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Dr. Thomas Kirisits

Universität für Bodenkultur 
Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz
Department für Wald- und Bodenwissenschaften
Universität für Bodenkultur
Hasenauerstraße 38, 1190 Wien

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Artikel

Autor(en): Thomas Kirisits (Boku)
Redaktion: BFW, Österreich
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Die Petrakia-Blattbräune des Bergahorns

Schäden an Blättern von Laubbäumen können auf eine Vielzahl von Schadursachen zurückgeführt werden wie beispielsweise auf Infektionskrankheiten durch Pilze, auf abiotische Faktoren (z. B.: Frost, Trockenheit, Luftverunreinigungen, Nährstoffmangel, Streusalz) oder saugende Insekten oder Milben. Andererseits kann bei Krankheitssymptomen an Blättern der Ort der primären Schädigung ganz woanders liegen, beispielsweise im Wurzelbereich, am Trieb oder Ast. Von den einheimischen Laubbäumen sind vor allem die Ahorn-Arten von einer großen Anzahl von Blattkrankheiten betroffen (Brandenburger 1985, Butin 1996).

Als anamorphe Pilze werden jene Pilze bezeichnet, von denen man kein geschlechtliches (sexuelles) Stadium kennt. Deren Klassifizierung erfolgt aufgrund der morphologischen Merkmale der asexuellen Stadien. Mit Hilfe genetischer Methoden kann man heute die meisten anamorphen Pilze den Ascomyceten zuordnen.

Eine Blattkrankheit des Bergahorns, verursacht von Petrakia echinata

Mitte September 2003 sind in Watschig in der Nähe von Hermagor (Südkärnten) entlang der Gail und in benachbarten Waldbeständen auffällige Symptome einer Blattkrankheit an jüngeren und älteren Exemplaren des Bergahorns (Acer pseudoplatanus) aufgetreten.

Bei manchen Bäumen war der Großteil der Blätter braun verfärbt, bei stark erkrankten Bäumen der Blattfall bereits weit fortgeschritten. Auffälligstes Symptom waren sehr große, bräunlich gefärbte, nekrotische Flecken (Abbildung 1).

Abbildung 1: Symptome der Petrakia-Blattbräune an Bergahorn Abbildung 2: Asexuelle Fruktifikationen (Sporodochien) von Petrakia echinata
Abbildung 1: Symptome der Petrakia-Blattbräune an Bergahorn: Blatt mit mehreren großen, graubraunen Flecken, die großteils ineinander laufen Abbildung 2: Asexuelle Fruktifikationen (Sporodochien) von Petrakia echinata auf der Blattoberseite eines Bergahorn-Blattes

Als Erreger dieser auffälligen Blattkrankheit wurde der anamorphe Pilz Petrakia echinata identifiziert. Er wurde von dem berühmten österreichischen Mykologen Franz Petrak (1886-1973) entdeckt und von Paul Sydow zu Ehren Petraks als neue Art beschrieben (Petrak 1968). Überraschenderweise sind in den deutschsprachigen Standardwerken der Forstpathologie (Hartmann et al. 1995, Butin 1996, Butin et al. 2003) keine Hinweise auf diesen Erreger und die von ihm verursachte Krankheit zu finden. Beschreibungen des Pilzes und der Krankheit finden sich bei Brandenburger (1985), Lang (2003) und bei Ellis (1971).

Auffallend große, bräunlich gefärbte Flecken

Petrakia echinata verursacht bis rund 6 cm große, beiderseits sichtbare, graubraune bis dunkelbraune Blattflecken (Abbildung 1). Sie sind rundlich, elliptisch oder unregelmäßig geformt und treten locker zerstreut oder unregelmäßig, mitunter auch vereinzelt auf der Blattspreite auf. Häufig sind konzentrische Linien in den Flecken erkennbar, die wahrscheinlich durch die sukzessive zentrifugale Ausbreitung des Erregers im Verlauf der Infektion zustande kommen. Auf stark befallenen Blättern sind oft mehrere Flecken ineinander geflossen, wodurch es zum Absterben großer Teile des Blattes oder des ganzen Blattes kommt. Starker Befall führt zu vorzeitigem Laubfall. Dadurch entsteht der Eindruck, dass betroffene Bäume durch die Krankheit stark geschädigt werden.

Eine eindeutige Diagnose ist aufgrund der charakteristischen ungeschlechtlichen Fruktifikationen (Sporodochien, Abbildung 2) und der Konidiosporen von Petrakia echinata möglich. Diese entwickeln sich oberflächlich innerhalb der Blattflecken und kommen ausschließlich auf der Blattoberseite vor. Junge Fruktifikationen, die vorwiegend am Rand der Blattflecken auftreten, sind mit der Lupe oder im Auflichtmikroskop als winzige, weiße Punkte zu erkennen, später sind sie braun bis schwarz gefärbt.

Die Konidien (= ungeschlechtlich gebildete Sporen) variieren stark in Form (rundlich oder eiförmig, länglich keulig oder elliptisch) und Größe, sie sind braun gefärbt, mauerförmig septiert und mit zwei bis fünf (sechs), farblosen, geraden Fortsätzen versehen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Konidiosporen von Petrakia echinata
Abbildung 3: Konidiosporen von Petrakia echinata

Petrakia echinata wurde bisher fast ausschließlich an Bergahorn gefunden, vermutlich ist der Pilz auf diese Baumart spezialisiert. Obwohl Petrakia echinata sehr auffällige Schadbilder und vorzeitigen Blattfall verursachen kann, werden befallene Bäume anscheinend nicht nennenswert geschädigt. Nach Lang (2003) tritt die Krankheit erst relativ spät in der Vegetationsperiode auf und ist deshalb relativ harmlos.

So wie bei anderen parasitischen Mikropilzen an Blättern wird ein epidemisches Auftreten von Petrakia echinata vermutlich durch feucht-kühle oder feucht-warme Frühjahrs- und Sommerwitterung gefördert. Zur Bekämpfung der Krankheit liegen keine Erfahrungen vor, zumeist werden Pflanzenschutzmaßnahmen auch nicht erforderlich sein. Sofern Petrakia echinata im Stadtbereich oder in Gärten auftreten sollte (bisher fehlen aber diesbezügliche Beobachtungen), ist die Entfernung des Laubes im Herbst vermutlich eine wirksame Vorbeugungsmaßnahme, um einer Neuinfektion im nächsten Frühjahr vorzubeugen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Durch die großen Blattflecken unterscheidet sich die von Petrakia echinata verursachte Krankheit deutlich von vielen anderen Blattkrankheiten des Bergahorns (Brandenburger 1985, Butin 1996). Verwechslungsgefahr besteht allerdings mit der Pleuroceras-Blattbräune, die von Pleuroceras pseudoplatani (Synonym: Ophiognomonia pseudoplatani, Nebenfruchtform: Asteroma pseudoplatani) verursacht wird und ebenfalls nur an Bergahorn auftritt (Butin 1996). Auch die Pleuroceras-Blattbräune ist durch große, braune Blattflecken gekennzeichnet: Die Flecken werden anfangs allerdings von einem diffusen, fingerartig sich auflösenden Rand begrenzt.

Innerhalb der Flecken entwickeln sich auf der Blattunterseite schwärzliche Nekrosen an den Blattadern. Später werden die Blattflecken bräunlich-grau und die fingerartig geformten Ränder verschwinden. Aufgrund der ähnlichen Symptome können die beiden Blattkrankheiten in diesem Stadium leicht verwechselt werden. Zur Unterscheidung achte man auf die kleinen, recht unscheinbaren ungeschlechtlichen Fruktifikationen (Acervuli ) von Asteroma pseudoplatani, die blattunterseits auf den schwärzlich verfärbten Adern ausgebildet werden. Die geschlechtlichen Stadien (Perithecien von Pleuroceras pseudoplatani) entwickeln sich erst über den Winter und können im Frühjahr an befallenen, am Boden liegenden Blättern beobachtet werden.

Petrakia-Blattbräune des Bergahorns

Da in der Literatur kein deutscher Name für die von Petrakia echinata verursachte Blattkrankheit ausfindig gemacht werden konnte, wird vorgeschlagen, sie zukünftig als "Petrakia-Blattbräune des Bergahorns" (Englisch: "Petrakia leaf blotch of sycamore maple") zu bezeichnen.

Beobachtungen bitte melden

Hinweise auf das Vorkommen der Petrakia-Blattbräune des Bergahorns in verschiedenen Teilen Österreichs nimmt der Autor gerne entgegen.

Danksagung
Ich danke Frau Mag. Susanne Mottinger-Kroupa für die Anfertigung der Fotos und die Durchführung der Sporenmessungen.

Originalartikel

Die Petrakia-Blattbräune des Bergahorns (inkl. Literaturangaben)