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Dr. Ralf Petercord

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Waldschutz
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Waldschutzrisiko der Fichte

Zahlreiche Insekten und Pilze können Schäden an der Fichte verursachen. Sie ist unsere Baumart mit dem höchsten Waldschutzrisiko. In Folge des Klimawandels wird sich die Situation weiter verschärfen.

Sturmschaden
Abb. 1: Sturmschäden, wie hier nach Kyrill 2007, sind immer wieder Ausgangspunkte von Borkenkäfermassenvermehrungen (Foto: T. Immler).

Die Fichte ist aus Sicht des Waldschutzes die kritischste Baumart in Mitteleuropa. Trotz eine Schadholzanteils von etwa 50 Prozent im langjährigen Durchschnitt konnte mit der Fichte in der Vergangenheit erfolgreich Waldwirtschaft betrieben werden. Zukünftig werden in Folge des Klimawandels Sturmereignisse (Abb. 1) und Trockenperioden häufiger auftreten, höhere Temperaturen führen gleichzeitig zu einer kürzeren Entwicklungsdauer der Borkenkäferarten und damit zu mehr Generationen pro Jahr.

Inhalt:

  • Schäden durch Insekten
    • Buchdrucker und Kupferstecher
    • Furchenflügeliger Fichtenborkenkäfer
    • Gestreifter Nadelnutzholzborkenkäfer
    • Großer Brauner Rüsselkäfer
    • Nonne
    • Fichtengespinstblattwespe

Schäden durch Insekten

Buchdrucker mit Bohrmehl auf Rinde
Abb. 2: Buchdrucker bohren sich zur Brutanlage ein; dabei entsteht das typische "schnupftabak-ähnliche" braune Bohrmehl (Foto: G. Lobinger).
 
Einbohrstellen Kupferstecher
Abb. 3: Der Kupferstecher bevorzugt die dünnrindigen Stammteile von Jungfichten bzw. Kronen oder Äste von Altfichten (Foto: G. Lobinger)

Zwar kommt an der Fichte eine hohe Zahl an Arten vor, aber nur wenige davon verursachen gravierende, bestandsbedrohende Schäden. Allerdings können künftig auch weitere Schadinsekten an Bedeutung gewinnen.

39 Borkenkäferarten nutzen als Rinden-, Holz- oder Wurzelbrüter die Fichte als Wirtspflanze. Borkenkäfer sind grundsätzlich Sekundärschädlinge, benötigen in der Regel also eine Vorschädigung oder Schwächung ihrer Wirtspflanze. Allerdings sind Buchdrucker und Kupferstecher befähigt, bei ausreichend hoher Populations- und daher hoher Angriffsdichte auch vitale Bäume erfolgreich zu befallen. Das macht die beiden Arten zu den gefährlichsten Schadinsekten der Fichte.

Der 4,2-5,5 Millimeter große Buchdrucker (Ips typographus) bohrt sich in die dickrindigen Stammteile von Baum- und Althölzern ein (Abb. 2). Der 1,8-2 Millimeter große Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) verursacht Stehendbefall an Jungfichten (Abb. 3) und befällt den dünnrindigen Kronenraum von Altfichten. Die Larven entwickeln sich unter der Rinde im Kambialbereich in einem charakteristischen Brutbild aus Mutter- und Larvengängen (Abb. 4 und Abb. 5) – je nach Witterung in 6-10 Wochen. Beide Borkenkäferarten haben ein enormes Vermehrungspotenzial: Unter den gegenwärtigen Klimabedingungen können Sie je nach Witterungsverlauf 2-3 Generationen im Jahr anlegen. Hinzu kommen mehrere Geschwisterbruten.

Aktuell tritt der Furchenflügelige Fichtenborkenkäfer (Pityophthorus pityographus) vermehrt auf. Der 1-1,5 Millimeter große Käfer durchläuft allerdings nur zwei Generationen pro Jahr mit Flugzeiten im Mai und Juli/August; Geschwisterbruten sind möglich. Seiner Größe entsprechend kann er die dünnrindigsten Pflanzen befallen und ist daher als Kulturschädling waldschutzrelevant, insbesondere in Trockenphasen.

Brutbild Nadelnutzholzbohrer
Abb. 6: Ein Ambrosia-Nährpilz dient den Larven als Nahrung, er färbt das Brutbild des Nadelnutzholz-bohrers schwarz (Foto: S. Kinelski, Bugwood.org).

Holzbrütende Borkenkäfer können an lagerndem Holz erhebliche technische Schäden verursachen. Der Gestreifte Nadelnutzholzborkenkäfer (Trypodendron lineatum) benötigt eine verringerte Holzfeuchte, um in seinen Brutsystemen seinen Ambrosia-Nährpilz erfolgreich zu kultivieren (Abb. 6). Stehendbefall ist in ausgesprochenen Trockenperioden möglich und damit künftig wahrscheinlicher. Die Art zählt zu den Frühschwärmern, Befall kann bereits Ende März beobachtet werden. Pro Jahr wird eine Generation durchlaufen – es gibt allerdings Hinweise auf eine mögliche zweite Generation – aber Geschwisterbruten sind ausgeschlossen.

Großer Brauner Rüsselkäfer
Abb. 7: Der Große Braune Rüsselkäfer gehört zu den gefährlichsten Kulturschädlingen der Fichte (Foto: G. Csoka, Bugwood.org).
 
Fraß des Großen Braunen Rüsselkäfers
Abb. 8: Typischer pockennarbiger Fraß des Großen Braunen Rüsselkäfers am Wurzelhals einer jungen Fichte; verlaufen die Fraßstellen stammumfassend (Ringelung), stirbt die Pflanze ab (Foto: G. Csoka, Bugwood.org).

Der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) ist nach wie vor eine der größten Gefahren bei der Kulturbegründung mit Nadelholz (Abb. 7). Er befällt neben der Fichte auch Douglasien, Lärchen und Tannen. Der Käfer fliegt in der gesamten Vegetationszeit mit zwei größeren Aktivitätsphasen: nach der Überwinterung Ende April/Anfang Mai und wenn sich die ersten Jungkäfer am Brutgeschäft beteiligen Ende Juli/Anfang August. Für seine Vermehrung benötigt er frische (bis zu zwei Jahre alte) Nadelholzstöcke. Er ernährt sich durch Rindenfraß an Altbäumen im Kronenraum, plätzeweise an Stamm und Ästen und bei Jungpflanzen an den Stämmchen, vorzugsweise am Wurzelhals (Abb. 8). Daher sind räumlich eng beieinanderliegende frische Nadelholzstöcke und junge Kulturpflanzen optimal für den Aufbau lokaler Massenvermehrungen.

Einer der bedeutendsten forstlichen Großschädlinge ist die Nonne (Lymantria monacha); sie tritt überall in Bayern an Fichte und Kiefer auf. Zu Massenvermehrungen neigt sie im Flach- und Hügelland (bis etwa 800 m ü. NN), vor allem in Gebieten mit Jahresniederschlägen von 400 bis 700 Millimetern. Die Raupen der Nonne fressen sowohl an Nadeln als auch an Laub, als Hauptschädling ist sie aber vor allem in großflächigen Fichten- und Kiefernbeständen zu finden. Die Nonne ist ein Schädling, der innerhalb von zwei Jahren aus der Latenz in die Massenvermehrung übergeht. In Fichtenbeständen reicht oftmals schon ein einmaliger Kahlfraß, um bereits zum Absterben der Bestände im ersten Jahr zu führen. Die Eiraupen schlüpfen im April, die Larvenentwicklung dauert bis Juli und umfasst 5-6 Stadien. Die Larven fressen zunächst die Knospen und Mainadeln, dann zunehmend verschwenderisch auch ältere Nadeln bzw. verursachen Löcherfraß an Blättern (Blatt- und Nadelreste am Boden). Mitte Mai bis Anfang Juni verpuppt sich die Nonne, nach etwa 20 Tagen schlüpfen die Falter im Juli/August. Die Falter fliegen zur Eiablage bis in den September hinein; die unter Rindenschuppen abgelegten Eier überwintern.

Gespinstsack
Abb. 9: Die Larven der Fichtengespinstblattwespe bilden im Lauf ihres Fraßes sogenannte Gespinstsäcke, die gegen Ende der Larvenentwicklung durch Kot- und Nadelreste braun gefärbt sind (Foto: M. Zubrik, Bugwood.org).

Gradationen der Fichtengespinstblattwespe (Cephalcia abietis) entstehend meist in 60- bis 120-jährigen Reinbeständen in Höhenlagen von 600 bis 1.000 m ü. NN, seltener im Flachland. Bei Kahlfraß auch an den Maitrieben kann es zum Absterben der Fichten kommen, ansonsten entstehen vornehmlich Zuwachsverluste. Dabei erhöht sich jedoch die Anfälligkeit betroffener Fichten gegenüber Borkenkäferbefall erheblich. Die Wespen schwärmen hauptsächlich Mitte Mai bis Mitte Juni bei sonnigem Wetter. Die Weibchen legen in der Krone 4-12 Eier ringsum an den Altnadeln ab aus denen je nach Temperatur nach 2-4 Wochen die Larven schlüpfen. Der Fraß erfolgt von der oberen Krone abwärts bevorzugt auf der Sonnenseite und dauert 6-8 Wochen. Die abgebissenen Nadeln werden in den Gespinsten verzehrt, in denen sich zunehmend Kot und Nadelreste sammeln (Abb. 9). Im August/September lassen sich die Larven zu Boden fallen, graben sich 5-30 Zentimeter tief in den Mineralboden ein und überliegen dort ein bis drei Jahre.

Schäden durch Pilze

An der Fichte sind Schäden durch pilzliche Schaderreger bisher deutlich weniger auffällig als solche durch Insekten, dennoch gibt es einige erwähnenswerte Krankheitsbilder.

In Europa sind mindestens neun verschiedene Hallimasch-Arten beschrieben, die anhand Ihrer Fruchtkörper grundsätzlich aber schwierig und unsicher zu unterscheiden sind. Die Gattung Hallimasch (Armillaria) gibt es weltweit, die Arten ernähren sich in erster Linie saprophytisch von abgestorbenen Holzteilen im Boden. Sie nehmen damit eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf des Ökosystems Wald ein. Allerdings können Hallimasch-Arten in eine parasitische Lebensform wechseln, wenn sich dem Pilz durch eine vorangegangene Schwächung seiner potenziellen Wirtspflanze die Gelegenheit dazu bietet. Den Befall begünstigen beispielsweise Trockenstress, Staunässe, Wurzelverletzungen, Frost, Pflanzschock, Insekten- und (Blatt)Pilzbefall, Licht- und Nährstoffmangel oder Schadstoffimmissionen.

Hallimasch
Abb. 10: Hallimasch als Weißfäuleerreger; typisch ist das weiße, fächerartige Myzel unter der Rinde (Foto: R. Petercord).

Die Infektion erfolgt über Sporen bei großflächigen Wunden oder als Wurzelinfektion über spezielle Ausbreitungsorgane, die Rhizomorphen. Bei Stockinfektionen können über die Wurzelverwachsungen oder durch Bodenrhizomorphe lebende Bäume infiziert werden; dann gibt es auch weiße, flächenartige Myzelmatten (Abb. 10). Sie befinden sich im Kambiumbereich befallender Bäume, töten dieses sukzessive ab und dringen von hier aus als Weißfäule in den Holzkörper ein. Bei der saprophytischen Form handelt es sich um ein schnurförmiges Myzel, das von einer braun-schwarzen rindenähnlichen Struktur umgeben ist; das flächenartige Myzel wird also nur in der parasitischen Form im lebenden Baum gebildet. Gelingt es dem Baum nicht, den Befall im Kambiumbereich abzuwehren, kann der Hallimasch innerhalb weniger Wochen den Ringschluss herstellen und den Baum dann sehr schnell abtöten. Kernfäulen können sich dagegen über Jahre hin entwickeln; im Querschnitt markieren dann schwarze Demarkationslinien die Verbreitung des Pilzes.

Die Rotfäule der Fichte kann durch verschiedene Pilzarten ausgelöst werden, wichtigster Erreger ist der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum). Er verursacht typischerweise eine Wurzelfäule, die zu einer aufsteigenden Weißfäule im Kernholz führt und eine massive Entwertung des Erdstammstücks bedeutet. Die parasitische Lebensweise in den Wurzeln stellt den Gegensatz zur saprophytische Lebensweise des Stammbefalls dar. Die Ausweitung im Stammholz ist daher anhängig von der Baumart; neben der Fichte werden auch Kiefer, Lärche und Douglasie befallen.

Die Infektion erfolgt nahezu ausschließlich über die Wurzel; teils über die Sporen, die mit dem Regen eingewaschen werden und auf der Wurzel keimen (Primärbefall), teils über Wurzelkontakte mit befallenen Bäumen. Auch Stöcke sind noch etwa vier Wochen nach der Fällung fängisch für die Sporen des Wurzelschwamms. Das Maximum der Sporenproduktion wird im Frühherbst erreicht, Fällungen zu diesem Zeitpunkt erhöhen das Befallsrisiko erheblich. Darüber hinaus begünstigen Verletzungen an den Wurzeln bzw. Wurzelanläufen oder Bodenverdichtung die Infektion.

Neben den wurzelbürdigen Stammfäulen gibt es auch Wundfäulen, die über Rindenverletzungen in den Stamm eindringen. Ursächlich sind Verletzungen, die während der Holzernte oder durch Rotwildschäle entstehen. Ein typischer Verursacher an der Fichte ist der Blutende Schichtpilz (Stereum sanguinolentum).

Das Sirococcus-Triebsterben wird durch den Pilz Sirococcus conigenus ausgelöst. Er befällt die jeweils jüngsten Triebe, die sich charakteristisch krümmen und ihre Nadeln verlieren. Häufig bleibt an der Triebspitze ein Büschel verbraunter, zum Infektionszeitpunkt noch nicht vollständig ausgebildeter Nadeln als „Fahne“ hängen. Die Krone wird bei mehrjährigem Befall immer schütterer und verlichtet von außen nach innen. Die nahezu bayernweit verbreitete Krankheit hat ihren Befallsschwerpunkt auf den nährstoffarmen Standorten der ostbayerischen Mittelgebirge. Denn ursächlich sind Ernährungsstörungen, vorrangig Magnesiummangel und ein unausgewogenes Magnesium/Stickstoff-Verhältnis in den Nadeln. Zudem begünstigen schattige und luftfeuchte Lagen den Befall. Die Infektion erfolgt in den Frühsommer- und Sommermonaten. Setzt sich der Befall fort, kommt es zu einem chronischen Befallsgeschehen, das letztlich im Absterben der betroffenen Fichten mündet.

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