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Artikel

Autor(en): Monika Konnert, Wolfhard Ruetz
Redaktion: LWF, Deutschland
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Ebbe im Genpool der Douglasie

Douglasie in Bayern
Abb. 1: Die Douglasie ist eine beliebte Mischbaumart in bayerischen Wäldern, da sie ein enormes Wuchspotenzial aufweist und ihr dauerhaftes Holz vielfältig verwendet werden kann (Foto: T. Bosch).
 

Saatgutbestände der Douglasie in Bayern haben teilweise eine zu geringe genetische Diversität

Genetische Untersuchungen in bayerischen Altbeständen der Douglasie zeigen, dass zwar die für Bayern besonders geeignete Küsten- oder grüne Douglasie dominiert, aber auch die nicht geeignete Inlands- oder graue Douglasie weit verbreitet ist. Dieses Ergebnis verdeutlicht die Notwendigkeit, Saatgutbestände genetisch zu überprüfen, um die ungeeignete Inlandsrasse von der Saatguternte auszuschließen. Gleichzeitig ergaben die Untersuchungen, dass manche Saatgutbestände eine sehr geringe genetische Diversität aufweisen. Bei Aussaat und Verschulung verändern sich die genetischen Populationsstrukturen nicht.

Das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf hat sich in einem Forschungsprojekt mit genetischen Aspekten der natürlichen und künstlichen Verjüngung der Douglasie befasst. Die Mitarbeiter des ASP überprüften die Rassenzugehörigkeit von bayerischen Vorkommen und bestimmten die genetische Variation in Altbeständen, Naturverjüngung sowie Saat- und Pflanzgut. Gleichzeitig untersuchten sie, ob sich während der Anzucht von Douglasienpflanzen die genetische Zusammensetzung der Sämlingskollektive verändert und wie es um die genetische Diversität pflanzfertiger Partien bestellt ist.

Douglasie – in Bayern durchaus geschätzt

In Bayern wird die Douglasie seit über 100 Jahren angebaut. Sie ist geschätzt wegen ihrer guten waldbaulichen Eigenschaften beispielsweise Bodenpfleglichkeit, Mischbarkeit, natürliche Verjüngung, ihrem hohen Wuchspotenzial und der Holzqualität. Auf geeigneten Standorten erfüllt sie alle Bedingungen für eine ökologische Integration in das natürliche Ökosystem. Heute ist man bestrebt, den Douglasienanteil im Bayerischen Staatswald maßvoll zu erhöhen, und die Douglasie als Mischbaumart gleichberechtigt in von anderen Baumarten geprägten Beständen, einzeln- trupp- oder gruppenweise zu integrieren. Um die Douglasie erfolgreich einzubringen, ist es neben der waldbaulichen Behandlung wichtig, die richtige Herkunft zu wählen und eine möglichst breite genetische Variation zu erhalten. Die Küsten- oder grüne Douglasie ist zum Anbau in Bayern weitaus besser geeignet als die Inlandsdouglasie oder graue Douglasie. Dies zeigten viele nationale und internationale Herkunftsversuche.

In Bayern dominiert die Küstendouglasie

Mit Hilfe von Marker-Allelen (Allel = Ausprägungsvarianten eines Gens) konnten die Forscher nachweisen, dass in Bayern die Vorkommen der Küstendouglasie überwiegen, aber auch Mischvorkommen und reine Vorkommen der Inlandsdouglasie existieren. Zudem unterscheiden sich Altbestände in Bayern auch stark in ihrer genetischen Diversität. Es gibt Bestände mit sehr hoher, aber auch solche mit äußerst geringer Diversität. Möglicherweise stammte bei letzteren das Ausgangsmaterial nur von wenigen, miteinander verwandten Bäumen. Einige der ungeeigneten Vorkommen verjüngen sich bereits oder sind zur Saatguternte zugelassen.

Genetische Diversität
Abb. 2: Genetische Diversität in Altbeständen, Naturverjüngung und Saatgut bei der Douglasie (Quelle: Konnert, Ruetz, Abschlußbericht P29)

Die Untersuchungen zeigten, dass bei der natürlichen Verjüngung die genetische Information der Altbestände vollständig an die Folgegeneration weitergegeben wird. In weiten Teilen gilt dies auch für die Saatguternte. Saatgutpartien aus bayerischen Erntebeständen sind im Gegensatz zu den Saatgutpartien aus den USA, die von der EU zur Ernte zugelassen sind in ihrer genetischen Variation sehr heterogen.

Genetische Prüfung der Saatgutbestände

Erntebestände der Douglasie in Bayern sollten nur der grünen Rasse angehören und eine ausreichende genetische Diversität besitzen. In der Praxis ist es daher unbedingt notwendig, alle bayerischen Erntebestände daraufhin zu überprüfen. Dies wird zur Zeit durch das ASP gemacht. Aus allen bayerischen Erntebeständen werden Proben entnommen und daraus die genetische Variation und Rassenzugehörigkeit bestimmt. Die Ergebnisse fließen in das neu organisierte Erntezulassungsregister ein. Vor der Neuzulassung eines Bestandes sollte eine Herkunftsbestimmung durchgeführt werden, um Herkünfte der Inlandsrasse oder Mischbestände im Voraus von der Saatguternte auszuschließen.

Außerdem muss fallweise geprüft werden, ob Mischvorkommen oder Vorkommen der Inlandsdouglasie natürlich verjüngt werden sollen. Bei örtlich bewährten Beständen spricht nichts gegen eine natürliche Verjüngung, auch wenn es sich um die Inlandsdouglasie oder ein Mischvorkommen handelt.

Pflanzen-Anzucht ohne genetische Folgen

Während der Aussaat und Verschulung finden keine nennenswerten Veränderungen der genetischen Populationsstrukturen statt. Ausfälle bei der Anzucht beruhen auf Zufälligkeiten. Der kritische Punkt, an dem die Weichen für die genetische Variation im Pflanzgut der Douglasie gestellt werden, ist die Auswahl der Saatgut-Erntebestände und die Saatguternte. Man muss sicherstellen, dass

  • nur Herkünfte der Küstendouglasie beerntet werden,
  • die Ernte-Einheiten eine vergleichsweise hohe genetische Diversität aufweisen
  • genügend Bäume in Jahren mit guter Mast beerntet werden.

Dabei stellen die im Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) verlangten 20 Bäume nur die unterste Grenze dar. Die Mischung von Erntepartien innerhalb eines Herkunftsgebietes kann, muss aber nicht die genetische Variation innerhalb der Erntepartien erhöhen. Es sollte vermieden werden, nur wenige Bäume in kleinen Vorkommen und in Jahren mit geringer Fruktifikation zu beernten.

Dr. Monika Konnert leitet das Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf (ASP).

Dr. Wolfhard Ruetz war wissenschaftlicher Angestellter am ASP.

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