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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

Telefon: +49 (8161) / 71 - 4928
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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Borkenkäfern auf der Spur

Buchdrucker und Kupferstecher
Abb. 1: Buchdrucker (links) und Kupferstecher (rechts) sind die beiden Arten, die das bayerische Borkekäfermonitoring seit 2004 sehr intensiv beobachtet (Fotos: L. Borowiec, Universität Wroclaw, Pl.).
 
Entleeren der Falle
Abb. 2: Die Fänge in den Borkenkäferfallen werden wöchentlich geleert und ausgewertet (Foto: C. Triebenbacher).

Das Hitzejahr 2003 brachte eine Massenvermehrung von Buchdrucker (Ips typographus) und Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) mit sich. Daher hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) im Frühjahr 2004 ein Borkenkäfermonitoring für diese beiden Arten eingerichtet. Bis dahin wurden sie nur an lokalen Brennpunkten beobachtet. Mit dem neuen, bayernweit einheitlichen System war nun eine flächendeckende und regelmäßige Überwachung von Flugverlauf und Populationsdynamik dieser Schädlinge möglich. Förster und Waldbesitzer erhalten dadurch rasch Informationen zur regionalen Entwicklung der Käfer und können dann rechtzeitig geeignete Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen.

Wie funktioniert das Monitoring?

Für das Monitoring sind in einem regelmäßigen Raster über ganz Bayern etwa 300 Lockstofffallen im Einsatz, die vom jeweiligen Revierleiter wöchentlich geleert werden. An jedem Monitoringstandort gibt es zwei Fallenpaare mit jeweils einer Falle für Buchdrucker und Kupferstecher. Das zweite Paar dient zur Überprüfung des ersten Paares, damit Fehlinterpretationen aufgrund von Schwankungen (Antagonisten, verbrauchte Lockstoffe, kleinörtliche Klimaereignisse) vermieden werden. Zusätzlich werden jährlich in zwölf Revieren Bruthölzer ausgelegt (Abb. 3). Das sind mit Lockstoffen bestückte Fichtenabschnitte, auf denen gezielt die Ansiedlung des Buchdruckers provoziert wird. Bei der wöchentlichen Kontrolle werden hier vom Revierleiter Entwicklungszustand und Vitalität der Borkenkäfer überprüft.

Die Revierleiter können auf eine von der LWF betreute Datenbank zugreifen, in die sie ihre Ergebnisse einspeisen. Neben den Fangergebnissen pro Falle werden Besonderheiten wie auffällige Beifänge sowie die Beobachtungen aus den Bruthölzern dokumentiert. Zusätzlich geben die Kollegen eine aktuelle Lageeinschätzung zur Borkenkäfersituation vor Ort ab. Die Ergebnisse werden unter www.borkenkaefer.org in Form einer Schwärmkurve und einer Karte mit der Gefährdung je Wuchsgebiet (Abb. 4) dargestellt.

Für Waldbesitzer und Förster

Bruthölzer
Abb. 3: Bruthölzer sind neben den Lockstoff-Schlitzfallen die zweite Methode, mit der Schwärmflug und Populationsentwicklung der Borkenkäfer beobachtet werden (Foto: C. Triebenbacher).
 
Schwärmkurve Buchdrucker
Abb. 4: Typische Schwärmkurve des Buchdruckers aus dem Forstrevier Heigenbrücken, AELF Karlstadt (Jahr 2010):

Ende April (KW 17): Ausflug der Elterngeneration zur Anlage der 1. Generation;
Ende Mai (KW 22/23):
Anlage der 1. Geschwisterbrut;
Anfang bis Mitte Juli (KW 27/28):
Ausflug der 1. Generation zur Anlage der 2. Generation

Für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Jeder Nutzer des Borkenkäfermonitorings kann sich kostenfrei und objektiv ein Bild über die vom Borkenkäfer ausgehende Gefahr machen. So hat der Waldbesitzer die Gelegenheit, rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Unter www.borkenkaefer.org gibt es darüber hinaus zahlreiche Informationen. So können Forstleute und Waldbesitzer beispielsweise die Handlungsempfehlungen der LWF zur Befallskontrolle (günstigster Zeitpunkt, Methode und Bewertung) oder die Bekämpfungsstrategien gegen den Borkenkäfer (Aufarbeitungszeitpunkt und Behandlung von Resthölzern) nachlesen.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit den LWF-Newsletterservice "Blickpunkt Waldschutz" zu nutzen. Dieser enthält, neben weiteren waldschutzrelevanten Themen, zwischen April und September aktuelle Lageberichte zur Borkenkäfersituation.

Monitoringsysteme der Nachbarn

Auch Österreich hat seit dem Dürrejahr 2003 ein ganz ähnliches System aufgebaut. Eine Besonderheit des österreichischen Monitorings ist die Ausweitung auf weitere Borkenkäferarten wie den Großen Lärchenborkenkäfer, den Großen Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer und den Sechszähnigen Kiefernborkenkäfer. Das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) veröffentlicht die Ergebnisse und eine Einschätzung der Situation auf www.borkenkaefer.at.

In der Schweiz werden einmal jährlich Daten zum Buchdrucker erhoben, die die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auf www.waldschutz.ch veröffentlicht. Hierbei werden ermittelt:

  • Käferholz-Zwangsnutzungsmenge in den Sommermonaten (April bis September)
  • Käferholz-Zwangsnutzungsmenge in den Wintermonaten (Oktober bis März)
  • Menge des stehen gelassenen Käferholzes
  • Anzahl der neu entstandenen Befallsnester (Käfernester)
  • Anzahl der aufgestellten Pheromonfallen
  • Anzahl der gefangenen Buchdrucker pro Falle

Die Daten werden denen aus dem Vorjahr gegenübergestellt, um die Entwicklung aufzuzeigen.

Fazit für Bayern

Mit dem Borkenkäfermonitoring ist es der LWF gelungen, ein bayernweites Informationssystem aufzubauen, dessen positive Auswirkungen deutlich spürbar sind. Nicht nur Förster, gerade private Waldbesitzer können so an umfangreiche und aktuelle Informationen gelangen. Das Monitoring gibt nicht nur frühzeitig Hinweise auf beginnende Massenvermehrungen, es liefert zudem wichtige Erkenntnisse, zum Beispiel über den Zusammenhang zwischen Witterung und Flugverhalten des Käfers. Monitoringsysteme werden gerade im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen, insbesondere für wärmeliebende Insektenarten. Von diesen ist zu vermuten, dass mit der zu erwartenden Erwärmung auch zunehmend Massenvermehrungen stattfinden werden. Mit Hilfe dieser Art von Langzeitbeobachtung können solche Massenwechsel besser abgeschätzt und größere Schäden vermieden werden.

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