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Artikel

Autor(en): Vivanne Dubach, Sophie Stroheker, Valentin Queloz
Redaktion: WSL, Schweiz
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Suche nach gesunden Eschen und Ulmen

Das Ulmensterben wurde in den 70er Jahren erstmals in der Schweiz festgestellt, das Eschentriebsterben knapp 40 Jahre später. Diese beiden durch Pilzerreger verursachten Krankheiten haben eines gemeinsam: sie gefährden eine wichtige Laubbaumart. Wissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL suchten mittels einer Umfrage gesund aussehende Eschen und Ulmen, um anschliessend deren Resistenz gegenüber diesen Krankheiten beurteilen zu lassen.

Seit bald 50 Jahren dezimiert das Ulmensterben die Ulmen in der Schweiz. Noch sind alte, dicke Ulmen nicht ganz verschwunden. Einzelne Exemplare haben überlebt und möglicherweise gibt es resistente Bäume. Das Gleiche gilt für die Esche. Internationale Studien zeigen, dass bis zu 10% der Eschen tolerant oder resistent gegenüber dem Eschentriebsterben sein könnten.

 
Eine scheinbar gesunde Esche steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem erkrankten Baum
Abb. 1 - Eine scheinbar gesunde Esche steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem erkrankten Baum (Kanton Thurgau).
Foto: Walter Ackermann

 

Um die aktuelle Situation bezüglich Ulmensterben und Eschentriebsterben besser abschätzen zu können, suchten die Experten von Waldschutz Schweiz (WSL) 2016 und 2017 mittels einer Umfrage bei Förstern und Interessenten nach gesunden Eschen und Ulmen. Insgesamt wurden 397 scheinbar tolerante Eschen und 768 gesunde Ulmen gemeldet.

Esche

Von den 397 scheinbar toleranten Eschenindividuen stammen 353 aus Gebieten, auf welche die Umfrage fokussierte (Abb. 2). Diese konzentrierte sich auf Regionen, in denen das Eschentriebsterben bereits lange genug präsent war, damit sich allfällige Toleranzen deutlich zeigen konnten. Aus den übrigen Regionen (Kantone Genf, Waadt, Wallis und Tessin, sowie Südbünden) gab es 44 Meldungen.

 
Gemeldete Eschen mit potentieller Toleranz 2016–2017
Abb. 2 - Gemeldete Eschen mit potentieller Toleranz 2016–2017, sowie Anteile der BHD Klassen. Dargestellt werden Standorte aus dem Umfragegebiet (ohne GE, TI, VS, VD, Süd-GR), für die Koordinaten vorhanden waren (334 von 353). Bäume der BHD Klasse 1 wurden gemeldet, waren jedoch nicht Teil der Umfrage. Die Klasse k.A. beinhaltet Standorte, für die Koordinaten, jedoch kein BHD angegeben wurden.
 

Die Anzahl durch die Umfrage bekannt gewordener Bäume erlaubt es, weiterführende Untersuchungen in der Schweiz anzustreben. 2018 haben Spezialisten einer Ingenieur-Firma so viele Bäume wie möglich vor Ort kontrolliert (insgesamt 284 von 353), denn die Symptome des Eschentriebsterbens sind manchmal nur schwer festzustellen, beispielsweise kranke Äste versteckt in der Krone oder Nekrosen am Stammfuss. Die beauftragte Firma hat dabei nicht nur den Gesundheitszustand der Baumindividuen überprüft, sondern auch wichtige Umweltparameter erhoben. Die Spezialisten haben jeweils 20 benachbarte Eschen begutachtet und auf ihren Gesundheitszustand hin eingeschätzt. Dazu wurden auch Standortparameter wie beispielsweise die Bodenvegetation oder der Waldtyp erfasst.

All diese Informationen sind für eine detaillierte Suche nach möglichen Toleranzen nützlich. Sie erlauben es, eine Auswahl der vielversprechendsten Eschen für künftige Massnahmen und weitere Forschung auszuwählen. Primär gilt es nun, die ausgewählten Eschen langfristig zu erhalten, um diese weiter analysieren zu können und in Bezug auf den Erhalt der Art genügend Individuen für einen möglichen Wiederaufbau der Eschenpopulationen zu haben.

Die Esche ist ökologisch und wirtschaftlich eine sehr wichtige Baumart. Um sie langfristig zu erhalten, haben sich Bund, Kantone und Forschung auf eine Strategie geeinigt und 5 strategische Stossrichtungen definiert:

  1. Quarantäne (Verhinderung neuer Einschleppungen)
  2. Resistenz (Förderung toleranter Eschen in der Natur)
  3. Ersatz (Prüfung von Ersatzbaumarten)
  4. Kontrolle (biologische Kontrollmöglichkeiten)
  5. Monitoring

Ulmen

Eine vergleichbar starke Reduktion des Baumbestandes, wie es zurzeit jenem der Esche widerfährt, trat bei Schweizer Ulmen bereits in den 1970er-Jahren auf. Damals war der Ulmenbestand aufgrund der Ulmenwelke zusammengebrochen. Die Mitarbeiter des Landesforstinventars schätzen, dass es noch 1’982'000 Ulmen in der Schweiz gibt.

Um von der Eschen-Umfrage bestmöglich zu profitieren, fragte Waldschutz Schweiz gleichzeitig nach gesunden Ulmen über 20 cm Brusthöhendurchmesser (BHD). Insgesamt wurden 768 Ulmen gemeldet (Abb. 3), also bedeutend mehr als Eschen. Ein Grund dafür könnte sein, dass gesunde, erwachsene Ulmen zwar seltener sind, deren Präsenz aber deshalb vielleicht einprägsamer.

 
Gemeldete Ulmen mit potentieller Toleranz 2016–2017
Abb. 3 - Gemeldete Ulmen 2016–2017, sowie Anteile der BHD Klassen. Dargestellt werden Standorte aus dem Umfragegebiet, für die Koordinaten vorhanden waren (758 von 768). Gemeldet werden sollten gesunde Ulmen ab einem BHD von 20 cm. Die Klasse k.A. beinhaltet Standorte, für die zwar Koordinaten angegeben wurden, jedoch kein BHD.
 

Ein Blick auf die BHD-Klassen der gemeldeten Bäume zeigt, dass mehr junge Ulmen der Klasse 20-30 cm gemeldet wurden als Eschen. Dies liegt an der Art der Krankheit, mit welcher die beiden Baumarten kämpfen. Da die Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus und S. multistriatus) als Vektoren der Ulmenwelke bevorzugt Bäume ab einem gewissen Alter beziehungsweise ab einer bestimmten Dicke befallen, hat die Ulmenverjüngung bessere Chancen aufzukommen. Bei der Esche werden bereits junge Bäume vom Triebsterben befallen.

Die Dominanz der Klasse über 50 cm BHD kann bei der Esche einerseits mit der höheren Widerstandskraft älterer, gut etablierter Baumindividuen erklärt werden. Andererseits sind grosse Kronen besser sichtbar. Dies ist wohl auch bei den Ulmen der Hauptgrund dafür, dass die BHD-Klasse über 50 cm den grössten Anteil hat.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es trotz des starken Populationszusammenbruchs noch gesunde Ulmen in der Schweiz gibt. Der Infektionsdruck der Ulmenwelke ist limitiert, weil die Ulmensplintkäfer als Verbreitungsvektoren nicht allzu mobil sind. Eine solche Begrenzung gibt es beim Eschentriebsterben nicht, denn dort verbreiten sich die Pilzsporen frei mit dem Wind. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die oben beschriebenen Anstrengungen zum Erhalt der Esche beitragen können.

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