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Daniela Gurtner

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Ökologie der Lebensgemeinschaften
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6500 Bellinzona


Jan Wunder

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Artikel

Autor(en): Daniela Gurtner, Marco Conedera, Andreas Rigling, Jan Wunder
Redaktion: WSL, Schweiz
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Der Götterbaum dringt im Schweizer Wald vor

Viele gebietsfremde invasive Arten wie der Götterbaum wachsen immer häufiger auch im Wald. Eine Verbreitungskarte zeigt, dass diese Baumart nicht nur in der Südschweiz, sondern bereits an zahlreichen Orten auf der Alpennordseite vorkommt – unter anderem an mehr als 90 Stellen im Wald.

Der Götterbaum dringt in einen Waldbestand in Pratval bei Thusis (GR) ein.
Abb. 1 - Der Götterbaum dringt in einen Waldbestand in Pratval bei Thusis (GR) ein.
Foto: Daniela Gurtner (WSL)
 
 

Seit einigen Jahrzehnten breitet sich der Götterbaum (Ailanthus altissima), eine in China heimische Baumart, invasionsartig auf allen bewohnten Kontinenten aus. Die zweihäusige und sommergrüne Baumart erreicht Höhen von 27–30 m und hat ein grosses Potenzial, neue Habitate zu besiedeln. Die grosse Zahl windverbreiteter Samen sowie die Fähigkeit zur Wurzelbrut und zu Stockausschlägen begünstigen die Ausbreitung.

Der Götterbaum stellt kaum Ansprüche an den Niederschlag oder den Boden. Einzig die Temperatur wird für die wärmeliebende Art als limitierend angegeben. Sobald er sich in einem neuen Gebiet etabliert hat, kann er sehr schnell wachsen (1–2 m Höhenzuwachs und 3–10 mm BHD Zuwachs pro Jahr in jungen Jahren).

Ursprünglich wurde der Baum wegen seiner Salz- und Trockenheitstoleranz vor allem in Städten und Gärten angepflanzt, von wo aus er verwilderte. Heute verursacht der Götterbaum im urbanen Raum Schäden an Bauten und Infrastruktur. Im Wald bedrängt er einheimische Arten, und es gibt Anzeichen, dass er die Schutzwirkung von Wäldern gegen Naturgefahren verringert. Bisher wurde der Götterbaum vor allem mit den Wäldern der Südschweiz in Verbindung gebracht, da er dort zunehmend in die durch Sommerdürren, Pathogene und Waldbrände gestörten Edelkastanienwälder vordringt.

Die Entfernung des Götterbaumes ist schwierig und aufwendig. Im Schweizer Wald wird seine Bekämpfung zusätzlich erschwert durch die Tatsache, dass dort der Einsatz von Herbiziden verboten ist.

Daten aus verschiedenen Quellen

Götterbaum im Tessin
Abb. 2 - In den tiefliegenden Wäldern des Tessins hat sich der Götterbaum punktuell etabliert.
Foto: Jan Wunder (WSL)
 

Eine möglichst vollständige und aktuelle Erfassung der Verbreitung des Götterbaumes bildet die Grundlage für ein gezieltes Management dieser Baumart. Mit diesem Ziel hat die Forschungsanstalt WSL im Rahmen des Projektes "Vorkommen, Ökologie und Kontrolle von Götterbäumen in der Südschweiz" umfangreiche Daten zur Verbreitung des Götterbaumes in der Schweiz zusammengetragen. Vorhandende Kartierungen von den kantonalen Forstdiensten aus der Südschweiz, Fundmeldungen von Info Flora und kantonale Daten (inklusive Fürstentum Liechtenstein) der Alpennordseite waren die Hauptdatenquellen. Zusätzlich wurden auch Daten des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI4) und eigene Beobachtungen einbezogen.

Im Tessin und im Misox werden Götterbäume seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit den Forstdiensten und der WSL Bellinzona umfassend dokumentiert. Die Stiftung "Info Flora" betreibt ein nationales Daten- und Informationszentrum für die Schweizer Flora. Neben einheimischen Arten können auch Neophyten via Internet oder Smartphone-App durch Privatpersonen erfasst werden (www.infoflora.ch). In einigen Kantonen besteht eine enge Zusammenarbeit mit Info Flora, in anderen Kantonen werden die Funde der Baumart in eigenen Neophyten-Datenbanken gespeichert.

Götterbäume in den Wäldern nördlich der Alpen

Erwartungsgemäss liegen die meisten Schweizer Götterbaumstandorte auf der Alpensüdseite, und zwar sowohl im urbanen Bereich als auch im Wald. Überraschend zahlreich sind jedoch die über 90 Fundmeldungen in den Wäldern nördlich der Alpen. Diese befinden sich in den elf Kantonen AG, BE, BL, GE, GR, JU, SG, VD, VS, ZG, ZH und im Fürstentum Liechtenstein (Abb. 3).

 
Verbreitung des Götterbaumes in der Schweiz
Abb. 3 - Verbreitung des Götterbaumes (Ailanthus altissima) in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Bäume im Wald sind mindestens 10 m vom Waldrand entfernt. Die grauen Rechtecke zeigen die beiden Zoomregionen (Abb. 4). Hintergrundkarten reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (JA100118). Stand: Mai 2015. Anklicken zum Vergrössern.
 

Die Karte zeigt deutlich, dass der Götterbaum häufig im urbanen Raum vorkommt. Er verbreitet sich vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen und Seen. Das grosse Samenangebot in vielen Schweizer Städten fördert die Ausbreitung des Götterbaumes in die wärmeren Gebiete des Mittellandes und der Föhntäler. Die Art ist hauptsächlich auf Tieflagen (bis ca. 600 m ü.M.) beschränkt, im Tessin wird der Baum jedoch schon bis in eine Höhe von 1300 m ü. M. beobachtet. Bekämpfungsaktionen, die in einigen Kantonen bereits angelaufen sind, sind in der aktuellen Karte noch nicht berücksichtigt.

 
Zoomregionen Nordwestschweiz Churer Rheintal
Abb. 4 - Die Zoomregionen Nordwestschweiz (links) sowie im Churer und Liechtensteiner Rheintal (rechts). Anklicken zum Vergrössern.
 

Helfen Sie mit, die Verbreitungskarte weiter zu verfeinern

Der Götterbaum beschädigt Bauten und Infrastruktur
Abb. 5 - Der Götterbaum beschädigt Bauten und Infrastruktur. In jungen Stadien kann er leicht mit der Esche verwechselt werden.
Foto: Daniela Gurtner (WSL)

Für die schweizweite Kartierung des Götterbaumes wurden verschiedene Datenquellen in einer räumlichen Datenbank zusammengeführt. Jedoch sind die zur Verfügung stehenden Angaben nach wie vor unvollständig, da viele Daten noch nicht überprüft werden konnten und die Götterbäume in vielen Regionen noch nicht konsequent erfasst werden. Aktuell laufen entsprechende Erhebungen im Tessin und nördlich der Alpen.

Eine weitere Verbesserung der Datengrundlage wird es ermöglichen, die potenzielle Verbreitung der Art zu modellieren, sowohl unter heutigem Klima als auch für zukünftige Klimaszenarien.

Götterbaumbeobachtungen – bitte melden

Eine möglichst aktuelle und komplette Karte mit den Vorkommen des Götterbaumes bildet die Grundlage für ein gezieltes Management der Art. Zur Verfeinerung und Verbesserung der Karte ist auch Ihre Mithilfe gefragt.

Bitte melden Sie Ihre Beobachtungen mit Koordinaten und Kurzbeschrieb (falls möglich) an daniela.gurtner(at)wsl.ch oder verwenden Sie die Erfassungsmöglichkeiten auf der Website von Info Flora.

Herzlichen Dank!

 

Ausbau der Götterbaum-Forschung an der WSL

Anfang 2015 startete an der Eidg. Forschungsanstalt WSL ein Projekt, mit dem die Grundlagenforschung zur Ökologie und Langzeitdynamik von Götterbaumbeständen ausgebaut werden soll – einerseits durch dendroökologische und ökophysiologische Untersuchungen im Tessin, andererseits durch die Sammlung von Felddaten im Götterbaum-Herkunftsland China.

Das Projekt ist ein Modul des ALIEN-Projekts, einer vom Schweizerischen und vom Französischen Nationalfonds geförderten Kooperation zwischen der HAFL Zollikofen, der WSL Birmensdorf, der Universität Bern und dem IRSTEA Grenoble. ALIEN umfasst auch Feldexperimente und Modellierungen zur mechanischen Stabilität von Götterbäumen, die es erlauben sollen, die Schutzwirksamkeit von Götterbaumbeständen abzuschätzen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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