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Dr. Ralf Petercord

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Artikel

Autor(en): Markus Blaschke, Thomas L. Cech
Redaktion: LWF, Deutschland
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Weißkiefernsterben als Spätfolge von Trockenjahren?

Gerade in trockenen und kontinental geprägten Landschaften ist die Waldkiefer oft bestandesbildend. Erstaunlicherweise zeigt sie sich in Folge von ungewöhnlichen Trockenjahren trotzdem keineswegs immun dagegen und erleidet dann oft unerwartet große Ausfälle.

Diplodia-Triebsterben
Abb. 1: Vom Diplodia-Triebsterben betroffene Triebe einer jungen Kiefer.
 
Verblauung des Kiefernholzes
 Abb. 2: Der Erreger führt neben Schäden an den Trieben auch zu einer Verblauung des Kiefernholzes.

Die Gemeine Waldkiefer oder Weißkiefer (Pinus sylvestris) kommt oft in trockenen, kontinental getönten Wäldern bestandesbildend vor. Überraschenderweise scheint sie jedoch immer wieder in der Folge von Trockenheiten zu leiden oder stärkere Ausfälle zu zeigen. Im Hinblick auf einen Klimawandel wird ein Rückzug der Kiefer in Bayern und anderen Teilen Deutschlands prognostiziert.

Im Winter 2006 und Frühjahr 2007 wurden in Teilen Mittelfrankens und der Oberpfalz zahlreiche absterbende Altkiefern beobachtet. An den abgestorbenen Exemplaren war häufig ein massiver Befall durch den Blauen Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea) zu sehen. Ähnliche Beobachtungen lagen bereits aus Niederösterreich und Tirol beim Absterben von Weißkiefern vor. Allerdings zeigten aktuelle Probefällungen an stark vorgeschädigten oder verlichteten Bäumen, dass diese noch keinen nennenswerten Befall durch Insekten aufwiesen, während zahlreiche abgestorbene Bäume unter anderem vom Prachtkäfer befallen waren.

Seit Trockenjahr vermehrte Kiefernschäden

Das vermehrte Auftreten von Kiefernschäden hält seit dem Trockenjahr 2003 kontinuierlich an. Einige der betroffenen Regionen wiesen auch in den Folgejahren längere Trockenperioden auf. Während der Buche bereits im Jahr 2003 und der Fichte immerhin schon im Frühjahr 2004 die Auswirkungen der Trockenheit deutlich anzusehen waren, war dies bei der Kiefer zunächst noch kaum zu erkennen.

Neben dem Wassermangel führen Trockenperioden auch noch zu einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen. So akkumulieren sich beispielsweise auf Kalkverwitterungsböden die pflanzenverfügbaren Eisen- und Manganvorräte vor allem im stärker versauerten Oberboden. Eine länger anhaltende Trockenphase setzt dort die Nährstoffumsetzung und die Aufnahme durch die Pflanzen erheblich herab. Die verbleibenden Wurzeln in den unteren Bodenbereichen können den Nährstoffmangel bei der dort geringen Verfügbarkeit nicht ausgleichen. Der eintretende Eisenmangel führt zu Vergilbungen und einer Schwächung der Bäume auch im hohen Alter. Zudem setzt eine vorzeitige Nadelschütte ein und die Kiefern besitzen im Frühjahr vor dem Maiaustrieb nur noch einen vollständig erhaltenen Nadeljahrgang.

Diplodia-Triebsterbens der Kiefer immer dabei

Regelmäßiger Begleiter dieser Schäden ist der pilzliche Erreger des Diplodia-Triebsterbens der Kiefer, (Sphaeropsis sapinea; Syn. Diplodia pinea). Der Pilz ist in der Lage, jahrelang als Zersetzer von verholztem, organischen Material an der Weißkiefer sein Auskommen zu finden. Eine besondere Nische scheint er in der ersten Phase der Zersetzung von Kiefernzapfen gefunden zu haben. Neueste Ergebnisse gehen sogar davon aus, dass sich Sphaeropsis sapinea als so genannter Endophyt bereits im gesunden Gewebe etablieren kann, dort sein Auskommen findet und dann bei einer Schwächung massiv hervorbricht.

Melanisierten Diplodia-Sporen
Abb. 3: Die relativ großen und bräunlich melanisierten Sporen sind gut gegen Sonneneinstrahlung und Austrocknung geschützt.

Die Schadwirkung des Pilzes ist vielseitig: Häufig findet man ihn im Zusammenhang mit abgestorbenen Bäumen. Allerdings konnte er nach Rindenverletzungen durch Hagel auch häufiger als Besiedler des Kambiums beobachtet werden. Dort führte der Pilz in kurzer Zeit zu einem so massiven Rindenbrand, dass sich die Kiefernkronen innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten verfärbten und anschließend die Bäume abstarben. Dabei wurde auch deutlich, dass der Pilz das Holz von der Bastschicht aus besiedelte und zu einer ausgeprägten Holzbläue führte.

Auffälliges Mikromerkmal des Pilzes sind die relativ großen, melanisierten und damit im Durchlicht bräunlich erscheinenden Sporen, die eine Länge von bis zu 36 µm und eine Breite von 17 µm erreichen. Die Sporen dürften durch die Melanisierung relativ gut vor Austrocknung und Sonneneinstrahlung geschützt sein und aufgrund der Größe eine bessere Ausgangsbasis bei der Keimung besitzen. Dies könnte auch erklären, warum dieser Pilz durch Trockenphasen begünstigt wird und sich auch in sonst eher pilzfeindlichen Regionen wie in Marroko etablieren kann. Anfangs sind die Sporen noch einzellig, später in aller Regel zweizellig. Der Pilz ist weltweit verbreitet und wird auch regelmäßig als Schädling angesprochen.

Für Vorschädigungen verantwortlich

Auch wenn Sphaeropsis sapinea bei Weißkiefer-Altbäumen nicht unmittelbar zum Tod führt, kann er als einer der wesentlichen Vorschädigungen betrachtet werden, die schließlich in ihrer Gesamtheit zum Absterben der Bäume führen.

Markus Blaschke
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)
Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd
Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1
D-85354 Freising
Tel.: +49-8161-71 4930
Fax: +49-8161-71 4971
E-Mail: Markus.Blaschke@lwf.bayern.de

Thomas L. Cech
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Institut für Waldschutz
Seckendorff-Gudent-Weg 8
A-1131 Wien
Tel.: +43-1-87838 1147
E-Mail: thomas.cech@bfw.gv.at

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