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Artikel

Autor(en): Dagmar Nierhaus-Wunderwald
Redaktion: WSL, Schweiz
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Rostpilze an Fichten

Fichtenrostpilze sind ein Teil des Ökosystems subalpiner Fichtenwälder. Obwohl die von ihnen verursachten Symptome häufig sehr auffällig sind, stellen sie kaum eine Gefahr für die Wirtsbäume dar. Ein Merkblatt der Forschungsanstalt WSL stellt die 3 einheimischen Arten vor.

Fichtennadelblasenrost
Abb. 1 - Der Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri) verursacht auffällige Symptome an Fichtennadeln. Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Fichtennadelblasenrost: Nahaufnahme
Abb. 2 - Nahaufnahme von Nadeln, die durch Chrysomyxa rhododendri befallen sind: Leere, häutige Sporenlager nach der Freisetzung von Aecidiosporen.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Rostpilze gehören zur Klasse der Ständerpilze (Basidionmycetes) und zur Ordnung der Rostpilze (Uredinales). Sie sind weltweit mit 5000 Arten vertreten. Alle Rostpilze sind auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert. Ihre Entwicklung findet selten auf einer einzigen Pflanzenart statt, meist ist der Zyklus mit einem Wechsel zwischen zwei systematisch nicht verwandten Wirtspflanzen verbunden.

Fichtenrostpilze (Chrysomyxa) leben auf Fichtenarten und oft auf Blütenpflanzen aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). In Europa gibt es 6 Fichtenrostpilz-Arten. Davon kommt die Hälfte in der Schweiz vor:

  • Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri)

    Der häufigste Rostpilz der Schweiz ist der Fichtennadelblasenrost. Diese Art wechselt zwischen den Wirtspflanzen Alpenrose und Fichte (Abb. 3). Auf den beiden heimischen Alpenrosenarten vermag der Pilz zu überdauern und sich zu vermehren. Die Alpenrosen sind die Überwinterungsorte des Pilzes. Der zweite Wirt ist die Fichte, wobei junge Bäume bevorzugt infiziert werden. Der Fichtennadelblasenrost ist in seiner Lebensweise nicht unbedingt auf die Fichte angewiesen. Er kommt deshalb auch ausserhalb des Verbreitungsgebietes der Fichte vor. Der Fichtennadelrost ist in den Alpen und anderen europäischen Gebirgen verbreitet. In der Schweiz findet man den Rostpilz zwischen 1000 und 2000 m. Besonders häufig ist er in den Bündner und Tessiner Alpentälern anzutreffen.

    Die Sporen des Pilzes werden im Frühling an der Blattunterseite der Alpenrosen gebildet. Der Wind verbreitet sie über weite Strecken. Chrysomyxa rhododendri befällt ausschliesslich die frischen, soeben aus den Knospen hervorbrechenden Nadeln. Nachdem sich der Rostpilz in den Nadeln ausgebreitet hat, zeigen sich die typischen Symptome: Auffallend gelb leuchtend verfärbte Nadeln. Die auf der Fichte gebildeten Sporen befallen noch im Herbst den Überwinterungs-Wirt, die Alpenrose, und tragen somit zur weiteren Verbreitung des Fichtennadelblasenrostes bei.

  • Fichtennadelrost (Chrysomyxa abietis)

    Dieser Fichtenrostpilz lebt ohne Wirtwechsel ausschliesslich auf den Nadeln der Fichte. Er befällt mit Vorliebe dicht stehende Fichten. Im Gegensatz zum Fichtennadelblasenrost kommt er in Tiefen Lagen zwischen 400 und 1100 m vor. Die ersten sichtbaren Anzeichen für eine Erkrankung sind beim Fichtennadelrost gelb-grüne, später orange-gelbe Querstreifen an den Nadeln. Häufig findet man den Pilz in Christbaumkulturen.

  • Gelber Zapfenrost (Chrysomyxa pyrolata)

    Diese Rostpilzart ist wesentlich seltener als die beiden anderen einheimischen Chrysomyxa-Vertreter. Er wechselt zwischen der Fichte und Wintergrüngewächsen (Pyrolaceae) und besiedelt ausschliesslich Zapfenschuppen (Name!). Der Gelbe Zapfenrost überwintert auf den Pyrolaceae-Arten und breitet sich offenbar unterirdisch über diese Wintergrüngewächse aus.

 
Entwicklungszyklus des Fichtennadelblasenrostes
Abb. 3 - Entwicklungszyklus des Fichtennadelblasenrostes (Chrysomyxa rhododendri): Dieser Rostpilz wechselt zwischen Fichte und Alpenrose.
 

Geringe Bedeutung für die Waldwirtschaft

Der Fichtennadelblasenrost (Chrysomyxa rhododendri) ist seit mehr als 100 Jahren im Alpenraum bekannt. Trotzdem wurde noch nie ein massenhaftes Absterben befallener Bäume dokumentiert. Der Pilz beeinträchtigt auch die Alpenrosen kaum. Der Fichtennadelrost (Chrysomyxa abietis) kann hingegen in Christbaumkulturen erhebliche Wertverluste verursachen. Der Gelbe Zapfenrost (Chrysomyxa pyrolata) mag zwar die Samenproduktion um 20-60% zu reduzieren, stellt aber trotzdem kein Problem für die Forstwirtschaft dar.

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