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Valentin Queloz

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Waldschutz Schweiz
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 23 88
Fax: +41 44 739 22 15

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Artikel

Autor(en): Valentin Queloz et al.
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldschutz-Überblick 2018

Fachleute der Forschungsanstalt WSL erstellen in Zusammenarbeit mit den kantonalen Forstdiensten jährlich den Waldschutz-Überblick, eine Zusammenfassung der aktuellen Gefährdungen des Waldes in der Schweiz.

  • Prägender Faktor des Jahres 2018 war das Wetter: Stürme, Trockenheit und Hitzeperioden hatten zahlreiche Auswirkungen auf den Wald.
  • Die Menge des vom Buchdrucker (Ips typographus) befallenen Fichtenholzes hat sich 2018 verdoppelt, lokal wurde gar eine dritte Käfergeneration angelegt. Auch andere Borkenkäferarten wie der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) und der Krummzähnige Weisstannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens) profitierten vom Hitzesommer. In den Kantonen Wallis und Graubünden kam es verbreitet zu deutlich sichtbarem Frass durch den Grauen Lärchenwickler (Zeiraphera griseana), dies im Rahmen der seit Jahrhunderten zu beobachtenden, natürlichen Zyklen.
 
Buchdruckerbefall 2018 in der Schweiz im Bezug zum Fichtenvorrat
Abb. 1 - Buchdruckerbefall 2018 in der Schweiz im Bezug zum Fichtenvorrat. Anklicken zum Vergrössern.
 
  • Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) entlaubte einzelne Buchsbestände im Wald vollständig (Abb. 2). Die Hoffnung, dass sich ein Gleichgewicht zwischen Zünsler und natürlichen Feinden einstellt, hat sich mit diesen massiven Befällen zerschlagen.
  • Der Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in Marly (Kanton Freiburg) gilt nach einem aufwendigen Monitoring mit speziell geschulten Baumpflegern und Spürhundeteams seit Ende 2018 als "getilgt". Der Laubholzbock-Befall in Berikon (Kanton Aargau) könnte, falls es auch 2019 keine Käferfunde mehr gibt, Ende 2019 ebenfalls ausgemerzt sein.
   
Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler  
Abb. 2 - Kahlfrass durch den Buchsbaumzünsler.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)
 
   
  • Aufgrund der Trockenheit gingen die Befälle mit Föhrennadelkrankheiten insgesamt zurück. Allerdings kam es insbesondere in der zweiten Jahreshälfte verbreitet zu einer starken physiologischen Nadelschütte, im Zuge derer auch befallenen Nadeln abgeworfen wurden. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Bäume durch den aufgrund der trockenen Bedingungen nachlassenden Krankheitsdruck profitiert haben oder ob sie durch den Trockenstress noch anfälliger auf diese Krankheiten geworden sind.
  • Lophodermella-Arten werden nur selten beobachtet und wahrscheinlich oft nicht korrekt unterschieden. Die Arten L. sulcigena und L. conjuncta werden in der diesjährigen Ausgabe des Waldschutz-Überblicks vorgestellt (Download siehe unten).
  • An Hagebuche wurde 2017 erstmals der Pilz Anthostoma decipiens entdeckt (Abb. 3), der mit dem "Hagebuchen- Sterben" in Zusammenhang gebracht wird. Eine Untersuchung legt nun die Vermutung nahe, dass der Pilz in der Schweiz häufig in natürlichen Waldbeständen vorkommt. Ebenfalls an Hagebuche wurde 2018 ein Pilz entdeckt, der nah mit dem Erreger des Kastanienrindenkrebses (Cryphonectria parasitica) verwandt ist. Sein exakter Name und seine Pathogenität bei Hagebuchen werden zurzeit untersucht.
  • Schleimflusssymptome an Bäumen sind keine Seltenheit. Neben einem Befall mit Phytophthora gibt es verschiedene andere Ursachen dafür. Es handelt sich oft um Komplexkrankheiten, an denen mehrere Organismen sowie abiotische Faktoren beteiligt sind.
   
Orange-rote Pusteln als typische Symptome von Anthostoma decipiens an Hagebuche  
Abb. 3 - Orange-rote Pusteln als typische Symptome von Anthostoma decipiens an Hagebuche.
Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

 
   
  • Die Belastung des Waldes durch Wildschäden hat auch 2018 in vielen Gebieten weiter zugenommen. Für eine schlüssige Beurteilung der Beeinträchtigung des Waldes sind mehrjährige Verbissaufnahmen nötig, die Zahlen eines einzelnen Jahres reichen nicht aus. Einmal gewählte Kontrollgrössen sollten beibehalten, und die Messungen regelmässig auf Ebene Wildraum wiederholt werden.
 
 

Rückblick auf die vergangenen beiden Ausgaben

2017

Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Grauer Lärchenwickler (Zeiraphera griseana)
Foto: Beat Wermelinger (WSL)
 
Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda)
Charakteristische Frassspuren der Zickzack-Ulmenblattwespe an einem Bergulmenblatt.
Foto: Doris Hölling (WSL)
  • Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ist 2017 wieder angestiegen und betrug insgesamt 320'000 m3. Zwar gibt es weiterhin Gebiete mit wenig Käferbefall, gesamtschweizerisch darf aber nicht mehr von einer beruhigten Situation gesprochen werden. Durch die verbreiteten Sturmschäden vom Januar 2018 entstand zudem viel frisches Brutmaterial.
  • In den Kantonen Wallis und Graubünden hat im Sommer 2017 eine neue Massenvermehrung des Grauen Lärchenwicklers (Zeiraphera griseana) begonnen. Im Sommer 2018 hat der Befall weiter zugenommen.
  • Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist auf dem Rückzug. Nach der erfolgreichen Tilgung in Winterthur 2016 gilt auch der Befall in Brünisried (FR) seit Februar 2018 als getilgt.
  • Die ursprünglich aus Ostasien stammende Zickzack-Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda) ist eine invasive Pflanzenwespe, die sich seit 2003 in Europa ausbreitet. 2017 wurde sie zum ersten Mal auch in der Schweiz entdeckt.
  • 2016/17 führte "Waldschutz Schweiz" eine Umfrage durch, um Eschen zu finden, die gegen das Eschentriebsterben tolerant sind. Auf diesen krankheitstoleranten Eschen ruhen die Hoffnungen für den Erhalt der Baumart. Gesamtschweizerisch wurden 367 tolerante Eschen gemeldet.
  • Ein bisher unauffälliger Pilz kann Probleme an der Hagebuche verursachen. Anthostoma decipiens ist schon lange bekannt und normalerweise nicht aggressiv. 50 befallene, absterbende Hagebuchen in einem Park in der Stadt Genf wurden vorsorglich entfernt.
  • Die Verursacher der Rotbandkrankheit (RBK) und der Braunfleckenkrankheit (BFK) befallen Föhren und gelten als Quarantäneorganismen. Ein umfassendes Monitoring von 2016 zeigt, dass die RBK häufiger und weiter verbreitet ist. Häufigkeit und geografische Verbreitung unterscheiden sich allerdings regional stark. Föhren im Wald sind häufiger befallen als angenommen. Betroffen sind vor allem Wald- und Bergföhren, wobei 2017 auch infizierte Fichten (Picea abies) im Wald entdeckt wurden. Weitere Schadbilder der Föhre wurden durch Diplodia pinea und die physiologische Schütte verursacht. Das Föhrentriebsterben hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen.
  • Seit mehreren Jahren wird in der Schweiz eine neue Blattfleckenkrankheit an der Rotbuche beobachtet. Verursacher ist der Pilz Pseudodidymella fagi. Bisher scheint dieser Pilz keine grösseren Schäden zu verursachen. Schleimfluss und Rindennekrosen an Buchen können durch Phytophthora-Befall verursacht werden.
   
  Pseudodidymella fagi

Von Pseudodidymella fagi verursachte schwarze Blattflecken mit weissen "Mycopappi" auf Rotbuche.
Foto: Waldschutz Schweiz
   
  • Erstmals wurden 2017 in der Schweiz pathogene Bakterien auf erkrankten Traubeneichen (Quercus petrea) nachgewiesen. Die Symptome waren dem Befallsbild von Phythophthora ähnlich. Die Bakterien Gibsiella quercinecans, Brenneria goodwinii und Rhanella victoriana, welche Wissenschaftler als Verursacher identifizierten, werden mit dem akuten Eichensterben in Zusammenhang gebracht. Alle betroffenen Eichen wurden vorsorglich entfernt.
  • In den Wäldern zwischen Langnau am Albis und der Albispasshöhe wurden im vergangenen Sommer teilweise verheerende Schälschäden an Eiben festgestellt. Automatische Wildkameras zeigten, dass sich bis zu vier männliche Hirsche an den Bäumen gütlich taten. Sie schälten die Eiben im Sommer, sowohl am Morgen als auch mitten am Tag. Sommerschälungen der Eibe sind ein neues Phänomen für die Schweiz. Generell ist die Beanspruchung der Verjüngung durch Wild tendenziell am Zunehmen.

 
 

2016

Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun
Vom Spätfrost geschädigtes Buchenlaub verfärbte sich braun. Anklicken zum Vergrössern.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Ein Kaltlufteinbruch Ende April sowie die regional anhaltende Trockenheit und die Hitze im Spätsommer hinterliessen 2016 ihre Spuren im Wald. Im Frühling erlitt das frisch austreibende Buchenlaub vielerorts Spätfrostschäden und verfärbte sich braun. Die regional ausgeprägte Trockenheit im Sommer führte wiederum zu Blattverfärbungen am Laubholz und dürfte für das erneute, lokal auffällige Absterben von Föhrenbeständen im Wallis verantwortlich sein.

Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ging von 250'000 m3 im Jahr 2015 auf 220'000 m3 im Jahr 2016 nur leicht zurück. Während der Befall im Mittelland und Jura gegenüber dem Vorjahr rückläufig war, nahm er in den Alpentälern des Tessins und Teilen Graubündens stark zu. Auch der Befall durch den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) war, wie schon 2015, gegenüber den Jahren davor leicht bis mässig erhöht. Bei den meisten anderen einheimischen Forstinsekten blieb die Situation relativ ruhig.

   
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016  
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1997–2016. Anklicken zum Vergrössern.
 
   

Bei den eingewanderten, bzw. eingeschleppten Insekten können für einmal positive Ereignisse und Entwicklungen vermerkt werden. Der im Jahr 2012 in Winterthur (Kanton Zürich) entdeckte grosse Befallsherd des Asiatischen Laubholzbockkäfers ALB (Anoplophora glabripennis) gilt nach 4 befallsfreien Jahren nun als getilgt. Die Edelkastanienbestände auf der Alpensüdseite haben sich vom Befall durch die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) erholt. Die eingewanderte parasitische Schlupfwespe Torymus sinensis scheint die Populationen der Gallwespe in Schach halten zu können.

Das durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursachte Eschentriebsterben ist seit 2015 in der ganzen Schweiz verbreitet. In den zwei Sommern 2015 und 2016 haben die Neuinfektionen von frischen Eschenblättern jedoch etwas abgenommen. Die Bedingungen für die Sporenbildung durch den Pilz dürften in diesen trockenen Sommern ungünstiger gewesen sein als in anderen Jahren. Bei den Pilzkrankheiten gab es 2016 neue Erkentnisse und Entdeckungen für die Schweiz: Als Verursacher von krebsartigen Wunden an den Stämmen in einem Bergahorn-Stangenholz konnte der Pilz Botryosphaeria dothidea festgestellt werden. Dieser ist zwar in Nordamerika für Schäden an Ahornarten, in Europa hingegen bisher nur für Schäden am Mammutbaum bekannt. 2016 wurde erstmals in der Schweiz der Pilz Delphinella abietis gefunden, Verursacher einer Nadelbräune der Weisstanne.

Dass viele nicht einheimische Baumarten besonders stark vom Wild angegangen werden, zeigen die Erfahrungen in Versuchsaufforstungen der WSL mit fremden und einheimischen Baumarten in Hochlagen.

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