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Artikel

Autor(en): Ruedi Zuber (GWG)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Kompetenz im Gebirgswald

25 Jahre Schweizerische Gebirgswaldpflegegruppe GWG

In den letzten 25 Jahren entwickelte sich die Schweizerische Gebirgswaldpflegegruppe (GWG) mit internationaler Beteiligung von einer Dialog-Plattform zu einem eigentlichen Kompetenznetz für Fragen der Gebirgswaldpflege.

GWG-Sommertagung
Abb. 1 - Erfahrungsaustausch und Weiterbildung im Wald sind die Hauptziele der GWG-Sommertagungen.
Foto: Raphael Schwitter
 
Schutzwald
Abb. 2 - Als Schutzwald bezeichnet man Bergwald oberhalb von Dörfern, Straßen und Schienen in Berggebieten, der Talbewohnern Schutz vor Steinschlag, Erdrutschungen und Lawinen bietet.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Die Mitglieder der GWG bringen eigene Erfah­rungen ein, profitieren vom Gespräch mit den Kollegen an konkreten Übungsbei­spielen im Wald und sind in der Lage, das Gelernte im eigenen Umfeld weiterzugeben, beziehungsweise im praktischen Alltag umzusetzen. Verschiedene Mitglie­der werden als Experten für die Mitwir­kung in Arbeitsgruppen angefragt. Für das Bundesamt für Umwelt (BAFU), den Schweizerischen Forstverein (SFV) wie auch für die forst­lichen Ausbildungsstätten gehört es bei­nahe zur Selbstverständlichkeit, dass die GWG in Fragen des Gebirgswaldes mit­macht oder bei Vernehmlassungen ihre Meinung äussert. Auch im angrenzenden Ausland nimmt man die Aktivitäten der GWG gerne als Vorbild und pflegt regel­mässige Kontakte.

Die Schweizerische Gebirgswaldpflegegruppe ist aus einem Bedürfnis von Praxis, Lehre und Forschung entstanden. Namentlich die Gebirgsförster, allen voran Leo Lienert, damaliger Kantonsoberförster von Obwalden, Ernst Zeller als Direktor der Försterschule Maienfeld, Ernst Ott als Dozent für Gebirgswaldbau an der ETHZ und Nicolin Bischoff als Leiter des Gebirgswaldpflegeprojektes (GWP 1) haben auf die Defizite hingewiesen. Die Aufgabenstellung hat sich die GWG bei ihrer Gründung am 19. September 1984 weitgehend selber auferlegt:

  • Erfahrungsaustausch unter den Ge­birgswaldbauern
  • direkte Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis
  • sammeln von Beobachtungen, Anregungen und Ideen
  • einleiten eines Lernprozesses
  • Schaffung von Lernobjekten/Dauerbeobachtungsflächen
  •  “Hilfe zur Selbsthilfe“
  • Öffentlichkeitsarbeit

In der Zwischenzeit kamen aufgrund der forstpolitischen Entwicklung und der neueren Bedürfnisse weitere Themen hinzu. Die heutigen Zielsetzungen finden sich im Kurzporträt der GWG.

Eigentliches “Kerngeschäft“ der GWG sind die alljährlichen Sommerveranstal­tungen mit Übungsobjekten im Gebirgs­wald, durchgeführt in verschiedenen Kantonen mit Gebirgswald, im Fürsten­tum Liechtenstein, im Vorarlberg, in Bayern und in Savoyen. Im Anschluss daran haben Kurse für einen erweiterten Interessentenkreis stattgefunden. Zudem widmet sich die Wintertagung jeweils einem aktuellen Thema.

Was ist die Gebirgswaldpflegegruppe GWG?

Die Schweizerische Gebirgswaldpflegegruppe (GWG) ist ein Zusammenschluss von Gebirgswald-Fachleuten. Darin vertreten sind die Forstdienste aller Alpen-und Voralpenkantone, der SBB und des Fürstentums Liechtenstein, der Bayerischen Staatsforsten, der Landesforstdienste von Vorarlberg und Tirol, des BAFU, der ETHZ, der SHL, der Bildungszentren Wald Maienfeld und Lyss, der Fachstelle Gebirgswaldpflege, der WSL, der Cemagref, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie Fachleute aus Forstbetrieben und der Privatwirtschaft. Ihr Ziel ist die nachhaltige Pflege und Bewirtschaftung der Gebirgswälder, unter Berücksichtigung der Interessen unserer Gesellschaft.

weitere Informationen

Wegleitung NaiS

Platz für Naturverjüngung
Abb. 3 - Wie gross müssen Öffnungen für Naturver­jüngungen mindestens sein, wie gross dür­fen sie im Schutzwald maximal sein?
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Verbiss an Weisstanne
Abb. 4 - Das Thema Wald-Wild ist ein vorrangiges Anliegen des GWG. Insbesondere bei der Verjüngung der Weisstanne besteht Handlungsbedarf.
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
Totholz auch im Schutzwald?
Abb. 5 - Wie viel Holz kann, darf, soll im Schutz­wald liegen bleiben?
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Steinschlag
Abb. 6 - Waldwirkungen und Steinschlag.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 
Rutschung
Abb. 7 - Wie soll der Wald zum Schutz vor Rutschungen und Erosionen aussehen?
Foto: Ulrich Wasem (WSL)
 

Das grösste Engagement der GWG in den vergan­genen 15 Jahren liegt eindeutig bei der Entstehung der Wegleitung Nachhaltig­keit und Erfolgskontrolle im Schutzwald (NaiS) und deren Umsetzung in der forstlichen Praxis. Das BAFU als Auftraggeber liess dieses wichtige Hilfsmittel durch Mitglieder der GWG erarbeiten. Die ganze Gruppe hat die Richtung von NaiS bestimmt und dank ihrer Verankerung in Praxis, Lehre und Forschung ein Werk hervorgebracht, das in allen Kantonen mit Gebirgswald heute zum Standard gehört. Damit erhält die Wegleitung NaiS einen ähnlichen Stellenwert wie etwa die Empfehlungen des SIA (SIA-Normen), auf welche sich Experten zum Beispiel bei rechtlichen Auseinandersetzungen ab­stützen.

Das BAFU hat NaiS als eine Grundlage für die subventionierten Pro­jekte erklärt, womit diese ebenfalls Weisungscharakter haben. NaiS wird aber auch über die Landesgrenzen hinaus sehr beachtet und als Standard aner­kannt. NaiS stellt eine Weiterentwicklung der Ergebnisse des Projektes "Minimale Pflegemassnahmen für Wälder mit Schutz­funktion", einem Zusatzprojekt zum Walderhebungsprogramm von WSL und Eidgenössischer Forstdirektion, dar. Auch dort hat die GWG intensiv mitgewirkt und unter anderem die Wegleitung anlässlich verschiedener Sommertagungen erprobt.

Dauerbrenner Wald-Wild

Die GWG hat sich zu zahlreichen Gebirgswaldthemen geäussert und im Rahmen von Vernehmlassungen oft poin­tierte Stellungnahmen abgegeben. Daneben hat sie selber auf Missstände und ungünstige Rahmenbedingungen hinge­wiesen und dadurch nicht nur Diskussio­nen in Fachkreisen, bei Behörden, Amts­stellen, Politikern und Forschungsstellen ausgelöst, sondern auch Denkprozesse eingeleitet.

Ein besonders brisantes Thema ist die Wald-Wild-Frage. Dazu hat die GWG ein eher kritisches Arbeitspapier verfasst, welches namentlich bei den kantonalen Jagddiensten nicht überall auf Gegen­liebe gestossen ist und zum Teil heftige Auseinandersetzungen ausgelöst hat. Damit konnte da und dort auch der not­wendige politische Druck gemacht wer­den. Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Wald-Wild des Schweizerischen Forstvereins war der GWG in den vergan­genen Jahren ein besonderes Anliegen.

Wenn auch das Thema Wald-Wild bei der GWG in den letzten Jahren ein wenig in den Hintergrund getreten ist, bleibt es nach wie vor ein latentes und vorrangiges Anliegen. Insbesondere bei der Verjüngung der Weisstanne sind noch keine allgemein erkennbaren Erfolge zu ver­zeichnen.

Weitere wichtige Themen

Die GWG hat unmittelbar nach den ver­heerenden Schäden durch den Sturm "Vivian" Emp­fehlungen zum Räumen und Liegenlassen von Sturmholz herausgegeben. Damit gab sie den Anstoss für die Entscheidungshilfe bei Sturmschäden im Wald.

Lehre und Forschung zur Förderung der Erkenntnisse über den Gebirgswald und die Gebirgswaldpflege und deren Weitergabe sind seit je Grundanliegen der GWG. Deshalb hat sich die Gebirgswaldpflegegruppe sehr engagiert im Zusammenhang mit der Reorganisation der Ausbildung der Forstingenieure an der ETHZ, insbesondere bei der Beibehaltung des Unterrichtes in Gebirgswaldbau, aber auch bei der Ge­staltung des Studienplanes an der Fach­hochschule in Zollikofen. Zudem hat sie sich für die Schaffung der Fachstelle Gebirgswaldpflege mit Sitz am Bildungs­zentrum Wald in Maienfeld stark gemacht.

Wenn auch in der Forschung und Lehre andere Entscheidungsmechanismen be­stehen, hat doch die GWG verschiedent­lich auf Forschungsprogramme Einfluss nehmen können, so beispielsweise bei Langzeitbeobachtungen nach den Sturmereignissen "Vivian" und "Lothar" oder bei der Untersuchung von Naturgefahren und deren Auswirkungen auf den Schutz­wald. Im Weiteren hat sich die GWG mit den Themen Naturschutz im Bergwald, Waldweide, Waldreservate und Schutz­wald, Rolle des Gebirgswaldes als mög­liche Kohlenstoff-Senke, Waldbrandrisiken sowie Klimaerwärmung usw. befasst.

Die Zeitschrift "WALD und HOLZ" hat der GWG in der Rubrik "Mitteilungen aus dem Gebirgswald" einen Platz reserviert, in welchem verschiedene Berichte und Stellungnahmen veröffentlicht werden können. Daneben finden sich Beiträge im "La Forêt", in der Schweizerischen Zeit­schrift für Forstwesen, im "Bündner­wald", in der Vorarlberger "Kleinen Waldzeitung" und anderen.

Zukünftige Aufgaben

Neben der Weiterbildung der Mitglieder, der Weiterentwicklung der Kenntnisse über den Einfluss von Natur­ereignissen auf den Schutzwald, der Wildproblematik und der langfristigen Beobachtung von Schadenflächen dürften in den kommenden Jahren auch folgende Themen die Gebirgswaldpflegegruppe beschäftigen:

  • Klimawandel und dessen Auswirkun­gen auf den Gebirgswald
  • Änderung von Waldbaustrategien bei verbesserter Holzmarktlage, maximal zulässige Eingriffsstärken
  • Einfluss der Eingriffsstärken im Schutz­wald auf die Waldentwicklung und die Kosten der Holzernte
  • Optimierung und Einsatz moderner Holzerntesysteme
  • Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau, darin inbegriffen Ge­birgswälder ohne den erhöhten Stan­dard von NaiS
  • forstliche Planung und Nachhaltig­keitskontrolle

Erfreulich ist vor allem das zuneh­mende internationale Interesse am bisher Erreichten in der schweizerischen Ge­birgswaldpflege. Die GWG wird ihre Kon­takte zu den angrenzenden Ländern Fürstentum Liechtenstein, Vorarlberg, Tirol, Bayern und Savoyen weiterpflegen, bei Bedarf verstärken und auf andere Alpenländer ausweiten.

Erfreulich ist ausserdem, dass am 6. Dezember 1996 die “groupe jurassien de sylviculture“ nach dem Vorbild der GWG entstanden ist und dadurch die Leistun­gen der GWG nicht nur anerkannt, son­dern auch im Jura propagiert und weiter­entwickelt werden.

Besonders wichtig ist der GWG auch zukünftig die enge Zusammenar­beit mit den Fachleuten Naturgefahren Schweiz FAN, mit weiteren Fachgruppen und Vereinen, mit dem BAFU, der Kantonsoberförsterkonferenz, der Forstdirektorenkonferenz, dem WVS und nament­lich mit den forstlichen Ausbildungsstätten und den Forschungsstellen. Die bisherige Stärke der GWG war die Bereitschaft der Mitglieder, sich persönlich weiterzubilden und für neue Fragen und Ideen offen zu sein. Es wird auch in Zukunft eine prioritäre Aufgabe der GWG sein, diese Ideale mit der Tradition des naturnahen Wald­baus auf standortkundlicher Grundlage und den schwierigen Rahmenbedingun­gen (finanzielle Lage der Forstbetriebe, Holzmarkt, Naturgefahren usw.) in Ein­klang zu bringen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Wald und Holz. Wald und Holz

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Kontakt

  • Ruedi Zuber
  • Büro für forstliche Beratung und Planung
  • Teuchelweg 2
  • 7000 Chur
  • Tel.: +41 (0)81 353 53 77
  • E-mail: ruedi.zuber @ spin.ch

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