungsabschätzung und Maßnahmenempfehlung bietet die neue Website "PHENTHAUproc" (derzeit Demoversion in laufender Überarbeitung).

Ansprechperson bzgl. PHENTHAUproc: Paula Halbig, Tel. 0761-4018 223

Infokasten Brennhaare:

Ab dem 3. Larvenstadium bilden die EPS-Raupen Brennhaare (sog. Spiegelhaare, Gifthaare, Setae), welche juckende, entzündliche Hautreaktionen hervorrufen. Diese mikroskopisch feinen, innen hohlen Haare bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Bewegung und Beunruhigung der Raupen öffnen sich die Spiegelfelder, wodurch sich die Brennhaare leicht lösen und mit der Luftströmung vor allem bei trockenwarmer Witterung verfrachtet werden können.

Bei Kontakt dringen die spitzen, mit Widerhaken versehenen Brennhaare bevorzugt in dünne, feuchte Hautstellen ein, brechen auf und setzen das im Hohlraum vorhandene Protein (Thaumetopoein) frei. Hierdurch wird eine Immunreaktion bei Menschen und Tieren ausgelöst, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Sie reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen). In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Brennhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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