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Alois Zollner

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Biodiversität,
Naturschutz, Jagd
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Telefax: +49 (8161) / 4591 - 900

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 1 Kommentar
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Weiterentwicklung des Forstlichen Gutachtens

Aufnahme zum Forstlichen Gutachten
Abb. 0: Inventuraufnahmen zum Forstlichen Gutachten (Foto: F. Etschmann)
 
beteiligte Landkreise
 
Landkreise im Verfahrenstest
Abb. 1: In den Verfahrenstest wurden insgesamt 17 Landkreise eingebunden.

Wald und Jagd sind untrennbar miteinander verbunden. Allerdings gehen die Interessen von Waldbesitzern, Waldbewirtschaftern und Jägern in verschiedenen Punkten auseinander. Das kann zu Konflikten führen, vor allem wenn es um die Frage waldverträglicher Wildbestände geht. Das "Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung", das in Bayern im Jahr 1986 eingeführt wurde, soll diesen Konflikten entgegenwirken.

Die Gutachten haben maßgeblich dazu beigetragen, die Abschussplanung objektiver zu gestalten. Seitdem konnte vielerorts eine deutliche Verbesserung in der Waldverjüngungssituation festgestellt werden. Aber um das gemeinsame Ziel zukunftsfähiger, gemischter und stabiler Wälder zu erreichen, gibt es in vielen Bereichen dennoch Handlungsbedarf.

Weiterentwicklung des Verfahrens

Eine wissenschaftliche Expertise hat dem bisherigen Verfahren eine hohe Aussagekraft zur Beurteilung der Verjüngungssituation bestätigt. Diese beinhaltete auch Vorschläge, wie das Forstliche Gutachten weiterentwickelt werden könnte. Daraufhin hat die Forstverwaltung mit den betroffenen Verbänden (Bayerischer Bauernverband, Bayerischer Jagdverband, Bayerischer Waldbesitzerverband, Verband der Bayerischen Grundbesitzer) Gespräche geführt, die im Jahr 2009 in ausgewählten Landkreisen zu einem Verfahrenstest geführt haben. Mit dem Test sollte das bewährte Instrument "Forstliches Gutachten" in seiner Aussagekraft weiter gestärkt und die Akzeptanz verbessert werden.

Ablauf des Verfahrenstests

Der komplette Verfahrenstest (Stufe 1) wurde – zusätzlich zum Regelverfahren – in sieben Landkreisen durchgeführt (Abb. 1). Dabei kamen vier Testkomponenten zum Einsatz:

  • gemischtes logistisches Modell: damit wurden die mittleren Verbisswahrscheinlichkeiten der Baumarten inklusive der dazugehörigen Vertrauensintervalle berechnet
  • geostatistisches Verfahren: sollte unabhängig von den Hegegemeinschaftsgrenzen Verbissschwerpunkte kartenmäßig darstellen
  • Erfassung seltener Mischbaumarten: zur Vergrößerung der Datenbasis dieser Baumarten
  • (Jagd-) Revierweise Aussagen: sollten den Zustand der Waldverjüngung innerhalb der Hegegemeinschaften differenzierter darstellen

Die beiden Komponenten "gemischtes logistisches Modell" und "Geostatistik" wurden zusätzlich in zehn weiteren Landkreisen getestet (Stufe 2), die nicht in das wissenschaftliche Begleitprojekt einbezogen wurden.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung führte die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) unter anderem eine Akzeptanzanalyse durch. Dazu wurden die beteiligten Personengruppen in zwei Teilabschnitten befragt:

erste Phase:

  • im November 2009
  • befragt wurden die Gutachtenersteller und die Mitarbeiter der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die mit der Verjüngungsinventur befasst waren
  • geprüft wurde, ob die Erweiterung aus Sicht der Beteiligten das Forstliche Gutachten verbessert hat und künftig in das Regelverfahren integriert werden sollte

zweite Phase:

befragte Beteiligte
  • im Mai/ Juni 2010
  • befragt wurden alle an der Rehwild-Abschussplanung 2010/13 Beteiligten
  • geprüft wurde, ob die Ergebnisse der Erweiterung mit den jeweiligen persönlichen Erfahrungen übereinstimmen und das Forstliche Gutachten aus Sicht der beteiligten verbessern könnten; gefragt wurde auch, ob die Erweiterungen Einfluss auf die neue Abschussplanung hatten

Einzelne Testkomponenten unterschiedlich bewertet

Gemischtes logistisches Modell
Ein Großteil der Befragten kannte die neue Komponente kaum bzw. konnte sie nicht eindeutig bewerten. Das alternative Berechnungsverfahren wurde insgesamt als komplex und schwer nachvollziehbar empfunden.

Nur von wenigen Beteiligten wurde den Verbisswahrscheinlichkeiten des Modells eine höhere Aussagekraft bescheinigt. Insbesondere die Gutachter verneinten einen Informationsmehrgewinn, weshalb das Modell auch nur in wenigen Fällen zur Erstellung der Gutachten herangezogen wurde. Auch bei Betrachtung der Zeitreihen ergaben sich keine grundlegend neuen Erkenntnisse.

Fazit ist, dass sich für die Praktiker vor Ort kaum zusätzlich verwertbare Informationen durch die Testkomponente ergaben. Der Nutzen für die Praxis wurde von den Beteiligten als insgesamt gering eingeschätzt.

Geostatistik
Für die am Verfahrenstest beteiligten Landkreise wurden Karten erstellt, die die Verbisswahrscheinlichkeit für jede Baumart bzw. Baumartengruppe darstellen. Die Darstellung wurde von vielen Beteiligten als komplex und schwer interpretierbar empfunden. Der Nutzen für eine differenzierte Erstellung der Gutachten wurde als gering bewertet.

Gezielte Erfassung seltener Mischbaumarten
Im Verfahrenstest konnten nur in 23 Prozent der Probekreise tatsächlich mehr seltene Mischbaumarten als im Regelverfahren erfasst werden. Der Mehrgewinn war sehr gering. Eine genauere Schätzung der Verbisswahrscheinlichkeit bei seltenen Mischbaumarten konnte ebenfalls nicht bestätigt werden.

Das Urteil der befragten Beteiligten über diese Komponente war überwiegend negativ, die Akzeptanz entsprechend gering. Für die Mehrheit führte die Erfassung seltener Mischbaumarten zu keiner genaueren Ermittlung der Verbisssituation, aber zu einem erheblich höheren Erhebungsaufwand.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Erfassung seltener Mischbaumarten nicht dazu geeignet ist, einen namhaften Mehrgewinn von Informationen zu generieren. Der Zeitaufwand von etwa sechs bis acht Stunden pro Hegegemeinschaft ist dagegen vergleichsweise hoch. Somit muss der Praxisnutzen insgesamt als gering bewertet werden.

gesetzliche Grundlagen
 
Revierweise Aussagen
Abb. 2: Mittlere Abweichung (%) der neuen Soll-Abschüsse gegenüber den Ist-Abschüssen der letzten Planperiode für Jagdreviere mit günstiger, tragbarer, zu hoher bzw. deutlich zu hoher Verbissbelastung. In die Gegenüberstellungen sind Daten aus knapp 1.300 Jagdrevieren eingeflossen. Je günstiger die Situation der Waldverjüngung in den "Revierweisen Aussagen" bewertet wurde, desto stärker wurde i.d.R. der Abschuss für das jeweilige Revier angehoben.

Revierweise Aussagen
Die Revierweisen Aussagen ergänzen das Hegegemeinschaftsgutachten und sind gutachtliche Feststellungen, die im Wesentlichen auf den örtlichen Erfahrungen der jeweils zuständigen Forstbeamten beruhen. Die Verjüngungssituation in den einzelnen Jagdrevieren wird unter Berücksichtigung des Schalenwildeinflusses forstfachlich gewürdigt. Maßstab dieser Bewertung sind Kriterien des Bayerischen Jagdgesetztes (BayJG) und des Waldgesetztes für Bayern (BayWaldG) (vgl. Kasten).

Im Gegensatz zu den anderen Testkomponenten wurden die Revierweisen Aussagen seitens der Befragten insgesamt positiv bewertet. Die Mehrheit war der Meinung, dass die Revierweisen Aussagen den Zustand der Waldverjüngung innerhalb der Hegegemeinschaften differenzierter darstellen können als das Regelverfahren. Allerdings ist die Akzeptanz bei den Jagdpächtern und Hegegemeinschaftsleitern deutlich geringer ausgeprägt als bei den übrigen befragten Personengruppen. Als Ursache dafür wurde insbesondere fehlende Transparenz bei der Erstellung der Aussagen genannt. Dennoch befürwortet die deutliche Mehrheit der Befragten die Einführung der neuen Verfahrenskomponente.

Die Auswertungen zeigen, dass die Revierweisen Aussagen in der neuen Abschussplanung tatsächlich berücksichtigt wurden und zu einer differenzierteren Erstellung der Abschusspläne beigetragen haben. Abbildung 2 zeigt den deutlichen Zusammenhang zwischen der Wertung der Verbissbelastung der Revierweisen Aussagen und der Änderung der Abschusspläne gegenüber der vorherigen Planperiode. Der zeitliche Aufwand ist mit durchschnittlich drei Stunden je Jagdrevier bei der erstmaligen Durchführung vertretbar.

Fazit: größter Praxisnutzen bei den "Revierweisen Aussagen"

Durch die Evaluation des Verfahrenstests konnten Akzeptanz und Praxistauglichkeit der einzelnen Testkomponenten bewertet werden. Praktikabilität und Nutzen der Komponenten wurden von den befragten Beteiligten sehr unterschiedlich bewertet. "Gemischtes logistisches Modell", "Geostatistik" und "Erfassung seltener Mischbaumarten" wurden überwiegend negativ beurteilt. Dagegen fiel das Urteil über die "Revierweisen Aussagen" positiv aus. Von ihnen ist der größte Praxisnutzen zu erwarten.

Anmerkung der Redaktion: Als Ergebnis aus diesem Verfahrenstest werden seit den Aufnahmen im Jahr 2012 in den roten Hegegemeinschaften (Verbiss zu hoch oder deutlich zu hoch) für alle Jagdreviere und auf Antrag auch für die Jagdreviere in den grünen Hegegemeinschaften (Verbiss günstig oder tragbar) ergänzende Revierweise Aussagen von den Beamten der Bayerischen Forstverwaltung im Zuge des Forstlichen Gutachtens erstellt.

Originalartikel

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