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Beat Forster

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Artikel

Autor(en): Beat Forster
Redaktion: WSL, Schweiz
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Borkenkäferfallen: Erfahrungen aus 15 Jahren Lockstoffeinsatz

Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich mit Borkenkäferfallen die Vermehrung und die Ausbreitung der Käfer nicht verhindern lässt. Als ergänzende Massnahme nach einer Befallsherdsanierung oder für das Monitoring ist das Fallenstellen aber nach wie vor sinnvoll.

Einzelfalle
Abb. 1 - Einzelfalle
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
Dreifallenstern
Abb. 2 - Dreifallensterne benötigen nur eine Lockstoffquelle, haben aber mindestens die anderhalbfache Fangleistung einer Einzelfalle.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Seit den 80er Jahren werden in den Schweizer Wäldern Lockstoffallen zur Überwachung und Bekämpfung von Borkenkäfern, insbesondere des Buchdruckers (Ips typographus) eingesetzt. Die Erwartungen in die Fallen waren anfänglich sehr hoch. Man glaubte, über ein effizientes Instrument zu verfügen, mit welchem ein Grossteil der Borkenkäferprobleme gelöst werden könnte.

Massenvermehrungen des Buchdruckers bewirkten aber einige Ernüchterung. Sind äussere Bedingungen wie Brutangebot, Trockenheit und Temperatur für die Käfer günstig, so kann deren Vermehrung und Ausbreitung durch Fallen nicht verhindert werden. Als ergänzende Massnahme nach einer Befallsherdsanierung ist ein korrektes Fallenstellen aber nach wie vor sinnvoll. Durch das Abfangen noch vorhandener Käfer kann das Befallsrisiko für stehende Fichten gesenkt werden.

Fallenstellen zur Bekämpfung

Das Aufstellen von Fallen kann mit der herkömmlichen Fangbaummethode verglichen werden. Die Fallen dienen dazu, die Käfer einer örtlich erhöhten Population oder zufliegende Artgenossen davon abzuhalten, weitere stehende Fichten zu befallen. Obschon die regionale Käferpopulation nur unwesentlich beeinflusst wird, können stehende Fichten lokal vor einem Befall geschützt werden. Damit die Sache funktioniert, muss die Falle aber der attraktivste Anziehungspunkt sein. Frisch gebrochene, gestossene oder mit Käfern besetzte Fichten müssen deshalb vorgängig aufgerüstet und entrindet oder abgeführt werden. Nur so wird die Falle nicht von baum- oder käferbürtigen Lockstoffen konkurrenziert.

Nach dem Sanieren von Befallsherden können noch vorhandene Käfer abgefangen werden, die etwa in einem Fichtenstamm ihren Reifungsfrass vollendeten oder in der Bodenstreu oder unter der Rinde überwintern. Auch ein Abfangen von migrierenden Käfern ist möglich. Zur Dezimierung lokal grösserer Restpopulationen sind Dreifallensterne sehr geeignet. Sie erbringen mindestens die anderthalbfache Fangleistung einer Einzelfalle, auch wenn sie mit nur einer Lockstoffquelle beködert sind. Der Abstand der Fallen zum Bestand sollte 10-15 Meter betragen; wird er unterschritten, so riskiert man einen Befall der am nächsten stehenden Fichten. Wird die Distanz überschritten, so ist der Schutz für die betreffenden Fichten nicht mehr genügend gewährleistet, und im schlimmsten Fall riskiert man ebenfalls Stehendbefall!

In grossen, geräumten Käfernestern oder entlang von neuen Bestandesrändern können auch Fallenreihen aufgestellt werden. Der Abstand von Falle zu Falle sollte ca. 30 Meter betragen. Ergebnisse aus Deutschland zeigen, dass so das Risiko eines Folgebefalls um 80% gesenkt werden kann (BUSCH et al. 1992).

Steigt die Attraktivität des zu schützenden Schlagrandes (Trockenstress, Sonnenbrand) im Laufe eines ausserordentlich warmen und trockenen Sommers stark an, so sollten die Fallen nach dem Abfangen der überwinterten Käfer bis ca. Ende Juni eingezogen werden. Werden sie länger betrieben, so besteht bei regional grossem Befallsdruck die Gefahr, dass Käfer von ausserhalb konzentriert anfliegen und frisch geschwächte, attraktive Randbäume befallen.

Spezialfall Katastrophengebiete

Windwurf
Abb. 3 - In (noch) ungeräumten Sturmschadengebieten sollte man keine Fallen aufstellen. Zu viel attraktives Holz konkurrenziert die Fallen.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Nach Naturereignissen (z.B. Lothar-Sturm 1999) mit grossen Mengen von fängischem Holz tragen Fallen nichts zur Käferbekämpfung bei. Sie können bei einem überaus grossen Populationsdruck unter Umständen sogar zu Stehendbefall führen. Erfahrungen nach den Sturmschäden von 1990 haben gezeigt, dass trotz korrektem Sicherheitsabstand von 10-15 Meter Fichten im Bereich von Fallen durch den Buchdrucker besiedelt wurden. Dabei handelte es sich um Gebiete, in denen noch etliche ungeräumte Windwürfe oder Käfernester vorhanden waren. Durch ein Abrücken der Falle bis auf 25 Meter zur nächsten Fichte kann dieses Problem entschärft werden. Allerdings besteht weiterhin die Gefahr, dass sich die hohe Käferpopulation im Bereich der Falle konzentriert und letztere die Käfer nicht mehr zu "schlucken" vermag. Deshalb ist es von Vorteil, Fallen, die bis Ende Juni mehr als 30-40'000 Buchdrucker fangen, sofort einzuziehen. In instabilen, durch Sturm oder Trockenheit gestressten Fichtenbeständen, die (noch) keinen Käferbefall aufweisen, soll auf das Fallenstellen generell verzichtet werden.

Fallenstellen zur Überwachung (Monitoring)

Falls eine Region weitgehend befallsfrei ist, sollte auch auf das Aufstellen von sogenannten Monitorfallen verzichtet werden. Im Revier zerstreut aufgestellte Käferfallen können weder die Population massgeblich senken, noch sind die Fallen für eine Überwachung nötig. Sie erhöhen unter Umständen das Risiko, dass migrierende Käfer in befallsfreie Bestände einfliegen. Am besten ist es, der Bekämpfung dienende Fallen gleichzeitig auch zur Überwachung zu nutzen.

Borkenkäfer
Abb. 4 - Bei erhöhten Fangzahlen sollten kritische Fichtenbestände auf Stehendbefall hin kontrolliert werden.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

Mit einer oder mehreren rechtzeitig beköderten Fallen lässt sich der Flugbeginn im Frühling feststellen. Fliegen Käfer an, so sind kritische Bäume im Bestand auf frische Einbohrungen zu kontrollieren. Weiter zeigen periodisch erhobene Fangzahlen auch den Schwärmverlauf der Käfer auf. Oft deutet eine plötzliche Zunahme der Fangzahlen im Sommer auf den Flug der ersten diesjährigen Käfergeneration hin. Die Kontrollen auf frischen Stehendbefall sind erneut zu intensivieren.

Nicht zuletzt dient die Falle auch dazu, die Käfersituation generell abzuschätzen. Werden Fallen über mehrere Jahre im gleichen Befallsgebiet betrieben, so kann die Entwicklung der Fangzahlen und damit das Gefährdungspotential verfolgt werden. Beim Buchdrucker hat sich folgender Erfahrungswert ergeben: Werden in einer Falle bis Ende Juni mehr als 12'000 Käfer gefangen, so muss in der Region mit Stehendbefall gerechnet werden. Dieser Mittelwert ist jedoch nur ein grober Hinweis; je nach Fallenstandort und Bestandesverhältnissen kann dieser Indikator beträchtlich variieren.

Wo soll man die Fallen aufstellen?

Wärme und nicht zu viel Wind kennzeichnen einen optimalen Fallenstandort.

Günstig sind:

- Blössen mit Mittags- und Nachmittagssonne
- am Südhang: Falle am oberen Bestandesrand von geräumten Käfernestern
- am Nordhang: Falle am unteren Bestandesrand von geräumten Käfernestern
- in Hanglagen: Falle generell quer zum Hang stellen (nicht in Falllinie)

Ungünstig sind:

- Windige Kreten
- Schattige Mulden
- Standorte im Bestandesinnern, z.B. in angrenzendem Laubholz

Betreuung der Fallen

Lockstoffallen müssen alle 14 Tage, in der Hauptflugzeit sogar wöchentlich kontrolliert und geleert werden. Nur so ist ihre Wirkung gewährleistet. Fallen mit sehr geringer Fangleistung sollten umgestellt oder eingezogen werden.

Seit der Verwendung von schwarzen Schlitzfallen sind unerwünschte Beifänge in der Regel unbedeutend. Verirren sich dennoch einige Individuen von meist sehr häufigen Insektenarten in die Fallen, so können lebende, grössere Tiere beim Leeren der Fallen freigelassen werden. Eine regelmässige Wartung der Fallen minimiert auch einen Anflug durch aasfressende Insekten. Der Betreiber der Fallen muss sich bewusst sein, dass er ins Ökosystem Wald eingreift und neben den Borkenkäfern auch andere Insektenarten beeinflussen kann. Deshalb müssen Fallen überlegt gestellt und die Beifänge durch eine gewissenhafte Betreuung möglichst klein gehalten werden.

In der Regel sollten verschiedene Lockstoffe in einer Falle nicht kombiniert werden. Dient eine Falle mehrheitlich der Überwachung, so ist eine Kombination von Buchdrucker- und Kupferstecher-Lockstoff möglich. Die beiden Lockstoffquellen dürfen sich aber innerhalb der Falle nicht berühren. Dadurch werden anfliegende Käfer verwirrt und suchen unter Umständen nach einer anderen Brutgelegenheit in der Umgebung.

Die hier zusammengefassten Erkenntnisse zum Thema "Borkenkäferfallen" stammen aus Beobachtungen und Experimenten von Waldschutz Schweiz (ehemals PBMD) sowie aus Projekten ausländischer Forschungsanstalten. Auch Erfahrungen aus der Forstpraxis haben wesentlich zum heutigen Kenntnisstand beigetragen. Allen Förstern, die uns an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben liessen, sei hiermit herzlich gedankt.

Literatur zum Thema

  • BUSCH, H.P.; DIMITRI, L.; GONSCHORREK, J.; KOHNLE, U.; NIEMEYER, H.; OTTO, L.F.; RICHTER, D.; SCHRÖTER, H.; WILHELM, U., 1992: Wirkungsvoller Waldschutz mit Borkenkäferfallen. Allg. Forst Z. Waldwirtsch. Umweltvorsorge 47,15:793.
  • DIMITRI, L.; KÖNIG, E.; NIEMEYER, H.; VAUPEL, O., 1986: Der Dreifallenstern: eine Möglichkeit zur Steigerung der Effektivität von Borkenkäferfallen. Forst-Holzwirt 41,7:171-173.
  • DUBBEL, V.; DIMITRI, L.; NIEMEYER, H.; VAUPEL, O., 1995: Borkenkäferfallen - sinnlos bei Massenvermehrungen? Allg. Forst Z. Waldwirtsch. Umweltvorsorge 50,5:258.
  • DUBBEL, V.; VAUPEL, O., 1996: Optimierung des Falleneinsatzes bei Buchdrucker und Kupferstecher. Forsttech. Inf. 8:77-80.
  • FORSTER, B., 1992: Integrierte Bekämpfung des Buchdruckers (Ips typographus): Sind Lockstoffallen nur ein Mittel zum Monitoring oder tragen sie auch zu einer Befallsreduktion bei? Mitt. Schweiz. Entomol. Ges. 65,1-2:200.
  • KRETSCHMER K., 1991: Die Problematik der Beifänge beim Einsatz von Aggregationspheromonen. Mitt. Biol. Bundesanst. f. Land- u. Forstwirtsch. Berlin 267:101-110.
  • PHYTOSANITÄRER BEOBACHTUNGS- UND MELDEDIENST PBMD, 1998: Hinweise zum Fallenstellen gegen den Buchdrucker (Ips typographus) und den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus). In: Schweiz. Forstkalender 1999. Taschenbuch für Forstwesen, Holzgewerbe, Jagd. Frauenfeld, Huber 94:178.
  • WITTEK, K., 1995: Mit Fangbaum und Pheromonfalle gegen Käfer. Österr. Forstztg. 46 ,2:10-11.

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