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Dr. Ralf Petercord

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Artikel

Autor(en): Clemens Abs
Redaktion: LWF, Deutschland
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Gebietsfremde Pflanzenarten der Waldbodenvegetation

Indisches Springkraut
Abb. 1: An heimischen Bachläufen finden sich oft dichte Bestände des Indischen Springkrauts (Foto: R. Groß).
 
Kleinblütiges Springkraut
Abb. 2: Das kleinblütige Springkraut hat sich in den heimischen Buchenwaldgesellschaften fest etabliert (Foto: R. Groß).

Die Vegetation der Landschaften Mitteleuropas ist in den vergangen Jahrhunderten immer wieder durch den Menschen verändert worden. Nur wenige Neophyten vermögen jedoch in die Krautschicht intakter Waldökosysteme einzudringen und sich dort dauerhaft zu etablieren, da sie meist an Biotope mit hoher Störungsdynamik gebunden sind.

Unter Experten gilt die vom Menschen verursachte Ausbreitung gebietsfremder Arten nach der Zerstörung naturnaher Biotope als einer der wichtigsten Faktoren für die Gefährdung der biologischen Vielfalt. Nur ein kleiner Anteil der gebietsfremden Arten verursacht allerdings wirtschaftliche Schäden, wie z.B. Minderung von Ernten, erhöhte Pestizideinsätze oder verdämmende Wirkung auf die Verjüngung.

Manche Arten, wie z.B. der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) enthalten Stoffe, die Verbrennungen oder Allergien beim Menschen verursachen können. Vorallem Sekundäreffekte, wie der Einfluss der Neophyten auf das Nahrungsnetz und somit auf die Fauna oder die Beeinträchtigung der genetischen Vielfalt, finden zunehmend Beachtung und sind als ökologische Risiken schwer kalkulierbar.

Nachfolgend werden aus der Liste der dreißig bedeutsamsten invasiven Neophyten jene 3 Arten vorgestellt, denen nachgesagt wird, dass sie in die Krautschicht von Wäldern eindringen. Es sind Impatiens glandulifera, das Indische Springkraut, Impatiens parviflora, das Kleine Springkraut und Heracleum mantegazzianum, der Riesen-Bärenklau.

Die Springkraut-Arten

Das heimische Verbreitungsgebiet von Impatiens glandulifera umfasst den westlichen Himalaya. Die Art wurde ca. 1840 nach England als "Bauern-Orchidee" eingeführt und als Bienenweide angepflanzt, seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sie sich im gesamten Mittel- bis Westeuropa verbreitet. Auffällig ist die üppige Besiedelung von Bachauen und Grabenrändern, was die Konkurrenzkraft dieser Pflanze an Standorten mit hoher Feuchtigkeits- und Nährstoffversorgung verdeutlicht. Im Wald findet man das Indische Springkraut vorzugsweise in halbschattigen Auenwäldern. Da die einjährige Art erst im Hochsommer eine dominierende Vegetationsschicht aufzubauen vermag, sind die Ausdunkelungseffekte auf andere Arten eher gering und eine Artenverdrängung ist somit unwahrscheinlich.

Impatiens parviflora, das Kleinblütige Springkraut, gehört zu den wenigen einjährigen Pflanzenarten, welche in Wäldern beheimatet sind (Schmitz 1998). Das Kleinblütige Springkraut stammt aus dem östlichen Sibirien / Mongolei und wurde bereits im 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Es zeichnet sich durch eine üppige Samenproduktion mit hoher Ausbreitungsdistanz (max. 3 m) aus (Trepl 1984). Impatiens parviflora ist der einzige Neophyt, der in einem breiten Spektrum unterschiedlicher Waldökosysteme vorkommt - von Erlenbrüchen und Feuchtwäldern über Buchen- und Eichen-Hainbuchenwäldern bis zu verschiedenen Forstgesellschaften (Kowarik 2003).

Würde es sich dabei nicht um eine eingewanderte, fremdländische Art handeln, könnte sie als Kennart der Ordnung Querco-Fagetalia gewertet werden. Impatiens parviflora besiedelt vor allem Standorte, die für andere Arten aufgrund des Lichtangebots oder der Streuauflage ungeeignet sind. So trifft auch eine Ausbreitung von I. parviflora auf Kosten ihrer heimischen Verwandten Impatiens noli-tangere nicht zu. Das Kleinblütige Springkraut stellt also eher ein Beispiel für eine neue Nutzung bislang ungenutzter ökologischer Nischen dar. Der Effekt auf Blütenbesucher (vor allem Schwebfliegen) und Blattlausfresser kann zudem positiv gewertet werden. Mit dem Kleinblütigen Springkraut wurde die Blattlaus Impatientinum asiaticum gleich miteingeschleppt, die mittlerweile allerdings eine Nahrungsgrundlage für viele heimische Arten bildet.

Der Riesen-Bärenklau

Als letztes Beispiel soll Heracleum mantegazzianum, der Riesen-Bärenklau betrachtet werden, der aus dem Kaukasus gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze eingeführt und als Bienenweide von Imkern durch direkte Aussaat ausgebreitet wurde (Tiley et al. 1996). Aufgrund der hohen Samenproduktion (ca. 50.000 Samen pro Individuum) und den geringen Standortsansprüchen breitete sich diese Art rasch aus. Die Samen der Herkulesstaude sind zwar nicht besonders flugfähig, dafür aber schwimmfähig und langlebig. Eine Besiedelung neuer Wuchsorte fand daher zunächst entlang von Flüssen (Bach- und Flußauen) statt, eine standörtliche Bindung an diese Habitate läst sich aus der heutigen Verbreitung allerdings nicht ableiten.

Der Riesenbärenklau bildet schnell große, undurchdringliche Bestände. Durch die hohe Dichte kommt es zu einer Verdrängung heimischer Tier- und Pflanzenarten. Alle Pflanzenteile enthalten im Pflanzensaft stark phototoxische Stoffe, die bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht zu schweren Verbrennungen führen (Roth 1994).

Nicht jeder Neophyt ist gleich eine Bedrohung

Aufspringende Springkrautkapsel
Abb. 3: Der Name "Springkraut" resultiert aus der Fähigkeit der Pflanze, ihre Samen, wie hier zu sehen, aktiv durch Herausschleudern aus der Kapsel zu verbreiten.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass lediglich einer der vorgestellten Neophyten umfangreich in die Waldbodenvegetation einzudringen vermag. Eine Bedeutung erreichen gebietsfremde Arten vorzugsweise in Auwaldtypen und Feuchtwäldern, Biotoptypen mit hoher anthropogener und / oder natürlicher Störungsdynamik.

Den Neophyten eigen ist nicht nur ein hohes Ausbreitungspotential sondern auch ein ausgesprochenes Beharrungsvermögen. Wasserwege und Feuchtgebiete scheinen natürliche Ausbreitungswege darzustellen, wobei eine Förderung der Neophyten-Ausbreitung durch den Menschen zumindest in der Anfangsphase erfolgte (Hartmann et al. 1995).

Die oftmals hervorgehobene Verdrängung von heimischen Arten trifft allerdings nur in Einzelfällen zu, in der Regel konkurrieren Neophyten mit eher häufigen Arten nährstoffreicher, wüchsiger Standorte wie Brennessel, Galium aparine und Galium tetrahit (Böcker et al. 1995).

Wirtschaftliche Schäden lassen sich nicht generell den Neophyten zuschreiben, außer es werden die aufwendigen und langfristigen Bekämpfungsmaßnahmen selbst mit eingerechnet. Die Wechselwirkung der Neophyten mit der Flora und Fauna sind nicht von der Hand zu weisen und damit eine Veränderung der biologischen Vielfalt gegeben. Eine Bewertung dieser Effekte erfordert allerdings die Berücksichtigung regionaler Zielvorgaben und Bedingungen, aber auch die ganzheitliche Betrachtung des Waldökosystems. Die nachhaltige, zukunftsorientierte Bewirtschaftung der Wälder hat sicherlich zu der geringen Bedeutung der Neophyten-Problematik in der Krautschicht der Wäldern beigetragen.

Das Vorsorgeprinzip und die Grundsätze der Nachhaltigkeit mahnen die Ausbreitung und die ökosystemaren Auswirkungen der Neophyten auch weiterhin in der forstwissenschaftlichen Forschung zu thematisieren.

Literatur

Böcker, R.; Gebhardt, H.; Konold, W.; Schmidt-Fischer, S.: Gebietsfremde Pflanzenarten, Auswirkung auf einheimische Arten, Lebensgemeinschaften und Biotope. Kontrollmöglichkeiten und Management. ecomed, Landsberg.

Engel, F-M. (1984): Giftpflanzen – Pflanzengifte. Silvia-Verlag, Zürich.

Hartmann, E.; Schuldes, H.; Kübler, R.; Konold, W. (1995): Neophyten, Biologie, Verbreitung und Kontrolle ausgewählter Arten. Ecomed, Landsberg.

Kowarik, I. (2003): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Ulmer, Stuttgart.

Roth, L. (1994): Giftpflanzen Pflanzengifte. Nikol-Verlagsgesellschaft Hamburg.

Schmitz, G. (1998): Impatiens parviflora D.C. (Balsaminaceae) als Neophyt in mitteleuropäischen Wäldern und Forsten. Eine biozönotische Analyse. Zeitschrift Ökologie und Naturschutz 7: 193-206.

Tiley, G.; Dodd, F.; Wade, P. (1996): Biological Flora of the Britisch Isles. Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier. Journal of Ecology 84:297-319.

Trepl, L. (1984): Über Impatiens parviflora DC. als Agriophyt in Mitteleuropa. Disserationes Botanicae 73: 1-400.

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