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Artikel

Autor(en): Gabriela Lobinger
Redaktion: LWF, Deutschland
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Zeit nutzen zur Borkenkäferbekämpfung

Borkenkäferbekämpfung wird immer wieder aktuell

Befallene Fichten
Abb. 1: Vom Käfer befallene Fichten.

Anmerkung der Redaktion: Der folgende Text bezieht sich zwar speziell auf die Jahre 2003 und 2004, die Kerninformationen sind jedoch auch für ähnliche Situationen in der Zukunft anwendbar.

Befallssituation 2003

In diesem Jahr kam es bayernweit zu starkem Borkenkäferbefall, ausgelöst vorwiegend vom Kupferstecher. Dieser befällt normalerweise Jungfichten bzw. schwächere Resthölzer wie Gipfelstücke und Äste. Er kann sich in Brutmaterial ab 3 cm Durchmesser erfolgreich vermehren. Bei ausreichendem Brutraumangebot baut er hohe Dichten auf und ist dann zum Befall stehender Altbäume fähig. Angriffspunkt ist dabei der Kronenraum. Die vielerorts auffällig hohen Kupferstecherfänge in Lockstoff-Fallen im Frühjahr 2003 (gegenüber 2002 bis zu zehnfach erhöhte Anflugzahlen) weisen bereits auf eine enorme Dichteerhöhung dieses Borkenkäfers hin.

Das typische Befallsbild im Jahr 2003 zeigt sich unter der Rinde. Erstbefall auch im Stammbereich erfolgte meist durch Kupferstecher. Erst später kam der Buchdrucker hinzu (Abb. 2). Zu erkennen ist die oft starke Einschränkung des Buchdruckers auf Grund der Konkurrenz des Kupferstechers (kurze Muttergänge und Larvenfraßgänge).

Erhöhte Aufmerksamkeit ist nun geboten

Der Buchdruckerflug wies in der ersten Schwärmwelle 2003 nur Latenzniveau auf. Der Buchdrucker konnte sich aber in dem vom Kupferstecher erschlossenen zusätzlichen Brutraum aufbauen. Häufig weiteten sich die Befallsherde von den Kupferstecher"nestern" wegen des Buchdruckerbefalls weiter aus.

Käferentwicklung

Die heiße und trockene Witterung bot beiden Borkenkäferarten ideale Voraussetzungen:

  • günstige Schwärm- und Befallsbedingungen im Frühjahr (Ende April/Anfang Mai);
  • rasche und effektive Vermehrung; die Brut entwickelte sich sehr schnell (maximal sechs Wochen für eine Generation);
  • Neubefall (Stehendbefall) wurde erleichtert durch trockenheitsgeschwächte Fichten.

Zwei Jungkäfergenerationen konnten sich entwickeln und ausfliegen, eine dritte Generation wurde angelegt. Diese überwintert in den Brutstämmen und stellt das Angriffspotenzial für 2004 dar. Daneben wurden mindestens zwei Geschwistergenerationen produziert.

Handlungsempfehlungen

Die Befallsaktivität von Buchdrucker und Kupferstecher ist für dieses Jahr abgeschlossen. Altkäfer des Kupferstechers ziehen sich zur Überwinterung vorwiegend in die Bodenstreu zurück. Buchdrucker überwintern als Käfer im Brutholz bzw. im Boden.

Die Bekämpfung konzentriert sich auf Brutstadien und nicht fertig entwickelte Jungkäfer beider Arten. Mit einem Absterben der Larvenstadien und Käferpuppen ist entgegen der in älteren Veröffentlichungen und Lehrbüchern geäußerten Ansicht auch bei tiefen Wintertemperaturen nicht zu rechnen.

Bekämpfungsaktivitäten Herbst / Winter

  • Käferbäume aufspüren und markieren;
  • Einschlag

Beim Einschlag unbedingt

  • Entfernung des unentrindeten Holzes aus dem Wald (500 m) oder
  • Entrindung,
  • Insektizideinsatz mit für Borkenkäferbekämpfung zugelassenen Präparaten (Polterspritzung) nur, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind - nicht vor Frühjahr 2004, eine flächige Insektizidausbringung ist verboten.

Wichtig ist, Äste und Gipfelstücke (Mulchen, Häckseln, Verbrennen) zu vernichten, weil sie die Vermehrung des Kupferstechers weiter fördern. Er kann das Material aus Herbsteinschlag auch noch im Frühjahr als Brutraum nutzen.

In Bayern existieren zur Zeit 114 geförderte Holzheiz(kraft)werke, die Waldhackschnitzel als Brennstoff einsetzten. Für Waldbesitzer besteht daher die Möglichkeit, die im Rahmen der Borkenkäferbekämpfung erzeugten Hackschnitzel an die Heizwerke zu verkaufen. Auf diese Weise können die Waldbesitzer die bei der Borkenkäferbekämpfung anfallenden Kosten minimieren. Verschiedene Aufarbeitungsverfahren für Kronenmaterial, Leistungen und Kosten sind in LWFaktuell Nr. 39 dargestellt.

Maßnahmen im Frühjahr 2004

Befallsherde möglichst früh erkennen

Beim Buchdrucker erfolgt dies am zuverlässigsten anhand der Bohrmehlsuche. Diese muss bei trockener Witterung und im Frühjahr möglichst zeitnah am Schwärmgeschehen erfolgen. Hilfreich ist dabei der Einsatz von Pheromonfallen, um die Käferaktivität zu beobachten. Sie liefern Informationen über Schwärmbeginn, Ausgangsdichte und Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen im Herbst/ Winter.

Regelmäßige Befallskontrolle ist besonders wichtig in Bereichen vorjähriger Befallsorte, an Windwurfnestern und an süd-/südwestexponierten Rändern.

Andere Symptome wie Harzfluss am Kronenansatz können auf Käferbefall hindeuten, sind aber nicht zuverlässig.

Eine Früherkennung von Kupferstecherbefall ist kaum möglich. Bohrmehlsuche ist hier nicht erfolgreich. Eine rotgefärbte Krone oder abfallende grüne Nadeln zeigen sich meist erst, wenn das Befallsgeschehen abgeschlossen und die Jungkäfer bereits ausgeflogen sind.

Rasche Aufarbeitung

Befallsbild: Zuerst Kupferstecher, danach Buchdrucker
Abb. 2: Typisches Befallsbild 2003: Erstbefall durch Kupferstecher, sekundär Buchdruckerbefall.

Die Aufarbeitung befallener Bäume muss möglichst schnell (vor Ausflug der Elternkäfer zur Anlage einer Geschwisterbrut) bzw. spätestens vier Wochen nach Befall, also vor Ausschwärmen der Jungkäfer, erfolgen. Bei Entrindung während der Vegetationsperiode empfiehlt es sich, die Rinde zu Haufen aufzuwerfen. Im Inneren dieser Aufhäufungen entstehen in kurzer Zeit Temperaturen bis 65°C, die die noch lebenden, flugbereiten Käfer abtöten.

Ausblick 2004

Erfahrungsgemäß dauern Kupferstecher-Massenvermehrungen nur ein bis maximal zwei Jahre an. Allerdings ist wegen der durch die Trockenheit geschwächten Fichte auch im kommenden Jahr noch erhöhte Sorgfalt angebracht. Kupferstechertaugliches bzw. -befallenes Material muss bis zum Frühjahr entfernt bzw. vernichtet werden.

Hinzu kommt, dass der vom Kupferstecher erschlossene Brutraum als Starthilfe für eine verstärkte Buchdruckervermehrung diente.

Ein Aufbau der Buchdruckerpopulation deutet sich bereits in Form seiner vermehrten Beteiligung am Stehendbefall der zweiten Schwärmwelle 2003 an.

Es besteht kein Anlass zur Panik, jedoch sind erhöhte Aufmerksamkeit und vermehrter Kontrollaufwand angezeigt.

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