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Originalartikel: Kohlpaintner, M.; Göttlein, A. (2014): SicALP – Standortssicherung im Kalkalpin. LWF aktuell 99, S. 32 – 33.
Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Online-Version: Stand: 15.10.2014
Redaktion: LWF, D

SicALP – Standortssicherung im Kalkalpin

Carbonat-Bergmischwald: Wie verkraften die Baumarten den Klimawandel? Können nach Störungen die wichtigen Ökosystemfunktionen erhalten werden? Welche Wiederbewaldungstrategien sind erfolgsversprechend? Antworten liefert ein INTERREG-Projekt.

Projektkonzeption SicALP
Abb. 1: Projektkonzeption von SicALP

Das Projekt SicALP beschäftigte sich damit, wie die Bergwälder der nördlichen Kalkalpen auf Klimaextreme und Katastrophenereignisse reagieren und wie ihre vielfältigen Schutzfunktionen langfristig gesichert werden können. Der Fokus lag dabei auf den besonders empfindlichen flachgründigen, südexponierten Kalk- und Dolomitstandorten.

In Altbeständen wurden der Stoffhaushalt und die Reaktion der verschiedenen Baumarten auf Klimaextreme der Vergangenheit (Jahrringanalysen) erforscht, um daraus die Reaktion der Arten auf den fortschreitenden Klimawandel abzuleiten. Auf Katastrophenflächen wurden die Humus- und Nährstoffdynamik sowie der Wiederbewaldungserfolg untersucht, um die Rahmenbedingungen für eine Wiederherstellung der Schutzfunktionen festzustellen. Dazu wurden verschiedene Wiederbewaldungsstrategien getestet und Daten zu Wachstum und Ernährung der Kunst- und Naturverjüngung erhoben (Abb. 1).

Antworten auf vier Fragen

Bei dem Projekt wurden Antworten auf vier zentrale Fragen gesucht:

Handlungsempfehlungen

blanker Fels
Abb. 2: Bei Katastrophenereignissen im Kalkalpin wird oft der blanke Fels freigelegt (Foto: M. Kohlpaintner).

Beste Vorsorgestrategie für südseitige Carbonat-Bergmischwälder ist es, eine gemischte Vorausverjüngung rechtzeitig einzuleiten und zu fördern, um gestufte und stabile Bestände zu etablieren. Bei Pflanzungen sollten alle Bergmischwaldbaumarten, besonders aber Pionierbaumarten inklusive Lärche und Kiefer, berücksichtigt werden. Zielbaumarten sind die Baumarten des Bergmischwaldes. Diese sind vital und können klimatische Extremereignisse gut verkraften. Wichtig für die Stabilität ist ein breites Baumartenspektrum einschließlich Vorwaldbaumarten am Standort zu etablieren. Auch in den höheren Lagen sollten Tanne und Buche verstärkt am Bestandsaufbau beteiligt werden.

Humuspflege ist auf kalkalpinen Standorten eine bisher viel zu wenig beachtete Daueraufgabe. Kronenmaterial und Schlagabraum sollten zur Humuspflege flächig im Bestand belassen werden. Nach Katastrophenereignissen sind anfängliche Nährstoffverluste unvermeidlich. Sie können reduziert werden, indem ebenfalls Schlagabraum und möglichst viel Totholz auf der Fläche verbleiben, sofern das aus Waldschutz- und Verkehrssicherungsgründen vertretbar ist. Zusätzlich werden dadurch günstige Kleinstandorte für die natürliche und künstliche Verjüngung geschaffen.

Da es in der Regel Jahrzehnte dauert, bis die neue Waldgeneration Schutzfunktionen übernehmen kann, sind in dieser Zeit temporäre Schutzmaßnahmen sowohl verbauungstechnischer Art als auch zur Sicherung der Verjüngung (Zäunung, Wildbestandsregulierung) von großer Bedeutung.

Originalartikel

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